
Lesung: Apg 5,27b - 32.40b - 41
-----------------------------27bIn jenen Tagen verhörte der Hohepriester die Apostel 28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. 29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. 30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. 31 Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. 32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. 40b Dann verboten sie den Apostel, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei. 41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
-----------------------------Nichts als die Wahrheit!
Waren Sie schon einmal als Zeuge vors Gericht geladen? Keine angenehme Sache - kann ich mir vorstellen. Ich selbst war lediglich als Zuschauer Zeuge einer Verhandlung. Als Zeuge, beispielsweise eines Unfalls, kann man beitragen, den Hergang aufzuklären. Da muss man halt die "Scherereien" in Kauf nehmen. Als "Zeuge" soll man durch sein Wort dazu beitragen, eine offene Frage zu entscheiden. Die Rolle des Zeugen ist auf alle Fälle der des Angeklagten vorzuziehen. Und doch fällt die Rolle des Zeugen, wenn es um den Glauben geht, uns nicht leicht.
"Wir können unmöglich schweigen..."
Nach der Kreuzigung Jesu sind dessen Anhänger nicht verstummt. Die Apostelgeschichte berichtet von der Heilung des Gelähmten im Tempel und einer Rede, die Petrus auf dem Tempelplatz (Apg 3) hält. Seine Botschaft ist klar:
"Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt!"
Es kommt zur Verhaftung. Petrus und Johannes werden vor den Hohen Rat gebracht und nutzen die Gelegenheit, ihren Glauben an Jesus Christus, den Auferstandenen, zu bezeugen. Sie zeigen Mut. Immerhin löst ihre Rede Verwunderung aus. Geradezu hilflos muss der Hohepriester zugeben, wie wirkungsvoll die Verkündigung der Apostel ist: "Ihr habt ganz Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt." Nach einer Beratung wird den Jünger verboten, "jemals wieder im Namen Jesu zu predigen und zu lehren". Aber schon die Reaktion zeigt, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben." Die Jünger berufen sich auf die Autorität Gottes, sie lassen sich nicht einschüchtern. Jeder darf und soll es wissen: Wir glauben: Gott hat Jesus auferweckt. Jesus lebt.
So geht die Predigt weiter - Zeichen und Wunder bestätigen die Worte - mehr und mehr Menschen kommen zum Glauben - die Botschaft von Christus breitet sich aus und findet den Weg zu den Menschen. Das Zeugnis der Jünger weckt Glauben. Zugleich rührt sich Widerstand.
Die Urgemeinde erfährt, dass sie ihren Glauben bekennen muss vor den Mächtigen der Welt. Dabei erinnern sich die Anhänger Jesu an sein Wort, sie sollten allen Menschen die frohe Botschaft verkünden, sie in seinem Namen lehren und taufen. Auch ein anderes Wort bewahrheitet sich: Sie werden euch um meinetwillen verfolgen, selbst vor Mord nicht zurückschrecken. In diesem Fall Zeuge zu sein ist keine erstrebenswerte Rolle.
Christ sein - Zeugnis geben
Die deutschen Bischöfe haben im November vergangenen Jahres ein Schreiben veröffentlicht mit dem Titel:
"Zeit der Aussaat - missionarisch Kirche sein!"
Darin wird gesagt: Christen sollen Zeugnis geben. Damit helfen sie anderen Gott zu begegnen. Die Bischöfe meinen, es sei mehr als bedenklich, wenn eine Gemeinschaft nicht mehr wachsen wolle. Ist es nicht selbstverständlich als Christ zu zeigen und anzubieten, wovon wir überzeugt sind? Zeugnis geben vom christlichen Glauben geht in einzelnen Schritten: Das Zeugnis des Lebens legt die Grund. Das gelebte Zeugnis weckt den Wunsch, mehr von diesem Glauben zu erfahren. Bevor es zu einem Gespräch kommt, spricht das Leben. Aus dem Verhalten lassen sich Haltungen ablesen: Ehrfurcht und Staunen, Selbstbegrenzung und Maß, Mitleid und Fürsorge, Offenheit und Gastfreundschaft. Nimmt ein Christ seinen Glauben ernst und lässt er das sehen, dann wird er vielleicht gefragt:
Jetzt kommt das Zeugnis des Wortes hinzu. Sie müssen sich nicht in eine Fußgängerzone stellen und predigen oder eine kirchliche Zeitschrift anpreisen - wie es Zeugen Jehovas tun. Das ist nicht gemeint. Was dann?
In Gesprächen höre ich Eltern klagen: Wenn ich sage "Geht doch am Sonntag in die Kirche!" gibt es Streit. Also sag´ ich nichts. - Wenn das Gespräch über die eigenen Überzeugungen in den Familien schon problematisch ist, wie ist das dann bei Fremden?
Ich frage mich, warum das so ist. Warum wollen viele in der namenlosen Masse anonym bleiben? Zur persönlichen Verteidigung lassen sich viele Gründe anführen:
Mag ja sein, dass das Zeugnis des Wortes scheitert, weil es schwer fällt, die rechten Worte zu finden. Es überfordert schlicht viele. Das zu ändern ist möglich.
Etwa dann, wenn jemand mit gutem Beispiel vorangeht und dabei hofft, Nachahmer zu finden. Das ist ein guter Anfang. Dann braucht es das deutende, eindeutige Wort. Vorausgesetzt die Fähigkeit, sich auszudrücken und mitzuteilen. Das kann man lernen. Wirklich überzeugend werden die Worte sein - das erfahren Eltern und Pädagogen - wenn sie zusammenstimmen mit dem, was vorgelebt wird.
Das Zeugnis des Lebens und des Wortes ermöglicht es, dass ein Mensch innerlich - mit dem Herzen - zustimmt. Es kann sogenannte Schlüsselereignisse geben, die den Zugang zu neuen Erfahrung erschließen können. Wie ein Aha-Erlebnis: Ja, so ist das. Jetzt ist der Groschen gefallen, jetzt hat das vorgelebte und gesprochene Zeugnis überzeugt, dann ist die Botschaft angekommen. Und das bleibt nicht folgenlos. Denn was einen innerlich bewegt, das drückt sich aus. Nach dem Sprichwort: Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über!
Wer wird mich überzeugen?
(Wir) Christen haben nicht die Rolle des neutralen Beobachters inne. (Wir) Christen sollen und können Zeugen sein.
Ein Lehrer kann Schüler motivieren, wenn er selber von einer Sache überzeugt ist. Alles andere bleibt äußerlich. Nur wer selber überzeugt ist, kann andere überzeugen, so habe ich schon oft gehört. Soweit so gut. Aber, so müssen wir fragen: Wie gewinne ich Überzeugung? Wer wird mich überzeugen? Der bloße Appell, doch etwas überzeugter und hoffnungsvoller sein Christsein zu leben, hilft nicht weiter. Das setzt keine Kräfte frei, sondern verstärkt zunächst nur das schlechte Gewissen.
(Wir) Christen gewinnen die Kraft zu einem frohen und überzeugenden Glauben, indem sie das Zeugnis der Apostel annehmen. Überprüfbare Beweise gibt es dabei nicht!
Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie können sich selbst von dessen Brauchbarkeit überzeugen. Gehen Sie davon aus, dass Jesus wirklich auferstanden ist, wie es die Heilige Schrift bezeugt. Lassen Sie dieses Glaubens-Zeugnis einfach für Sie gelten. Sie werden sehen, dass Sie mit dieser Annahme neue Erfahrungen machen können. Durch ein dem entsprechendes Handeln kommen wir zu einer Gewissheit, die wir bezeugen können. Wir haben es dann selbst erfahren.
Wie gesagt: Ein Vorschlag. Sie können ihn annehmen oder sein lassen. Sie können skeptisch sich jeder Herausforderung verweigern. Sie können behaupten, dass das eh nichts bringt. Sie können nüchtern feststellen, dass Sie das alles schon wissen.
Oder: Sie können sich von einem Wort aus dem Römerbrief locken lassen:
"Wenn du mit deinem Mund bekennst: `Jesus ist der Herr´ und in deinem Herzen glaubst: `Gott hat ihn von den Toten auferweckt´, so wirst du gerettet werden." (Röm 10,9)
Wir wollen beten um den Mut zum Glaubenszeugnis:
Hilf uns glauben, Herr!
Lass uns dein Wort hören,
es soll uns anrühren.
Entfache in uns eine Sehnsucht,
die uns weiterträgt auf unserem Weg.
Begleite unsere Suche,
lass uns Antwort finden auf unsere Fragen.
Stelle uns Menschen an die Seite,
von denen wir die Haltung
des rechten Glaubens kennen lernen können.
Gib uns Entschlusskraft, wenn es darum geht, mit dem Herzen ja zu sagen und hilf uns auch die Konsequenzen dieser Entscheidung zu tragen.
Lass uns dich, den Auferstandenen,
in unserem Leben bezeugen.
Amen.
Evangelium nach Lukas
Lk 9,51 - 62Auf dem Weg nach Jerusalem: 9,51 - 19,27
Die ungastlichen Samariter: 9,51-56
51 Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Von der Nachfolge: 9,57-62
57 Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Las mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Las die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber las mich von meiner Familie Abschied nehmen.
62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.
Nicht ein bisschen, sondern ganz - radikal
Herr Pater, ich meine es wirklich ernst. Ich möchte Jesus mein Leben zur Verfügung stellen, ganz radikal, so wie Franziskus.
Das höre ich ab und zu in Gesprächen mit jungen, suchenden Menschen. Und jedes Mal bin ich tief berührt von der Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit solcher Worte. Mutig, denke ich mir.
Ich spüre,
Im Gespräch kommt dann auch zur Sprache, dass mit dem Wunsch nach einer klaren Entscheidung auch Sorge und Angst mitschwingen: Werde ich das fertig bringen? Ist mir das nicht einer Nummer zu groß? Was werden meine Eltern und Freunde sagen?
Als ich mir zu dieser Predigt Gedanken machte und das Evangelium genauer anschaute, war ich zunächst unschlüssig, auf welchen der zwei Teile ich besonders zugehen möchte. Ich habe mich entschieden, beide Teile im Blick zu behalten.
Jesus unterwegs
Es beginnt der lukanische Reisebericht. Jesus und seine Jünger sind auf dem Weg nach Jerusalem, wo sich Jesu Weg vollenden wird. Erst nach und nach begreifen die Jünger, welchen Weg sie mit ihrem Herrn und Meister gehen.
Eine Einzelerfahrung zeigt, wie schwer es ihnen doch fällt, Jesu Gangart mitzugehen. Boten sollen eine Unterkunft besorgen, werden aber abgelehnt. Das ist nicht verwunderlich, denn Jesus und seine Jünger sind unterwegs zum Konkurrenzheiligtum. Jakobus und Johannes, die wegen ihres Temperaments auch Donnersöhne genannt werden, sind wütend, sie ärgern sich über die Abfuhr. Am liebsten würden sie diese schlechte Erfahrung durch Feuer vom Himmel aus ihrer Erinnerung löschen: Das klingt radikal. Ist aber zerstörerisch und unbarmherzig und ganz und gar nicht Jesu Art. Jesus weist sie zurecht.
Der Blick auf das Ziel klärt das VerhaltenEine momentane Gemütsregung, wie Ärger oder Freude, bewegen uns schnell zum Handeln. Es macht Sinn, auf das Ziel vorauszublicken. Wohin will ich denn? Fragen wir uns: Was wäre möglicherweise die Konsequenz gewesen, wenn die Jünger ihrem leidenschaftlichen Ärger gefolgt wären?
Jesus will nicht vernichten, sondern retten. Er will nicht überfordern, sondern befreien. Er ist Bote und Botschaft zugleich. Und diesen Auftrag nimmt er radikal ernst. Davon lässt er sich nicht abbringen. Durch ihn sollten alle Menschen hören und spüren: Ihr Menschen alle seid von Gott angenommen und bejaht. Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht. Wendet euch hin zum Ursprung des Lebens, zum Gott des Erbarmens.
Nachfolge ohne Wenn und Aber
Der zweite Teil des Evangeliums bringt deutliche Worte zu Berufung und Nachfolge. Dieser Abschnitt ist - etwas salopp gesagt - knallhart, keine leichte Kost. Warum sollte ich diese Aussagen schön reden oder abschwächen? Um jemanden zu ködern? Ich bin überzeugt, dass es heilsam ist, klar und deutlich Jesu Einladung zur Nachfolge auszusprechen. Alles andere trägt nicht und wäre Etikettenschwindel.
Hier fällt mir der heilige Franziskus ein, dessen Leben sich radikal wandelte, nachdem er das Evangelium Jesu Christi als Leitfaden für sein Leben angenommen hatte. Ja, Franz von Assisi ist geradezu ein Musterbeispiel für konsequente, radikale Nachfolge. Seine Brüder mahnt er, sie sollten die Worte Jesu Christi nur ja nicht abschwächen durch Kommentare und Deutungen - sine glossa, ohne Randbemerkungen. Die bisherige Spur hat er verlassen, mit den Karriereplänen seines Vaters gebrochen, auf sein Erbe verzichtet, ja sogar die Kleider, die er am Leib trug, dem Vater zurückgegeben. Er wurde "ver-rückt", seine Lebensspur läuft von da an in der Spur Jesu.
Wovon ist nun im Evangelium die Rede?
Auf das Bekenntnis eines Mannes, er wolle Jesus folgen, wohin er auch gehe, nennt Jesus als Konsequenz das Unterwegssein. Mach dich darauf gefasst, dass du dein Leben nicht geruhsam im Lehnsessel verbringst. Rechne nicht damit, dass deine Bedürfnisse und Erwartungen sämtlich erfüllt werden.
Dann wieder spricht Jesus souverän einen Menschen an und fordert ihn auf: Folge mir nach! Der Angesprochene entgegnet: Er müsse zuerst seinen Vater begraben. Immerhin ist das eine familiäre Pflicht ersten Ranges. Jesus aber lässt diesen Einwand nicht gelten. Wer den Ruf vernimmt, hat augenblicklich, ohne Wenn und Aber zu folgen. Jesus gebraucht ein Bild aus der Landwirtschaft: Wer beim Pflügen zurückblickt, bringt die Pflugschar aus der Ackerfurche, er pflügt krumm. Er muss nach vorn schauen und sich lösen von dem, was hinter ihm liegt.
Was kann das heute für mich, für dich, für Sie heißen.
Unmenschlich - unmöglich?
Wer sich Christ nennt, der beruft sich auf Jesus Christus. Dürfen wir uns einen "Jesus Christus" zurechtstutzen, wie er uns passt? Nein! Michael Grünwald stellte vor gut 25 Jahren als Domprediger in Regensburg die Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass in einem einseitig menschlich verstandenen Christentum Christus sich um den Menschen dreht, statt der Mensch um Christus? Ich halte diese Frage auch heute noch für berechtigt. Jesus bestätigt keine Bedürfnisse, er ist keine Glücksdroge, die man sich "reinzieht". Er lässt im entscheidenden Augenblick keine Rücksichten mehr gelten, sondern verlangt den Totaleinsatz.
Warum verlangt er das?
