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Predigerin der Woche ist Sr. Franziska Mitterer, Luzern


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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

2. November 2014
31. Sonntag im Jahreskreis
Allerseelen

Kraft von Bildern

von Sr. Franziska Mitterer

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Joh 14,1-6

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ich am bezaubernden Vierwaldstättersee spazieren gehe, werde ich öfter von Touristen gebeten, ein Foto von ihnen zu machen. Diesen Wunsch erfülle ich gerne. Manchmal komme ich mit den Menschen ein wenig ins Gespräch. Meist müssen sie Luzern bald wieder verlassen und möchten ein Bild von diesem schönen Ort mitnehmen. Natürlich wollen sie darauf auch selber festgehalten sein.

Was wollen die Menschen dadurch mitnehmen? Vermutlich eine aufbauende und stärkende Erinnerung. Wenn sie vom Alltag wieder voll in Beschlag genommen werden, gewährt ihnen das Bild ein Sich-Zurückholen in gute Erfahrungen. Als ich das Evangelium zum Allerseelensonntag lese, kommen mir diese "Bild-Situationen" in den Sinn. Auch Jesus deutet an, dass er den Kreis seiner Jünger bald verlassen müsse. Und um den Menschen Trost und Halt zu geben, entwirft er ein Bild. Kein Foto, sondern ein inneres Bild.

Jesus malt das Bild von Wohnungen. Und er vertraut darauf, dass die Menschen dieses Bild verstehen, gesättigt von den guten und befreienden Erfahrungen mit ihm. "Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen." (V 2) Sein Sprechen vom "Haus" seines Vaters, zu dem er vorausgeht, lässt Geborgenheit aufkommen. Vertrauen, dass es da Schutz gibt, ein Zuhause, ja Heimat. Das ist unser aller tiefstes Bedürfnis: irgendwo zu Hause zu sein. Sich angenommen fühlen. Sein dürfen, wie man eben ist. Darin akzeptiert werden. Aber dieses Bild, das Jesus hier zeichnet, ist mehr als urmenschliches Bedürfnis, oder sentimentale Zusage. Jesus zeichnet dieses Bild angesichts seines Leidens und Sterbens. Das Schicksal Jesu ist die eine Seite der Bedrohung. Sein Leben steht auf dem Spiel. Auf der anderen Seite finden wir die johanneische Gemeinde, denen er dieses Bild schenkt. Die Christen, die sich um Jesus geschart haben, seine aufatmende Botschaft tief in sich aufgenommen haben, erfahren nun Ablehnung in ihrer Umgebung. Und inmitten dieser Ablehnung wird ihnen auch noch Jesus weggenommen. Der Evangelist Johannes lässt Jesus sprechen "Euer Herz lasse sich nicht verwirren." Wörtlich übersetzt bedeutet es: Euer Herz lasse sich nicht durcheinander schütteln.

Unmittelbar daran ergeht die Einladung Jesu "Glaubt an Gott und glaubt an mich!" (V 1) Keine moralische Aufforderung. Eher eine Einladung, nicht aufzugeben. Im Prozess des Vertrauens auf ihn, der in seinem Sterben den Tod überwunden hat, weiter zu gehen. Das Johannesevangelium gebraucht ausschließlich Verben, also ,!Tun-Wörter", wenn sie von Glaube spricht. Er ist keine feststehende Größe/Geschweige denn ein Besitz. Glaube ist ein immer wieder neues Ringen.

Es berührt mich jedes Mal, wenn ich das Wort unserer Ordensgründerin Bernarda Heimgartner betrachte, das sie in einer ausweglosen Situation formuliert hat: "Es schien, als wolle Gott uns zwingen, unser Vertrauen auf ihn allein zu richten!" Zwingen meint hier nicht ein Zwangsverpfiichten, sondern die Einladung zu einem tiefen Vertrauensprozess: meine ganze innere Energie auf Gott, auf Jesus Christus zu richten, weil mir nur von ihm her Heil und Kraft zukommt. Es ist wie ein Aufnehmen der lebensspendenden Zuwendung Gottes in mich hinein.

Meine Aufgabe im Hineinwachsen zu mehr Glauben und Vertrauen hat etwas mit dem Verhalten des kleinen Jungen zu tun: dieser war bockig und hatte deswegen Streit mit seinen Eltern. Beim anschließenden Abendessen aß er ungewöhnlich viele Butterbrote. Auf die Frage seines erstaunten Vaters, was denn los sei, meinte er: "Ich möchte gut sein, ich möchte nicht mehr streiten. Das ist anstrengend. Deswegen muss ich viel essen, um diese Kraft zu bekommen!" Erfrischende Kinderlogik.

Ich kann lernen davon. Ich soll Nahrhaftes suchen, das mir hilft, im Glauben an Jesus Christus zu wachsen und mein ganzes Vertrauen auf ihn allein zu richten. Das können stärkende Bilder und Erinnerungen sein. So wie die Touristen, die Luzern verlassen, sich mit einem Foto an Stärkendes erinnern wollen. Daraus Kraft ziehen. Sich daran "nähren" wollen. Was ist für mein Vertrauen "nahrhaft"? Ein Wort der Schrift? Ein Wort eines Dichters, das Wort oder eine Geste eines mir wohlgesonnenen Menschen? Eine Gebetszeit? Ein gutes Gespräch? Ein Gottesdienst?

All das begleitet mich auf meinem Weg hin zu den Wohnungen im Haus des himmlischen Vaters. Jesus hat sie uns versprochen. Und er ist uns dorthin durch sein Leiden und Sterben hindurch vorausgegangen. Ein wunderbares Bild.

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