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Predigerin der Woche ist Sr. Stefana Hörmanseder OSF,


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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

23. November 2014
34. Sonntag im Jahreskreis
Christkönigssonntag

Werke der Barmherzigkeit HEUTE leben

von Sr. Stefana Hörmanseder

Mt 25, 31-46

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jünger: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammen-gerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

"Ein bisschen Barmherzigkeit verändert die Welt, macht sie weniger kühl und gerechter", sagte Papst Franziskus bei seinem ersten Angelus-Gebet.

Barmherzigkeit - leidenschaftlich gern verwendet Papst Franziskus dieses Wort. Ist es ein Schlüsselwort in seiner Verkündigung? Ein zentraler Auftrag? Eine franziskanische Lebenshaltung? Ein Weg?

Das Evangelium, das uns am Christkönigssonntag angeboten wird, ist die große Gerichtsrede Jesu im Matthäusevangelium. Dieser Text hat von Anfang an die Christen bewegt. Er wurde als die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums gesehen. Jesus beurteilt unser Christsein an unserem Verhalten gegenüber dem Nächsten. Am Ende unseres Lebens wird es darauf ankommen, wie wir unseren Mitmenschen begegnet sind und wie wir sie behandelt haben.

Die Befreiungstheologie hat diesen Text ins Zentrum ihrer Botschaft gestellt. An der Liebe zum Nächsten vorbei führt kein Weg zu Gott.

Dieser Schrifttext öffnet die Botschaft Jesu für alle Menschen in allen Religionen.

In der franziskanischen Familie wird der erste Teil dieses Evangeliums auch am 19. November, am Fest der hl. Elisabeth von Thüringen, gelesen (Mt 25,31-40). Elisabeth, die junge Landesfürstin, gründet ihr Verhalten auf die Werke der Barmherzigkeit aus der Szene vom Weltgericht in Mt 25: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen. Diese Werke fordert Christus von seinen Jüngern. Schon die frühe Kirche hat die sechs Werke der Barmherzigkeit um das siebte Werk, die Bestattung der Toten, erweitert. Im Mittelalter wurden den 7 leiblichen Werken noch 7 geistige Werke der Barmherzigkeit hinzugestellt: Unwissende belehren, Zweifelnden raten, Irrende zurechtweisen, Trauernde trösten, Unrecht ertragen, Beleidigungen verzeihen, für Lebende und Tote beten.

So aktuell diese Forderungen sind, wie kommt dieses Wort "Barmherzigkeit" bei mir an?

Von "unbarmherzigen" Zuständen und Menschen wird derzeit gern gesprochen, kaum von "barmherzigen". Das Wort "Barmherzigkeit" wirkt fast vergessen und altertümlich. Der Wortinhalt aber ist und bleibt aktuell: Barmherzigkeit ist der Antrieb und das Verhalten, das Leid anderer Menschen wahrzunehmen und sich ihrer durch solidarische Hilfe anzunehmen.

Doch "Barmherzigkeit" ist mehr als Mit-Gefühl. Das zeigt auch der biblische Hintergrund. Hergeleitet vom griechischen eleos, "Mitleid", wird eleemosyne im Neuen Testament mit "Barmherzigkeit" oder wörtlich anklingend mit "Almosen" übersetzt. "Almosen geben" ist inzwischen negativ besetzt, da es nicht nach wirklicher Unterstützung klingt, sondern eher herablassend. Die Bibel bewertet das anders: Eleemosyne entspricht dem hebräischen Wort zadak, also "Gerechtigkeit".

Das Erbarmen, die Almosen sind demnach ursprünglich nicht herablassend, sondern aufwertend gemeint. Die Zuwendung zu den Armen ist ein Akt der Gerechtigkeit. Wer barmherzig ist, sorgt für den rechten Ausgleich zwischen Gebenden und Nehmenden. Elisabeth hat das schon in jungen Jahren gespürt. Sie fasziniert, da sie sowohl spontan als auch überlegt handeln konnte. Weil sie sich einzelner Menschen, die ganz unten waren, erbarmt hat - ihnen gedient, sie gepflegt und getröstet hat -, und gleichzeitig hat sie von oben, als Landesherrin vielen Menschen geholfen. Barmherzig hat sie Gerechtigkeit geschaffen. Sie konnte schnell "Soforthilfe" organisieren, langfristig nach "fairem Handel" verlan-gen, "Hilfe zur Selbsthilfe" geben und dabei sich selbst sozial engagieren. Was wir heute mit diesen modernen Vokabeln ausdrücken, war für Elisabeth nur eines: Barmherzigkeit. Gerecht handeln im und aus dem Glauben. Das christliche Handeln nimmt die Probleme der Zeit und der Menschen wahr.

Bischof Joachim Wanke aus dem Bistum Erfurt hat anlässlich des 800. Geburtstags der hl. Elisabeth von Thüringen (2007) Theologen und Personen des öffentlichen Lebens eingeladen, über die Werke der Barmherzigkeit nachzudenken und sie in unsere Zeit zu übersetzen. Auch eine Befragung gab es, was unterschiedlichste Menschen heute unter Barmherzigkeit verstehen. Ihre Antworten sind dann eingeflossen in eine Neuformulierung der 7 Werke der Barmherzigkeit.

1. Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu.
2. Ich höre dir zu.
3. Ich rede gut über dich.
4. Ich gehe ein Stück mit dir.
5. Ich teile mit dir.
6. Ich besuche dich.
7. Ich bete für dich.

Ist Barmherzigkeit wieder neu gefragt?

Papst Franziskus ruft uns zu: "Mit Liebe im Leben vorwärts zu gehen, das ist der wahre Schatz des Menschen." Im Blick auf Christus, den mit-leidenden König, möchte ich in nächster Zeit Menschen mit besonderen Bedürfnissen noch einfühlsamer begegnen.

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