Weil hier der tragende Grund, das Fundament, die Wurzel christlichen Lebens sichtbar wird. Gott hat sich für uns entschieden in Jesus Christus. Er hat zu uns bedingungslos ja gesagt. Er hat sich selbst uns geschenkt. Und seine Gabe an uns Menschen wird zur Aufgabe, zur Anfrage: Wie stehst Du dazu?
Wie gesagt: Ich bin berührt, wenn ich Menschen begegnen darf, die ihren Weg suchen und sich von Jesus einen Weg weisen lassen wollen. Manchmal sage ich dann einen Satz, den ich selber "geschenkt" bekommen habe von einem Minoriten:
"Wer durchs Leben kommen und gehen will,
der muss sich binden,
denn Leben verträgt keine Flatterformen."
"Ich will dir folgen, wohin du auch gehst." Schau nicht um!
Elmar Gruber, Sonntagsgedanken, Lj. C
Lukas schildert heute drei Szenen, die alles beinhalten, was Nachfolge Jesu bedeutet.
1)Ein Mann spricht Jesus an. Er will Jesus nachfolgen überall hin, "wohin du auch gehst". Jesus zeigt ihm am Beispiel der Füchse und Vögel, was das für Konsequenzen hat. Alles hat in der Welt seinen festen Platz und ein geregeltes, berechenbares Dasein. Wer Jesus nachfolgt, verzichtet auf eine letzte Beheimatung in der Welt mit ihrem geordneten Regelverhalten. Der Menschensohn ist immer unterwegs; er hat keinen Ort, keine feste irdische Heimat. Er ist überall und nirgends "daheim"; er ist dort daheim, wo er gerade ist; denn er ist ganz bei Gott daheim; er hat seine Heimat in sich; er ist bei sich selbst daheim. Die Bindung an Christus fordert Verzicht; sie schenkt andererseits die Freiheit von allen irdischen, "normalen" Bedürfnissen und Forderungen. Sie eröffnet mir die ganze Welt als Heimat und macht alle Geschöpfe zu meinen Geschwistern.
Die Bindung an Christus macht mich fähig, irdische Bindungen einzugehen, die nicht einengen und fesseln, sondern Halt geben und befreiend wirken. Ein Ehe- oder Weiheversprechen oder ein Gelübde kann mir helfen, die befreiende Bindung an Christus in dieser vergänglichen Welt für mich und andere segensreich zu verwirklichen. Durch solche Regelungen können die Charismen des Einzelnen mit allen und für ale bestmögliche Verwirklichung finden.
2)Der Nächste wird von Jesus angesprochen: "Folge mir nach!" Doch dieser hat vorher noch familiäre Pflichten zu erfüllen. Jesus verbietet ihm das: Es mag hart klingen. Aber die Nachfolge Christi kann Pflichten mit sich bringen, die mit irdischen oder allgemein menschlichen Pflichten kollidieren. Die Nachfolge Christi - gleichgültig in welcher Lebensform und in welchem Beruf - lässt sich manchmal nicht mehr einordnen in den Bereich des irdisch Gewohnten und allgemein Üblichen. Wer Jesus nachfolgt, muss damit rechnen, dass er von der Allgemeinheit nicht verstanden wird und keine Bestätigung erfährt. Oft sind es Nahestehende oder Leute, "die es eigentlich wissen müssten", die sich enttäuscht von uns abwenden, weil sie unsere Gewissensentscheidungen, die der Bindung an Christus entspringen, nicht mehr nachvollziehen können. Wenn ich Christus angehören will, muss ich immer damit rechnen, dass ich mit ihm ganz alleine bin - auch in der Gemeinschaft der Kirche.
3)Der Dritte spricht wieder Jesus an: "Ich will dir nachfolgen, ... aber ...!" Er will zuerst und zuvor seine gewiss berechtigten Bedürfnisse und Pflichten erfüllen: Abschied nehmen, - das wird man doch noch dürfen! Aber auch hier erfolgt die klare Absage von Jesus im Bildwort vom Pflug. Wer den Ruf Jesu im Augenblick der Berufung vernimmt, muss dem Ruf "augenblicklich" ohne Wenn und Aber folgen. Wer Jesus nachfolgt, - jeder Mensch, der aus dem Glauben lebt - blickt immer nach vorne. Jeder Rückblick bringt die Pflugschar aus der Bahn. Jeder Fortschritt ist mit Abschied verbunden.
In der Regel wird die Nachfolge Christi keine so extremen Forderungen stellen, wie sie in diesem Evangelium geschildert werden. Aber es gibt Situation im Leben, in denen uns die Nachfolge Christi mit kompromisslosen Forderungen konfrontiert. Nur in der Kraft der Liebe werde ich diese Über-forderungen erfüllen können.
Herr, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Führe mich in die wahre Freiheit und gib mir Mut zum Abschied.
Das Evangelium nach Lukas
--------------------------Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte: 26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28 Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten 30 und sa-gen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu En-de führen. 31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 33 Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein
Wiederholte Übung prägt Verhalten. Was ich tagtäglich, oder zumindest oft und regelmäßige tue, das geht mir in Fleisch und Blut über. Das kann so weit gehen, dass durch berufliche Tätig-keit sogar der Charakter geformt wird. Ich will niemand in Schubladen stecken, aber man merkt es ei-nem Menschen doch an, womit er sich hauptsächlich beschäftigt.
Woran erkennt man den Christen?
Zur Zeit Jesu gab es Gesetzes-Lehrer, die Schüler aufnahmen. Der Schüler suchte sich einen Lehrer. Lehrer und Schüler lebten dann in enger Lebensgemeinschaft. Die Schüler wurden von ih-rem Meister geprägt. Es war eine Ehre, sich auf einen angesehe-nen Meister berufen zu können.
Bei Jesus war es anders:
Nicht die Schüler haben ihn gesucht. Er hat sich seine Schüler selbst ausgewählt. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt... Und Jesus hat sie mitgenommen auf seinen Weg und an seinem Leben teilhaben lassen.
Der Ruf zur Nachfolge gilt jedem Christen.
Die Aussagen des heutigen Evangeliums sind zunächst an den engsten Kreis der Jünger gerichtet.
Sie sind unmissverständlich klar, radikal und fordernd. Eher ab-schreckend als anziehend.
Der Evangelist Lukas hat mehrere Aussagen zusammengefasst und sie für seinen Leser- bzw. Hörerkreis verallgemeinert. Jesus spricht also zu den Vielen, die ihn begleiten.
Ich möchte mich auf eine zentrale Aussage - die Einladung zur Kreuzesnachfolge - beschränken. Sie lautet:
Wer nicht sein Kreuz trägt
und mir nachfolgt,
der kann nicht mein Jünger sein.
Für Menschen, die häufiger in die Kirche gehen oder zuhause in der Bibel lesen, wird dieser Satz nicht neu sein. Er klingt fast selbstverständlich. Christsein hat mit Kreuz zu tun. Jesus trug das Kreuz und er starb am Kreuz. Das Kreuz gehört zum Christsein. Jesus hat es für uns getragen. Es ist Zeichen seiner Liebe, Zei-chen unserer Erlösung. Daran lassen wir uns erinnern. Darum hängt das Kreuz in vielen Wohnungen. Dabei ist das Kreuz keine christliche Erfindung. Schon in vor-christlicher Zeit war es ein weit verbreitetes Heilszeichen. Zur Zeit Jesu war die Kreuzigung die grausamste Hinrichtungsart und wird darum "Galgen der römischen Antike" genannt.
Viele haben heute ihre Not mit dem Kreuz - in vielfacher Hin-sicht. Die Jünger Jesu und die Evangelisten hatten es - vermute ich - nicht minder schwer damit. Wie sollten sie ihren Zeitgenos-sen klar machen, dass es sich lohnt, Jesu Weg nachzugehen. Er starb doch am Kreuz. Und der Tod am Kreuz galt als Zeichen der Verwerfung durch Gott. Ja, für Juden war das Kreuz ein empörendes Ärgernis (vgl. 1 Kor 1,23). Das Wort vom Kreuz ist seit dem Urchristentum ein Skandal, ein Reizwort und Auslöser heftiger Diskussionen. Für die Berufenen aber - so formuliert Paulus - ist es Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Es ist falsch, weil zu eng, sich nur auf die Passion und das Kreuz zu fixieren. Es ist gut, diese Fixierung aufzubrechen und das gan-ze Leben Jesu anzuschauen. Dann zeigt sich, dass das Ärgernis bereits mit seiner Geburt begonnen hat.
· Denn armselig kam er zur Welt, der Gottessohn;
· angewiesen war er wie jeder Mensch.
· Hinabgebeugt hat er sich in den Staub dieser Erde.
· Erniedrigt hat er sich und war gehorsam bis zum Tod. (vgl. Philipperbrief)
Für die Leser des Lukas-Evangeliums ist die Aufforderung zur Kreuzesnachfolge voll schauerlicher Aktualität. Ihnen drohte tat-sächlich der Tod, weil sie Christen waren.
"Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. ... Weil ihr nicht von dieser Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt." (Joh 15,18)
Was könnte Kreuzesnachfolge für uns heißen.
Dass jeder sein Kreuz tragen müsse, ist für uns eine Redensart und meint:Das ist schon richtig. Aber diese Redensart ist mitunter ein dum-mer Spruch, der die Not eines anderen Menschen nicht ernst nimmt. Vielleicht ist er auch Ausdruck von Hilflosigkeit. Für viele steht das Kreuz für grässliches Leid und Unrecht, das Menschen einander antun, für Gewalt und Gegengewalt, Verbit-terung und tödlichen Hass. Dass Jesus sein Kreuz getragen hat, ist Zeichen seiner Liebe! Er hat damit die Spirale von Gewalt und Vergeltung durchbrochen. Es ist eine ohnmächtige, gewaltlose Liebe. "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage." (Joh 15,13)
Woran erkennt man den Christen?
Wohl weniger an äußerlich auffälligen Merkmalen, wie einer bestimmten Kleidung oder einem Kettchen mit Kreuz. Mehr doch an seiner inneren Haltung, die im Verhalten, im Handeln sichtbar wird.
Wir könnten so sagen:
der Christ geht unter das Kreuz!
Dort wird seine Vergangenheit geheilt und neues Leben ge-schenkt. Da können Wunden heilen, da wird Angst überwunden und gelingt der Schritt auf den anderen zu.
Der Christ geht unter das Kreuz und kann dort von Jesus lernen:
· Angst ist erlaubt, wenn ich mir den Weg nicht mehr zutraue, der vor mir liegt. Jesus hatte Angst als er im Ölgarten betete.
· Zweifel und Fragen sind erlaubt: Jesus ruft, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen: sein Ruf geht nicht ins Leere, sondern in das Ohr Gottes. Am Ende siegt sein Vertrauen.
· Gefährtenschaft und Solidarität sind erlaubt: nicht Einzel-kämpfer sollen wir sein, sondern Teil der Gemeinde Jesu Christi. Kein Kreuz passt für einen allein, sie sind alle zu groß. Kein Kreuz ist gedacht nur für einen. Es ist gedacht für Träger und Mitträger, es soll geteilt werden. Denn es gilt: Ei-ner trage des anderen Last.
Für die Berufenen ist das Kreuz zum Baum des Lebens gewor-den.
Wir brauchen nicht fliehen
vor unseren Mängeln,
vor unseren Beschwernissen,
vor unseren Leiden,
vor uns selbst.
Wir dürfen im Schatten des Kreuzes ausruhen:
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt
und schwere Lasten zu tragen habt;
ich werde euch Ruhe verschaffen."
(Mt 11,28)
Das heutige Evangelium ist ein aufrüttelnder Appell, die Freundschaft mit Jesus ernst zu nehmen!
Herr Jesus Christus, obwohl du als Helfer der Menschen, als Versöhner der Völker, als Retter der Welt auf diese Erde gekommen bist, wurdest du verfolgt, missachtet und gekreuzigt. Zur Erinnerung an deine Liebe ist auf vielen Bergen, an vielen Straßen, an vielen Orten dein Kreuz aufgerichtet.Das Evangelium nach Lukas (Lk 21, 5-19)
--------------------------21.5 Als einige darüber sprachen, daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: 6 Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt? 8 Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! 9 Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. 10 Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. 11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. 12 Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. 13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. 14 Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen; 15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. 16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. 17 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. 18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. 19 Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.
Seit kurzem bin ich in Altötting und erlebe die bunte Vielfalt an diesem Wallfahrtsort. Neulich spricht mich eine Frau an: Wenn sich die Menschen nicht bekehren, meinte sie, wird es einen Flächenbrand geben. Ich frage zurück, woher sie diese Offenbarung hätte. Die Antwort ließ mich stutzen: Steht doch in der Bibel, sagte sie. Das Gespräch ging noch weiter. Ehrlich gesagt, konnte ich die düstere Sicht der Zukunft nicht aufhellen.
Die Sicht der Zukunft bestimmt das Heute! Es macht schon Sinn das Ende im Blick zu haben, z. B: die Militäraktion in Afghanistan - was kommt danach? Oder: das laufende Schuljahr bringt für manche den Abschluss - wie geht es dann weiter? Aus dem Stand kann das oft nicht entschieden werden. Bei der Entscheidung kommt die Vergangenheit ins Spiel, mit ihrer Erfahrung, ihrem angesammelten Wissen vom Gelingen und Scheitern. Mir hilft im Blick auf die Zukunft folgende Frage: · Was gibt mir für heute aus der Vergangenheit Zukunft?
Geschäft mit der Angst
Wird dieser allgemeine Satz angewandt, muss ich aus dem Vergangenen - sei es meine eigene Lebensgeschichte oder die meiner Familie oder der Glaubensgemeinschaft - das herausgreifen, was mir weiterhilft. Die Geschichte der Kirche bestätigt, dass mit der Keule der Angst kaum ein Mensch dauerhaft auf die Spur des Lebens zu bringen ist. Der Evangelienabschnitt aus dem Lukasevangelium (21. Kapitel, Verse 5 - 19) ließe sich wohl gut ausschlachten, um Druck zu machen. Aber das Geschäft mit der Angst mag ich nicht. Ich mag es nicht, weil ich überzeugt bin, dass Angstmache nicht zum Besseren führt.
Auch Lukas will nicht erschrecken mit seiner Botschaft. Er will "die Sinne schärfen", Nachlässigkeit nach innen und zu große Anpassung nach außen abwehren; er will Hoffnung wecken, damit daraus die Kraft wächst, die Last der gegenwärtigen Zeit auszuhalten. Weil die unmittelbar erwartete Wiederkunft Christi ausgeblieben ist, muss der Ausblick auf die Zukunft geschärft werden. Was kommt? Wie sollen wir uns verhalten?
Immer wieder - auch heute - gab und gibt es Menschen, die glauben, Jesus habe mit der Rede von seiner Wiederkunft eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes vorhergesagt. Doch ging es Jesus in seinen Bildern nicht um das Ausmalen einer Katastrophe kosmischen Ausmaßes, wie es Unglückspropheten damals und heute tun, oder wie es Endzeitfilme (End of Days, Deep Impact, Independenz Day) zeigen.
