
Lesung: Apg 5,27b - 32.40b - 41
-----------------------------27bIn jenen Tagen verhörte der Hohepriester die Apostel 28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. 29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. 30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. 31 Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. 32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. 40b Dann verboten sie den Apostel, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei. 41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
-----------------------------Nichts als die Wahrheit!
Waren Sie schon einmal als Zeuge vors Gericht geladen? Keine angenehme Sache - kann ich mir vorstellen. Ich selbst war lediglich als Zuschauer Zeuge einer Verhandlung. Als Zeuge, beispielsweise eines Unfalls, kann man beitragen, den Hergang aufzuklären. Da muss man halt die "Scherereien" in Kauf nehmen. Als "Zeuge" soll man durch sein Wort dazu beitragen, eine offene Frage zu entscheiden. Die Rolle des Zeugen ist auf alle Fälle der des Angeklagten vorzuziehen. Und doch fällt die Rolle des Zeugen, wenn es um den Glauben geht, uns nicht leicht.
"Wir können unmöglich schweigen..."
Nach der Kreuzigung Jesu sind dessen Anhänger nicht verstummt. Die Apostelgeschichte berichtet von der Heilung des Gelähmten im Tempel und einer Rede, die Petrus auf dem Tempelplatz (Apg 3) hält. Seine Botschaft ist klar:
"Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt!"
Es kommt zur Verhaftung. Petrus und Johannes werden vor den Hohen Rat gebracht und nutzen die Gelegenheit, ihren Glauben an Jesus Christus, den Auferstandenen, zu bezeugen. Sie zeigen Mut. Immerhin löst ihre Rede Verwunderung aus. Geradezu hilflos muss der Hohepriester zugeben, wie wirkungsvoll die Verkündigung der Apostel ist: "Ihr habt ganz Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt." Nach einer Beratung wird den Jünger verboten, "jemals wieder im Namen Jesu zu predigen und zu lehren". Aber schon die Reaktion zeigt, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben." Die Jünger berufen sich auf die Autorität Gottes, sie lassen sich nicht einschüchtern. Jeder darf und soll es wissen: Wir glauben: Gott hat Jesus auferweckt. Jesus lebt.
So geht die Predigt weiter - Zeichen und Wunder bestätigen die Worte - mehr und mehr Menschen kommen zum Glauben - die Botschaft von Christus breitet sich aus und findet den Weg zu den Menschen. Das Zeugnis der Jünger weckt Glauben. Zugleich rührt sich Widerstand.
Die Urgemeinde erfährt, dass sie ihren Glauben bekennen muss vor den Mächtigen der Welt. Dabei erinnern sich die Anhänger Jesu an sein Wort, sie sollten allen Menschen die frohe Botschaft verkünden, sie in seinem Namen lehren und taufen. Auch ein anderes Wort bewahrheitet sich: Sie werden euch um meinetwillen verfolgen, selbst vor Mord nicht zurückschrecken. In diesem Fall Zeuge zu sein ist keine erstrebenswerte Rolle.
Christ sein - Zeugnis geben
Die deutschen Bischöfe haben im November vergangenen Jahres ein Schreiben veröffentlicht mit dem Titel:
"Zeit der Aussaat - missionarisch Kirche sein!"
Darin wird gesagt: Christen sollen Zeugnis geben. Damit helfen sie anderen Gott zu begegnen. Die Bischöfe meinen, es sei mehr als bedenklich, wenn eine Gemeinschaft nicht mehr wachsen wolle. Ist es nicht selbstverständlich als Christ zu zeigen und anzubieten, wovon wir überzeugt sind? Zeugnis geben vom christlichen Glauben geht in einzelnen Schritten: Das Zeugnis des Lebens legt die Grund. Das gelebte Zeugnis weckt den Wunsch, mehr von diesem Glauben zu erfahren. Bevor es zu einem Gespräch kommt, spricht das Leben. Aus dem Verhalten lassen sich Haltungen ablesen: Ehrfurcht und Staunen, Selbstbegrenzung und Maß, Mitleid und Fürsorge, Offenheit und Gastfreundschaft. Nimmt ein Christ seinen Glauben ernst und lässt er das sehen, dann wird er vielleicht gefragt:
Jetzt kommt das Zeugnis des Wortes hinzu. Sie müssen sich nicht in eine Fußgängerzone stellen und predigen oder eine kirchliche Zeitschrift anpreisen - wie es Zeugen Jehovas tun. Das ist nicht gemeint. Was dann?
In Gesprächen höre ich Eltern klagen: Wenn ich sage "Geht doch am Sonntag in die Kirche!" gibt es Streit. Also sag´ ich nichts. - Wenn das Gespräch über die eigenen Überzeugungen in den Familien schon problematisch ist, wie ist das dann bei Fremden?
Ich frage mich, warum das so ist. Warum wollen viele in der namenlosen Masse anonym bleiben? Zur persönlichen Verteidigung lassen sich viele Gründe anführen:
Mag ja sein, dass das Zeugnis des Wortes scheitert, weil es schwer fällt, die rechten Worte zu finden. Es überfordert schlicht viele. Das zu ändern ist möglich.
Etwa dann, wenn jemand mit gutem Beispiel vorangeht und dabei hofft, Nachahmer zu finden. Das ist ein guter Anfang. Dann braucht es das deutende, eindeutige Wort. Vorausgesetzt die Fähigkeit, sich auszudrücken und mitzuteilen. Das kann man lernen. Wirklich überzeugend werden die Worte sein - das erfahren Eltern und Pädagogen - wenn sie zusammenstimmen mit dem, was vorgelebt wird.
Das Zeugnis des Lebens und des Wortes ermöglicht es, dass ein Mensch innerlich - mit dem Herzen - zustimmt. Es kann sogenannte Schlüsselereignisse geben, die den Zugang zu neuen Erfahrung erschließen können. Wie ein Aha-Erlebnis: Ja, so ist das. Jetzt ist der Groschen gefallen, jetzt hat das vorgelebte und gesprochene Zeugnis überzeugt, dann ist die Botschaft angekommen. Und das bleibt nicht folgenlos. Denn was einen innerlich bewegt, das drückt sich aus. Nach dem Sprichwort: Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über!
Wer wird mich überzeugen?
(Wir) Christen haben nicht die Rolle des neutralen Beobachters inne. (Wir) Christen sollen und können Zeugen sein.
Ein Lehrer kann Schüler motivieren, wenn er selber von einer Sache überzeugt ist. Alles andere bleibt äußerlich. Nur wer selber überzeugt ist, kann andere überzeugen, so habe ich schon oft gehört. Soweit so gut. Aber, so müssen wir fragen: Wie gewinne ich Überzeugung? Wer wird mich überzeugen? Der bloße Appell, doch etwas überzeugter und hoffnungsvoller sein Christsein zu leben, hilft nicht weiter. Das setzt keine Kräfte frei, sondern verstärkt zunächst nur das schlechte Gewissen.
(Wir) Christen gewinnen die Kraft zu einem frohen und überzeugenden Glauben, indem sie das Zeugnis der Apostel annehmen. Überprüfbare Beweise gibt es dabei nicht!
Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie können sich selbst von dessen Brauchbarkeit überzeugen. Gehen Sie davon aus, dass Jesus wirklich auferstanden ist, wie es die Heilige Schrift bezeugt. Lassen Sie dieses Glaubens-Zeugnis einfach für Sie gelten. Sie werden sehen, dass Sie mit dieser Annahme neue Erfahrungen machen können. Durch ein dem entsprechendes Handeln kommen wir zu einer Gewissheit, die wir bezeugen können. Wir haben es dann selbst erfahren.
Wie gesagt: Ein Vorschlag. Sie können ihn annehmen oder sein lassen. Sie können skeptisch sich jeder Herausforderung verweigern. Sie können behaupten, dass das eh nichts bringt. Sie können nüchtern feststellen, dass Sie das alles schon wissen.
Oder: Sie können sich von einem Wort aus dem Römerbrief locken lassen:
"Wenn du mit deinem Mund bekennst: `Jesus ist der Herr´ und in deinem Herzen glaubst: `Gott hat ihn von den Toten auferweckt´, so wirst du gerettet werden." (Röm 10,9)
Wir wollen beten um den Mut zum Glaubenszeugnis:
Hilf uns glauben, Herr!
Lass uns dein Wort hören,
es soll uns anrühren.
Entfache in uns eine Sehnsucht,
die uns weiterträgt auf unserem Weg.
Begleite unsere Suche,
lass uns Antwort finden auf unsere Fragen.
Stelle uns Menschen an die Seite,
von denen wir die Haltung
des rechten Glaubens kennen lernen können.
Gib uns Entschlusskraft, wenn es darum geht, mit dem Herzen ja zu sagen und hilf uns auch die Konsequenzen dieser Entscheidung zu tragen.
Lass uns dich, den Auferstandenen,
in unserem Leben bezeugen.
Amen.
Evangelium nach Lukas
Lk 9,51 - 62Auf dem Weg nach Jerusalem: 9,51 - 19,27
Die ungastlichen Samariter: 9,51-56
51 Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Von der Nachfolge: 9,57-62
57 Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Las mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Las die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber las mich von meiner Familie Abschied nehmen.
62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.
Nicht ein bisschen, sondern ganz - radikal
Herr Pater, ich meine es wirklich ernst. Ich möchte Jesus mein Leben zur Verfügung stellen, ganz radikal, so wie Franziskus.
Das höre ich ab und zu in Gesprächen mit jungen, suchenden Menschen. Und jedes Mal bin ich tief berührt von der Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit solcher Worte. Mutig, denke ich mir.
Ich spüre,
Im Gespräch kommt dann auch zur Sprache, dass mit dem Wunsch nach einer klaren Entscheidung auch Sorge und Angst mitschwingen: Werde ich das fertig bringen? Ist mir das nicht einer Nummer zu groß? Was werden meine Eltern und Freunde sagen?
Als ich mir zu dieser Predigt Gedanken machte und das Evangelium genauer anschaute, war ich zunächst unschlüssig, auf welchen der zwei Teile ich besonders zugehen möchte. Ich habe mich entschieden, beide Teile im Blick zu behalten.
Jesus unterwegs
Es beginnt der lukanische Reisebericht. Jesus und seine Jünger sind auf dem Weg nach Jerusalem, wo sich Jesu Weg vollenden wird. Erst nach und nach begreifen die Jünger, welchen Weg sie mit ihrem Herrn und Meister gehen.
Eine Einzelerfahrung zeigt, wie schwer es ihnen doch fällt, Jesu Gangart mitzugehen. Boten sollen eine Unterkunft besorgen, werden aber abgelehnt. Das ist nicht verwunderlich, denn Jesus und seine Jünger sind unterwegs zum Konkurrenzheiligtum. Jakobus und Johannes, die wegen ihres Temperaments auch Donnersöhne genannt werden, sind wütend, sie ärgern sich über die Abfuhr. Am liebsten würden sie diese schlechte Erfahrung durch Feuer vom Himmel aus ihrer Erinnerung löschen: Das klingt radikal. Ist aber zerstörerisch und unbarmherzig und ganz und gar nicht Jesu Art. Jesus weist sie zurecht.
Der Blick auf das Ziel klärt das VerhaltenEine momentane Gemütsregung, wie Ärger oder Freude, bewegen uns schnell zum Handeln. Es macht Sinn, auf das Ziel vorauszublicken. Wohin will ich denn? Fragen wir uns: Was wäre möglicherweise die Konsequenz gewesen, wenn die Jünger ihrem leidenschaftlichen Ärger gefolgt wären?
Jesus will nicht vernichten, sondern retten. Er will nicht überfordern, sondern befreien. Er ist Bote und Botschaft zugleich. Und diesen Auftrag nimmt er radikal ernst. Davon lässt er sich nicht abbringen. Durch ihn sollten alle Menschen hören und spüren: Ihr Menschen alle seid von Gott angenommen und bejaht. Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht. Wendet euch hin zum Ursprung des Lebens, zum Gott des Erbarmens.
Nachfolge ohne Wenn und Aber
Der zweite Teil des Evangeliums bringt deutliche Worte zu Berufung und Nachfolge. Dieser Abschnitt ist - etwas salopp gesagt - knallhart, keine leichte Kost. Warum sollte ich diese Aussagen schön reden oder abschwächen? Um jemanden zu ködern? Ich bin überzeugt, dass es heilsam ist, klar und deutlich Jesu Einladung zur Nachfolge auszusprechen. Alles andere trägt nicht und wäre Etikettenschwindel.
