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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

8. März 2015
3. Fastensonntag

Äußern, was uns im Inneren bewegt

von P. Stefan Maria Huppertz, Kapuziner

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.
Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist. Joh 2,13-23

Stadt. Land. Fluss. - Wüste. Berg. Tempel. In den Evangelien der Fastenzeit sind wir mit Jesus ganz schön unterwegs, liebe Leserinnen und Leser. Das Evangelium des 1. Fastensonntags führte uns mit Jesus in die Wüste, an den Ort der Sammlung und der Einsamkeit, führte uns mit Jesus in die Versuchung und zur klaren Entschlossenheit. Am vergangenen Wochenende, am 2. Sonntag in der Fastenzeit, begegneten wir auf dem Berg der Verklärung mit Jesus Elija und Mose. Ähnlich überfordert wie Petrus, haben wir versucht, Verheißung und Erfüllung, unsere Fragen und die Antwort des Himmels miteinander in Verbindung zu bringen. Heute nun befinden wir uns schon örtlich am Ziel des Weges, den Jesus zurückzulegen hat, sind mit ihm und den Jüngern in der heiligen Stadt Jerusalem, auf dem Tempelberg, in der Vorhalle zum Allerheiligsten. Aus dem eigenen Erleben kennen wir es vielleicht von Wallfahrten, dass wir uns etwas aufgeregt auf den Weg machen, im Verlauf immer ruhiger werden und das Ziel der Pilgerfahrt mit großer Ruhe und Sammlung erreichen. Bei Jesu scheinen sich die Emotionen in genau die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln. Im Tempel packt ihn ein "heiliger Zorn", wird unvermittelt sehr viel Energie spürbar und in eine Richtung gelenkt, die wir vom dialogbereiten Jesus nicht so gewohnt sind. Er, der doch sonst das Gespräch sucht und mit der Schrift argumentiert, schreit plötzlich herum und greift zur Geißel, um die Händler aus dem Tempel zu werfen. Jesu erträgt es nicht, was an dem Ort alles so getrieben wird, der doch heilig ist, der dem Gottesdienst vorbehalten sein sollte und für die Begegnung des Menschen mit Gott reserviert ist. Da wird eine Grenze überschritten. Jesus kann und will sich in dieser Situation nicht zügeln, er will sich nicht beruhigen, sondern seinem "heiligen Zorn" freien Lauf lassen.

Kennen Sie solche Situationen, liebe Leserin, lieber Leser? Kennen Sie das gute Gefühl, einer Emotion einfach mal Raum zu geben, vielleicht mal ordentlich auf den Tisch zu hauen? Sparsam sollten wir damit umgehen, um nicht als Choleriker zu gelten. Aber hin und wieder kommen wir uns selber am nächsten, wenn wir Fassade Fassade sein lassen und das äußern, was uns im Inneren bewegt. Das versteht Jesus gut. Wir kennen ihn als wortgewaltigen Prediger und zugewandten Heiler, als jemanden, der um den toten Freund weint und sich streitlustig mit den Schriftgelehrten anlegt. In der heutigen Tempelszene jedoch wird offenbar ein besonderer Nerv getroffen. Jesus erlebt mit, wie sich Menschen durch Äußeres den Weg zu Gott, den Weg zum Heil verbauen und abschneiden. Diese fahrlässige Heilsgefährdung erträgt der Heiland nicht. Im zweiten Hochgebet betet der Priester in der Messe "Ja, du bist heilig, großer Gott. Du bist der Quell aller Heiligkeit." Und der Weg zur Quelle muss freigehalten werden, liebe Mitchristen, damit der Rest nicht verdorrt und abstirbt. Darum, liebe Schwestern und Brüder, reagiert Jesus im Tempel derart heftig. Was kann das für uns mitten in dieser vorösterlichen Bußzeit 2015 bedeuten? Ich denke, zweierlei: erstens - die Frage danach, wo ich Gott als Quelle des Heils erlebe, wo ich spüre, dass er Gutes in mein Leben hineinlegen will. Zweitens - der Blick darauf, wie ich an diese Quelle, wie ich an Gott selber herankomme.

Was hilft mir auf dem Weg, was hindert mich? Was möchte ich verstärken, was möchte ich sein lassen? Das klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas harmlos. Auf den zweiten Blick jedoch wird schon deutlich, dass dies wesentliche Fragen unseres Christseins sind, an denen sich unglaublich viel zu entscheiden vermag.

So wünsche ich Ihnen einen guten Blick auf die Quelle und den Weg dorthin. Schöpfen Sie kräftig, denn die Quelle des Heils versiegt nicht!

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