Jesus sagt: Das Ende der Welt ist eine freie und souveräne Tat Gottes. Mit anderen Worten: Die Welt ist, weil Gott sie wollte; deshalb hört sie auf, wenn er es will. Das Ende der Weltgeschichte liegt also im Geheimnis Gottes verborgen.
Und keiner kann sagen, wie das Ende aussehen wird. Die Bilder, in denen die Bibel davon spricht, entstammen der Vorstellungswelt damaliger Zeit. Die Erschütterung aller irdischen Mächte (die aus diesen Bildern spricht) will vor allem dies sagen: Herr der Weltgeschichte ist nicht der Mensch, sondern Gott allein. Durch seine Macht wird am Ende der Zeit eine ganz neue Welt hervortreten.
Ende gut, alles gut!
Mir ist ein Sprichwort eingefallen:
Ende gut, alles gut! Dieser Satz kann trösten über manch bittere Zeit hinweg. Es wird schon gut gehen. Das Ende kann noch gut werden und dann ist ja alles gut.
Wie geht Ihnen, wenn "etwas" zu Ende geht? Bei einem Buch, das ich ausgelesen habe, geht es mir so: Ich freue mich, dass ich durch bin. Und zugleich möchte bald wissen, welches Buch ich als nächstes lesen werde. Die Entscheidung wie ich weitermache liegt bei mir. Der letzte Eindruck bestimmt oft den Gesamteindruck, der bleibt. Mag ein Fußballspiel gut gelaufen sein, am Ende zählen die Tore. Ende gut, alles gut!
Wenn das Ende kommt wie eine Sturzflut, unerwartet, erdrückend, dann ist schwer damit zurecht zu kommen. Denn ich habe es nicht in der Hand. Dann geht es mir so, wie es der Prophet Jesaja bildreich und treffend ausdrückt (Jes 38):
"Meine Hütte bricht man über mir ab,
man schafft sie weg
wie das Zelt eines Hirten.
Wie ein Weber hast du mein Leben
zu Ende gewoben,
du schneidest mich ab
wie ein fertig gewobenes Tuch."
Wer bestimmt, was am Ende zählt? Wer vollendet mich und mein Leben? Wer macht das Ende gut?
Ich habe behauptet, das Ende der Welt ist eine freie und souveräne Tat Gottes. Darum dürfen wir fragen: Was ist das für ein Gott, der das Ende bestimmt? Kann ich ihm vertrauen?
Lasst euch nicht täuschen!
Mir kommt es so vor, dass wir Menschen allzu gern in die Zukunft blicken und dabei Gewissheit haben wollen. Manche meinen, sie könnten aus den Vorzeichen das Ende berechnen. Nein! Wann das Ende kommt, ist Gottes freie Entscheidung. Über Zeit und Art zu spekulieren halte ich für vertane Zeit.
Für nützlich halte ich, sich selber auf die Suche zu machen und zu fragen:
· Auf welchem Grund habe ich mein Lebenshaus gebaut?
· Was bringe ich mit aus der Vergangenheit, das mich jetzt in
die Zukunft gehen lässt?
· Was trägt mich und was schenkt mir Kraft?
Dabei ist der Blick auf den Ursprung zugleich ein Blick auf das Ziel. Aus den Wurzeln wächst der Stamm und die Äste, aus den Wurzeln kommt auch die Kraft, die schließlich Frucht bringt.
Heinrich Spaemann schrieb:
"In unserer Welt wird auf Entwicklung gesetzt; sie wird mit allen Mächten der Intelligenz und des Geldes vorangetrieben.
Die Bibel sagt: Es geht für den Menschen, der sich von seinem Ursprung, von dem lebendigen Gott, abwandte, zuallererst um Bekehrung, nicht um Entwicklung; Entwicklung ohne Bekehrung führt in den Untergang.
Das Verlassen des Ursprungs führt zum Ende allen Lebens. Die Bibel kennt im Grunde nur dieses eine Thema:
Entweder-Oder, von dem Heil oder Unheil abhängt: der Verlust Gottes und damit des Lebens, oder die Heimkehr!"
Am Ende dürfen wir heimkehren.
Wenn ihr standhaft bleibt ... Für Zeit bis dahin ist immer noch gültig, was Lukas seinen Lesern auf den Weg mitgibt: · Hilfreich wird sein eine nüchterne Sicht der Dinge, Beharrlichkeit und Ausdauer. · Hilfreich wird sein, zu lernen, zu sich und seiner Überzeugung zu stehen, ihr treu zu sein. · Hilfreich wird sein die Bereitschaft, sich einzulassen auf den Lebensfluss, der Veränderung bringt. · Hilfreich wird sein, sich helfen zu lassen, wenn die eigenen Mittel nicht mehr ausreichen.
Wir haben zwar keine Gewissheit, was den Zeitpunkt des Endes angeht. Aber in Jesus haben wir einen vertrauenswürdigen Freund und Begleiter auf dem Weg zum Ziel. Er wird nicht müde seine Botschaft zu wiederholen:
"Gott liebt diese Welt. Er wird wiederkommen, wann es ihm gefällt, nicht nur für die Frommen, nein, für alle Welt." (GL 297 / 7)
Das erste Lied vom Gottesknecht:
Lesung aus dem Buch Jesaja: Jes 42, 1 - 7
1 Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. 2 Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. 3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. 4 Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. 5 So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist: 6 Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: 7 blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
DANK für die TAUFE GL 50,2:
Ich danke dir, Vater im Himmel, dass ich aus Wasser und Geist neu geboren wurde in der Taufe. Ich darf mich dein Kind nennen, denn du hast mich aus Schuld und Tod gerufen und mir Anteil an deinem Leben geschenkt.
Ich danke dir, Jesus Christus, Sohn des Vaters, für deinen Tod und deine Auferstehung. Wie die Rebe mit dem Weinstock, so bin ich mit dir verbunden; ich bin Glied an deinem Leib, aufgenommen in das heilige Volk zum Lob der Herrlichkeit des Vaters.
Ich danke dir, Heiliger Geist, dass deine Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen. Du lebst in mir und willst mich führen zu einem Leben, das Gott bezeugt und den Schwestern und Brüdern dient. So kann ich einst mit allen Heiligen das Erbe empfangen, das denen bereitet ist, die Gott lieben.
Wir feiern das Fest der Taufe Jesu: Ein entscheidendes Ereignis im Leben Jesu. Taufe Jesu erinnert uns an die eigene Erwählung und Berufung zur Gotteskindschaft.
Wir sind getauft, liebe Schwestern und Brüder! Und damit in enger Gemeinschaft mit Gott verbunden! Wir sind erwählt und beschenkt mit seinem lebendigmachenden Geist. Und wir dürfen Boten seiner Liebe sein.
Wer glaubt und sich taufen lässt, gehört in die Gemeinschaft der Glaubenden, zur Kirche. - so lesen wir im Neuen Testament. Das ist Auftrag der Kirche: Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes allen zu verkünden und so Menschen mit Jesus in Kontakt zu bringen.
Der älteste Taufbericht - beim Evangelisten Markus - spricht davon, dass nur Jesus allein den Zuspruch des Himmels zu hören bekam. Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Es ist die Antwort des Himmels auf eine Frage, die für Jesus wichtig war und die sich jedem Menschen stellt: Wer bin ich? und: Was soll ich tun? Gott will sein Reich herbeiführen. Dafür hat Jesus gelebt und dafür ist er gestorben. Jesus hat den Herzenswillen Gottes erfüllt. Darum ist er der geliebte Sohn. Weil Jesus wollte, dass sein Weg von anderen mitgegangen und fortgesetzt würde, hat er seine Botschaft den Jüngern anvertraut; das ist sein Vermächtnis, sein Testament an uns.
Liebe Schwestern und Brüder! Jesu Leben kann uns Beispiel sein, an dem wir für unser Leben etwas ablesen können. Die alttestamentliche Lesung - ich möchte sie mit Ihnen betrachten - spricht vom Gottesknecht. Diese Aussagen wurden und werden von der Kirche auf Jesus bezogen:
Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
Es ist die Rede von
Schon das Wort "Knecht" ist uns fremd, wir können nicht viel damit anfangen: Wir können es durch "Sohn" ersetzen. Gemeint ist einer, der von Gott mit einer besonderen Aufgabe betraut wurde, z. B. einer wie Mose, David oder Elija. Erwählt wird einer, weil es Gott so gefällt.
Der "Erwählte", bringt den Völkern das Recht. Das hebräische Wort "mispat" ist hier Schlüsselbegriff: er kommt mehrmals vor, (Verse 1b.3b.4b): im vorausgehenden Kapitel ist die Rede von einer Gerichtsverhandlung zwischen Jahwe und den Völkern. Dabei wird die Nichtigkeit der fremden Götter festgestellt. Im Gegensatz dazu glänzt der Gott Israels: In der hoffnungslosen Situation des Exils ergreift er die Initiative und bietet seinem Volk eine neue Heilschance an.
Gott bringt, was uns unmöglich ist! Unter der schönen Oberfläche zeigt sich unaus-rottbar Unrecht. Wir Menschen können einander nicht gerecht werden. Und hier kommt der "Erwählte" zum Zug. Jesaja beschreibt nun wie er das tut. Zuvor aber, die negative Abgrenzung - was er nicht tut: Er schreit nicht und lärmt nicht und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
An der Ernsthaftigkeit dieser Zusage wird kein Zweifel gelassen. Es ist Gott selber, der mit und in seinem Knecht das Gute wirkt. Dieses erste Gottesknechtslied wurde - wie schon gesagt - sehr bald auf Jesus hin gedeutet: Der Evangelist Matthäus (Mt 12,15 - 21) zitiert daraus. Jesus ist der, welcher unauffällig und in aller Stille heilend und helfend seinen Auftrag erfüllt.
Matthäus charakterisiert Jesu Art mit den Worten des Jesaja. Darin kommen die Bildworte vom Rohr und vom Docht vor: Das Rohr war Material von geringem Wert, es war leicht zerbrechlich. Der Docht verliert an Leuchtkraft, wenn das Öl ausgeht. Er glimmt nur mehr schwach, er braucht Öl. Vermutlich haben wir es mit Bildworten aus dem Gerichtswesen zu tun: die Betroffenen sind dem Tod überantwortet, über sie wurde der Stab gebrochen. Der Knecht Gottes aber wird sie nicht dem Tod überantworten.
Den Angeschlagenen gibt er nicht noch den Rest, sondern kümmert sich liebevoll (vgl. das Gleichnis vom verlorenen Schaf) um die gescheiterten Existenzen, um die Randsiedler der Gesellschaft, die er nicht noch mehr an die Wand drängt. Kunstvoll ist das ausgedrückt in der Übersetzung von Martin Buber (die gleiche Wurzel der Wort wird sichtbar): Er selber verglimmt nicht und knickt nicht ein! Damit ist einerseits eine enge Beziehung und andererseits ein großer Unterschied zwischen dem Knecht und seinen Adressaten formuliert.
Liebe Mitchristen! Jahwe ist der Bundesgott, der treu zu seinem Wort steht. Der Bund wird nicht zerbrechen - das Licht seiner Gegenwart wird nicht ausgelöscht! Der Knecht / Sohn soll sein: Bund für das Volk, Licht für die Völker, so will es Gott. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein; blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.
Der Knecht soll vermitteln. Er soll vorleben, wie Gott sich das Leben seiner Erwählten vorstellt. Er soll Gottes Willen mitteilen, die Augen öffnen für das, was getan werden soll. Von der Blindheit der Verbannten ist häufig die Rede! Sie müssen wieder ein Auge für ihren Gott bekommen, ihn im Blick haben. Alle Menschen sollen aus dem Dunkel der Gottesferne in das Licht der Gemeinschaft mit Gott geführt werden, sollen hinfinden zum Quell des Lebens.
Schwestern und Brüder! So ist der geliebte Sohn, an dem Gott Wohlgefallen gefunden hat. Diese "Stellenbeschreibung" des Gottesknechtes ist ein Lebensprogramm für uns! Wir sind geliebte Töchter und Söhne des himmlischen Vaters. Als Schwestern und Brüder Jesu Christi sind wir Botinnen und Boten des Herzenswillens Gottes. Wer unter den Willen Gottes tritt, der geht in den Fußspuren Jesu und hat Gemeinschaft mit ihm. (Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir ...)
Die Zusage am Fest Taufe des Herrn birgt eine klare Aufgabe, nämlich dem Beispiel Jesu zu folgen:
Liebe Mitchristen! In den kommenden Sonntagen wird uns Stück um Stück das Leben Jesu vor Augen geführt. Warum?
Tag der Auferstehung
Weil Gott in der Auferweckung Jesu angefangen hat, uns Menschen und mit uns seine ganze Schöpfung aus dem Tod zu holen, feiern wir den Sonntag als den ersten Tag der Woche. Wir versammeln uns und danken Gott für das, was er getan hat. Wir erinnern uns an die Hoffnung, in der wir leben dürfen. Wir suchen die Nähe Jesu in Wort und Sakrament, um mit ihm leben und sterben zu können. Die Sonntagsruhe besteht nicht nur darin, dass wir die Arbeit liegen lassen. Wir dürfen uns ollen in dem Glauben zur Ruhe kommen, dass von Gott her wirklich alles gut wird und dass wir ihm die Vollendung überlassen dürfen und sollen. Einmal im Jahr, an Ostern, feiern wir das nach vierzigtägiger Vorbereitung in besonderer Weise. In unsere Nacht lassen wir das Licht des sieghaften Lebens Jesu hineintragen. Wir lassen uns erneut zusagen, was uns in der Taufe geschenkt wurde: dass wir Schwestern und Brüder Jesu sind und dass wir, wenn wir mit ihm leben und sterben, auch mit ihm von Gott, seinem Vater, gehalten sind und einmal endgültig in sein Leben gerettet sein sollen.
Dieter Emeis
Biblische Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: 1 Kor 15,1 - 20:
Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der "Missgeburt". Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehrmals sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
Auferstanden von den Toten ...
Die Kernbotschaft des christlichen GlaubensHaben Sie Lust auf Ostern?
Ich lade Sie ein die "reizende" Botschaft von der Auferstehung an sich heranzulassen. Grundlage dieser Betrachtung ist der Brief des Paulus an die Christen in Korinth (1 Kor 15, 1 - 20). Paulus hat diesen Brief geschrieben, um die (wenigen) Christen in Korinth zu ermutigen. Er musste diesen Brief schreiben, weil manche die Auferstehung anzweifelten. Es gab Streit und Verunsicherung. Manche meinten, sie hätten die entscheidende Verwandlung schon hinter sich und dann wäre es egal wie sie jetzt lebten.
Die junge Gemeinde ist unsicher geworden. Ob das mit der Auferstehung stimmt? Darum sagt Paulus: Ich erinnere euch!
Paulus erinnert an das Evangelium (= Botschaft von Tod und Auferstehung), das er verkündet hat. Das Evangelium, die Frohe Botschaft ist die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi. Paulus beruft sich dabei auf Zeugen - er hat empfangen. Es geht ihm nicht um Anerkennung oder persönlichen Erfolg. Es ist völlig egal, wer verkündet. Entscheidend ist die Botschaft, die zu sagen ist. Und da gibt es eben keine andere, die Leben schenkt.