Hier fällt mir der heilige Franziskus ein, dessen Leben sich radikal wandelte, nachdem er das Evangelium Jesu Christi als Leitfaden für sein Leben angenommen hatte. Ja, Franz von Assisi ist geradezu ein Musterbeispiel für konsequente, radikale Nachfolge. Seine Brüder mahnt er, sie sollten die Worte Jesu Christi nur ja nicht abschwächen durch Kommentare und Deutungen - sine glossa, ohne Randbemerkungen. Die bisherige Spur hat er verlassen, mit den Karriereplänen seines Vaters gebrochen, auf sein Erbe verzichtet, ja sogar die Kleider, die er am Leib trug, dem Vater zurückgegeben. Er wurde "ver-rückt", seine Lebensspur läuft von da an in der Spur Jesu.
Wovon ist nun im Evangelium die Rede?
Auf das Bekenntnis eines Mannes, er wolle Jesus folgen, wohin er auch gehe, nennt Jesus als Konsequenz das Unterwegssein. Mach dich darauf gefasst, dass du dein Leben nicht geruhsam im Lehnsessel verbringst. Rechne nicht damit, dass deine Bedürfnisse und Erwartungen sämtlich erfüllt werden.
Dann wieder spricht Jesus souverän einen Menschen an und fordert ihn auf: Folge mir nach! Der Angesprochene entgegnet: Er müsse zuerst seinen Vater begraben. Immerhin ist das eine familiäre Pflicht ersten Ranges. Jesus aber lässt diesen Einwand nicht gelten. Wer den Ruf vernimmt, hat augenblicklich, ohne Wenn und Aber zu folgen. Jesus gebraucht ein Bild aus der Landwirtschaft: Wer beim Pflügen zurückblickt, bringt die Pflugschar aus der Ackerfurche, er pflügt krumm. Er muss nach vorn schauen und sich lösen von dem, was hinter ihm liegt.
Was kann das heute für mich, für dich, für Sie heißen.
Unmenschlich - unmöglich?
Wer sich Christ nennt, der beruft sich auf Jesus Christus. Dürfen wir uns einen "Jesus Christus" zurechtstutzen, wie er uns passt? Nein! Michael Grünwald stellte vor gut 25 Jahren als Domprediger in Regensburg die Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass in einem einseitig menschlich verstandenen Christentum Christus sich um den Menschen dreht, statt der Mensch um Christus? Ich halte diese Frage auch heute noch für berechtigt. Jesus bestätigt keine Bedürfnisse, er ist keine Glücksdroge, die man sich "reinzieht". Er lässt im entscheidenden Augenblick keine Rücksichten mehr gelten, sondern verlangt den Totaleinsatz.
Warum verlangt er das?
Weil hier der tragende Grund, das Fundament, die Wurzel christlichen Lebens sichtbar wird. Gott hat sich für uns entschieden in Jesus Christus. Er hat zu uns bedingungslos ja gesagt. Er hat sich selbst uns geschenkt. Und seine Gabe an uns Menschen wird zur Aufgabe, zur Anfrage: Wie stehst Du dazu?
Wie gesagt: Ich bin berührt, wenn ich Menschen begegnen darf, die ihren Weg suchen und sich von Jesus einen Weg weisen lassen wollen. Manchmal sage ich dann einen Satz, den ich selber "geschenkt" bekommen habe von einem Minoriten:
"Wer durchs Leben kommen und gehen will,
der muss sich binden,
denn Leben verträgt keine Flatterformen."
"Ich will dir folgen, wohin du auch gehst." Schau nicht um!
Elmar Gruber, Sonntagsgedanken, Lj. C
Lukas schildert heute drei Szenen, die alles beinhalten, was Nachfolge Jesu bedeutet.
1)Ein Mann spricht Jesus an. Er will Jesus nachfolgen überall hin, "wohin du auch gehst". Jesus zeigt ihm am Beispiel der Füchse und Vögel, was das für Konsequenzen hat. Alles hat in der Welt seinen festen Platz und ein geregeltes, berechenbares Dasein. Wer Jesus nachfolgt, verzichtet auf eine letzte Beheimatung in der Welt mit ihrem geordneten Regelverhalten. Der Menschensohn ist immer unterwegs; er hat keinen Ort, keine feste irdische Heimat. Er ist überall und nirgends "daheim"; er ist dort daheim, wo er gerade ist; denn er ist ganz bei Gott daheim; er hat seine Heimat in sich; er ist bei sich selbst daheim. Die Bindung an Christus fordert Verzicht; sie schenkt andererseits die Freiheit von allen irdischen, "normalen" Bedürfnissen und Forderungen. Sie eröffnet mir die ganze Welt als Heimat und macht alle Geschöpfe zu meinen Geschwistern.
Die Bindung an Christus macht mich fähig, irdische Bindungen einzugehen, die nicht einengen und fesseln, sondern Halt geben und befreiend wirken. Ein Ehe- oder Weiheversprechen oder ein Gelübde kann mir helfen, die befreiende Bindung an Christus in dieser vergänglichen Welt für mich und andere segensreich zu verwirklichen. Durch solche Regelungen können die Charismen des Einzelnen mit allen und für ale bestmögliche Verwirklichung finden.
2)Der Nächste wird von Jesus angesprochen: "Folge mir nach!" Doch dieser hat vorher noch familiäre Pflichten zu erfüllen. Jesus verbietet ihm das: Es mag hart klingen. Aber die Nachfolge Christi kann Pflichten mit sich bringen, die mit irdischen oder allgemein menschlichen Pflichten kollidieren. Die Nachfolge Christi - gleichgültig in welcher Lebensform und in welchem Beruf - lässt sich manchmal nicht mehr einordnen in den Bereich des irdisch Gewohnten und allgemein Üblichen. Wer Jesus nachfolgt, muss damit rechnen, dass er von der Allgemeinheit nicht verstanden wird und keine Bestätigung erfährt. Oft sind es Nahestehende oder Leute, "die es eigentlich wissen müssten", die sich enttäuscht von uns abwenden, weil sie unsere Gewissensentscheidungen, die der Bindung an Christus entspringen, nicht mehr nachvollziehen können. Wenn ich Christus angehören will, muss ich immer damit rechnen, dass ich mit ihm ganz alleine bin - auch in der Gemeinschaft der Kirche.
3)Der Dritte spricht wieder Jesus an: "Ich will dir nachfolgen, ... aber ...!" Er will zuerst und zuvor seine gewiss berechtigten Bedürfnisse und Pflichten erfüllen: Abschied nehmen, - das wird man doch noch dürfen! Aber auch hier erfolgt die klare Absage von Jesus im Bildwort vom Pflug. Wer den Ruf Jesu im Augenblick der Berufung vernimmt, muss dem Ruf "augenblicklich" ohne Wenn und Aber folgen. Wer Jesus nachfolgt, - jeder Mensch, der aus dem Glauben lebt - blickt immer nach vorne. Jeder Rückblick bringt die Pflugschar aus der Bahn. Jeder Fortschritt ist mit Abschied verbunden.
In der Regel wird die Nachfolge Christi keine so extremen Forderungen stellen, wie sie in diesem Evangelium geschildert werden. Aber es gibt Situation im Leben, in denen uns die Nachfolge Christi mit kompromisslosen Forderungen konfrontiert. Nur in der Kraft der Liebe werde ich diese Über-forderungen erfüllen können.
Herr, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Führe mich in die wahre Freiheit und gib mir Mut zum Abschied.
Das Evangelium nach Lukas
--------------------------Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte: 26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28 Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten 30 und sa-gen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu En-de führen. 31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 33 Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein
Wiederholte Übung prägt Verhalten. Was ich tagtäglich, oder zumindest oft und regelmäßige tue, das geht mir in Fleisch und Blut über. Das kann so weit gehen, dass durch berufliche Tätig-keit sogar der Charakter geformt wird. Ich will niemand in Schubladen stecken, aber man merkt es ei-nem Menschen doch an, womit er sich hauptsächlich beschäftigt.
Woran erkennt man den Christen?
Zur Zeit Jesu gab es Gesetzes-Lehrer, die Schüler aufnahmen. Der Schüler suchte sich einen Lehrer. Lehrer und Schüler lebten dann in enger Lebensgemeinschaft. Die Schüler wurden von ih-rem Meister geprägt. Es war eine Ehre, sich auf einen angesehe-nen Meister berufen zu können.
Bei Jesus war es anders:
Nicht die Schüler haben ihn gesucht. Er hat sich seine Schüler selbst ausgewählt. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt... Und Jesus hat sie mitgenommen auf seinen Weg und an seinem Leben teilhaben lassen.
Der Ruf zur Nachfolge gilt jedem Christen.
Die Aussagen des heutigen Evangeliums sind zunächst an den engsten Kreis der Jünger gerichtet.
Sie sind unmissverständlich klar, radikal und fordernd. Eher ab-schreckend als anziehend.
Der Evangelist Lukas hat mehrere Aussagen zusammengefasst und sie für seinen Leser- bzw. Hörerkreis verallgemeinert. Jesus spricht also zu den Vielen, die ihn begleiten.
Ich möchte mich auf eine zentrale Aussage - die Einladung zur Kreuzesnachfolge - beschränken. Sie lautet:
Wer nicht sein Kreuz trägt
und mir nachfolgt,
der kann nicht mein Jünger sein.
Für Menschen, die häufiger in die Kirche gehen oder zuhause in der Bibel lesen, wird dieser Satz nicht neu sein. Er klingt fast selbstverständlich. Christsein hat mit Kreuz zu tun. Jesus trug das Kreuz und er starb am Kreuz. Das Kreuz gehört zum Christsein. Jesus hat es für uns getragen. Es ist Zeichen seiner Liebe, Zei-chen unserer Erlösung. Daran lassen wir uns erinnern. Darum hängt das Kreuz in vielen Wohnungen. Dabei ist das Kreuz keine christliche Erfindung. Schon in vor-christlicher Zeit war es ein weit verbreitetes Heilszeichen. Zur Zeit Jesu war die Kreuzigung die grausamste Hinrichtungsart und wird darum "Galgen der römischen Antike" genannt.
Viele haben heute ihre Not mit dem Kreuz - in vielfacher Hin-sicht. Die Jünger Jesu und die Evangelisten hatten es - vermute ich - nicht minder schwer damit. Wie sollten sie ihren Zeitgenos-sen klar machen, dass es sich lohnt, Jesu Weg nachzugehen. Er starb doch am Kreuz. Und der Tod am Kreuz galt als Zeichen der Verwerfung durch Gott. Ja, für Juden war das Kreuz ein empörendes Ärgernis (vgl. 1 Kor 1,23). Das Wort vom Kreuz ist seit dem Urchristentum ein Skandal, ein Reizwort und Auslöser heftiger Diskussionen. Für die Berufenen aber - so formuliert Paulus - ist es Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Es ist falsch, weil zu eng, sich nur auf die Passion und das Kreuz zu fixieren. Es ist gut, diese Fixierung aufzubrechen und das gan-ze Leben Jesu anzuschauen. Dann zeigt sich, dass das Ärgernis bereits mit seiner Geburt begonnen hat.
· Denn armselig kam er zur Welt, der Gottessohn;
· angewiesen war er wie jeder Mensch.
· Hinabgebeugt hat er sich in den Staub dieser Erde.
· Erniedrigt hat er sich und war gehorsam bis zum Tod. (vgl. Philipperbrief)
Für die Leser des Lukas-Evangeliums ist die Aufforderung zur Kreuzesnachfolge voll schauerlicher Aktualität. Ihnen drohte tat-sächlich der Tod, weil sie Christen waren.
"Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. ... Weil ihr nicht von dieser Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt." (Joh 15,18)
Was könnte Kreuzesnachfolge für uns heißen.
Dass jeder sein Kreuz tragen müsse, ist für uns eine Redensart und meint:Das ist schon richtig. Aber diese Redensart ist mitunter ein dum-mer Spruch, der die Not eines anderen Menschen nicht ernst nimmt. Vielleicht ist er auch Ausdruck von Hilflosigkeit. Für viele steht das Kreuz für grässliches Leid und Unrecht, das Menschen einander antun, für Gewalt und Gegengewalt, Verbit-terung und tödlichen Hass. Dass Jesus sein Kreuz getragen hat, ist Zeichen seiner Liebe! Er hat damit die Spirale von Gewalt und Vergeltung durchbrochen. Es ist eine ohnmächtige, gewaltlose Liebe. "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage." (Joh 15,13)
Woran erkennt man den Christen?
