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Predigtdienst wird weiblicher

Seit Beginn des Jahres 2013 beteiligen sich neben den Brüdern Kapuziner auch einige den Kapuzinern nahestehende Theologinnen am Internet-Predigtdienst auf dieser Seite. Ohne Zweifel werden sie durch ihre weibliche Sicht auf Gottes Botschaft die sonntägliche Auslegung der Hl. Schrift hier spürbar bereichern.
Die Sonntagspredigt

Die Sonntagspredigt

17. August 2014
20. Sonntag im Jahreskreis

Schachmatt

von P. Stefan M. Huppertz, Kapuziner

In jener Zeit21zog Jesus sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt. Mt 15,21-28

Eigentlich will Jesus mit der heidnischen Frau nichts zu tun haben. Soll sie sich doch selber um ihre Angelegenheiten kümmern und Jesus in Ruhe lassen! Jesus ist sich seiner Sendung bewusst. Erster Adressat seiner Botschaft vom Kommen des Reiches Gottes ist das Volk Israel, das auserwählte Volk des Bundes. Darum möchte Jesus keine Zeit und Energie für eine Frau aus Kana verschwenden; das ist nicht seine "Baustelle". Liebe Leserinnen und Leser, die Härte Jesu erschrickt und heute sehr, da wir es doch gewohnt sind, Jesus als absolut kundenorientiert, menschenfreundlich und zugewandt zu erleben. Wie kann er nur so abweisend sein und die Frau im Regen stehen lassen, die all ihre Hoffnung auf ihn setzt? Skandalös! Da braucht sich Jesus nicht zu wundern, wenn er bei vielen auf Ablehnung stößt, oder? Viele von uns kennen ähnliche Situationen, wenn wir in einem Callcenter von einem Mitarbeiter zum anderen verbunden werden, weil sich keiner für unser Anliegen zuständig oder kompetent fühlt. Manch einer von Ihnen wird auch schon mit einem Formular von Pontius zu Pilatus geschickt worden sein, um endlich alle Stempel für den Bauantrag oder die Weiterzahlung des Kindergeldes beisammen zu haben. Kein schönes Gefühl! Da hat man sich im Vorfeld bemüht, alle Unterlagen und Angaben zu haben, und erfährt Abweisung, Vertröstung, Weiterleitung. Wenn es dann gar zu bunt wird, schaltet sich vielleicht die Presse ein und berichtet über Servicewüste und lahme Bürokratie.

So eine schlechte Presse fürchten offenbar auch die Jünger. Sie reden Jesus gut zu, dass er der Frau doch einfach helfen möge, da diese schreiend und klagend hinter ihnen herläuft. Die Jünger fürchten um Jesu Ruf, und damit auch um ihren eigenen. Aber auch die Jünger lässt Jesus abblitzen. Er verhält sich so stur, wie es manche von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht vom siebenjährigen Sohn oder Enkel kennen. Da ist nichts zu machen, kein Argument dringt durch! Die Frau jedoch ist einerseits voll von der Sorge um ihre kranke Tochter, andererseits voll von der Zuversicht, dass Jesus ihr zu helfen vermag. Eine sorgende und kämpfende Mutter wird auch Jesus so leicht nicht los. Sie bleibt dran, bleibt hartnäckig, weil es doch um ihre Tochter geht! "Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen." Abweisender und erniedrigender hätte die Antwort Jesu kaum sein können. Wir hören die alten Konflikte der Zeit Jesu heraus, spüren die Unvereinbarkeit der Gruppen im Heiligen Land von 2000 Jahren und werden so an die traurige und dramatische Lage im Nahen Osten unserer Tage erinnert. Die Frau weiß, wie Jesus sie sieht. Und genau darin entdeckt sie ihren ungewöhnlichen Weg. Sie bestätigt die Sichtweise Jesus und versucht nicht, sich zu rechtfertigen. Sie sagt es ungefähr so: "Ja, Herr, du hast recht. Ich bin es nicht wert, dein Erbarmen und deine Hilfe zu erfahren. Ich habe keinerlei Anspruch darauf. Aber trotzdem hoffe ich auf dich. Dein Erbarmen und deine Gnade sind so groß, dass ich davon nichts für mich beanspruchen möchte; nur das, was überfließt und übrigbleibt."

Wie ein armer Gast, liebe Leserinnen und Leser, der im Biergarten den Kellner fragt, ob er aus den eigentlich leeren Gläsern und Krügen der zahlenden Gäste den letzten Rest, das Noagerl, schlürfen dürfte. Dieses Bekenntnis der eigenen Armut rührt Jesus an. Er erkennt den tiefen Glauben der Frau, die aufgrund ihrer Herkunft doch ungläubig sein müsste. Jesus merkt, dass die Offenheit und Direktheit, der Glaube und das Vertrauen dieser Mutter ihn Schachmatt gesetzt haben. Jesus kann nun nicht mehr anders, als der Frau zu helfen; er will auch nicht mehr anders, als der Frau zu helfen. Nicht, weil er die schlechte Presse fürchtet, nicht, weil seine Jünger ihn dazu bewogen hätten. Einzig und allein, weil er vor dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe der sorgenden Mutter Respekt hat.

Für unser eigenes Beten und Erbitten ein Hoffnungszeichen, liebe Schwestern und Brüder!

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Deutsche Kapuzinerprovinz, Provinzialat: Kapuzinerstr. 34, 80469 München - Tel.:089-278 271-0