Heute glauben selbst Christen nicht mehr selbstverständlich an Jesu Auferstehung. Vage Hoffnungen haben sie - laut Umfragen - nämlich dass sie irgendwie weiterleben. Viele machen sich Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele, über Wiedergeburt und Seelenwanderung. Daran glauben auch 23 % der Katholiken in Deutschland.
Bei dem vorangestellten Briefabschnitt ist jedes Wort wichtig:
Christus ist für unsere Sünden gestorben,Wie ein Auferstehungslied müssen wir uns das vorstellen. Ein Kantor singt vor (Christus ist für unsere Sünden gestorben), alle wiederholen den Kehrvers (gemäß der Schrift). Paulus erinnert: Das habt ihr doch schon alle gesungen. Das kennt ihr doch! Paulus wendet sich gegen die Zweifler und wird deutlich: Ohne österliche Botschaft kann man das ganze Christentum vergessen.
Ein "österliches" Erlebnis
Ich möchte ein persönliches Erlebnis (Osterdienstag 1995, Name verändert) erzählen, das mir an Ostern immer wieder in den Sinn kommt. Nach der 8 Uhr Messe, kam der Vater von Boris völlig außer sich zu mir und sagte, Boris sei tot, ich solle gleich kommen.
Boris war 9 Monate alt, das dritte Kind. Ich kannte die Familie vom Kleinkindergottesdienst. In der Wohnung waren Notärzte und Sanitäter um das Kind bemüht - Reanimation. Erfolglos. Diagnose: Plötzlicher Kindstod. Die Ärzte sagten: Sie hätten daneben stehen können, und doch nichts tun. Machen sie sich keine Vorwürfe, sie haben keine Schuld daran - so versuchten die Ärzte zu beruhigen. Der Rettungsdienst rückte ab, zurück blieb eine Frau von der Krisenintervention und versuchte zu trösten und verwies auf eine Selbsthilfegruppe. Ich blieb. Es wurde sehr ruhig in der Wohnung; eine Frau war mit den beiden anderen Kindern spazieren. Zum ersten Mal war ich mit dem Tod eines kleinen Kindes konfrontiert. Für mich war das ganz anders, als die Nachricht vom Tod eines alten, kranken Menschen. Da ist man irgendwie gefasst und sagt: Ein langes und erfülltes Leben!
Die Eltern waren verzweifelt, wir müssen in der Firma Bescheid geben, aber wir können doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Unser Kind ist tot. Mal hielt der Vater das Kind im Arm, mal die Mutter. Wir sprachen miteinander, beteten. Es war mir als bliebe die Zeit stehen. Alles andere verliert an Bedeutung. Dann kam die Kripo und stellte ihre Fragen. Schließlich traf ein Mann vom Bestattungsdienst mit einem Kindersarg ein. Die Eltern brachten ihr totes Kind selbst zum Auto des Bestattungsdienstes hinunter.... Obduktion!
Am Freitag in der Osterwoche war die Beerdigung unter Anteilnahme vieler junger Menschen. (Lesung - Offb 21; Lied: Tears in Heaven, jede/r konnte eine Blume ins Grab legen, ...)
Mir ging das sehr nahe. Gerade erst hatten wir Ostern gefeiert. Nach den Feiertagen hoffte ich, etwas verschnaufen zu können. Nichts. Grausam kann der Tod zufassen und uns Menschen unsere ganze Ohnmacht spüren lassen. Uns den bitteren Geschmack des Todes zu kosten geben! Den tiefen Abgrund der Sinnlosigkeit ahnen lassen, der sich auftut, wenn einem der Boden unter den Füßen schwindet.
Fragen ohne Antwort? Was kann ich als Seelsorger sagen und tun? Das war damals und ist heute meine Frage. Mein persönlicher Glaube war in Frage gestellt. Am Sonntag nach Ostern konnte ich nicht anders als vom Tod und der Hoffnung auf Auferstehung zu predigen. Ich wollte die Ereignisse der Woche ansprechen und auf diesem Hintergrund fragen, was der Glaube dazu zu sagen hat.
Sonntag für Sonntag feiern wir den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, das Geheimnis unserer Erlösung. Muss man da noch betonen, dass der Glaube an die Auferstehung das Herzstück unseres Glaubens ist? Ich vermute ja, denn für viele ist "Auferstehung" eine unbewiesene und unbeweisbare Behauptung. Paulus spricht zu Gläubigen, die unsicher geworden sind. Er versucht nicht, mit geschliffenen Argumenten zu überzeugen. Dass Gott unser Leben bewahrt über den Tod hinaus, das kann nur im Horizont des Glaubens vernommen werden.
Hat Paulus mit seiner Argumentation nicht recht? Wenn es keine Auferstehung von den Toten gibt, sind wir wirklich erbärmlich dran, weil dann allem, was wir denken, wollen und tun, der Keim des Todes und des Vergeblichen anhaftet.
Weil dann kein anderer Ausweg mehr bleibt, als sich in dieses Leben hineinzustürzen und ihm atemlos und mit hängender Zunge nachzulaufen, in der steten Angst, etwas zu versäumen. Was bleibt? Ein Leben, das man auspresst und auskosten will in einer krankhaften und krankmachenden Lebensgier. "Ich habe nur dieses eine Leben, und es ist kurz, zu kurz für all das, wovon ich träume."
Wo Gott ist, da ist alles anders, als wir es gewohnt sind. Auferstehung ist nicht beweisbar mit naturwissenschaftlichen Mitteln. Es braucht dabei einen gläubigen Blick, um zu verstehen.
Damit der Glaube eine Stütze habe, hat Gott an Ostern Jesus sichtbar gemacht, ihn zur Erscheinung gebracht. Die Erfahrung mit Jesus, der gekreuzigt wurde, aber dann auferweckt worden ist, formt eine Erzählgemeinschaft: Wir haben den Herrn gesehen! Die Auferstehungszeugen treten mit ihrem Leben für diesen Glauben ein. Mehr haben wir nicht.
Ich will Sie fragen: Ist "Tod und Auferstehung" für Sie ein Thema, über das sie sprechen? Sind wir Christen eine Erzählgemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig stützen?
Auferstehung oder Reinkarnation
Vermutlich hören Sie eher von Reinkarnation. Ich setze dagegen: ein zweites (dritten...) Leben würde am Tod nichts ändern! Ich möchte mit Ihnen die für viele plausible Vorstellung der Reinkarnation kritisch anschauen.
Christlich müsste es heißen:
Weil jedes Leben einmalig ist und weil es so schnell vorbeigeht, gerade darum ist es so kostbar, so schützenswert.
Auf die Frage: Woher das Lebensprinzip kommt? geben Religionen und Weltanschauungen unterschiedliche Antworten.
Nach der jüdischen Tradition ist das Leben eine kostbare geliehene Gabe Gottes. Im Augenblick des Todes wird Gott sie als sein Eigentum wieder zurückfordern.
Die indischen Religionen - Hinduismus, Buddhismus - haben keinen persönlichen Gott. Für sie wird die Welt ohne Anfang und ohne Ende gedacht, im Lebensprozess tauchen Existenzen auf, verändern sich und verschwinden wieder. (Kreislauf) Der zentrale Glaubenssatz ist der von der Vergeltung. Diese erfolgt nach einem ewigen und streng unabänderlichen Gesetz.
Die Sicht des christlichen Glaubens
Das sind aber nicht die schlagenden Gründe, warum die Lehre von der Wiedergeburt nicht trägt. Die entscheidenden Gründe liegen in der Gottesoffenbarung:
Jesus verbürgt diese Botschaft.
Ja, Jesus ist diese Botschaft, die Gott uns Menschen sagen will. Und weil er auferstanden ist, haben wir Hoffnung, mit ihm zu leben.
Textstelle: Mt 7, 21 - 27
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Jak 1,22; 1 Joh 2,17; Lk 6,46 22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? (22-23) Lk 13,25-27 23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes! 25,12; Ps 6,9 G 24Vom Haus auf dem Felsen: 7,24-27 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. (24-27) Lk 6,47-49 25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. 26 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.
Wie schön, wenn Verstehen und Handeln zusammen kommen. Manches Gespräch strapaziert meine Nerven. Vor allem deswegen, weil meine Zeit meist knapp ist und ich wie auf Kohlen sitze, wenn mein Gegenüber um den heißen Brei herumredet. Ich möchte rufen: Bitte, kommen Sie doch zur Sache.
Eine andere Situation lässt mich unzufrieden, ja traurig zurück: Da hat jemand sein Problem klar vor Augen, erzählt von sich und formuliert sogar mögliche Schritte, die dazu führen, dass es besser würde. Aber er bleibt im Denken und Reden stecken. Er schafft den Schritt zum Handeln nicht. Das macht mich traurig, weil ich merke, dass es mit dem Reden eben nicht getan ist. Mir ist schon klar, dass die Umsetzung manchmal dauert und erst ein zweiter oder dritter Anlauf einen Schritt voran bringt.
Da möchte ich rufen: Mensch, tu, was Du begriffen hast. Trau Dich doch, den ersten Schritt zu tun. Es ist als ob eine undurchdringliche Glaswand einen trennt, den entscheidenden Schritt zu tun. Man sieht schon hinüber, das erste Etappenziel ist zum Greifen nah, und doch geht es nicht voran.
Natürlich gibt es auch den Menschentyp, der alles besser weiß, gute Ratschläge gibt, aber sich selber nicht dran hält. Solche sind keine wirksamen Vorbilder, sie sind unglaubwürdig. Verstehen ist kein Vorgang in den Gehirnwindungen allein. Wer recht versteht, der lebt konsequent und handelt entsprechend.
Ein Beispiel: Wenn mir meine Gesundheit wertvoll ist, werde ich es lassen, wenn ich auf einer Packung Zigaretten lese: "Rauchen gefährdet ihre Gesundheit".
Wer tut, was Gott will ...
Jesus fasziniert mich, weil er stimmig ist im Denken und Handeln. Ebenso fasziniert mich ein Franz von Assisi, der konsequent umsetzt, wovon er überzeugt ist. Unser Textabschnitt aus dem Matthäus-Evangelium steht am Ende der Bergpredigt. Da wird sehr zugespitzt formuliert. Zunächst wird eine goldene Regel vorgestellt (nicht im Abschnitt des Evangeliums vom 9. Sonntag im Jahreskreis), die sich leicht merken lässt: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Diese Regel steht einige Sätze weiter vorher. Unmittelbar nach dem Abschnitt folgt der Schlusssatz der Bergpredigt: "Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten."
Nicht nur vom guten Wollen reden - bringt weiter, sondern der Schritt ins Handeln. Das macht den Unterschied aus: ob mein Lebenshaus auf Sand oder auf Fels gebaut ist. "Nicht Jeder, der zu mir sagt. Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. (Mt 7,2 1)Geredet wird ja viel, vor Kameras, medienwirksam, gleichgültig ob es Vertreter von Parteien, Gewerkschafter oder auch der Kirchen sind. Natürlich ist es ihre Aufgabe, Sachverhalte zu benennen, gedanklich einen Weg aufzuzeigen, eine Perspektive zu entwickeln usw.
Eine gute Rede, die Menschen bewegt, zur Einsicht und zum Handeln bringt. Wunderbar!
Aber wie oft werden Worthülsen gedroschen, und die Zeit wäre sinnvoller verwandt, hätte man geschwiegen und zugehört.
Gelegentlich wird in Kirchenkreisen - ein wenig selbstkritisch - von Logorithis - von Wortdurchfall -gesprochen.
Sich selbstkritisch prüfen, kann nicht schaden.
- Wie rede ich?
- Wie ernst nehme ich, was ich sage?
- Passt mein Tun zusammen mit meinem Denken und Reden? Wer die Hände fromm zum Beten faltet, mag sie dann auch wieder öffnen zum Handeln.
Politiker, ebenso wie Vertreter der Kirche werden nicht an ihren Worten gemessen, sondern an ihren Taten. Wenn den Worten keine Taten folgen, dann steht unser Lebenshaus auf wackeligem Grund. Worauf ich mein Leben baue, das zeigt mir der ehrliche Blick auf meine Wirklichkeit. Jeder, der etwas vom Bauen versteht, weiß, dass es mit den Fundamenten losgeht. Sie müssen tragen.
"So baut denn eurer Ehe Haus ......"
Mir fällt ein, dass anlässlich einer kirchlichen Trauung sich das Brautpaar genau dieses Evangelium ausgesucht hatte. Miteinander hatten sie sich auf dieses Evangelium geeinigt. Sie zeigten damit auch, auf welchen Boden sie ihr Lebenshaus stellen wollten.
Schon beim Polterabend wurde ihnen das Modell eines Hauses geschenkt mit allem, was man zum Wohlfühlen braucht.
Auf nette Weise wurden Fragen angestoßen:
- Wer legt den Grund?
- Wer trägt, wenn eigene Kraft nichts mehr vermag?
- Worauf baut ihr euer bergendes Zuhause?
- Wie tief seid ihr bereit zu graben, damit das Fundament eures Hauses auf festem Boden steht?
Das Fundament verschwindet ja im Boden, man sieht nur das schöne Haus. Aber es ist unerlässlich.
Im Evangelium gilt als klug, wer auf Jesu Wort hört und sie befolgt. Wer sich so verhält, der ist wie einer, der sein Haus auf Fels baut. Er hat den besten Grund gelegt, den er nur legen konnte. Was er mit eigener Anstrengung aufbaut, gelingt und bleibt. Sein Lebenswerk hat bestand, denn es ruht auf der Liebe und Treue Jesu.
Wähle selbst! Meine Überzeugung ist, dass es sich "leichter" lebt, wenn man seine Ziele kennt und sich klar entscheidet.
Keiner kommt auf die Dauer an Entscheidungen vorbei. Ja, es gibt, wie ein Buchtitel sagt, einen "Zwang zur Häresie":
Wir sind geradezu gezwungen zu wählen aus einer Fülle von Möglichkeiten. Das eine kann ich ergreifen, das andere muss ich sein lassen.
Jesus bietet seine Botschaft an, dass wir sie hören und befolgen. So gehen wir in seiner Nachfolge und so wird unser Weg konsequent, ja einladen für andere, ihn mit uns zu gehen.
Weil der Vorgang des Entscheidens - meiner Erfahrung nach - eher schwer fällt, noch ein Wort zum Nachdenken von Paul Roth-.
"Man kann sich nicht
ein Leben lang
die Türen alle offenhalten,
um keine Chance zu verpassen.
Auch wer durch keine Türe geht
und keinen Schritt nach vorne wagt,
dem fallen Jahr für Jahr
die Türen eine nach der andern zu.
Wer selber leben will,
der muss entscheiden,
mit Ja oder Nein im großen und im kleinen.
Wer sich entscheidet, wertet, wählt
und das bedeutet auch Verzicht.
Denn jede Tür, durch die er geht,
verschließt ihm viele andere.