Wohl weniger an äußerlich auffälligen Merkmalen, wie einer bestimmten Kleidung oder einem Kettchen mit Kreuz. Mehr doch an seiner inneren Haltung, die im Verhalten, im Handeln sichtbar wird.
Wir könnten so sagen:
der Christ geht unter das Kreuz!
Dort wird seine Vergangenheit geheilt und neues Leben ge-schenkt. Da können Wunden heilen, da wird Angst überwunden und gelingt der Schritt auf den anderen zu.
Der Christ geht unter das Kreuz und kann dort von Jesus lernen:
· Angst ist erlaubt, wenn ich mir den Weg nicht mehr zutraue, der vor mir liegt. Jesus hatte Angst als er im Ölgarten betete.
· Zweifel und Fragen sind erlaubt: Jesus ruft, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen: sein Ruf geht nicht ins Leere, sondern in das Ohr Gottes. Am Ende siegt sein Vertrauen.
· Gefährtenschaft und Solidarität sind erlaubt: nicht Einzel-kämpfer sollen wir sein, sondern Teil der Gemeinde Jesu Christi. Kein Kreuz passt für einen allein, sie sind alle zu groß. Kein Kreuz ist gedacht nur für einen. Es ist gedacht für Träger und Mitträger, es soll geteilt werden. Denn es gilt: Ei-ner trage des anderen Last.
Für die Berufenen ist das Kreuz zum Baum des Lebens gewor-den.
Wir brauchen nicht fliehen
vor unseren Mängeln,
vor unseren Beschwernissen,
vor unseren Leiden,
vor uns selbst.
Wir dürfen im Schatten des Kreuzes ausruhen:
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt
und schwere Lasten zu tragen habt;
ich werde euch Ruhe verschaffen."
(Mt 11,28)
Das heutige Evangelium ist ein aufrüttelnder Appell, die Freundschaft mit Jesus ernst zu nehmen!
Herr Jesus Christus, obwohl du als Helfer der Menschen, als Versöhner der Völker, als Retter der Welt auf diese Erde gekommen bist, wurdest du verfolgt, missachtet und gekreuzigt. Zur Erinnerung an deine Liebe ist auf vielen Bergen, an vielen Straßen, an vielen Orten dein Kreuz aufgerichtet.Das Evangelium nach Lukas (Lk 21, 5-19)
--------------------------21.5 Als einige darüber sprachen, daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: 6 Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt? 8 Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! 9 Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. 10 Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. 11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. 12 Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. 13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. 14 Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen; 15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. 16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. 17 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. 18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. 19 Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.
Seit kurzem bin ich in Altötting und erlebe die bunte Vielfalt an diesem Wallfahrtsort. Neulich spricht mich eine Frau an: Wenn sich die Menschen nicht bekehren, meinte sie, wird es einen Flächenbrand geben. Ich frage zurück, woher sie diese Offenbarung hätte. Die Antwort ließ mich stutzen: Steht doch in der Bibel, sagte sie. Das Gespräch ging noch weiter. Ehrlich gesagt, konnte ich die düstere Sicht der Zukunft nicht aufhellen.
Die Sicht der Zukunft bestimmt das Heute! Es macht schon Sinn das Ende im Blick zu haben, z. B: die Militäraktion in Afghanistan - was kommt danach? Oder: das laufende Schuljahr bringt für manche den Abschluss - wie geht es dann weiter? Aus dem Stand kann das oft nicht entschieden werden. Bei der Entscheidung kommt die Vergangenheit ins Spiel, mit ihrer Erfahrung, ihrem angesammelten Wissen vom Gelingen und Scheitern. Mir hilft im Blick auf die Zukunft folgende Frage: · Was gibt mir für heute aus der Vergangenheit Zukunft?
Geschäft mit der Angst
Wird dieser allgemeine Satz angewandt, muss ich aus dem Vergangenen - sei es meine eigene Lebensgeschichte oder die meiner Familie oder der Glaubensgemeinschaft - das herausgreifen, was mir weiterhilft. Die Geschichte der Kirche bestätigt, dass mit der Keule der Angst kaum ein Mensch dauerhaft auf die Spur des Lebens zu bringen ist. Der Evangelienabschnitt aus dem Lukasevangelium (21. Kapitel, Verse 5 - 19) ließe sich wohl gut ausschlachten, um Druck zu machen. Aber das Geschäft mit der Angst mag ich nicht. Ich mag es nicht, weil ich überzeugt bin, dass Angstmache nicht zum Besseren führt.
Auch Lukas will nicht erschrecken mit seiner Botschaft. Er will "die Sinne schärfen", Nachlässigkeit nach innen und zu große Anpassung nach außen abwehren; er will Hoffnung wecken, damit daraus die Kraft wächst, die Last der gegenwärtigen Zeit auszuhalten. Weil die unmittelbar erwartete Wiederkunft Christi ausgeblieben ist, muss der Ausblick auf die Zukunft geschärft werden. Was kommt? Wie sollen wir uns verhalten?
Immer wieder - auch heute - gab und gibt es Menschen, die glauben, Jesus habe mit der Rede von seiner Wiederkunft eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes vorhergesagt. Doch ging es Jesus in seinen Bildern nicht um das Ausmalen einer Katastrophe kosmischen Ausmaßes, wie es Unglückspropheten damals und heute tun, oder wie es Endzeitfilme (End of Days, Deep Impact, Independenz Day) zeigen.
Jesus sagt: Das Ende der Welt ist eine freie und souveräne Tat Gottes. Mit anderen Worten: Die Welt ist, weil Gott sie wollte; deshalb hört sie auf, wenn er es will. Das Ende der Weltgeschichte liegt also im Geheimnis Gottes verborgen.
Und keiner kann sagen, wie das Ende aussehen wird. Die Bilder, in denen die Bibel davon spricht, entstammen der Vorstellungswelt damaliger Zeit. Die Erschütterung aller irdischen Mächte (die aus diesen Bildern spricht) will vor allem dies sagen: Herr der Weltgeschichte ist nicht der Mensch, sondern Gott allein. Durch seine Macht wird am Ende der Zeit eine ganz neue Welt hervortreten.
Ende gut, alles gut!
Mir ist ein Sprichwort eingefallen:
Ende gut, alles gut! Dieser Satz kann trösten über manch bittere Zeit hinweg. Es wird schon gut gehen. Das Ende kann noch gut werden und dann ist ja alles gut.
Wie geht Ihnen, wenn "etwas" zu Ende geht? Bei einem Buch, das ich ausgelesen habe, geht es mir so: Ich freue mich, dass ich durch bin. Und zugleich möchte bald wissen, welches Buch ich als nächstes lesen werde. Die Entscheidung wie ich weitermache liegt bei mir. Der letzte Eindruck bestimmt oft den Gesamteindruck, der bleibt. Mag ein Fußballspiel gut gelaufen sein, am Ende zählen die Tore. Ende gut, alles gut!
Wenn das Ende kommt wie eine Sturzflut, unerwartet, erdrückend, dann ist schwer damit zurecht zu kommen. Denn ich habe es nicht in der Hand. Dann geht es mir so, wie es der Prophet Jesaja bildreich und treffend ausdrückt (Jes 38):
"Meine Hütte bricht man über mir ab,
man schafft sie weg
wie das Zelt eines Hirten.
Wie ein Weber hast du mein Leben
zu Ende gewoben,
du schneidest mich ab
wie ein fertig gewobenes Tuch."
Wer bestimmt, was am Ende zählt? Wer vollendet mich und mein Leben? Wer macht das Ende gut?
Ich habe behauptet, das Ende der Welt ist eine freie und souveräne Tat Gottes. Darum dürfen wir fragen: Was ist das für ein Gott, der das Ende bestimmt? Kann ich ihm vertrauen?
Lasst euch nicht täuschen!
Mir kommt es so vor, dass wir Menschen allzu gern in die Zukunft blicken und dabei Gewissheit haben wollen. Manche meinen, sie könnten aus den Vorzeichen das Ende berechnen. Nein! Wann das Ende kommt, ist Gottes freie Entscheidung. Über Zeit und Art zu spekulieren halte ich für vertane Zeit.
Für nützlich halte ich, sich selber auf die Suche zu machen und zu fragen:
· Auf welchem Grund habe ich mein Lebenshaus gebaut?
· Was bringe ich mit aus der Vergangenheit, das mich jetzt in
die Zukunft gehen lässt?
· Was trägt mich und was schenkt mir Kraft?
Dabei ist der Blick auf den Ursprung zugleich ein Blick auf das Ziel. Aus den Wurzeln wächst der Stamm und die Äste, aus den Wurzeln kommt auch die Kraft, die schließlich Frucht bringt.
Heinrich Spaemann schrieb:
"In unserer Welt wird auf Entwicklung gesetzt; sie wird mit allen Mächten der Intelligenz und des Geldes vorangetrieben.
Die Bibel sagt: Es geht für den Menschen, der sich von seinem Ursprung, von dem lebendigen Gott, abwandte, zuallererst um Bekehrung, nicht um Entwicklung; Entwicklung ohne Bekehrung führt in den Untergang.
Das Verlassen des Ursprungs führt zum Ende allen Lebens. Die Bibel kennt im Grunde nur dieses eine Thema:
Entweder-Oder, von dem Heil oder Unheil abhängt: der Verlust Gottes und damit des Lebens, oder die Heimkehr!"
Am Ende dürfen wir heimkehren.
Wenn ihr standhaft bleibt ... Für Zeit bis dahin ist immer noch gültig, was Lukas seinen Lesern auf den Weg mitgibt: · Hilfreich wird sein eine nüchterne Sicht der Dinge, Beharrlichkeit und Ausdauer. · Hilfreich wird sein, zu lernen, zu sich und seiner Überzeugung zu stehen, ihr treu zu sein. · Hilfreich wird sein die Bereitschaft, sich einzulassen auf den Lebensfluss, der Veränderung bringt. · Hilfreich wird sein, sich helfen zu lassen, wenn die eigenen Mittel nicht mehr ausreichen.
Wir haben zwar keine Gewissheit, was den Zeitpunkt des Endes angeht. Aber in Jesus haben wir einen vertrauenswürdigen Freund und Begleiter auf dem Weg zum Ziel. Er wird nicht müde seine Botschaft zu wiederholen:
"Gott liebt diese Welt. Er wird wiederkommen, wann es ihm gefällt, nicht nur für die Frommen, nein, für alle Welt." (GL 297 / 7)
Das erste Lied vom Gottesknecht:
Lesung aus dem Buch Jesaja: Jes 42, 1 - 7
1 Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. 2 Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. 3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. 4 Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. 5 So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist: 6 Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: 7 blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
DANK für die TAUFE GL 50,2:
Ich danke dir, Vater im Himmel, dass ich aus Wasser und Geist neu geboren wurde in der Taufe. Ich darf mich dein Kind nennen, denn du hast mich aus Schuld und Tod gerufen und mir Anteil an deinem Leben geschenkt.
Ich danke dir, Jesus Christus, Sohn des Vaters, für deinen Tod und deine Auferstehung. Wie die Rebe mit dem Weinstock, so bin ich mit dir verbunden; ich bin Glied an deinem Leib, aufgenommen in das heilige Volk zum Lob der Herrlichkeit des Vaters.
Ich danke dir, Heiliger Geist, dass deine Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen. Du lebst in mir und willst mich führen zu einem Leben, das Gott bezeugt und den Schwestern und Brüdern dient. So kann ich einst mit allen Heiligen das Erbe empfangen, das denen bereitet ist, die Gott lieben.
Wir feiern das Fest der Taufe Jesu: Ein entscheidendes Ereignis im Leben Jesu. Taufe Jesu erinnert uns an die eigene Erwählung und Berufung zur Gotteskindschaft.
Wir sind getauft, liebe Schwestern und Brüder! Und damit in enger Gemeinschaft mit Gott verbunden! Wir sind erwählt und beschenkt mit seinem lebendigmachenden Geist. Und wir dürfen Boten seiner Liebe sein.
Wer glaubt und sich taufen lässt, gehört in die Gemeinschaft der Glaubenden, zur Kirche. - so lesen wir im Neuen Testament. Das ist Auftrag der Kirche: Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes allen zu verkünden und so Menschen mit Jesus in Kontakt zu bringen.
Der älteste Taufbericht - beim Evangelisten Markus - spricht davon, dass nur Jesus allein den Zuspruch des Himmels zu hören bekam. Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Es ist die Antwort des Himmels auf eine Frage, die für Jesus wichtig war und die sich jedem Menschen stellt: Wer bin ich? und: Was soll ich tun? Gott will sein Reich herbeiführen. Dafür hat Jesus gelebt und dafür ist er gestorben. Jesus hat den Herzenswillen Gottes erfüllt. Darum ist er der geliebte Sohn. Weil Jesus wollte, dass sein Weg von anderen mitgegangen und fortgesetzt würde, hat er seine Botschaft den Jüngern anvertraut; das ist sein Vermächtnis, sein Testament an uns.
