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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

21. Dezember 2014
4. Adventsonntag

Der Himmel hat keinen Plan B

von Stefan Maria Huppertz, Kapuziner

4. Adventssonntag

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. Lk 1,22-38

Der schwierigste Satz steht ganz am Ende dieses Evangeliums. Beinahe so, als wäre er nicht mehr wirklich wichtig. Danach verließ sie der Engel. Arme Maria! Da hat sie die seltsamste und weitreichendste Begegnung ihres Lebens gehabt, hat sich nach einigem Ringen auf den Heilsplan Gottes eingelassen, das große "fiat" gesprochen und steht nun ganz allein da mit der Verheißung. Ungefähr so, als ob man einem Fahrschüler nach der ersten Theoriestunde die Schlüssel für einen Rolls-Royce in die Hand drücken und gute Fahrt wünschen würde. Grenzenlose Überforderung. Wie soll das alleine gutgehen? Mit einem Erschrecken beginnt die Begegnung zwischen Maria und dem Engel und mit einem Erschrecken enden sie auch zunächst. Und dazwischen, liebe Leserin, lieber Leser? Auch nicht ganz einfach. Maria befindet sich vermutlich in ihrem Elternhaus, geht ihrer täglichen Arbeit nach und überlegt vielleicht, ob nicht bald eine Hochzeit mit Joseph anstünde.

In der Bibel ist nirgendwo davon die Rede, dass Joseph deutlich älter gewesen wäre als Maria. Die Tradition jedoch stellt ihn als alten Mann da, um allen Verdächtigungen vorzubeugen. Wir können davon ausgehen, dass Joseph vielleicht zwei Jahre älter war als die jugendliche Maria. Ein ganz normales Paar also mit ganz normalen Plänen für eine ganz normale Zukunft. Und diese Zukunft wird innerhalb von Minuten völlig auf den Kopf gestellt, als in der der Gestalt des Engels der Himmel in Marias Welt ankommt. Normal ist das nicht. Der Engel fragt nicht nach Marias Plänen. Er teilt den Plan Gottes, den Heilsplan, mit und lässt wenig Verhandlungsspielraum. Maria wird gebraucht. Maria mit ihrer Offenheit und Geschichte, mit ihren Fragen und ihrer Sehnsucht, in ihrer Alltäglichkeit und in ihrer Bereitschaft wird einfach gebraucht.

Der Himmel hat keinen Plan B und keine Nachrückliste. "Der Herr ist mit dir." Das, liebe Schwestern und Brüder, ist einerseits beruhigende Zusage und andererseits der Auftakt für Marias Lebensprogramm. Selbst gewählt hat sie dieses Programm nicht; sich sehr wohl aber darauf einlassen können. Die Botschaft des Engels an Maria damals und an uns heute könnte vereinfacht heißen "Weil der Herr mit dir ist, sei auch du mit dem Herrn!" Ein Beziehungsangebot, eine Beziehungsbitte, die kein Beziehungsweise zulässt. Es geht ums Ganze. Maria kennt die Verheißungen des Alten Bundes. Die Texte der Propheten sind ihr bekannt und sie weiß, dass das auserwählte Volk mit Gott rechnen kann und damit rechnen muss, Adressat einer besonderen Botschaft zu werden. Für Maria wird es dann plötzlich sehr konkret und ihre Einwände sind nachvollziehbar und berechtigt. Wie soll das alles gehen? Warum ich? Maria fragt sich, ob sie den Ansprüchen des Himmels überhaupt gerecht werden kann. Eine Frage, die uns als Christen gut zu Gesicht steht. Eine Frage, die wohl keiner mit einem klaren Ja beantworten kann. Gleichzeitig eine Frage, die motiviert, dranzubleiben, kleine Fortschritte zu machen und unseren Teil dazu beizutragen, dass Gott an uns und mit uns und durch uns Großes vollbringen kann. Unser Ordensvater, der heilige Franziskus von Assisi, sieht in seinen Mitbrüdern und in allen Christen den marianischen Auftrag darin begründet und erfüllt, Gott in unsere Zeit hinein zu gebären. Immer wieder muss das ewige Wort Fleisch werden.

Mit dem Blick auf die eigene Verfasstheit und auf die Situation des Glaubens und der Kirche in unserem Land, kann uns mitunter ein ängstliches Erschrecken treffen. Wie soll das alles gehen? Vielleicht beschleicht auch uns das Gefühl, von Gott allein im Regen stehen gelassen worden zu sein. Am Ende des vorliegenden Evangeliums steht Maria alleine da. Aber sie geht weiter. Wir kennen ihren Weg. Immer neu steht und bricht sie auf, weil sie der Verheißung und Zusage Gottes glaubt und traut. Gut, dass wir in wenigen Tagen Weihnachten feiern. Wir feiern, dass sich Gott völlig entäußert, damit wir ihn verinnerlichen können. In Jesus Christus ist Gott bleibend eingefleischter Mensch geworden, um unser Schicksal zu teilen - mit all den Hoffnungen und Fragen.

Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, ein gesegnetes Weihnachtsfest

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