Kopf


Kontakt    Impressum

DEUTSCHLAND     ÖSTERREICH / SÜDTIROL     SCHWEIZ


Info-Spalte

Prediger der Woche ist Br. Jens Kusenberg, Salzburg

Mehr über den Prediger

Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

30. Sonntag im Jahreskreis
26. Oktober 2014

Gott lieben, auch im Menschen

von Jens Kusenberg, Kapuziner

Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten. Mt 22,34-40

Einer meiner Biologieprofessoren verlangte von uns ein kurzes Referat. Er meinte, dass man sehr gut lange Reden führen könne ohne etwas zu sagen, dass es aber sehr schwer sei, kurz zu sprechen und trotzdem das Wichtigste zu benennen. Zusammenfassungen haben immer die Gefahr, dass etwas fehlt. Lange Reden haben die Gefahr, dass sie ermüden und immer wieder dasselbe nochmals mit anderen Worten ausgedrückt wird.

Das Evangelium erzählt heute von einer geglückten Zusammenfassung in knappster Form. Jesus befindet sich bereits in Jerusalem. Dort kommt es zum großen Konflikt mit seinen Gegnern, den Sadduzäern und Pharisäern. Sie verwickeln Jesus immer wieder in Streitgespräche und diskutieren mit ihm. Das allein ist ja noch nicht schlimm. Jedoch die Haltung seiner Gegner: Sie wollten ihn auf die Probe stellen, obwohl er sie doch zum Schweigen gebracht hatte. Eigentlich, so könnte man meinen, gibt es nichts mehr zu reden. Trotzdem fragt ein Gesetzeslehrer: "Was ist das wichtigste Gebot?" Für die Pharisäer gab es eine ganze Reihe von Ge- und Verboten, die das Leben regelten. Diese Vorschriften lasen sie aus dem Gesetz des Moses heraus. Wenn Jesus, hierin besteht die Probe, nun eines der Gebote heraus nimmt, lässt er die anderen unter den Tisch fallen und hält sich nicht mehr an das ganze Gesetz. So die Überlegung des Gesetzeslehrers. Doch Jesus antwortet klug mit der Gottes- und Nächstenliebe als Zusammenfassung des ganzen Gesetzes und der Propheten.

Das Gebot der Gottesliebe ist das erste der Zehn Gebote. Es erinnert die Juden daran, dass Gott sie aus der Sklaverei Ägyptens befreit hat. Er ist der Ich-bin-da, der Gott, der die Treue zu seinem Volk will und es nicht verlässt. Er will die Freiheit seines Volkes in einem eigenen Land. Für solch ein großes Geschenk reagiert der Befreite mit Dankbarkeit und Liebe. Gott will immer wieder die Freiheit des Menschen. Der Mensch soll sich immer wieder daran erinnern und Gott als die Quelle der Freiheit begreifen.

Die Liebe zu Gott kann aber sehr abstrakt werden. Man kann sich einen guten Christen nennen, indem man die Gebote beachtet, seine Kirchensteuer bezahlt, man kann am Sonntag in den Gottesdienst gehen, kann seine Gebete verrichten. Aber irgendetwas fehlt. Die Gottesliebe muss sich konkret in der Liebe zum Nächsten ausdrücken. Deshalb hören wir in der ersten Lesung auch die Vorschriften, die sich auf das gesellschaftliche Miteinander beziehen. Es ist göttliches Gesetz! Gott liebt es, wenn wir den Nächsten lieben, oder zumindest gerecht zu ihn sind. Deshalb nennt Jesus das Gebot der Nächstenliebe zusammen mit dem Gebot der Gottesliebe. Das eine drückt sich konkret im Alltag im anderen aus. Und umgekehrt.

Ich lade sie ein, in den nächsten Tagen immer mal wieder den Text aus dem Buch Exodus zu lesen und sich zu überlegen, wie sie diese Vorschriften in ihren Alltag umsetzen können. Das kann einfach mal ein freundliches Wort sein, kann Interesse am Nächsten bedeuten. Wie wird die Gottesliebe in der Nächstenliebe konkret? Wenn beides zusammenkommt, dann ist das eine Zusammenfassung der ganzen Bibel, die nichts auslässt, sondern alles umfasst.

zurück

Deutsche Kapuzinerprovinz, Provinzialat: Kapuzinerstr. 34, 80469 München - Tel.:089-278 271-0