Liebe Schwestern und Brüder! Jesu Leben kann uns Beispiel sein, an dem wir für unser Leben etwas ablesen können. Die alttestamentliche Lesung - ich möchte sie mit Ihnen betrachten - spricht vom Gottesknecht. Diese Aussagen wurden und werden von der Kirche auf Jesus bezogen:
Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
Es ist die Rede von
Schon das Wort "Knecht" ist uns fremd, wir können nicht viel damit anfangen: Wir können es durch "Sohn" ersetzen. Gemeint ist einer, der von Gott mit einer besonderen Aufgabe betraut wurde, z. B. einer wie Mose, David oder Elija. Erwählt wird einer, weil es Gott so gefällt.
Der "Erwählte", bringt den Völkern das Recht. Das hebräische Wort "mispat" ist hier Schlüsselbegriff: er kommt mehrmals vor, (Verse 1b.3b.4b): im vorausgehenden Kapitel ist die Rede von einer Gerichtsverhandlung zwischen Jahwe und den Völkern. Dabei wird die Nichtigkeit der fremden Götter festgestellt. Im Gegensatz dazu glänzt der Gott Israels: In der hoffnungslosen Situation des Exils ergreift er die Initiative und bietet seinem Volk eine neue Heilschance an.
Gott bringt, was uns unmöglich ist! Unter der schönen Oberfläche zeigt sich unaus-rottbar Unrecht. Wir Menschen können einander nicht gerecht werden. Und hier kommt der "Erwählte" zum Zug. Jesaja beschreibt nun wie er das tut. Zuvor aber, die negative Abgrenzung - was er nicht tut: Er schreit nicht und lärmt nicht und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
An der Ernsthaftigkeit dieser Zusage wird kein Zweifel gelassen. Es ist Gott selber, der mit und in seinem Knecht das Gute wirkt. Dieses erste Gottesknechtslied wurde - wie schon gesagt - sehr bald auf Jesus hin gedeutet: Der Evangelist Matthäus (Mt 12,15 - 21) zitiert daraus. Jesus ist der, welcher unauffällig und in aller Stille heilend und helfend seinen Auftrag erfüllt.
Matthäus charakterisiert Jesu Art mit den Worten des Jesaja. Darin kommen die Bildworte vom Rohr und vom Docht vor: Das Rohr war Material von geringem Wert, es war leicht zerbrechlich. Der Docht verliert an Leuchtkraft, wenn das Öl ausgeht. Er glimmt nur mehr schwach, er braucht Öl. Vermutlich haben wir es mit Bildworten aus dem Gerichtswesen zu tun: die Betroffenen sind dem Tod überantwortet, über sie wurde der Stab gebrochen. Der Knecht Gottes aber wird sie nicht dem Tod überantworten.
Den Angeschlagenen gibt er nicht noch den Rest, sondern kümmert sich liebevoll (vgl. das Gleichnis vom verlorenen Schaf) um die gescheiterten Existenzen, um die Randsiedler der Gesellschaft, die er nicht noch mehr an die Wand drängt. Kunstvoll ist das ausgedrückt in der Übersetzung von Martin Buber (die gleiche Wurzel der Wort wird sichtbar): Er selber verglimmt nicht und knickt nicht ein! Damit ist einerseits eine enge Beziehung und andererseits ein großer Unterschied zwischen dem Knecht und seinen Adressaten formuliert.
Liebe Mitchristen! Jahwe ist der Bundesgott, der treu zu seinem Wort steht. Der Bund wird nicht zerbrechen - das Licht seiner Gegenwart wird nicht ausgelöscht! Der Knecht / Sohn soll sein: Bund für das Volk, Licht für die Völker, so will es Gott. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein; blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
Der Knecht soll vermitteln. Er soll vorleben, wie Gott sich das Leben seiner Erwählten vorstellt. Er soll Gottes Willen mitteilen, die Augen öffnen für das, was getan werden soll. Von der Blindheit der Verbannten ist häufig die Rede! Sie müssen wieder ein Auge für ihren Gott bekommen, ihn im Blick haben. Alle Menschen sollen aus dem Dunkel der Gottesferne in das Licht der Gemeinschaft mit Gott geführt werden, sollen hinfinden zum Quell des Lebens.
Schwestern und Brüder! So ist der geliebte Sohn, an dem Gott Wohlgefallen gefunden hat. Diese "Stellenbeschreibung" des Gottesknechtes ist ein Lebensprogramm für uns! Wir sind geliebte Töchter und Söhne des himmlischen Vaters. Als Schwestern und Brüder Jesu Christi sind wir Botinnen und Boten des Herzenswillens Gottes. Wer unter den Willen Gottes tritt, der geht in den Fußspuren Jesu und hat Gemeinschaft mit ihm. (Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir ...)
Die Zusage am Fest Taufe des Herrn birgt eine klare Aufgabe, nämlich dem Beispiel Jesu zu folgen:
Liebe Mitchristen! In den kommenden Sonntagen wird uns Stück um Stück das Leben Jesu vor Augen geführt. Warum?
Tag der Auferstehung
Weil Gott in der Auferweckung Jesu angefangen hat, uns Menschen und mit uns seine ganze Schöpfung aus dem Tod zu holen, feiern wir den Sonntag als den ersten Tag der Woche. Wir versammeln uns und danken Gott für das, was er getan hat. Wir erinnern uns an die Hoffnung, in der wir leben dürfen. Wir suchen die Nähe Jesu in Wort und Sakrament, um mit ihm leben und sterben zu können. Die Sonntagsruhe besteht nicht nur darin, dass wir die Arbeit liegen lassen. Wir dürfen uns ollen in dem Glauben zur Ruhe kommen, dass von Gott her wirklich alles gut wird und dass wir ihm die Vollendung überlassen dürfen und sollen. Einmal im Jahr, an Ostern, feiern wir das nach vierzigtägiger Vorbereitung in besonderer Weise. In unsere Nacht lassen wir das Licht des sieghaften Lebens Jesu hineintragen. Wir lassen uns erneut zusagen, was uns in der Taufe geschenkt wurde: dass wir Schwestern und Brüder Jesu sind und dass wir, wenn wir mit ihm leben und sterben, auch mit ihm von Gott, seinem Vater, gehalten sind und einmal endgültig in sein Leben gerettet sein sollen.
Dieter Emeis
Biblische Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: 1 Kor 15,1 - 20:
Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der "Missgeburt". Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehrmals sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
Auferstanden von den Toten ...
Die Kernbotschaft des christlichen GlaubensHaben Sie Lust auf Ostern?
Ich lade Sie ein die "reizende" Botschaft von der Auferstehung an sich heranzulassen. Grundlage dieser Betrachtung ist der Brief des Paulus an die Christen in Korinth (1 Kor 15, 1 - 20). Paulus hat diesen Brief geschrieben, um die (wenigen) Christen in Korinth zu ermutigen. Er musste diesen Brief schreiben, weil manche die Auferstehung anzweifelten. Es gab Streit und Verunsicherung. Manche meinten, sie hätten die entscheidende Verwandlung schon hinter sich und dann wäre es egal wie sie jetzt lebten.
Die junge Gemeinde ist unsicher geworden. Ob das mit der Auferstehung stimmt? Darum sagt Paulus: Ich erinnere euch!
Paulus erinnert an das Evangelium (= Botschaft von Tod und Auferstehung), das er verkündet hat. Das Evangelium, die Frohe Botschaft ist die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi. Paulus beruft sich dabei auf Zeugen - er hat empfangen. Es geht ihm nicht um Anerkennung oder persönlichen Erfolg. Es ist völlig egal, wer verkündet. Entscheidend ist die Botschaft, die zu sagen ist. Und da gibt es eben keine andere, die Leben schenkt.
Heute glauben selbst Christen nicht mehr selbstverständlich an Jesu Auferstehung. Vage Hoffnungen haben sie - laut Umfragen - nämlich dass sie irgendwie weiterleben. Viele machen sich Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele, über Wiedergeburt und Seelenwanderung. Daran glauben auch 23 % der Katholiken in Deutschland.
Bei dem vorangestellten Briefabschnitt ist jedes Wort wichtig:
Christus ist für unsere Sünden gestorben,Wie ein Auferstehungslied müssen wir uns das vorstellen. Ein Kantor singt vor (Christus ist für unsere Sünden gestorben), alle wiederholen den Kehrvers (gemäß der Schrift). Paulus erinnert: Das habt ihr doch schon alle gesungen. Das kennt ihr doch! Paulus wendet sich gegen die Zweifler und wird deutlich: Ohne österliche Botschaft kann man das ganze Christentum vergessen.
Ein "österliches" Erlebnis
Ich möchte ein persönliches Erlebnis (Osterdienstag 1995, Name verändert) erzählen, das mir an Ostern immer wieder in den Sinn kommt. Nach der 8 Uhr Messe, kam der Vater von Boris völlig außer sich zu mir und sagte, Boris sei tot, ich solle gleich kommen.
Boris war 9 Monate alt, das dritte Kind. Ich kannte die Familie vom Kleinkindergottesdienst. In der Wohnung waren Notärzte und Sanitäter um das Kind bemüht - Reanimation. Erfolglos. Diagnose: Plötzlicher Kindstod. Die Ärzte sagten: Sie hätten daneben stehen können, und doch nichts tun. Machen sie sich keine Vorwürfe, sie haben keine Schuld daran - so versuchten die Ärzte zu beruhigen. Der Rettungsdienst rückte ab, zurück blieb eine Frau von der Krisenintervention und versuchte zu trösten und verwies auf eine Selbsthilfegruppe. Ich blieb. Es wurde sehr ruhig in der Wohnung; eine Frau war mit den beiden anderen Kindern spazieren. Zum ersten Mal war ich mit dem Tod eines kleinen Kindes konfrontiert. Für mich war das ganz anders, als die Nachricht vom Tod eines alten, kranken Menschen. Da ist man irgendwie gefasst und sagt: Ein langes und erfülltes Leben!
Die Eltern waren verzweifelt, wir müssen in der Firma Bescheid geben, aber wir können doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Unser Kind ist tot. Mal hielt der Vater das Kind im Arm, mal die Mutter. Wir sprachen miteinander, beteten. Es war mir als bliebe die Zeit stehen. Alles andere verliert an Bedeutung. Dann kam die Kripo und stellte ihre Fragen. Schließlich traf ein Mann vom Bestattungsdienst mit einem Kindersarg ein. Die Eltern brachten ihr totes Kind selbst zum Auto des Bestattungsdienstes hinunter.... Obduktion!
Am Freitag in der Osterwoche war die Beerdigung unter Anteilnahme vieler junger Menschen. (Lesung - Offb 21; Lied: Tears in Heaven, jede/r konnte eine Blume ins Grab legen, ...)
Mir ging das sehr nahe. Gerade erst hatten wir Ostern gefeiert. Nach den Feiertagen hoffte ich, etwas verschnaufen zu können. Nichts. Grausam kann der Tod zufassen und uns Menschen unsere ganze Ohnmacht spüren lassen. Uns den bitteren Geschmack des Todes zu kosten geben! Den tiefen Abgrund der Sinnlosigkeit ahnen lassen, der sich auftut, wenn einem der Boden unter den Füßen schwindet.
Fragen ohne Antwort? Was kann ich als Seelsorger sagen und tun? Das war damals und ist heute meine Frage. Mein persönlicher Glaube war in Frage gestellt. Am Sonntag nach Ostern konnte ich nicht anders als vom Tod und der Hoffnung auf Auferstehung zu predigen. Ich wollte die Ereignisse der Woche ansprechen und auf diesem Hintergrund fragen, was der Glaube dazu zu sagen hat.
Sonntag für Sonntag feiern wir den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, das Geheimnis unserer Erlösung. Muss man da noch betonen, dass der Glaube an die Auferstehung das Herzstück unseres Glaubens ist? Ich vermute ja, denn für viele ist "Auferstehung" eine unbewiesene und unbeweisbare Behauptung. Paulus spricht zu Gläubigen, die unsicher geworden sind. Er versucht nicht, mit geschliffenen Argumenten zu überzeugen. Dass Gott unser Leben bewahrt über den Tod hinaus, das kann nur im Horizont des Glaubens vernommen werden.