Man darf nicht mogeln
und so tun,
als könne man errechnen und beweisen,
was hinter jeder Tür geschehen wird.
Ein jedes Ja -
auch überdacht, geprüft -
ist doch ein Wagnis
und verlangt ein Ziel.
Das ist die erste aller Fragen:
Wie heißt das Ziel,
an dem ich messe Ja und Nein?
Und: Wofür will ich leben?"
Aus dem ersten Petrusbrief (1 Petr 2,4 - 9)
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein,
der von den Menschen verworfen,
aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.
Lasst euch als lebendige Steine
zu einem geistigen Haus aufbauen,
zu einer heiligen Priesterschaft,
um durch Jesus Christus
geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.
Denn es heißt in der Schrift:
Seht her,
ich lege in Zion einen auserwählten Stein,
einen Eckstein, den ich in Ehren halte;
wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre.
Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser
Stein, den die Bauleute verworfen haben,
zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt,
und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.
Sie stoßen sich an ihm,
weil sie dem Wort nicht gehorchen;
doch dazu sind sie bestimmt.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht,
eine königliche Priesterschaft,
ein heiliger Stamm,
ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet,
der euch aus der Finsternis
in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Wissen´s Herr Pater, ich geh nicht jeden Sonntag in die Kirch´. Beim Wandern im Wald oder auf einem Berg fühl ich mich Gott näher. - so höre ich gelegentlich im Beichtstuhl. Sicherlich kann ein schönes Naturerlebnis erhebend und aufbauend sein. Aber eine einladend schöne Kirche und in ihr eine festliche Liturgie möchte ich dafür nicht eintauschen.
An diesem Sonntag ist der sog. Kirchweihsonntag. All jene Kirchen, die das Datum ihrer Kirchweihe nicht kennen, feiern an diesem Sonntag das Gedächtnis ihrer Kirchweih.
Als erstes fällt mir das Lied "Ein Haus voll Glorie schauet" ein, das ich mit Kirchweih verbinde: feierlich und selbstbewusst klingt es mir im Ohr.
Als nächstes taucht in mir das Bild der St.-Anna-Basilika in Altötting auf. In dieser Kirche empfing ich die Priesterweihe. Und vor einer Woche hatte die Basilika ihren 90. Weihetag. Das war Anlass, einige Bilder und Texte aus dem Archiv des Klosters in der Kirche auszustellen.
Welch eine Leistung, diese Kirche in 2 Jahren zu bauen. Heute sagen Fachleute, man bräuchte wohl 6 Jahre, um eine Kirche dieser Größe zu bauen. Viele haben ihren Beitrag geleistet - sei es ihr Gebet oder finanzielles Opfer -, damit für die Wallfahrer eine neue große Kirche entsteht. Ihnen gebührt Dank.
Zunächst ist da das Gebäude aus Stein. Notwendig, um den Wallfahrern einen Raum für den Gottesdienst zu bieten. Glaube spielt sich nicht allein im stillen Kämmerlein ab. Er braucht das Miteinander im Feiern des Glaubens: Die Liturgie drückt aus, was wir glauben. In Lieder und Gebeten wird Glaube erlebbar. Zeigen und bezeugen Christen, was die Mitte ihres Lebens ist.
Nochmals zurück zur Basilika: Am 28. August 1910 wurde der Grundstein sichtbar eingemauert. Er trägt in goldenen Buchstaben die Aufschrift: "Lapis angularis". Christus selbst ist der Grundstein der Kirche. Auf ihn baut die Glaubensgemeinschaft.
Am 13. Oktober 1912, dem Weihetag der neuen St. Anna-Kirche, sagte Diözesanbischof Sigismund Felix in seiner Predigt: "Mit dieser Kirche, die wir eben eingeweiht haben, hat gleichsam die hl. Mutter Anna ihrer Tochter Maria ein Haus gebaut. .... Es sollen gesegnet sein die, welche dich erbaut haben." Gesegnet, wer mitbaut an der Kirche, am Haus Gottes, wer selber ein Baustein ist darin.
Mir kommt der hl. Franziskus in den Sinn, der nach einem langen Weg des Suchens, seine Berufung findet. Vom Kreuzbild in San Damiano her hört er die Stimme Jesu Christi zu ihm sagen: Franziskus, siehst du nicht, wie mein Haus zerfällt. Geh, stell es wieder her.
Das nahm Franziskus wörtlich, fängt gleich an, das Kirchlein wiederaufzubauen. Nach und nach begreift er, dass es um lebendige Steine geht. Junge Männer aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und mit unterschiedlichen Berufen schließen sich ihm an. Was sie verbindet, woran sie sich halten ist das Evangelium.
So bilden sie eine Gemeinschaft: geformt vom Wort Gottes, geschliffen vom Leben, dem sie sich nicht entziehen, an ihren je eigenen Platz gestellt durch Gottes Fügung, von anderen gehalten und wieder Halt gebend. Ihre Mitte ist Jesu Wort und Beispiel.
Sie haben Recht, das ist lange her. Wo ist die anfängliche Begeisterung für das Evangelium in der "alten" Kirche mit ihren gewachsenen Strukturen und Glaubenssätzen.
Ich frage nicht nach x-beliebigen anderen, sondern ich frage Sie, frage Dich. Was gilt die Bitte "Herr, baue deine Kirche auf und fange bei mir an!" ?
Gott sei Dank, dass er längst schon angefangen hat, an mir zu "bauen". Dank sei ihm, dass er es nicht längst satt hat, immer wieder mit mir anzufangen. Bei meiner Firmung und danach wurde mir langsam klar, dass mein Christsein nicht ein lästiges Erbe ist, das ich mit mir trage. Ich habe mich gefragt, was es mir bedeutet, getauft und gefirmt zu sein. Ich wollte wissen, wo mein Platz ist: in den hinteren Reihen oder vorn im Altarraum? Ich bin dankbar für die Gemeinschaft der Kirche, zu der ich gehöre.
Noch etwas fällt mir ein zum Kirchweihfest.
Obwohl Franziskus nichts sein eigen nennen wollte, legte er seinen Brüdern nahe, Portiunkula - die kleine Kirche "Maria von den Engeln" - nicht aufzugeben. Hier hatte er ein Stück Heimat gefunden. Hier gab er sein Leben Gott zurück. Mariens Glaube und Gehorsam imponieren ihm, sie ist Mutter der Glaubenden: sie wird für ihn Königin und Mutter... Durch die konkrete Kirche betrachtet Franziskus Maria und durch Maria die Kirche.
Er fordert seine Brüder auf, Gottes Wort - Jesus Christus - aufzunehmen, im Herzen zu tragen und in die Welt hineinzugebären. "Christi Mütter sind wir, wenn wir ihn durch die Liebe und ein reines und lauteres Gewissen in unserm Herzen und Leibe tragen und ihn gebären durch ein heiligen Wirken, das andern als Vorbild leuchten soll."
Hier entdecke ich die mütterliche, bergende Seite der Kirche. Nicht abweisend und hart, sondern empfänglich und weich, gilt es zu sein, damit "Gottes Hand" uns Menschen formen kann zu einem Gefäß, zu einer Wohnung, die Raum hat für die Vielfalt und Fülle des Lebens.
Abschließend soll nochmals Franziskus mit dem Gruß an die selige Jungfrau Maria zu Wort kommen:
"Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria, die du bist Jungfrau, zur Kirche geworden und erwählt vom Heiligsten Vater im Himmel, die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem Heiligen Geiste, dem Tröster; in der war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute.
Sei gegrüßt, du sein Palast.Und seid gegrüßt ihr heiligen Tugenden alle, die durch die Gnade und die Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden, um aus Ungläubigen Gott getreue Menschen zu machen."
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein 26Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.. 36 Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. 37 Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Kurz vor der EntbindungDer Advent - so könnten wir sagen - schickt sich an, in die Zielgerade einzuschwenken. Die vierte Kerze brennt. Es dauert es nicht mehr lange. Bald ist es soweit. Bald wird das Kind zur Welt kommen. Das ist es doch, worauf wir im Advent warten.
Mütter, die ein neues Leben unter ihrem Herzen tragen, tragen auf ihrem Gesicht einen stillen Glanz. Gegen Ende der Schwangerschaft wird der Gang schon mühsam und schwer, die sonst gekannte Leichtfüßigkeit schwindet unter dem Gewicht des sich wölbenden Leibes. Da ist die leise Sorge, ob alles gut gehen wird. Da ist Vorfreude bis es da ist, das neue Leben.
Wie mag es Maria gegangen sein?Maria, hochschwanger - wartet auf das Kommen des Kindes. Sie ist - buchstäblich - ganz erfüllt. Das Kind hat sie innerlich erfüllt. Es braucht Platz, es will getragen werden, ausgetragen und schließlich zur Welt kommen.
Warum dieses Evangelium am vierten Advent?Wenn Sie das Evangelium des Vierten Adventssonntags gelesen haben, wundern Sie sich vielleicht, dass dieser Abschnitt aus dem Lukasevangelium so kurz vor Weihnachten ausgewählt wurde. Wir kennen diese Botschaft, wir kennen wohl auch Bilder, die diese Szene eingefangen haben. Der Engel Gabriel kommt zu Maria und verkündet ihr, dass sie die Mutter des Messias werden soll. Was hat sie - diese uns vertraute Verkündigungserzählung - zu sagen?
Das Geschehen wir zeitlich bestimmt durch die Ansage: "im sechsten Monat". Gemeint ist die Schwangerschaft der Elisabeth, der Frau des Zacharias. Sie erwartet ein Kind, das den Namen Johannes bekommen wird. Im für Elisabeth sechsten Monat wird der Bote Gottes namens Gabriel nach Nazaret gesandt, zu einer jungen Frau. Ihr Name bleibt zunächst ungenannt, was nach damaliger Gepflogenheit nicht ungewöhnlich ist. Eigenartig wie der Engel Maria anspricht. "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir."
Maria erschrickt. Jedoch nicht, weil plötzlich ein Engel vor ihr steht. Sie erschrickt über die Anrede. Das ist von Lukas, aus dessen Evangelium dieser Abschnitt genommen ist, so gewollt. Bewusst und geradewegs kunstvoll ist diese Erzählung komponiert.
Was im weiteren Gespräch vom Engel gesagt wird, ist eigentlich die Wiederholung - und damit Verstärkung - des schon Gehörten.
"Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden." Schritt um Schritt - um nicht zu sagen - Schlag auf Schlag legt der Engel offen, was Gott mit Maria vorhat.
"Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben."
Nicht Maria, sondern JesusFür uns ist kaum zu begreifen, was da vor sich geht. Wir können es uns nicht vorstellen, was diese Worte in Maria ausgelöst haben müssen. Was uns interessieren würde, darüber schweigt der Evangelist. Das ist für ihn nicht zentral. Der Text kreist nicht um Maria, sondern um Jesus. Er wird angekündigt und vorgestellt. Und es wird noch einmal zugelegt:
"Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten." Und Maria lässt sich ein: "Mir geschehe, wie du gesagt hast."
Mit diesem Satz wird Maria gern zitiert und als Vorbild dargestellt. Zurecht darf man ihr Ja nicht klein reden. Doch gilt es auch zu sehen, dass Gott die Initiative ergriffen hat.
Ich möchte mit Ihnen nochmals zurückschauen auf den ersten Satz, den der Engel sprach. Er bildet mit der Antwort Mariens "Mir geschehe, wie du gesagt hast." die Klammer des Textabschnittes.
"Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." Das gilt nicht exklusiv nur für Maria, es gilt uns allen. Dieser Satz muss wohl lange "gekaut" werden, damit er in seinem ganzen Gehalt ausgekostet werden kann.
Mir gescheheMaria war weder taub, noch abweisend. Sie hat "Gottes Wort" angenommen, durch sie hat Gottes Sohn Fleisch angenommen und unter uns gewohnt. Bei uns sucht Jesus Herberge, bei uns will er wohnen. Wir können dieses Wort in die nächsten Tage hinein mitnehmen. So werden wir von Gott erfüllt und Gott-voll sein. Lassen wir es geschehen!
Eine jüdische ErzählungEin Rabbi war bei frommen Gelehrten zu Gast.
Er überraschte sie mit der Frage:
"Wo wohnt Gott?"
Sie lachten über ihn und sagten:
"Was redest du!
Die ganze Welt ist doch voll
von seiner Herrlichkeit."
Der Rabbi beantwortete seine eigene Frage so:
"Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt."
"Auf ihn sollt ihr hören"
Am zweiten Sonntag in der österliche Bußzeit beten wir mit der ganzen Kirche:
"Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen." -
Es wird uns heute eine Grundbotschaft verkündet. Sie soll uns einstimmen, das Taufgelöbnis in der Osternacht klar und froh zu erneuern. Die Frohbotschaft hat der Evangelist Lukas für uns aufgeschrieben:
"In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. 29 Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. 30 Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; 31 sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. 32 Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. 33 Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. 34 Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. 35 Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören." (Lk 9, 28 - 35)
1. Die hohe Offenbarung im Alten Bund. - Die Erinnerung an den Berg Sinai.
Jesus führt drei Jünger auf den Berg. Der Berg bleibt namenlos. Er ist die Erinnerung an die weltgeschichtliche Offenbarung des Ersten Testamentes. Es werden auch die beiden großen Propheten gezeigt: Mose und Elija. - Im Jubeljahr 2000 hat der Heilige Vater den "Berg der Offenbarung" besucht. Er hat bekannt: "Voll Freude und tief bewegt ist der Bischof von Rom heute als Pilger auf dem Sinai, angezogen von diesem Berg, der emporragt als erhabenes Monument dessen, was Gott hier verkündet hat. Hier offenbarte er seinen Namen! Hier gab er sein Gesetz, die Zehn Gebote des Bundes!" - Der Papst hat allen Menschen zugerufen: "Heute und immer sind die Zehn Worte des Gesetzes die einzig wahre Grundlage für das Leben des einzelnen Menschen, der Gesellschaften und der Nationen. Heute und für immer sind sie allein die Zukunft der menschlichen Familie. .." - Der Papst hat nicht gezögert festzustellen: "Der Sinai ist Mittelpunkt der Wahrheit vom Menschen und seiner Bestimmung." (26.02.2000) -
Die Umstände der Offenbarung auf dem Sinai waren dramatisch. Im biblischen Bericht lesen wir: "Am dritten Tag, im Morgengrauen, begann es zu donnern und zu blitzen...Das ganze Volk im Lager begann zu zittern...Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt, denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen...Mose redete und Gott antwortete im Donner..."(Ex 19,16-19) - Dann stellte sich der Herr vor: als allerhöchste Autorität: "Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat. .." (Ex 20,2) - Dann übergab der Herr das Grundgesetz für die Menschheit aller Zeiten: Die Zehn Gebote. - Die Offenbarung auf dem Berg Sinai ist die heilsgeschichtliche Vorbereitung auf die Offenbarung auf dem neuen Sinai, den wir nach der Tradition Tabor nennen. -
