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Predigerin der Woche ist Dr. Elfriede Schießleder, Wurmannsquick


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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

11. Januar 2015
Fest der Taufe des Herrn

Und immer wieder: Neu beginnen

von Dr. Elfriede Schießleder, Pastoralreferentin

Es ist geschafft! Das alte Jahr verabschiedet sich und wir schlagen ein neues Blatt im Buch unseres Lebens auf. Diese Vorstellung hat mir immer gefallen: unserer Taten und Entwicklungen, alle Mühen und Leiden, Erfolge und Freuden sind verzeichnet. Nicht vorbei, nicht verloren, nicht vergessen. Nachvollziehbar sollte sein, worum ich kämpfte. Was ich errungen und auch, was ich einstecken musste, sollte bewahrt sein. Das Bild vom Buch schien mir dazu am besten geeignet. Neu, sauber und anfangs noch sehr "schneidig", im wahrsten Sinne des Wortes sei es. Doch im Lauf all der Jahre wird es immer weicher, abgegriffen zuletzt und mit der Fülle dieser ganzen Lebenszeit angereichert. Einige Blätter sind wohl noch zu füllen - doch im Letzten weiß niemand so genau, ob nicht auch Seiten leer bleiben.

Was geschieht 2015 auf dieser neuen Seite? Wie wird sie sich füllen? Was daran werde ich selber gestalten können, was wird mir einfach zugeteilt? Hoffentlich viel strahlendes Gelb: Sonne, Lachen, fröhliche Begegnungen. Sicher ein wenig Blau: für die Nachdenklichkeit, manche Schwermut und geteilte Trauer. Ein wenig Schwarz - das Kontur gibt und Fakten setzt; aber immer auch Abschied bedeutet, Trauer und Härte. Dann wäre da noch der Wunsch nach viel Rot, für die Liebe, das Leben in seiner ganzen Kraft, für Lust und Freude am Dasein. Muss ja nicht immer bei mir selber sein, ich mag mich auch gern von der strotzenden Lebendigkeit der Jugend anstecken lassen. Etwas Grün wär dazu noch schön. Für Wachstum und Entwicklung, ganz zart am Anfang und kraftvoll in seinem ausgewachsenen Zustand. Und: Was mir immer mehr gut tut, ist neuerdings Braun. Die Erdigkeit, das Bodenständige. Seltsam eigentlich, hielt ich es früher immer für die Sonderheit alter Leute, braun zu lieben. Das war mir in früheren Jahren nie eine Wunschfarbe. Langsam gewinne ich auch sie lieb. Nun braucht dieses Blatt noch ein wenig weiß. Nicht so viel, wie jetzt das unberührte Blatt aufweist, das strahlt und blendet. Aber ein wenig freier Raum muss schon auch bleiben. Für das Überraschende, für witzige Einfälle des Lebens, für atemloses Entzücken und tiefes Staunen. Nicht umsonst ist dies auch die Farbe der kirchlichen Festtage. Weiß, das steht für die Transzendenz Gottes, seine Größe und Erhabenheit, die alle menschliche Vorstellung übersteigt. Eine Hoheit, die all die schönen und schweren Farben, all unser Leben umfasst. Dabei aber dieses Weiß bleibt, uns im Hintergrund nie verlässt. Es ist stete Erinnerung daran, dass diese Welt eben nicht unsere letzte Heimat ist. So sehr wir sie auch lieben. So sehr sie uns auch gefällt.

Vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, warum die Kirche ausgerechnet an Neujahr das Fest der Gottesmutter Maria verankert hat: jeder Mensch ist ein in diese Welt hinein Geborener. Von einer Mutter empfangen, von ihr getragen und unter Schmerzen geboren. Ja, wir sind alle Geborene, alle Menschen, alle. Als Geborene sind wir gleich. Erst das Leben bewirkt Unterschiede. Und eint alle Kinderlosen mit dem Schmerz der alten Elisabeth - und der Zusage, dass Gott ihr Leid sieht. Es eint auch alle Mütter der Welt mit Maria. Denn zuletzt wurde Gott selber ein Geborener. Ohne Selbstbestimmung, angewiesen darauf, dass gute Menschen ihm ins Leben und beim Leben helfen. Die Hebamme, der Vater, und eine Familie. Welches Glück liegt allein schon darin, Familie zu haben! Dafür möchte ich dieses Jahr dankbar sein. Wäre dafür Gold die rechte Farbe? Nur ein paar Spritzer, etwas Glanz, erinnernd an die Göttlichkeit allen menschlichen Seins. Oder wäre das vermessen? Am Anfang schon war das Wort - wir wissen darum. Aber erst sein Kommen in diese Welt hat uns Menschen gezeigt, wie nah Gott den Menschen kommt. Das ist das Besondere des Christentums. In keiner Religion der Welt wird das kleine, armselige Leben eines Menschen so ernst genommen wie mit der Geburt Jesu. In der Schwangeren, die unter besonderen Schutz zu stellen ist: sie trägt Leben - wie Maria, die Jesu Leben getragen hat.

Josef begleitet dieses Wunder, treu und redlich. An dieser Stelle ein Hoch auf alle Männer, deren Männlichkeit es zulässt, ihre Frau als eigenständige Tochter Gottes zu sehen. Denn das bedeutet für sie zurückstehen, eigene Vorstellung kippen, zueinander halten, auch wenn es dem eigenen Willen wenig entspricht. Dazu muss Josef kein alter Mann mit Bart sein. Im Gegenteil. Wir sollten den Mut haben, ihn als kraftvollen, sorgsamen, zartfühlenden jungen Mann in die Krippe zu stellen. Wer sonst könnte dieses neue Leben, diesen Gottesohn selbst, kraftvoll und stark die ersten Seiten seines Lebensbuches gestalten helfen? Viel Rot, schon am Anfang. Nicht erst im verlorenen Blut. Viel Grün dann, angesichts der Botschaft, die der den Menschen zu bringen hat. Dazu ein wenig blau, klar. Und schwarz auch, zur Vertreibung der Händler aus dem Tempel und dann am Ölberg. Dick ist dieses Lebensbuch nicht geworden, aber reich an Wirkung.

Diese sollte tröstend sein für alle, die ihrer Einträge müde sind und des Lebens leid sind. Und jenen, die leiden, am viel zu dünnen Lebensbuch mancher ihrer Lieben. Nichts davon ist vergessen. Nichts verloren. Und deren ausgedehntes Weiß möge für den frühen Empfang stehen, den Gott genau diesem lieben Menschen bei sich bereitet hat! Wann uns das trifft, wissen wir nicht. Es liegt in seiner Hand. Ich will jedenfalls erst mal den Pinsel recht bunt halten.

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