Hat Paulus mit seiner Argumentation nicht recht? Wenn es keine Auferstehung von den Toten gibt, sind wir wirklich erbärmlich dran, weil dann allem, was wir denken, wollen und tun, der Keim des Todes und des Vergeblichen anhaftet.
Weil dann kein anderer Ausweg mehr bleibt, als sich in dieses Leben hineinzustürzen und ihm atemlos und mit hängender Zunge nachzulaufen, in der steten Angst, etwas zu versäumen. Was bleibt? Ein Leben, das man auspresst und auskosten will in einer krankhaften und krankmachenden Lebensgier. "Ich habe nur dieses eine Leben, und es ist kurz, zu kurz für all das, wovon ich träume."
Wo Gott ist, da ist alles anders, als wir es gewohnt sind. Auferstehung ist nicht beweisbar mit naturwissenschaftlichen Mitteln. Es braucht dabei einen gläubigen Blick, um zu verstehen.
Damit der Glaube eine Stütze habe, hat Gott an Ostern Jesus sichtbar gemacht, ihn zur Erscheinung gebracht. Die Erfahrung mit Jesus, der gekreuzigt wurde, aber dann auferweckt worden ist, formt eine Erzählgemeinschaft: Wir haben den Herrn gesehen! Die Auferstehungszeugen treten mit ihrem Leben für diesen Glauben ein. Mehr haben wir nicht.
Ich will Sie fragen: Ist "Tod und Auferstehung" für Sie ein Thema, über das sie sprechen? Sind wir Christen eine Erzählgemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig stützen?
Auferstehung oder Reinkarnation
Vermutlich hören Sie eher von Reinkarnation. Ich setze dagegen: ein zweites (dritten...) Leben würde am Tod nichts ändern! Ich möchte mit Ihnen die für viele plausible Vorstellung der Reinkarnation kritisch anschauen.
Christlich müsste es heißen:
Weil jedes Leben einmalig ist und weil es so schnell vorbeigeht, gerade darum ist es so kostbar, so schützenswert.
Auf die Frage: Woher das Lebensprinzip kommt? geben Religionen und Weltanschauungen unterschiedliche Antworten.
Nach der jüdischen Tradition ist das Leben eine kostbare geliehene Gabe Gottes. Im Augenblick des Todes wird Gott sie als sein Eigentum wieder zurückfordern.
Die indischen Religionen - Hinduismus, Buddhismus - haben keinen persönlichen Gott. Für sie wird die Welt ohne Anfang und ohne Ende gedacht, im Lebensprozess tauchen Existenzen auf, verändern sich und verschwinden wieder. (Kreislauf) Der zentrale Glaubenssatz ist der von der Vergeltung. Diese erfolgt nach einem ewigen und streng unabänderlichen Gesetz.
Die Sicht des christlichen Glaubens
Das sind aber nicht die schlagenden Gründe, warum die Lehre von der Wiedergeburt nicht trägt. Die entscheidenden Gründe liegen in der Gottesoffenbarung:
Jesus verbürgt diese Botschaft.
Ja, Jesus ist diese Botschaft, die Gott uns Menschen sagen will. Und weil er auferstanden ist, haben wir Hoffnung, mit ihm zu leben.
Textstelle: Mt 7, 21 - 27
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Jak 1,22; 1 Joh 2,17; Lk 6,46 22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? (22-23) Lk 13,25-27 23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes! 25,12; Ps 6,9 G 24Vom Haus auf dem Felsen: 7,24-27 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. (24-27) Lk 6,47-49 25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. 26 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.
Wie schön, wenn Verstehen und Handeln zusammen kommen. Manches Gespräch strapaziert meine Nerven. Vor allem deswegen, weil meine Zeit meist knapp ist und ich wie auf Kohlen sitze, wenn mein Gegenüber um den heißen Brei herumredet. Ich möchte rufen: Bitte, kommen Sie doch zur Sache.
Eine andere Situation lässt mich unzufrieden, ja traurig zurück: Da hat jemand sein Problem klar vor Augen, erzählt von sich und formuliert sogar mögliche Schritte, die dazu führen, dass es besser würde. Aber er bleibt im Denken und Reden stecken. Er schafft den Schritt zum Handeln nicht. Das macht mich traurig, weil ich merke, dass es mit dem Reden eben nicht getan ist. Mir ist schon klar, dass die Umsetzung manchmal dauert und erst ein zweiter oder dritter Anlauf einen Schritt voran bringt.
Da möchte ich rufen: Mensch, tu, was Du begriffen hast. Trau Dich doch, den ersten Schritt zu tun. Es ist als ob eine undurchdringliche Glaswand einen trennt, den entscheidenden Schritt zu tun. Man sieht schon hinüber, das erste Etappenziel ist zum Greifen nah, und doch geht es nicht voran.
Natürlich gibt es auch den Menschentyp, der alles besser weiß, gute Ratschläge gibt, aber sich selber nicht dran hält. Solche sind keine wirksamen Vorbilder, sie sind unglaubwürdig. Verstehen ist kein Vorgang in den Gehirnwindungen allein. Wer recht versteht, der lebt konsequent und handelt entsprechend.
Ein Beispiel: Wenn mir meine Gesundheit wertvoll ist, werde ich es lassen, wenn ich auf einer Packung Zigaretten lese: "Rauchen gefährdet ihre Gesundheit".
Wer tut, was Gott will ...
Jesus fasziniert mich, weil er stimmig ist im Denken und Handeln. Ebenso fasziniert mich ein Franz von Assisi, der konsequent umsetzt, wovon er überzeugt ist. Unser Textabschnitt aus dem Matthäus-Evangelium steht am Ende der Bergpredigt. Da wird sehr zugespitzt formuliert. Zunächst wird eine goldene Regel vorgestellt (nicht im Abschnitt des Evangeliums vom 9. Sonntag im Jahreskreis), die sich leicht merken lässt: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Diese Regel steht einige Sätze weiter vorher. Unmittelbar nach dem Abschnitt folgt der Schlusssatz der Bergpredigt: "Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten."
Nicht nur vom guten Wollen reden - bringt weiter, sondern der Schritt ins Handeln. Das macht den Unterschied aus: ob mein Lebenshaus auf Sand oder auf Fels gebaut ist. "Nicht Jeder, der zu mir sagt. Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. (Mt 7,2 1)Geredet wird ja viel, vor Kameras, medienwirksam, gleichgültig ob es Vertreter von Parteien, Gewerkschafter oder auch der Kirchen sind. Natürlich ist es ihre Aufgabe, Sachverhalte zu benennen, gedanklich einen Weg aufzuzeigen, eine Perspektive zu entwickeln usw.
Eine gute Rede, die Menschen bewegt, zur Einsicht und zum Handeln bringt. Wunderbar!
Aber wie oft werden Worthülsen gedroschen, und die Zeit wäre sinnvoller verwandt, hätte man geschwiegen und zugehört.
Gelegentlich wird in Kirchenkreisen - ein wenig selbstkritisch - von Logorithis - von Wortdurchfall -gesprochen.
Sich selbstkritisch prüfen, kann nicht schaden.
- Wie rede ich?
- Wie ernst nehme ich, was ich sage?
- Passt mein Tun zusammen mit meinem Denken und Reden? Wer die Hände fromm zum Beten faltet, mag sie dann auch wieder öffnen zum Handeln.
Politiker, ebenso wie Vertreter der Kirche werden nicht an ihren Worten gemessen, sondern an ihren Taten. Wenn den Worten keine Taten folgen, dann steht unser Lebenshaus auf wackeligem Grund. Worauf ich mein Leben baue, das zeigt mir der ehrliche Blick auf meine Wirklichkeit. Jeder, der etwas vom Bauen versteht, weiß, dass es mit den Fundamenten losgeht. Sie müssen tragen.
"So baut denn eurer Ehe Haus ......"
Mir fällt ein, dass anlässlich einer kirchlichen Trauung sich das Brautpaar genau dieses Evangelium ausgesucht hatte. Miteinander hatten sie sich auf dieses Evangelium geeinigt. Sie zeigten damit auch, auf welchen Boden sie ihr Lebenshaus stellen wollten.
Schon beim Polterabend wurde ihnen das Modell eines Hauses geschenkt mit allem, was man zum Wohlfühlen braucht.
Auf nette Weise wurden Fragen angestoßen:
- Wer legt den Grund?
- Wer trägt, wenn eigene Kraft nichts mehr vermag?
- Worauf baut ihr euer bergendes Zuhause?
- Wie tief seid ihr bereit zu graben, damit das Fundament eures Hauses auf festem Boden steht?
Das Fundament verschwindet ja im Boden, man sieht nur das schöne Haus. Aber es ist unerlässlich.
Im Evangelium gilt als klug, wer auf Jesu Wort hört und sie befolgt. Wer sich so verhält, der ist wie einer, der sein Haus auf Fels baut. Er hat den besten Grund gelegt, den er nur legen konnte. Was er mit eigener Anstrengung aufbaut, gelingt und bleibt. Sein Lebenswerk hat bestand, denn es ruht auf der Liebe und Treue Jesu.
Wähle selbst! Meine Überzeugung ist, dass es sich "leichter" lebt, wenn man seine Ziele kennt und sich klar entscheidet.
Keiner kommt auf die Dauer an Entscheidungen vorbei. Ja, es gibt, wie ein Buchtitel sagt, einen "Zwang zur Häresie":
Wir sind geradezu gezwungen zu wählen aus einer Fülle von Möglichkeiten. Das eine kann ich ergreifen, das andere muss ich sein lassen.
Jesus bietet seine Botschaft an, dass wir sie hören und befolgen. So gehen wir in seiner Nachfolge und so wird unser Weg konsequent, ja einladen für andere, ihn mit uns zu gehen.
Weil der Vorgang des Entscheidens - meiner Erfahrung nach - eher schwer fällt, noch ein Wort zum Nachdenken von Paul Roth-.
"Man kann sich nicht
ein Leben lang
die Türen alle offenhalten,
um keine Chance zu verpassen.
Auch wer durch keine Türe geht
und keinen Schritt nach vorne wagt,
dem fallen Jahr für Jahr
die Türen eine nach der andern zu.
Wer selber leben will,
der muss entscheiden,
mit Ja oder Nein im großen und im kleinen.
Wer sich entscheidet, wertet, wählt
und das bedeutet auch Verzicht.
Denn jede Tür, durch die er geht,
verschließt ihm viele andere.
Man darf nicht mogeln
und so tun,
als könne man errechnen und beweisen,
was hinter jeder Tür geschehen wird.
Ein jedes Ja -
auch überdacht, geprüft -
ist doch ein Wagnis
und verlangt ein Ziel.
Das ist die erste aller Fragen:
Wie heißt das Ziel,
an dem ich messe Ja und Nein?
Und: Wofür will ich leben?"
Aus dem ersten Petrusbrief (1 Petr 2,4 - 9)
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein,
der von den Menschen verworfen,
aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.
Lasst euch als lebendige Steine
zu einem geistigen Haus aufbauen,
zu einer heiligen Priesterschaft,
um durch Jesus Christus
geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.
Denn es heißt in der Schrift:
Seht her,
ich lege in Zion einen auserwählten Stein,
einen Eckstein, den ich in Ehren halte;
wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre.
Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser
Stein, den die Bauleute verworfen haben,
zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt,
und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.
Sie stoßen sich an ihm,
weil sie dem Wort nicht gehorchen;
doch dazu sind sie bestimmt.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht,
eine königliche Priesterschaft,
ein heiliger Stamm,
ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet,
der euch aus der Finsternis
in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Wissen´s Herr Pater, ich geh nicht jeden Sonntag in die Kirch´. Beim Wandern im Wald oder auf einem Berg fühl ich mich Gott näher. - so höre ich gelegentlich im Beichtstuhl. Sicherlich kann ein schönes Naturerlebnis erhebend und aufbauend sein. Aber eine einladend schöne Kirche und in ihr eine festliche Liturgie möchte ich dafür nicht eintauschen.
An diesem Sonntag ist der sog. Kirchweihsonntag. All jene Kirchen, die das Datum ihrer Kirchweihe nicht kennen, feiern an diesem Sonntag das Gedächtnis ihrer Kirchweih.
Als erstes fällt mir das Lied "Ein Haus voll Glorie schauet" ein, das ich mit Kirchweih verbinde: feierlich und selbstbewusst klingt es mir im Ohr.
Als nächstes taucht in mir das Bild der St.-Anna-Basilika in Altötting auf. In dieser Kirche empfing ich die Priesterweihe. Und vor einer Woche hatte die Basilika ihren 90. Weihetag. Das war Anlass, einige Bilder und Texte aus dem Archiv des Klosters in der Kirche auszustellen.