2. Die überragende Offenbarung im Neuen Bund. Die Erinnerung an den Berg Tabor.
"Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten."(28) Es handelte sich um einen Vorgang der Ruhe, des Friedens und der Verbundenheit mit Gott. Die drei Jünger waren die Vertreter der Menschheit aller Zeiten. -"Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß."(29) Wir können sagen: Die Herrlichkeit des unermesslichen Gottes blitzte für einige Augenblicke in dem Menschensohn durch. - Plötzlich redeten Mose und Elija mit dem verklärten Herrn. Auch sie "erschienen in strahlendem Licht."(31) Das ewige Licht überstrahlte den Sinai und den Tabor. -
Petrus machte einen interessanten Vorschlag: Er wollte "drei Hütten bauen". Das heißt: Er wollte auf dem Berg das hohe und auch heitere Laubhüttenfest feiern. Doch sein Vorschlag ging unter: "Während er noch redete, kam eine Wolke..." (34) Die Wolke war beim Ausbruch der Israeliten aus Ägypten ein klares Zeichen: Gott ist gegenwärtig. Gott ist anwesend. Gott ist da. - Die Jünger "gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst."(34) Sie wurden also in die überwältigende Gegenwart Gottes hineingerissen. - Und nun ereignete sich der Höhepunkt: "Da rief eine Stimme aus der Wolke..."(35) Es geschah die Hochform der Offenbarung. Wir kennen mehrere Formen der Mitteilung Gottes. Wir kennen den prophetischen Traum, wie er Josef und den Magiern geschenkt wurde. Wir kennen das Kommen eines Engels. Denken wir nur an den Engel Gabriel. Er hat Maria die Botschaft von der Menschwerdung des Gottessohnes gebracht. Wir kennen auch die Verkündigung durch zwei Engel. Denken wir nur an die österliche Botschaft an die treuen Jüngerinnen im leeren Grab Jesu.- Und nun: "rief eine Stimme aus der Wolke. .."(35) Diese Hochoffenbarung geschah nach den Evangelien dreimal. Der allmächtige Gott griff gleichsam selbst in die Geschichte ein. Die Botschaft ist überaus kurz und doch von allergrößter Wichtigkeit: "Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören."(35) - Der Vater bekannte sich zu Jesus, seinem eingeborenen Sohn. Und er gab einen klaren, weltgeschichtlichen Befehl: "Auf ihn sollt ihr hören." - Das heißt: Das neue Gesetz ist eine Person: Unser Herr Jesus Christus. Seine Worte, seine Zeichen, seine Wunder, sein Leben, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung: Sie sind bindende Offenbarung des lebendigen Gottes. -
3. Das Wort Gottes wird auch abgelehnt, verkürzt und verfälscht. - Wir brauchen die "Gabe der Unterscheidung".
Im vergangenen Jahrhundert haben zwei gottlose Systeme die Menschen geprägt: Der Nationalsozialismus und der Kommunismus. - Die biblische Botschaft des Alten Testamentes wurde von den Nazis als "unwürdige Lehre einer lebensunwerten Rasse" verworfen. Das Evangelium Jesu wurde umfunktioniert. Jesus wurde als "alter Deutscher" ausgegeben, der "in der Mark Brandenburg geboren wurde und schon als Junge" gern mit Pfeil und Bogen gespielt hat". - Der Kommunismus hat gezielt ein "Atheisierungsprogramm" entwickelt und gefördert. "Nur der gottlose Mensch kann ehrlich an der Zukunft mitarbeiten." In beiden Systemen wurde das Wort Gottes abgelehnt und bekämpft. - Viele Zeitgenossen fühlen sich als religiöse Menschen. Sie glauben an einen "guten Herrgott", oder an ein "höheres Wesen". Manche beten zu Gott und wollen ihn gefühlsmäßig "erfahren und erleben": In der Natur, im Universum, in ihren Träumen oder in psychologischen Praktiken. Die Esoterik bietet einen "Supermarkt des Religiösen: Tantra, Trance und Traum finden immer mehr Anhänger". - Viele Menschen bedienen sich "nach Gusto auf dem Markt der spirituellen Angebote: Jeder kann wählen, wem er glauben will, dem Papst oder dem Dalai Lama, einem Schamanen aus Afrika oder einem Buddhisten aus Japan."(SPIEGEL, 52/2000)
Diese Menschen verkürzen die Botschaft des Gotteswortes bis auf einige passende Dekorationswörter. - Im Innern unserer Gemeinden finden wir durchaus fromme Menschen. Sie glauben, das Evangelium genügend zu kennen und wünschen sich besondere Offenbarungen: Was eine begnadete Seherin gesehen haben soll; was ein privater Prophet gesagt haben soll. Sie interessieren sich für die "Hitzegrade im Fegfeuer" und die "Qualen der Hölle". Sie verbreiten "Botschaften gegen die sakrilegische Handkommunion" und den "teuflischen Ökumenismus". Sie schieben ihre Meinungen verschiedenen großen Christen in den Mund: Dem seligen Pio oder der heiligen Faustine. Manche stecken der Mutter unseres Herrn alle möglichen Aussagen zu und geben sie als verbindliche Privatoffenbarungen aus. Solche - sicher wohlmeinende Christen - siedeln sich gern in Wallfahrtsorten an und verteilen ihre Heftelchen und Zettelchen mit den unbewiesenen Botschaften. Sie merken nicht, dass sie die wunderbare Botschaft Gottes verfälschen. In der Beurteilung dieser Vorgänge brauchen wir alle die "Gabe der Unterscheidung" und einen guten kirchlichen Sinn. - Wir dürfen uns an die klaren Worte halten, die im Weltkatechismus verankert sind: "Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus." (66) Von den sogenannten "Privatoffenbarungen" wird eindeutig gesagt: "Sie gehören. ..nicht zum Glaubensgut." (67) - Von den Menschen in Beröa wird in der Apostelgeschichte rühmend gesagt: ". ..mit großer Bereitschaft nahmen sie das Wort auf und forschten Tag für Tag in den Schriften nach... Viele von ihnen wurde gläubig. .." (Apg 17,11/12) -
4. Die Annahme des Wortes und die Verkündigung des Evangeliums. - Vorrangige Aufträge für alle Christen.
Im Vorfeld des Jubeljahres 2000 hat der Heilige Vater eine klare Ermunterung an die ganze Kirche ausgesprochen: "Um die wahre Identität Christi zu erkennen, sollen die Christen mit erneutem Interesse zur Bibel zurückkehren, einmal in der mit göttlichen Worten gesättigten heiligen Liturgie, dann in frommer Lesung oder auch durch geeignete Institutionen und andere Hilfsmittel. Denn in dem geoffenbarten Text ist es der himmlische Vater selbst, der uns liebevoll begegnet und mit uns redet, indem er uns das Wesen des eingeborenen Sohnes und seinen Heilsplan für die Menschheit kundtut."( TMA 40) - Am Hochfest der Erscheinung des Herrn hat unser Papst ein Apostolisches Schreiben an die Weltkirche gerichtet. Es trägt den Titel: "Novo Millennio ineunte". Das heißt: "Zu Beginn des neuen Jahrtausends". Es sind programmatische Impulse für den kühnen Sprung der Kirche in die Zukunft. Der Heilige Vater stellt fest: "Es besteht kein Zweifel, dass man den Primat des Gebetes und der Heiligkeit nur von einem erneuerten Hören des Wortes Gottes annehmen kann..." - Er fordert "die Verbreitung der Bibel in den Familien zu festigen und zu vertiefen." Das "Hören des Wortes soll uns zu einer lebendigen Begegnung führen..." - Die betrachtende Lesung "lässt uns im biblischen Text das lebendige Wort erfassen, das Fragen an uns stellt, Orientierung gibt und unser Dasein gestaltet."(39) - Der Heilige Vater zögert nicht festzustellen: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine vorrangige Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends."(40)
Mit jugendlichem Eifer fordert er alle Gläubigen auf: "Heute muss man sich mutig einer Situation stellen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung und der neuen Verflechtung von Völkern und Kulturen, die sie mit sich bringt, immer vielfältiger und anspruchsvoller wird. Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Aufruf zu Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, dass es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, dass wir uns von dem glühenden Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen lassen."(4O) - Die Leidenschaft für das Wort Gottes war ein Merkmal des heiligen Franziskus von Assisi. In einer Zeit der allgemeinen Religiosität und Frömmigkeit war er ein Entdecker des Evangeliums. In dem Brief an alle Gläubigen lesen wir: "Da ich der Knecht aller bin, so bin ich verpflichtet, allen zu dienen und ihnen die wunderbaren Worte meines Herrn zu vermitteln. So habe ich mir vorgenommen, euch die Worte unseres Herrn Jesus Christus, der das Wort des Vaters ist, mitzuteilen, sowie auch die Worte des Heiligen Geistes, die Geist und Leben sind." -
Mit der Kirche auf dem ganzen Erdkreis dürfen wir heute beten und rufen:
"Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden , deine Herrlichkeit zu erkennen." (Tagesgebet) -
Wir feiern den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Wir hören seine Worte und Anweisungen. Sie sind niedergeschrieben und für uns aufbewahrt in den Abschiedsreden Jesu, wie sie uns der heilige Evangelist Johannes überliefert hat. (Joh 14, 23-29)
-----------------------------23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. 24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. 26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. 28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
-----------------------------1. Das erste Wort: "Wenn jemand mich liebt , wird er an meinem Wort festhalten."
Dieses Wort ist eine Mahnung. - Wir stehen vor der Frage: Lieben wir Jesus? - Wir sollten diese Frage nicht zu schnell beantworten!
Wir lieben einen Menschen; wir lieben die Natur; wir lieben die Musik; wir lieben den Sport. Diese Aussagen sind uns zugänglich. Wir erkennen einen Wert und setzen für diesen Wert etwas ein: Zeit, Kraft, Geld. - Unsere Liebe zu Jesus ist nicht ein flüchtiges Gefühl. Wenn wir Jesus lieben, erkennen wir das am Stellenwert seines Wortes in unserem Leben. Wir sind aufgefordert, an seinem Wort "festzuhalten". - Wir beklagen die Ablehnung des Wortes Gottes. Die bösen Systeme des Nationalsozialismus und Kommunismus haben planmäßig versucht, das Wort aus den Herzen vieler Menschen herauszureißen. Die gezielte "Entchristlichung" und "Atheisierung" war ein Programm. - Wir kennen auch die gegenwärtige Verdrängung des Wortes. Die Esoterik bietet einen "Supermarkt des Religiösen: Tantra, Trance und Traum finden immer mehr Anhänger." So stand es vor einigen Wochen in einem Nachrichtenmagazin. - Im Innern unserer Gemeinden finden wir durchaus fromme Menschen. Sie meinen, das Evangelium genügend zu kennen und wünschen sich besondere Offenbarungen: Was eine begnadete Seherin geschaut haben soll; was ein privater Prophet gesagt haben soll. Sie interessieren sich für die "Hitzegrade im Fegfeuer" und die "Qualen der Hölle", Sie verbreiten "Botschaften gegen die sakrilegische Handkommunion" und den "teuflischen Ökumenismus". Im Weltkatechismus wird deutlich gesagt: "Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich, der neue und endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus." (66) Von den sogenannten Privatoffenbarungen wird gesagt: "Sie gehören nicht zum Glaubensgut". (67) - Unser Heiliger Vater hat einen klaren Grundsatz ausgesprochen: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Was ist mit Sicherheit eine vorrangige Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends". -
2. Das zweite Wort: "Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und bei ihm wohnen."
Dieses Wort ist ein wunderbarer Zuspruch. - Viele Christen haben starke Zweifel an der Liebe Gottes. Ein unerleuchteter Liedermacher hat seine falsche Katechese ins Mikrophon geseufzt: "Mein liebes Kind, der liebe Gott, der hat den Himmel zugemacht; ist ganz weit weg und kümmert sich 'nen Dreck." - Wir Christen glauben: Gott kümmert sich! Die frommen Juden glauben an den allmächtigen Gott, der im Himmel thront. Das ist richtig. Der Herr Jesus spricht aber noch von einer anderen Wohnung Gottes: In den Herzen der Glaubenden. Die gnadenhafte Einwohnung Gottes in den Getauften ist ein vergessenes Thema der christlichen Geistigkeit. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: "Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?" (I Kor 6,19) - Die Heilige Edith Stein hat über diese Einwohnung des dreifaltigen Gottes nachgedacht: "Der Mittelpunkt der Seele ist der Ort, von dem aus die Stimme des Gewissens sich vernehmen lässt und der Ort der freien, persönlichen Entscheidung. Wenn es so ist und weil der liebenden Vereinigung mit Gott die freie, persönliche Hingabe gehört, darum muss der Ort der freien Entscheidung zugleich der Ort der Anbetung und der freien Vereinigung mit Gott sein." -
3. Das dritte Wort: "Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."
Dieses Wort ist ein trostvolles Versprechen. Der allgütige Vater und der menschgewordene Sohn lassen uns nicht allein. Sie senden den Beistand. Im griechischen Urtext steht ein Wort, das wir in unsere Sprache nicht übersetzen können: "Parakletos". Ein Kirchenvater der frühen Kirche hat diesen Titel mit dem lateinischen Begriff "advocatus" wiedergegeben; also "Rechtsanwalt". Der Heilige Rhabanus Maurus hat vor über tausend Jahren den unsterblichen Hymnus "Veni Creator Spiritus..." gedichtet. Er hat den Titel ohne Übersetzung übernommen: "Qui diceris Paraclitus..." Johann Wolfgang von Goethe war von diesem Lied so fasziniert, dass er es in unsere Sprache übersetzt hat: "Du heißest Tröster, Paraklet, des höchsten Gottes Hochgeschenk..." Nach einer uralten, östlichen Tradition wird Paraklet übersetzt mit "Handhalter". Es ist gut, wenn in Stunden der Trauer, der Angst und Not, ein guter Mensch da ist und ohne Worte uns einfach die Hand hält. - Der Beistand, der Heilige Geist, tut etwas Wesentliches in den Herzen der Gläubigen. Heute wird uns eine Wirkweise des Geistes verkündet: "Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." Der Beistand wird uns also erinnern: An die göttlichen Anweisungen Jesu und an seine österlichen Verheißungen. Wir sollen wissen: Der Heilige Geist ist der Lehrmeister, Handhalter, Tröster. In der Stunde der Heiligen Firmung hat der Bischof im Namen der Kirche über uns gebetet: "Sende ihnen den Heiligen Geist , den Beistand!"