Welch eine Leistung, diese Kirche in 2 Jahren zu bauen. Heute sagen Fachleute, man bräuchte wohl 6 Jahre, um eine Kirche dieser Größe zu bauen. Viele haben ihren Beitrag geleistet - sei es ihr Gebet oder finanzielles Opfer -, damit für die Wallfahrer eine neue große Kirche entsteht. Ihnen gebührt Dank.
Zunächst ist da das Gebäude aus Stein. Notwendig, um den Wallfahrern einen Raum für den Gottesdienst zu bieten. Glaube spielt sich nicht allein im stillen Kämmerlein ab. Er braucht das Miteinander im Feiern des Glaubens: Die Liturgie drückt aus, was wir glauben. In Lieder und Gebeten wird Glaube erlebbar. Zeigen und bezeugen Christen, was die Mitte ihres Lebens ist.
Nochmals zurück zur Basilika: Am 28. August 1910 wurde der Grundstein sichtbar eingemauert. Er trägt in goldenen Buchstaben die Aufschrift: "Lapis angularis". Christus selbst ist der Grundstein der Kirche. Auf ihn baut die Glaubensgemeinschaft.
Am 13. Oktober 1912, dem Weihetag der neuen St. Anna-Kirche, sagte Diözesanbischof Sigismund Felix in seiner Predigt: "Mit dieser Kirche, die wir eben eingeweiht haben, hat gleichsam die hl. Mutter Anna ihrer Tochter Maria ein Haus gebaut. .... Es sollen gesegnet sein die, welche dich erbaut haben." Gesegnet, wer mitbaut an der Kirche, am Haus Gottes, wer selber ein Baustein ist darin.
Mir kommt der hl. Franziskus in den Sinn, der nach einem langen Weg des Suchens, seine Berufung findet. Vom Kreuzbild in San Damiano her hört er die Stimme Jesu Christi zu ihm sagen: Franziskus, siehst du nicht, wie mein Haus zerfällt. Geh, stell es wieder her.
Das nahm Franziskus wörtlich, fängt gleich an, das Kirchlein wiederaufzubauen. Nach und nach begreift er, dass es um lebendige Steine geht. Junge Männer aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und mit unterschiedlichen Berufen schließen sich ihm an. Was sie verbindet, woran sie sich halten ist das Evangelium.
So bilden sie eine Gemeinschaft: geformt vom Wort Gottes, geschliffen vom Leben, dem sie sich nicht entziehen, an ihren je eigenen Platz gestellt durch Gottes Fügung, von anderen gehalten und wieder Halt gebend. Ihre Mitte ist Jesu Wort und Beispiel.
Sie haben Recht, das ist lange her. Wo ist die anfängliche Begeisterung für das Evangelium in der "alten" Kirche mit ihren gewachsenen Strukturen und Glaubenssätzen.
Ich frage nicht nach x-beliebigen anderen, sondern ich frage Sie, frage Dich. Was gilt die Bitte "Herr, baue deine Kirche auf und fange bei mir an!" ?
Gott sei Dank, dass er längst schon angefangen hat, an mir zu "bauen". Dank sei ihm, dass er es nicht längst satt hat, immer wieder mit mir anzufangen. Bei meiner Firmung und danach wurde mir langsam klar, dass mein Christsein nicht ein lästiges Erbe ist, das ich mit mir trage. Ich habe mich gefragt, was es mir bedeutet, getauft und gefirmt zu sein. Ich wollte wissen, wo mein Platz ist: in den hinteren Reihen oder vorn im Altarraum? Ich bin dankbar für die Gemeinschaft der Kirche, zu der ich gehöre.
Noch etwas fällt mir ein zum Kirchweihfest.
Obwohl Franziskus nichts sein eigen nennen wollte, legte er seinen Brüdern nahe, Portiunkula - die kleine Kirche "Maria von den Engeln" - nicht aufzugeben. Hier hatte er ein Stück Heimat gefunden. Hier gab er sein Leben Gott zurück. Mariens Glaube und Gehorsam imponieren ihm, sie ist Mutter der Glaubenden: sie wird für ihn Königin und Mutter... Durch die konkrete Kirche betrachtet Franziskus Maria und durch Maria die Kirche.
Er fordert seine Brüder auf, Gottes Wort - Jesus Christus - aufzunehmen, im Herzen zu tragen und in die Welt hineinzugebären. "Christi Mütter sind wir, wenn wir ihn durch die Liebe und ein reines und lauteres Gewissen in unserm Herzen und Leibe tragen und ihn gebären durch ein heiligen Wirken, das andern als Vorbild leuchten soll."
Hier entdecke ich die mütterliche, bergende Seite der Kirche. Nicht abweisend und hart, sondern empfänglich und weich, gilt es zu sein, damit "Gottes Hand" uns Menschen formen kann zu einem Gefäß, zu einer Wohnung, die Raum hat für die Vielfalt und Fülle des Lebens.
Abschließend soll nochmals Franziskus mit dem Gruß an die selige Jungfrau Maria zu Wort kommen:
"Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria, die du bist Jungfrau, zur Kirche geworden und erwählt vom Heiligsten Vater im Himmel, die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem Heiligen Geiste, dem Tröster; in der war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute.
Sei gegrüßt, du sein Palast.Und seid gegrüßt ihr heiligen Tugenden alle, die durch die Gnade und die Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden, um aus Ungläubigen Gott getreue Menschen zu machen."
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein 26Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.. 36 Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. 37 Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Kurz vor der EntbindungDer Advent - so könnten wir sagen - schickt sich an, in die Zielgerade einzuschwenken. Die vierte Kerze brennt. Es dauert es nicht mehr lange. Bald ist es soweit. Bald wird das Kind zur Welt kommen. Das ist es doch, worauf wir im Advent warten.
Mütter, die ein neues Leben unter ihrem Herzen tragen, tragen auf ihrem Gesicht einen stillen Glanz. Gegen Ende der Schwangerschaft wird der Gang schon mühsam und schwer, die sonst gekannte Leichtfüßigkeit schwindet unter dem Gewicht des sich wölbenden Leibes. Da ist die leise Sorge, ob alles gut gehen wird. Da ist Vorfreude bis es da ist, das neue Leben.
Wie mag es Maria gegangen sein?Maria, hochschwanger - wartet auf das Kommen des Kindes. Sie ist - buchstäblich - ganz erfüllt. Das Kind hat sie innerlich erfüllt. Es braucht Platz, es will getragen werden, ausgetragen und schließlich zur Welt kommen.
Warum dieses Evangelium am vierten Advent?Wenn Sie das Evangelium des Vierten Adventssonntags gelesen haben, wundern Sie sich vielleicht, dass dieser Abschnitt aus dem Lukasevangelium so kurz vor Weihnachten ausgewählt wurde. Wir kennen diese Botschaft, wir kennen wohl auch Bilder, die diese Szene eingefangen haben. Der Engel Gabriel kommt zu Maria und verkündet ihr, dass sie die Mutter des Messias werden soll. Was hat sie - diese uns vertraute Verkündigungserzählung - zu sagen?
Das Geschehen wir zeitlich bestimmt durch die Ansage: "im sechsten Monat". Gemeint ist die Schwangerschaft der Elisabeth, der Frau des Zacharias. Sie erwartet ein Kind, das den Namen Johannes bekommen wird. Im für Elisabeth sechsten Monat wird der Bote Gottes namens Gabriel nach Nazaret gesandt, zu einer jungen Frau. Ihr Name bleibt zunächst ungenannt, was nach damaliger Gepflogenheit nicht ungewöhnlich ist. Eigenartig wie der Engel Maria anspricht. "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir."
Maria erschrickt. Jedoch nicht, weil plötzlich ein Engel vor ihr steht. Sie erschrickt über die Anrede. Das ist von Lukas, aus dessen Evangelium dieser Abschnitt genommen ist, so gewollt. Bewusst und geradewegs kunstvoll ist diese Erzählung komponiert.
Was im weiteren Gespräch vom Engel gesagt wird, ist eigentlich die Wiederholung - und damit Verstärkung - des schon Gehörten.
"Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden." Schritt um Schritt - um nicht zu sagen - Schlag auf Schlag legt der Engel offen, was Gott mit Maria vorhat.
"Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben."
Nicht Maria, sondern JesusFür uns ist kaum zu begreifen, was da vor sich geht. Wir können es uns nicht vorstellen, was diese Worte in Maria ausgelöst haben müssen. Was uns interessieren würde, darüber schweigt der Evangelist. Das ist für ihn nicht zentral. Der Text kreist nicht um Maria, sondern um Jesus. Er wird angekündigt und vorgestellt. Und es wird noch einmal zugelegt:
"Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten." Und Maria lässt sich ein: "Mir geschehe, wie du gesagt hast."
Mit diesem Satz wird Maria gern zitiert und als Vorbild dargestellt. Zurecht darf man ihr Ja nicht klein reden. Doch gilt es auch zu sehen, dass Gott die Initiative ergriffen hat.
Ich möchte mit Ihnen nochmals zurückschauen auf den ersten Satz, den der Engel sprach. Er bildet mit der Antwort Mariens "Mir geschehe, wie du gesagt hast." die Klammer des Textabschnittes.
"Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." Das gilt nicht exklusiv nur für Maria, es gilt uns allen. Dieser Satz muss wohl lange "gekaut" werden, damit er in seinem ganzen Gehalt ausgekostet werden kann.
Mir gescheheMaria war weder taub, noch abweisend. Sie hat "Gottes Wort" angenommen, durch sie hat Gottes Sohn Fleisch angenommen und unter uns gewohnt. Bei uns sucht Jesus Herberge, bei uns will er wohnen. Wir können dieses Wort in die nächsten Tage hinein mitnehmen. So werden wir von Gott erfüllt und Gott-voll sein. Lassen wir es geschehen!
Eine jüdische ErzählungEin Rabbi war bei frommen Gelehrten zu Gast.
Er überraschte sie mit der Frage:
"Wo wohnt Gott?"
Sie lachten über ihn und sagten:
"Was redest du!
Die ganze Welt ist doch voll
von seiner Herrlichkeit."
Der Rabbi beantwortete seine eigene Frage so:
"Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt."
Ein kostbarer Edelstein
Jeder (?) hat seine Lieblingsstelle in der Bibel. Ein Vers, der einem zu Herzen gegangen ist, der eine Lebenssituation getroffen hat, der ermutigt und aufgerichtet hat, der einem zugesagt wurde...
Wie ein kostbarer Edelstein ist für mich der Satz: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." (Joh 3,16).
Dieser Satz macht mich nachdenklich. Wenn ich auf mich schaue und merke, dass ich manchmal aus der Haut fahren könnte, dass ich nahe dran bin zu sagen: Rutsch mir doch den Buckel runter. Hau ab, ich will dich nicht mehr sehen. Reizvoll, tief und gewichtig ist diese Aussage Jesu, zugleich aber ist sie sperrig, nicht leicht zu verstehen. Ich kann diesen Satz nicht wie eine Nuss knacken. Mit Gewalt geht da gar nichts.
Nikodemus im Gespräch mit Jesus
Dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium gehört zu den einprägsamsten Texten des Neuen Testaments. Es ist der Abschluss des Gesprächs zwischen Nikodemus und Jesus. Nikodemus ist verstummt, Jesus denkt quasi laut über seine Sendung nach. Hier begegnet uns eine verdichtete Glaubenserfahrung, eine Bekenntnisformel mit kraftvollen und nachhaltigen Worten. Diese sind Frucht langer Meditation und verlangen auf der Seite des Leser bzw. Hörers ebenso eine meditative Haltung, damit sie sich erschließen.
Der Form nach haben wir es mit einer Rede Jesu zu tun. Darin wird erstmals im Johannesevangelium vom Ewigen Leben und vom Gerettet-werden gesprochen. Jesus deckt auf, was ihm am Herzen liegt: wir Menschen sind es, glücklich will er uns machen.
Das Leben - Gabe Gottes
Die Rede vom ewigen Leben ist für unsere Ohren nicht neu, nicht überraschend, eher alt und gewohnt. Für den Verfasser des Johannesevangeliums ist "Leben" eine Wirklichkeit, die ganz und gar von Gott kommt. Nicht wir Menschen geben uns das Leben. Unser Leben ist uns geschenkt. Aber, so könnten wir fragen: Was ist dieses Geschenk denn wert, wenn wir doch alle sterben müssen? Das hat Johannes in seiner Frohen Botschaft nicht ausgeblendet. Schon im kreatürlichen Leben ist das unzerstörbare, bleibende Leben angelegt. Denn unser Ursprung liegt in Gott, dem lebendigen. Er will, nicht unseren Tod, sondern dass wir leben.
Jesus will uns die Augen öffnen für die Gabe Gottes.
Allerdings geht das nur mit einem Vorschuss an Vertrauen. So wie bei dem Gespräch zwischen Nikodemus und Jesus. Wäre Nikodemus zu Jesus gegangen, wenn er nicht eine Antwort auf seine Fragen erwartet hätte? Hätte er Jesus zugehört, wenn er schon eine unumstößliche eigene Meinung in der Frage des Lebens gehabt hätte? Er war auf der Suche und hoffte bei Jesus zu finden.
Gott sucht sehnsüchtig den Menschen
Wo wir Menschen suchen und fragen, kommt uns Gott von sich aus entgegen. Er ist voller Sehnsucht nach uns. Wenn Sie fragen, woher ich diese Behauptung nehme, darf ich auf den Kernsatz verweisen: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." (Joh 3,16).
Wie kann diese Glaubensaussage zu meiner Überzeugung und Gewissheit werden? Ich kann keine vollständige Antwort geben, nur ein paar Denkhilfen. Ist es nicht eigenartig: Je mehr man sich mit einer Sache oder mit einem Menschen beschäftigt, desto mehr werden sie zum Geheimnis. Nach einer gefundenen Antwort tauchen weitere Fragen auf und das Suchen geht weiter. Wer auf einem Fachgebiet viel weiß, steht vor immer neuen Fragen. Aus "neutralem" Abstand erscheint mir ein Sachverhalt recht klar. Aber je näher ich komme, umso mehr geht mich die Sache oder Person an, beschäftigt und beeinflusst mich.
"Letzter Rettungsversuch"
Gott drängt es zu uns Menschen hin. Er hat einen Zug in die Tiefe menschlichen Lebens und menschlicher Geschichte. Er will uns nahe sein. Davon erzählt die biblische Geschichte. Schließlich unternimmt Gott quasi einen letzten Versuch, indem er seinen Sohn sendet. Der Sohn legt offen, dass er Sehnsucht hat, sich mit uns zu freuen und bereit ist, mit uns zu leiden, dass es ihm daran liegt, uns teilnehmen zu lassen an seinem Leben, seiner innigen Gemeinschaft mit Gott.
Es tut schon weh, wenn ich einen Menschen mag, ihm nahe stehe und dann doch wieder erlebe, dass wir uns nicht verstehen, aneinander vorbeileben. Den Schmerz, der aus dem Nicht-verstanden-sein kommt, kannte auch Jesus.
Hören - verstehen - handeln
Ein auffallender Satz im Evangelium: "Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht." Dieser Satz mag zum Verständnis des heutigen Evangeliums helfen. Er ist sicher kein Gegensatz zum vorher Gesagten: nämlich dass sich der Sinn der Botschaft nur dem erschließt, der mit einer meditativen, hörenden Haltung herangeht. Hier geht es nicht darum, dass ein hohes Maß an Aktivität die Erkenntnis steigern könnte (Machermentalität fördert keine Erkenntnis). Um voranzukommen auf dem Weg, braucht es die enge Verbindung vom Erkennen und Tun der Wahrheit.
"Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht."
Das heißt für mich:Gott spielt mit offenen Karten
Mit dem 4. Fastensonntag haben wir etwa die Mitte der österlichen Bußzeit erreicht. Diese Zeit dient der Vorbereitung auf die Feier des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi. Die biblischen Texte, die an den Fastensonntagen verkündet werden, wollen unser Vertrauen stärken und zu größerer Klarheit im Glauben verhelfen.
Gott spielt mit offenen Karten. Er deckt sein Handlungsmotiv auf: es ist die Liebe zu uns Menschen. In Jesus macht er uns ein Angebot: Wer zu ihm aufschaut, der wird leben. Wir haben also die Wahl zwischen Licht und Finsternis, zwischen Glauben und Unglauben.
Mk 6,30 - 34
Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.
Jede Zeit hat ihre Eigenheit
Jede Zeit hat ihre Besonderheiten und Auffälligkeiten. Wir, die wir selber im Strom der Zeit stehen, nehmen vieles als "normal" zur Kenntnis. Erst in kurzen Momenten der Besinnung nehmen wir Veränderungen deutlicher wahr. Da sind Pendelschläge nach der einen Seite, die ergänzt werden durch Pendelschläge nach der anderen Seite hin. Das rechte Maß dabei zu finden, scheint - so kommt es mir vor - oftmals Glücksache zu sein.
Nicht anders ist es, wenn wir versuchen uns ein Bild zu machen, wer Jesus war und was er für uns heute bedeuten könnte. Schon allein die Buchtitel der Jesusliteratur belegen, wie immer wieder einzelne Bereiche hervorgehoben werden, andere dafür fast untergehen. Ein stimmiges, ausgewogenes "Bild" ist kaum zu haben. Auch hier fällt offensichtlich schwer, das rechte Maß zu finden. Mal sind wir - im Bild des Weges gesprochen - zu weit links, mal zu weit rechts. So reagieren wir - der Logik der Psyche folgend - auf Einseitigkeiten, suchen Ausgleich und Ergänzung, um ins seelische Gleichgewicht zu kommen.
Mach mal Pause!
Von Jesu Wort: "Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus!" fühle ich mich angesprochen. Wohl deshalb, weil es zeitlich eng, fast pausenlos dahingeht.
Jesus hat seinen Jüngern eine Tür geöffnet, damit sie aus Lärm und Aktivität heraustreten, zur Ruhe, zu sich selber, zu Gott und zu neuer Inspiration kommen. Das will er auch uns schenken.
Die Jünger, die Jesus ausgesandt hatte, müssen reden über das, was sie unterwegs erlebt haben. Sie müssen das Erlebte verarbeiten und sich untereinander austauschen und dadurch gegenseitig bereichern. Dazu brauchen die Jüngern um sich herum Ruhe, damit die innere Bewegung spürbar wird. Sie brauchen eine Auszeit, damit sie sich neu ausrichten und motivieren können.
Runter vom Gas
Die Einladung Jesu, auszuruhen, tut meiner Seele wohl. Sie hilft mir, mich abzugrenzen gegen ein Übermaß an Erwartungen, gegen den inneren Impuls diese oder jene Arbeit doch noch tun zu müssen. Unsere menschlichen Kräfte sind nun mal begrenzt, ebenso die Zeit, die wir zur Verfügung haben.
Ist es nicht sinnvoll, wenn ich mir, statt mich mit einem schlechten Gewissen abzufinden, Zeit nehme für Ehepartner, Kinder, Freunde und auch für mich selbst? Ist es nicht Ausdruck einer gesunden Selbstliebe (Dank an Gott für das Geschenk meines Lebens), wenn ich mir als Christ - neben vielen anderen Zusagen Jesu - eben auch das Wort zu Herzen nehme: Komm mit und ruhe dich ein wenig aus?
Wer mit Vollgas in die Kurve geht, riskiert, aus der Bahn geworfen zu werden. Das Auto braucht, um lenkbar zu sein die Bremse. Gleichzeitig bremsen und lenken ist schlecht. Also: Erst verlangsamen, dann die Richtung ändern. Wer an seinem Lebensweg etwas korrigieren will, der sollte das nicht mit Höchstgeschwindigkeit. Zeiten der Ruhe sollen Zeiten der Aktivität ergänzen.
Die Seele baumeln lassen...
An jedem Sonntag wird uns aus dem Reichtum des biblischen Zeugnisses ein Stück angeboten. Uns selber ist überlassen, was wir damit anfangen. Ihnen ist es überlassen, sich die nötige Zeit zum Ausruhen, zum Gespräch usw. zu nehmen. Von meiner Seite möchte ich noch eine verbale Motivation dazugeben, wie ich sie in einem Liedtext von Siegfried Fietz gefunden habe:
"Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen!"
und:
"Die Seele baumeln lassen tut so gut,Wir tun so als ginge uns das alles nichts an. Wir leben. Und je mehr wir im Leben verwurzelt sind, umso weniger denken wir ans Sterben. Wir erleben, wie kurz für manchen die Lebensspanne sein kann (der Blick in die Zeitung macht es deutlich), und greifen danach, das Leben auszukosten. Keiner weiß, wann es ihn trifft: das unausweichliche Geschick, der Tod. Christen feiern den Allerseelentag: sie besuchen den Friedhof und gehen zu den Gräbern ihrer Angehörigen. Um Allerheiligen und Allerseelen sind die Friedhöfe voller Leben, die Gräber schön geschmückt. Was in den Köpfen und Herzen der Menschen vor sich geht, vermag ich nicht zu erraten; darüber will ich nicht spekulieren. Mag sein, dass viele um ihre Verstorbenen trauern und den Kontakt suchen, weil sie ihnen fehlen, weil das Leben zu früh endete, weil Chancen verschenkt wurden oder Hoffnungen zerbrochen sind.
Ich habe den Eindruck, dass wir uns nicht gerade leicht tun, mit all dem, was das Stichwort Tod benennt. Mich regt das Fest Allerseelen zum Nachdenken über (mein) Leben und Sterben an. Vom Leben verstehen wir mehr, so scheint es mir. Wir sind darauf aus, gut zu leben, unser Dasein abzusichern, unser Kräfte einzusetzen für die Werte und Ziele, die wir anstreben. Oft genug ist der Lebensweg beschwerlich wie ein steiler Bergaufstieg. Langsam geht es Schritt für Schritt voran, aber wohin letztendlich? Wenn am Ende des Aufstiegs, also am Gipfel, der Zusammenbruch in Gestalt des Todes uns erwartet, wozu dann all die Mühe?
An dieser Grenzerfahrung findet Religion einen Anhalts-Punkt, hier kann sie einhaken. Sie antwortet auf die Frage: Woher komme ich und wohin gehe ich? Eine allgemeine, noch nicht spezifisch christliche Antwort, sagt: Wir kommen nicht aus uns selbst, nicht aus eigenem Wollen und Vermögen. Und wir werden an diesen Ursprung zurückkehren.
Wir Christen finden den Ursprung näher bestimmt durch das Leben und die Botschaft Jesu Christi. An seiner Art des Umgangs mit ausgegrenzten Menschen, seien sie Kranke oder Sünder gewesen, zeigt er uns, wie Gott, sein und unser Vater, zu uns Menschen ist. Diesen Gott brauchen wir nicht zu fürchten, denn er ist kein Tyrann, kein unberechenbarer Richter. Diesen Gott können wir lieben, denn er hat angefangen, uns liebevoll zu begegnen.
Diese Liebe ist stärker als der Tod. Sie trägt über den Abgrund des Todes hinweg. So ist unser Verhältnis zum Tod von unserem Gottesbild bestimmt. Wo ich glauben kann, dass mein Leben aus Gottes Liebe kommt und dort auch sein Ziel haben wird, ist der Tod die Tür zu dieser Qualität des Lebens. Der Tod ist Übergang zu einem Leben, das aus der Kraft des Ursprungs kommt.
Auch ein Höchstmaß an Leistung im Denken und Handeln kann diesen Übergang begreifen, in der Hand haben. Das Reisegepäck auf diesem Wegstück ist das Vertrauen auf Gott. Er nimmt an, was von ihm ausgegangen ist. Alles wird bei ihm aufgehoben (im Doppelsinn des Wortes): beendet und zugleich auf einer höheren Ebene bewahrt. Ich wünsche Ihnen, liebe Schwester, lieber Bruder, dass Sie mitten im Leben den Tod nicht fürchten, denn Sie sind mitten im Sterben zum Leben bestimmt.
Fasziniert bin ich vom Leben einer Mutter Teresa. Sie hat sich den Sterbenden gewidmet und ihnen ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht: Papst Johannes Paul II hat sie am 19. Okt. seliggesprochen. Von ihr stammt folgender Satz:
Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten, denn er ist nur ein Heimgehen zu Gott.
Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch Ostern: die Feier von Tod und Auferstehung des Herrn. Mag vielen Weihnachten emotional näher sein, so ist doch Ostern das Herzstück unsers Glaubens. Wiedermal soll und darf ich zu Ostern predigen. Was fällt mir dazu ein? Ich möchte Sie anregen, ihren eigenen österlichen Erfahrungen und Gedanken nachzugehen. Als Anstoß biete ich Ihnen an, was mich heuer einen Hauch von Auferstehung verspüren hat lassen.