4. Das vierte Wort: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch." -
Dieses Wort bezeichnet ein Geschenk. - Unterdrückung, Vertreibung, Ausweisung, Terror, Krieg: Diese bösen Tatsachen begegnen uns täglich. Wir kommen aus dem friedlosen Bereich nur schwer heraus. Wir leiden an dem Unfrieden in der Welt und oft genug in unseren Familien und Gemeinden. In die Friedlosigkeit hinein schenkt uns der Herr einen Frieden, "wie die Welt ihn nicht gibt." Der Friede Christi bedeutet: Verbindung mit Gott, Sicherheit in Gott, Freude in Gott. Diese tröstliche Erfahrung wird uns geschenkt in der Friedlosigkeit der Geschichte. Diese Erfahrung soll uns fähig machen, den Frieden zwischen den Menschen, den Gruppen und Völkern tatkräftig und glaubwürdig vorzubereiten. In jeder Feier der Eucharistie sprechen wir das Friedensgebet. Wir wünschen einander den Frieden. Wir hören auch den Aufruf: "Gebt einander ein Zeichen des Friedens!" In der lateinischen Sprache heißt die Mahnung: "Offerte vobis pacem!" Das heißt genau übersetzt: Übergebt einander den Frieden! Teilt euch den Frieden mit! - Das kann nur geschehen, wenn der Friede Christi wirklich in uns lebt und wirkt. Wir müssen den Herrn herzlich und inständig bitten: "Herr, Jesus Christus, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden!" -
5. Das fünfte Wort: "Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe..."
- Dieses Wort ist eine übergroße Verheißung. - Jesus bekennt am Abend vor seiner Kreuzigung: "Ich gehe zum Vater". Er spricht damit den zweiten Höhepunkt des österliches Ereignisses aus: Seine herrliche Auffahrt in den Himmel; seine endgültige Erhöhung. Gleichzeitig verkündet er seine Wiederkunft: Nicht mehr in menschlicher Kleinheit und Armut sondern mit Macht und Herrlichkeit: "Ich komme zu euch zurück." - Mit gläubiger Sicherheit singt die ganze Kirche: "Denn Christus ist als Sieger über Sünde und Tod aufgefahren in den Himmel... Er kehrt zum Vater heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging..." Wenn wir diese Botschaft im Glauben festhalten, werden wir nicht unsicher werden und schon gar nicht verzagen. Wir werden zur österlichen Hoffnung kommen, zur Freude und zum Jubel. Am Hochfest der Himmelfahrt unseres Herrn lässt uns die Kirche bekennen: "Darum jubelt der ganz Erdkreis in österlicher Freude, darum preisen dich die himmlischen Mächte und die Chöre der Engel und singen das Lob deiner Herrlichkeit..." -Papst Johannes Paul II. hat nicht gezögert, die Gläubigen nachdrücklich zu ermuntern: "Die Christen sind aufgerufen, sich auf das Große Jubiläum zu Beginn des dritten Jahrtausends vorzubereiten durch Erneuerung ihrer Hoffnung auf die endgültige Ankunft des Reiches Gottes, die sie Tag für Tag in ihrem Herzen, in der christlichen Gemeinschaft, der sie angehören, in dem sozialen Umfeld, in das sie hineingestellt sind, und so auch in der Weltgeschichte vorbereiten." (TMA 46) - In der nächtlichen Gebetswache zum Beginn der dritten Jahrtausends wurde uns ein wesentliches Gebet übergeben. Es muss uns in die Zukunft begleiten:
"Christus, du heller Morgenstern,
unendliche Liebe, als Mensch unter Menschen erschienen,
von jeher ersehnter und allzeit angerufener Heiland,
die ganze Kirche fleht zu dir,
bereit wie die Braut für die Hochzeit:
Komm, Herr Jesus,
du einzige Hoffnung der Welt,
du, der du lebst und herrschest
in alle Ewigkeit. Amen."
Persönliche Briefe werden vertraulich behandelt. Trotzdem werden im Kanon der Schriften des Neuen Testamentes einige persönliche Briefe aufbewahrt und den Christen aller Zeiten vorgelesen: Zum Trost, zur Ermunterung, zur Mahnung. Hören wir einige Sätze aus einem Brief des heiligen Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: "Mein Sohn! Ich rufe dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft. Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild, und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt." (2 Tim 1,6-8. 13-14)
1. Timotheus in Glaubenskrise
Wir verehren den Apostelschüler Timotheus als Heiligen der Urkirche. Bei aller Größe blieben ihm Erschütterungen des Glaubens und Krisen seiner Berufung nicht erspart. Wir können sagen: Uns zum Trost. Es ist gut, wenn wir die ursprünglichen Zusammenhänge ein wenig kennen lernen; dann können wir die apostolischen Mahnworte leichter auf uns beziehen. - Der heilige Paulus war im Gefängnis; wieder einmal. Zu den Unannehmlichkeiten und Plackereien in einem antiken Kerker hatte er Sorge um seinen Freund Timotheus. Er hatte ihn auf seiner ersten Missionsreise durch die heutige Türkei, in Lystra, kennen gelernt. Timotheus stammte aus einer Mischehe: Der Vater war Heide, die Mutter Auslandsjüdin. Der junge Mann war begeistert von der Botschaft Jesu und ließ sich taufen. Er war auch fasziniert von Paulus und schloss sich ihm an, als Begleiter und als Praktikant. Schließlich war er selbständig geworden als Verkünder des Evangeliums und als Leiter einer Gemeinde. - Und nun war Paulus wieder verhaftet. Timotheus stand unter Schock. Der Apostel wusste genau: Timotheus war aus ganz anderem Holz geschnitzt als er. Niemals hätte er einen Haufen Söldner nach Damaskus geführt. Niemals Menschen verhaftet. Niemals bei einer Steinigung dabeigeblieben. Dazu wer er zu sensibel, zu vornehm. zu freundliche. Bei den plötzlichen Schwierigkeiten und Bedrohungen war der gute Mann zusammengezuckt. Seine Verkündigungstätigkeit hatte er eingeschränkt oder aufgegeben. Seine freundschaftlichen Kontakte zu seinem geistigen Vater hatte er aus Angst gelöst. Mit einem Freund im Kerker wollte er nichts zu tun haben. - Und Paulus erkannte die Berufs- und Glaubenskrise seines Mitarbeiters. Er wollte seinen Freund weder hängen- noch fallen lassen. Er musste ihm schreiben: Einen deutlichen, klaren, herzlichen Brief. -
2. Der Apostel wird Helfer in der Glaubensnot.
Der eingesperrte Apostel wird nun in seiner Ohnmacht zum machtvollen Helfer. Paulus sah den lieben Timotheus in einer ernsten Gefahr: Er sah ihn "in die Schlingen des Teufels zu fallen". Er bedauerte seine "Verzagtheit" und "Unbesonnenheit". Er fürchtete sogar, dass Timotheus "vom Glauben abkommen", ja sogar "im Glauben Schiffbruch erleiden" könne. Der heilige Paulus gab dem krisengeschüttelten Mitarbeiter freundliche Ermunterungen, aber auch klare Mahnungen. - Die erste Mahnung: "Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist!" - Der Apostel vergleicht die Gnade Gottes mit einem Feuer. Es kann lodern; es kann glimmen; es kann auch erlöschen. Der Glaubende muss dieses Feuer immer neu entfachen. Für diese "Entfachung" wird ihm von Gott ein "Windhauch" geschenkt; der "Atem Gottes"; der Heilige Geist. Wir bitten und singen: "Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft. Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: Nun hauch uns Gottes Odem ein! - Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut."
(GL 241) Die zweite Mahnung: "Schäme dich nicht, Christus zu bekennen!" - Wir wissen um vieler Getaufter in der Öffentlichkeit. Sie verstecken ihren Glauben in dem berüchtigten "Herzenskämmerlein"; sie gehen auf "Tauchstation"; sie genieren sich ihres Christseins. Der Glaube ist eine öffentliche Haltung. Er muss sich bewähren im Bekenntnis und Zeugnis. Der Glaube ist eine Weise der Verkündigung. Wir kennen die Liedstrophe: "Du mächtger Hauch, unerschaffne Glut, Geist das Herrn, gib du uns neuen Mut, dass wir Gottes Liebe den Menschen künden und im Frieden als Brüder uns finden. Kyrieleis" (GL 248).
Die dritte Mahnung: "Schäme dich auch meiner nicht, der ich um Christi willen im Gefängnis bin!" - Es ist ergreifend: Paulus bittet Timotheus um die brüderliche Solidarität in seiner Bedrängnis. Wir kennen die liturgische Anrede: "Liebe Schwestern und Brüder!" Wir müssen aber fragen: Ist diese Anrede eine Floskel oder eine Realität? Wir dürfen nicht nur anständige, brave oder fromme Menschen sein, die einen Taufschein haben und in einer kirchlichen Kartei eingeschrieben sind. Wir dürfen nicht nur nebeneinander irgendwelche Gottesdienste feiern. In dem Gebet für das Heilige Jahr 2000 wird uns der wunderbare Titel gegeben: "Geschwister Jesu». Wir sind als Christen gerufen, eine gemeindliche und weltweite Solidarität zu verwirklichen: Mit den Gläubigen neben uns; mit den Christen anderer Länder, anderer Sprachen, anderer Rassen. Wir müssen eine globale Geschwisterlichkeit verwirklichen mit den Getauften in Not, Hunger, Elend, Bedrängnis und Verfolgung. Diese Solidarität muss öffentlich und konkret sein! - In einem uns allen bekannten Lied wird dieses Bekenntnis ausgesprochen:
"In göttlichem Erbarmen liebt Christus alle gleich; die Reichen und die Armen beruft er in sein Reich. Wir sind einander Brüder, und niemand ist uns fern: Ein Leib und viele Glieder in Christus, unserm Herrn" (GL 640) - Die vierte Mahnung: "Leide mit mir ...!" Dieser eindeutige Imperativ des eingesperrten Apostels an seinen Mitarbeiter ist ungewöhnlich. Es geht aber nicht um ein sinnloses, zerstörerisches Leiden. Es geht um die bewusste Teilnahme am Leiden Christi für das Leben und Heil der Menschen. Paulus nennt es "Leiden für das Evangelium". Er wagt sogar einmal den schwierigen Satz: "Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben, was an den Leiden Christi noch fehlt" (Kol 1,24). Dieses Leiden ist nicht umsonst. Es ist fruchtbar, erfolgreich, ja, heilbringend. Und wie Paulus im Gefängnis zum Kraftspender für Timotheus geworden ist, so wird die angefochtene Kirche zu einer starken Kraft für die Menschheit. Paulus bekennt: "Gott gibt die Kraft. Wir können anfügen: Auch heute. Und er gibt sie manchmal durch - äußerlich gesehen - unzuständige, leidende, ohnmächtig Christen - Er gibt die Kraft: Ganz sicher. Eine bettlägerige Frau sagte mir einmal: "Ich kann jetzt gar nichts mehr tun. Ich kann nur noch leiden. Ich biete dem Herrn mein Leiden an und sage zu ihm: Ich weiß, du wirst es annehmen für die schwarzen Schafe in meiner Familie, in unserer Gemeinde und in der Welt. Du wirst ihnen Umkehr und Leben schenken. Ganz sicher!" -
Die fünfte Mahnung: "Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist." - Wenn der Glaube schwach wird, neigen manche Menschen zum Aberglauben. Es gibt einen uralten und allerneuesten Aberglauben. Horoskope und astrologische Berechnungen treten in den Vordergrund. - Esoterische Schriften haben eine merkwürdige Hochkonjunktur: Ein bisschen Psychologie, ein wenig Biologie, ein Schlag Buddhismus und eine Prise Christentum. In der religiösen Suche verfallen manche Zeitgenossen diesen Angeboten. - In den Gemeinden neigen manche brave Christen zu unbewiesenen Erscheinungen. Die Mutter des Herrn, von der einige überaus wichtige Worte im Evangelium berichtet werden, soll auf Diktat plötzlich reden und reden: Über Handkommunion und Mundkommunion über die Endzeit; über die falschen Hirten in der Kirche. Ganze Verlage widmen sich diesem Unfug, der mit dem Lehramt der Kirche nichts zu tun hat. Gerade in Wallfahrtsorten nisten sich diese Gruppen ein, "um den Gläubigen endlich gute Nahrung zu bieten." Wir müssen sehr wachsam sein! Der heilige Paulus mahnt energisch an die "gesunde Lehre": Das Wort Gottes
Für das begonnene dritte, christliche Jahrtausend stellt unser Heiliger Vater das "lebendige Wort Gottes" in den Vordergrund. Er übergibt uns einen Grundsatz: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine vorrangig Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends."(NMI 40) - Um diese vorrangige Aufgabe geht es auch in der gegenwärtigen Bischofssynode in Rom. Sie dauert noch bis zum 27. Oktober 2001. Friedrich Kardinal Wetter ist einer der vier Berufenen aus Deutschland. Die Synode hat ein wichtiges Programm für die ganze Kirche: "Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt." - Nach der Mahnung des Apostels sollen wir uns das Evangelium "zum Vorbild" nehmen und in Treue "beim Glauben und bei der Liebe bleiben". -
3. Der Auftrag an die Kirche heute.
Die persönliche Mahnung des heiligen Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus lässt die Kirche uns heute verbindlich ausrichten. - Wir haben einen ersten Auftrag: Wir müssen mitarbeiten an der weltweiten Erneuerung des Glaubens. In diesem hochwichtigen Vorgang müssen wir bei uns selbst beginnen. Wir sind gerufen, unsere Taufe wieder "aufleben zu lassen". So hat es der heilige Augustinus vor vielen Jahrhunderten ausgedrückt. Das bedeutet: Wir müssen uns von neuem für Christus und sein heiliges Evangelium entscheiden. Wir müssen unsere Bindungen an den allmächtigen Vater, an seinen menschgewordenen Sohn und an den Heiligen Geist, bewusst und kraftvoll erneuern. - Wir sind auch gerufen, unsere Firmung wieder lebendig werden zu lassen. Wir bitten um den Heiligen Geist, dass er uns erleuchte, dass er uns belebe und dass er uns mit seinen Gnadengaben erfülle. - Wir sind auch gerufen, unsere jeweiligen Bindungen zu verstärken: Im Sakrament der Ehe; im Sakrament der Priesterweihe; in den Bindungen durch ein kirchliches Versprechen in einer Ordensgemeinschaft. - Unser Heiliger Vater hat uns für die Zukunft einige Ermunterungen gegeben: "Heute muss man sich mutig einer Situation stellen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung und der neuen Verflechtung der Völker und Kulturen, die sie mit sich bringt, immer vielfältiger und anspruchsvoller wird. Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Aufruf zur Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, dass es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, dass wir uns von dem glühenden Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen zu lassen." (NMI 40) -
Wir haben einen zweiten Auftrag: Wir müssen allen schwankenden, unsichere und verstörten Christen zu Hilfe kommen. Diese Hilfe besteht in einer freundlichen, ehrlichen Anrede, Ermunterung und Mahnung. Sie kann auch bestehen in einer diskreten, freimütigen Kritik. Das gute Wort der Ermutigung hat nichts zu tun mit Nörgeln oder Schimpfen. Es muss ein kluges geschwisterliches Wort sein. - Die Glaubenshilfe für angefochtenen Christ besteht auch und vor allem in einem glaubwürdigen Zeugnis für das Evangelium. Ich darf erinnern an das Gebet im Heiligen Jahr 2000. In ihm wird das große Anliegen der "neuen Evangelisierung" aufgegriffen und sofort die Bitte an Gott ausgesprochen: "Lenke unsere Schritte auf den Straßen der Welt, damit wir durch unser Leben Christus verkündigen". Die Verkündigung durch das Leben geschieht vor allem durch die Praxis der Liebe. So können wir die nächste Bitte nachsprechen: "Schenke den Jüngern den Geschwistern Jesu Ausstrahlung durch ihre Liebe zu den Armen und Bedrückten. Lass sie solidarisch sein mit den Bedürftigen und großzügig in Werken der Barmherzigkeit." - Eine starke Glaubenshilfe ist sicher die sorgenvolle Fürbitte für Christen in geistlicher Not. Der Herr wird diese Bitte sicher erhören: Irgendwann und irgendwie. - Eine der anziehendsten Gestalten des 17. Jahrhunderts war der Jesuit Friedrich von Spee. Er war Dichter und Sänger. Er hat sich eingesetzt in den verrückten Zeiten der Hexenverfolgung. Er wusste um Schwäche und Sünden. Von ihm stammt ein ergreifendes Gebet: '10 mein Gott, mein gewaltiger Gott! Erbarme dich meiner Schwachheit und erfülle mich und alle schwachen Christen mit deinem gewaltigen, starken und großen Geist! Es wird deinem Namen am Jüngsten Tag im Angesicht der ganzen Menschheit zur höchsten Ehre gereichen, dass du auch in unserer Schwachheit gesiegt hast..." -
Das Evangelium nach Matthäus (Mt 11, 2-11)
-----------------------------11.2 Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm 3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? 4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. 6 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. 7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? 8 Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. 9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. 10 Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. 11 Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.