Stehen bleiben - aufstehen - auferstehen
In der österlichen Bußzeit kam der geistliche Autor Pierre Stutz zu einem Vortrag. Sein Thema: Der Christ von Morgen - ein Mystiker. Gleich am Anfang war ich hellwach und interessiert, was nun kommt. Denn der Referent stellte sich hin, sprach ruhig ein paar Worte, war wieder still und schaute lächelnd in den Zuhörerkreis. Fast hätte man glauben können, er weiß nicht recht weiter. Aber nein, es war Absicht. Er wollte die Worte wirken lassen, ihnen einen Raum geben, in dem sie gehört werden.
Mir blieb die Frage im Gedächtnis: was wäre, wenn immer mehr Menschen stehen bleiben und nicht dem ewig alten Trott und dem Gehetze folgen würden? Stehen bleiben - aufstehen - auferstehen - zu sich stehen - seinen Standpunkt beziehen - etwas durchstehen... Das nehme ich mir als Anstoß mit: Stehen bleiben und den Leer-raum des Lebens füllen lassen von Christus, der für uns starb und auferstand. Ein Hauch von Auferstehung.
Die Nacht wird hell wie der Tag
Manchmal fühle ich mich kraftlos und müde und muss mir eingestehen: für heute geht nichts mehr. Ich wünsche mir nur noch, die Bettdecke über mich zu ziehen und im Dunkel der Nacht ruhen zu dürfen.
Wir sind uns sicher, dass jede Nacht von einem neuen Morgen abgelöst wird, dass die aufgehene Sonne das Dunkel der Nacht vertreibt. Wenn morgens die ersten Sonnenstrahlen mein Zimmer ereichen, möchte ich nicht liegen bleiben. Die länger werdenden Tage und das Gezwitscher der Vögel tun mir gut. Ein Hauch von Auferstehung.
Die Feier der Osternacht "spielt" mit dem zarten Licht der Osterkerze, die am Osterfeuer entzündet wird. Das Osterlicht - der auferstandene Christus - wird im Exsultet besungen. Die Atmosphäre in der dunklen, nur von Kerzenlicht erfüllten Kirche hat mir gut getan. Ein Hauch von Auferstehung.
Das Schöne verkosten
Die Tage vor Ostern gingen hin wie im Flug. Der Terminkalender war gefüllt. Wichtige Gespräche, die vor- und dann nachbereitet werden sollten. Beichten, Gottesdienste, Predigten... Kein Grund zu jammern, denn es war wirklich viel Schönes darunter, aber es blieb kaum Zeit, "das Schöne" zu verkosten.
Ostern haben wir gefeiert und feiern wir noch bis Pfingsten, nicht so glanzvoll wie in der Osternacht, eher alltäglich. Für die Begegnungen mit Wallfahrern, die nach Altötting kommen, bin ich dankbar. Ihre innere Haltung ist österlich: aufbrechen, dem Leben trauen, Gott geht mit. Ein Hauch von Auferstehung.
Augen auf und Ohren auf...
Es ist fast 15 Jahre her, dass ich während des Studiums ein Buch las. Der Titel hatte mich neugierig gemacht. Der Inhalt ist mir in Teilen noch sehr gegenwärtig. Was da stand, hat mich provoziert und etwas in mir wachgerufen, das bislang schlummerte: Wie ein Kehrvers war mehrmals zu lesen: Augen auf und Ohren auf, und wenn es sein muss auch mal die Klappe... Der Satz ist mir lange nachgegangen.
Ich erlebe - leider nicht selten - Menschen, die schon viel zu lange geschluckt haben, was ihnen von anderen zugemutet wurde. Sie sind davon krank und traurig geworden. Dann höre ich einen Menschen innerlich aufstehen und sagen: Ich lasse mir nichts mehr gefallen. Ich schlucke nichts mehr. Das Haferl innen drin ist voll. Ich will mehr für mich sorgen, damit es mir gut geht. Das zu hören hat mir gut getan. Ein Hauch von Auferstehung.
Liebst du mich?
Petrus wird in der Begegnung mit Jesus nach seiner Liebe gefragt. Er will es von ihm selber hören, wie er zu ihm steht. Erst dann kann er ihm die Hirtensorge für die Menschen anvertrauen. Aus der Kraft tiefer Liebe soll die Kirche leben. Aus Liebe gab Jesus sein Leben, für uns, damit wir das Leben haben.
Die Frage Jesu - auch an mich - steht im krassen Kontrast zum Haß, der in Terror und Terrordrohungen aufscheint. Wie groß muss Liebe sein, die diesem Hass standhalten kann, die trotzdem fähig ist zu verzeihen.
Gott sei Dank, dass Jesus lebt und ich glauben kann: Liebe ist stärker als Haß. Mehr als ein Hauch von Auferstehung.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in allem Schönen, das Ihnen widerfährt, einen Hauch der Auferstehung erahnen, die göttliche Kraft, die Tod in Leben, Trauer in Freude, Haß in Liebe wandeln kann.
Textstelle: Lk 13, 22 - 30
Geld ist knapp, die Spielräume für Investitionen sind eng geworden, viele müssen sparen, ob einzelne, ob Familien, die öffentliche Hand oder die Kirche. Wo es eng geworden ist, da ist das Vorankommen mühsam, da sind Einschränkungen auszuhalten. Kreaitivität und inhaltliche Auseinandersetzung wird gelegentlich im Keim erstickt, wenn als erste Aussage kommt: Wir haben kein Geld.
Die Weite des Denkens und Weitsicht in Entscheidungen wäre mir lieber. Manche hoffen ja, dass es nach dem finanziellen Engpass wieder weiter wird. Kenner der Lage geben ihnen nicht Recht. Sie sagen: Wir müssen mit weniger zurecht kommen. Wir sollten uns deutlich für diesen Weg entscheiden und aufhören zu jammern. Das freilich verlangt Umkehr, Aufbruch und mutige Schritte.
Jesus spricht von der engen Tür, durch die unserer Weg führt. Enge macht Angst. Warum soll ich mich mit allen Kräften durch die enge Tür zwängen, warum nicht die breitere nehmen? Andersherum gesehen: Die enge Tür nimmt mich ernst. Da stolpere ich nicht hinein. Da bin ich gefragt. Da zählt meine Entscheidung
Sie haben wohl alle schon mehr oder weniger dunkle, enge Weg-strecken in ihrem Leben hinter sich gebracht. Und ich vermute, daß sie auch erfahren haben, daß nach einer dunklen Lebens-phase sich der Blick für die eigene Lebenssituation weitet und aufhellt.
Eine Tür ist mehr als ein Mauer-Durchbruch. Jede Tür hat Aufforderungscharakter, nämlich: Tritt ein, komm herein! Tu einen Schritt auf mich zu! Bei einer solchen (nonverbalen) Einladung möchte ich schon wissen, was mich hinter der Tür erwartet; wenn es mich nicht lockt, dann bleibe ich eben draußen. Die Tür, von der Jesus spricht, führt zum Leben, zur Gemeinschaft mit Gott.
Als Hintergrund dürfen wir uns das Bild vom Weg vorstellen: Wir sind wie Pilger, wandernd, suchend, unersättlich, unterwegs mit der Frage: Wo ist für mich die Tür zum Leben, zur erfrischenden Quelle, zum sättigenden Brot, zu den Not wendenden, heilenden Lebens-Mitteln, die wir nicht herstellen, aber uns schenken lassen können? Allzuleicht fallen wir auf Scheintüren mit verlockender Lichtreklame herein. Wir umschwirren sie wie Nachtschmetterlinge.
Verehrte Mitchristen!
Es ist wohl nicht ganz leicht, durch die enge Tür zu kommen. Manche fürchten, auf die Verliererseite zu geraten. Auf die Frage, ob nur wenige gerettet würden, gibt Jesus keine Antwort. Bemüht euch mit allen Kräften!
Weil wir Menschen verschieden sind, nehmen wir dieses Wort Jesu unterschiedlich auf. Was für die einen eine Riesenherausforderung darstellt, ist für einen anderen eine Nebensache. Jesu mahnendes Wort will uns nicht verschrecken oder ängstigen. Aber doch aufwecken, damit wir unsere Chancen ergreifen. Selbst die Zeitgenossen Jesu dürfen sich nicht in Sicherheit wiegen, nur weil sie sich zum auserwählten jüdischen Volk zählen.
Der Evangelist Lukas hat Jesu Mahnung für seine Zeitgenossen, letztlich auch für uns aufgeschrieben: er meint: Der Blick in die Geschichte kann unsere Verantwortung schärfen. Die Mahnung hat im Hintergrund eine Weissagung, die sich bereits erfüllt hat. (Die Verheißung ist von den Juden auf die Heiden übergegangen: Letzte gibt es, die erste sein werden, und Erste gibt es, die Letzte sein werden.) Angeboten ist die Gemeinschaft mit Gott jedem Menschen (nicht nur Juden, auch die Kirche hat es nicht für sich gepachtet). Gott lädt alle ein. Der Taufschein allein ist allerdings keine Garantie, dass wir die enge Tür durchschreiten.
Und: Irgendwann wird die Tür zu sein, dann ist es zu spät, sich zu entscheiden. Dann haben auch Beteuerungen, wie: Wir sind doch Christen, haben dein Evangelium gehört, Gottesdienste mitgefeiert, gepredigt... keine Wirkungen mehr. Der Hausherr wird sagen: Ich kenne euch nicht! Woher seid ihr? Ihr habt euch bei aller Religiosität immer fein rausgehalten mit eurer ständigen Rücksichtnahme auf das Gerede der anderen, auf Einfluß und Geld, auf Ansehen und Bequem-lichkeit. Den entscheidenden Schritt habt ihr nicht getan!
Ich frage mich: Wie kann der entscheidende Schritt für mich aussehen? Der Zugang zum Leben bei Gott ist nicht verwehrt, weil kein Platz mehr wäre. Der Zugang ist für mich verbaut, es gibt kein Wachsen und Vorankommen für mich, wenn in mir Vorurteile, alte Wunden, schlechte Erfahrungen, Angst meine Lebenskräfte lähmen. Was hilft mir eine offene Tür, eine Einladung, wenn ich dem nicht traue, der mich an der Tür erwartet.
Wenn ich die gegenteilige Haltung einnehme, bin ich noch lange nicht leichtgläubig, naiv oder unselbständig. Ich habe vielleicht weniger Enttäuschungen erlebt als andere, ich hatte vielleicht zur rechten Zeit Vorbilder und Hilfen, die mich weitergebracht haben. Das ist nicht mein Verdienst.
Ich glaube, dass die Tür zum Leben, auch wenn sie eng ist, doch sperrangelweit offen ist für mich und dich und jeden. Ich glaube, dass Jesus mich erwartet. Ich ahne, dass es Mut braucht über die Schwelle zu treten. Ent-schiedenheit für diesen Schritt. Da kann ich mich nicht vorbeimogeln.
Schwestern und Brüder!
Ich bin mir sicher: Gott will niemand aussperren; er will sich aber auch niemandem aufdrängen. Darum gilt: Gottes Maß bestimmt sich nach meinem Vertrauen!
Ich möchte ermutigen zu einem Vertrauen, das im entscheidenden Augenblick alles in die Waagschale wirft. Dazu habe ich eine kurze Geschichte gefunden. Ich ging als Bettler von Tür zu Tür die Dorfstraße entlang. Da er-schien in der Ferne ein goldener Wagen wie ein schimmernder Traum, und ich fragte mich, wer dieser König der Könige sei. Hoff-nung stieg in mir auf: Die schlimmen Tage schienen vorüber; ich erwartete Almosen, die geboten wurden, ohne daß man um sie bat, und Reichtümer, die in den Sand gestreut wurden. Der Wagen hielt an, wo ich stand. Dein Blick fiel auf mich und mit einem Lächeln stiegst du aus. Endlich fühlte ich mein Lebensglück kommen.
Dann strecktest du plötzlich die rechte Hand aus und sagtest: "Was hast du mir zu schenken?" Welch königlicher Scherz war das, bei einem Bettler zu betteln! Ich war verlegen, stand unentschlossen da, nahm schließlich aus mei-nem Beutel ein winziges Reiskorn und gab es dir. Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich am Abend meinen Beutel umdrehte und zwischen dem wertlosen Plunder das kleine Korn wiederfand - zu Gold verwandelt. Da habe ich bitterlich geweint, und es tat mir leid, daß ich nicht den Mut gefunden hatte, dir mein Alles zu geben.
Gottes Maß bestimmt sich nach meinem Vertrauen!