Der heutige Adventsonntag trägt seit Jahrhunderten den Namen "Gaudete". Also: "Freut euch!" Die Feier der Eucharistie wird heute mit einem aufrüttelnden Weckruf eröffnet: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" Ausgerechnet aus einem antiken Gefängnis schreibt der heilige Paulus diesen Ruf. Und er gibt eine trostvolle Begründung: "Denn der Herr ist nahe" (Phil 4,4/5). - Wir sind geladen, das Wort zu hören und in unserem christlichen Leben zu verwirklichen. -
1. Der Aufruf zur Freude.
Wenn wir einen Hinweis auf die Freude hören, werden wir antworten: Freude ist etwas für Kinder und junge Leute. Freude erleben wir manchmal, wenn auch kurz. Ansonsten stecken wir bis über die Ohren in Problemen: Wir haben Sorgen: Um die Familie; um die Gesundheit; um den Beruf; und ... und ... und. Und wir haben Angst: Um den Frieden; um die Kirche; um die Menschheit. Der berüchtigte
"11. September" ist kein Signal der Hoffnung im ersten Jahr des dritten Jahrtausends! - Und dennoch: In der adventlichen Verkündigung wird uns heute siebenmal "Freude" angemahnt; viermal "Jubel und Jauchzen"; und einmal sogar "Wonne". - Wir müssen uns die Frage gefallen lassen: Wann haben wir das letzte mal gejubelt? Gejauchzt? Wir werden diese Frage wohl mit Schmunzeln anhören; aber sie ist ernst gemeint. - Es geht aber nicht um eine vitale Daseinsfreude; auch nicht um eine gesunde Lustigkeit; ja, nicht einmal um die Freude über einen guten Menschen. Es ist auch nicht gemeint die berechtigte Freude an einem guten Beruf, an der Natur, an der Kunst oder am Sport. Es geht um die "Freude im Herrn". Es geht um die "Freude an Gott". Diese Freude soll sich nicht nur manchmal, ab und zu, in unserem Leben zeigen, sondern "zu jeder Zeit"; also immer. - Die Kirche zögert nicht, uns heute ein glühendes Lied, eine beglückende Prophetie zu übergeben. Der geisterfüllte Sänger ist der junge, geniale Jesaja. Seine Botschaft ist 2700 Jahre alt und überzeitlich jung:
"Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen,
die Steppe soll jubeln und blühen.
Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie,
jubeln soll sie, jubeln und jauchzen.
Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon." (35,1-2) -
Es ist eine überschäumende Freude, zu der die Kirche mit den dichterischen Worten des Propheten aufruft. Diese Freude ist aber keine Utopie: Also eine Weise, die "ou topos" - keinen Platz in unserer Welt hat. Die Freude muss eine erlebbare Erfahrung in unserer christlichen Berufung sein. Trotzdem dürfen wir nach der Begründung dieser Freude fragen.
2. Die Begründung der Freude.
Vor einigen Jahren hat ein Liedermacher in Deutschland eine dümmliche Lehre gegeben. Er hat eine falsche Katechese in sein Mikrophon geseufzt: "Mein liebes Kind! Der liebe Gott, der hat den Himmel zugemacht. Ist abgereist. Ist ganz weit weg. Und kümmert sich 'nen Dreck." - Diese Auffassung teilen viele Zeitgenossen. Sie sagen: Wenn es Gott überhaupt gibt, ist er weit weg; "außer Rufweite". In die Geschichte der Menschen greift er nicht ein. Das kleine Schicksal der Menschen interessiert ihn nicht. Wenn es Gott jemals gegeben hat, "ist er heute sicher tot". - Dieser dumpfen Weltmeinung ruft, schreit, schleudert der Prophet eine wunderbare Botschaft entgegen:
"Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Macht die erschlafften Hände wieder stark
und die wankenden Knie wieder fest!
Sagt den Verzagten: Habt Mut! Fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung;
er selbst wird kommen und euch erretten." (2-4) -
Wir sollen also fest glauben: Gott ist da: In meinem Leben; in meinem Glück; in meinem Leid; in meiner Stunde des Todes. - Gott ist da: In unserer guten Geschichte; in der bösen Weltzeit; im unermesslichen Universum. Und Gott greift in die Weltgeschichte ein: "Er selbst wird kommen." Der prophetische Hinweis auf den menschgewordenen Gottessohn ist unüberhörbar. Und Gott wird etwas tun: Er wird als der Richter der Menschen das Böse und Dämonische endgültig besiegen und verdrängen. Der Höhepunkt der prophetischen Verkündigung wird in einem übergroßen Satz ausgesprochen: "Er selbst wird kommen und euch erretten." Wie sieht nun diese Rettung aus? Das ist unsere nächste Frage.
3. Die Wirklichkeit der Freude.
Der Grund unserer Freude trägt große Namen: Rettung, Erlösung, Heil. - Wenn wir einen Kranken besuchen, wünschen wir ihm "Gute Besserung!" Vor Weihnachten und anderen hohen Feiertagen sagen wir lieben Menschen: "Ich wünsche alles Gute! Vor allem Gesundheit!" - Der Prophet weiß um den kranken, leidenden, geschlagenen, elenden und sterbenden Menschen. Er weiß um das Unheil. Der große Jesaja zeichnet nun den geheilten Menschen. Diese Heilung ist ein Bild für das endgültige Heil. Er stellt fest: Wenn Gott eingreift:
"Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf." (5-6)
Es geht um das Heil des Menschen. Ja! Wenn wir aber in der hohen Prophetie noch einige Verse weiterlesen, wird uns verkündet: In dieses Heil wird die ganze Welt, die ganze Schöpfung, das unermessliche Universum einbezogen. In faszinierenden Bildern zeigt der Prophet das allumfassende Heil:
"In der Wüste brechen Quellen hervor,
und Bäche fließen in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.
An dem Ort, wo jetzt die Schakale lagern,
gibt es dann Gras, Schilfrohr und Binsen.
Eine Straße wird es dort geben,
man nennt sie den Heiligen Weg.
Es wird keinen Löwen dort geben,
kein Raubtier betritt diesen Weg.
Dort gehen nur die Erlösten.
Die vom Herrn Befreiten kehren zurück
und kommen voll Jubel nach Sion." (6-10) -
Dieses Heil des Menschen und des ganzen Kosmos wird einer mit göttlicher Kraft verwirklichen: Jesus, der Gottessohn, der Herr und Heiland. Im heutigen Evangelium hören wir von Johannes dem Täufer, der bereits im Gefängnis sitzt. Unsicher und schwankend geworden lässt er durch einige Jünger Jesus fragen: "Bist du es, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" (Mt 11,2-3) Jesus gibt einen weltgeschichtlich übergroßen Bescheid. Er bezieht sich auf die Prophetie des Jesaja und er erweitert sie:
"Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder, und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein, und Taube hören;
Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium verkündet.
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt." (4-6) -
In diesen adventlichen Tagen werden wir an wunderbare Perspektiven unseres Lebens erinnert. Wir sollen sie neu erkennen und dankbar annehmen. - Die erste Erinnerung: Der Retter der Menschen ist in die Welt gekommen und er wird wiederkommen mit Macht und Herrlichkeit. Er wird sein Werk der Erlösung und der Verklärung vollenden. - Die zweite Erinnerung: Wir werden leben. Wir werden glücklich, selig, ewig leben. - Wenn wir diese Zusage mit ganzem Herzen glauben, erwacht in uns die lebendige Hoffnung. Wenn diese Hoffnung erfahrbar wird, ergreift uns die "Freude im Herrn". Diese Freude soll uns beseelen in Glück und Erfüllung; aber auch in Not und Leid. - Die Kirche mutet uns heute einige Mahnungen zu. Sie spricht sie aus mit den Worten des Propheten Jesaja. -
Die erste Ermunterung: "Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest!" (3) - Der Priester und Schriftgelehrte Esra hat in einer großen Unterweisung der bedrängten Gemeinde zugerufen: "Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke." (Neh 8,10) In dieser Kraft sollen wir leben, leiden, arbeiten. In dieser Kraft sollen wir den Weg Jesu weitergehen. - Die zweite Ermunterung: "Sagt den Verzagten: Habt Mut! Fürchtet euch nicht!"(49) - Wir dürfen Zuversicht und Hoffnung weitergeben an alle: Die unsicher geworden sind; die sich nicht mehr auskennen; die nicht mehr reden können; die nicht mehr lachen können; die nicht mehr beten können. Für diesen geschwisterlichen Dienst schenke uns der Herr die "Gabe des Trostes"! -
Wenn wir von der "Freude im Herrn" beseelt sind, werden wir zum Lobpreis Gottes kommen. - Vor gut 400 Jahren hat Philipp Nicolai ein freudiges Adventlied gedichtet und komponiert. Es gehört zu den mystischen Gesängen der Christenheit. Wir kennen den Beginn: "Wachet auf! ruft uns die Stimme." Ich darf die 2. und 3. Strophe des Liedes anbieten:
"Sion hört die Wächter singen;
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilends auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna!
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.
Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug' hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Alleluja, für und für." (GL 110) -
Als siebzehnjähriger Schüler habe ich unseren braven Religionslehrer tyrannisiert. In fast jeder Stunde habe ich ihn gefragt: "Können Sie uns beweisen... ?" -"Können Sie uns beweisen, daß Jesus gelebt hat?" -"Können Sie uns beweisen, daß Jesus von den Taten auferstanden ist?" - "Können Sie uns beweisen, daß Jesus der Sohn Gottes ist?" - Der geplagte Priester vertröstete mich regelmäßig auf die nächste Stunde. Er rückte mit einem Stoß gescheiter Bücher an, las aus ihnen vor und fragte mich schließlich: "Habe ich dir jetzt alles bewiesen?" - Gelangweilt gab ich auf und sagte: "Ja!" - Heute muß ich bei dem alten Herrn Abbitte leisten: Er hat es ja so gut gemeint. - Ich muß ihn aber auch noch einmal kritisieren. Er hätte mir sagen können: "Du, ich lade dich in der Freizeit zu einem Bier ein..." - Denn hätte er sagen müssen: "Paß einmal gut auf: Ich kann dir das alles nicht beweisen. Das kann kein Papst in Rom. Ich kann dir aber ein Zeugnis übergeben: Das Zeugnis das Gotteswortes. Das Zeugnis der Apostel. Das Zeugnis vieler Jünger und Jüngerinnen bis heute. Und wenn Du willst: Ich bin bereit, Dir mein persönliches Zeugnis zu sagen" -"Aber dann mußt Du dich entscheiden: Du kannst sagen: "Danke! Dieser Tabak ist, zu stark für mich ... "- Oder: "Entschuldigung! Da brauche ich noch Zeit ..." - Oder: "Ich versuche, das Zeugnis anzunehmen: Ich glaube." - Damit stehen wir vor einem überaus wichtigen Evangelium. Der Evangelist Johannes hat es für uns aufgeschrieben,. Wir hören von einem großartigen Zeugnis. Und wir sind eingeladen, unsere Glaubensentscheidungen zu erneuern.- Die herrliche Botschaft trägt eine Überschrift: "Dies ist das Zeugnis des Johannes"(Joh 1,19) - Denn wird uns die Frohe Botschaft verkündet:
"In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, daß der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes." (Joh 1,29 - 34) -
Der weltgeschichtliche Ort des Zeugnisses: "Betanien, auf der anderen Seite des Jordan."(Joh 1,28) - Der überzeitliche Zeuge: Johannes der Täufer. Er war ein Mann über jeden Zweifel erhaben. Er trat auf ohne Machtmittel; barfuß. Johannes war kein "Wendehals", kein "Kriecher", kein Speichellecker". -Wegen seines Zeugnisses mußte er seinen Kopf hergeben. Der Herr Jesus hat eine Anerkennung ausgesprochen, wie sie größer nicht gedacht werden kann: "Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben, als Johannes den Täufer."( Mt 11,11) -
Das erste Zeugnis: Jesus "das Lamm Gottes".
Johannes stand am Jordan. Kraftvoll rief er die Menschen zu Umkehr und Buße. Bei ihm waren Jünger: Junge Menschen, die von seiner Persönlichkeit fasziniert waren. "In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt." (29) Johannes begann sein Zeugnis mit einem Ausdruck einer hohen Überraschung: "Seht!". Und er gab Jesus einen Würdenamen, einen Hoheitstitel: "Lamm Gottes" - Wir dürfen an die vielen Opferlämmer denken, die zum Paschafest im Tempel zu Jerusalem geschlachtet wurden, um die sündigen Menschen mit Gott zu versöhnen. Jesus ist das "Lamm Gottes" wirklich. Er tut etwas Wesentliches: Er nimmt die Sünde der Welt weg; er beseitigt sie; er schafft sie fort. - Wir müssen erkennen: Da sind viele Sünden, Bosheiten und Verbrechen: Im Leben der einzelnen Menschen und in der Geschichte der Völker. In der Tat: Da ist viel unsauberer Dreck, giftiger Müll und böser Schutt. Und Jesus vollbringt ein Riesenwerk: Er schafft das alles weg. Es ist ein fremdes, ungewöhnliches, gewaltiges Bild: Jesus der Dreckarbeiter, Jesus der Schutträumer. - Wir müssen das Zeugnis des Johannes noch einmal lesen: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt."(29) Im Text steht die Einzahl: Die Sünde. Das ist keine Verharmlosung.
Sünde ist die zerstörte, unselige, heillose Struktur eines Lebens. Ein Mann mit verrückter Lebensgeschichte erklärte mir einmal: "Ich bin fertig. Ich bin verloren. Mich holt niemand mehr heraus." - Ich sagte freundlich: "Doch, doch, doch: Der Herr Jesus kann es, und wird es tun. Ich bitte Sie herzlich: Vertrauen Sie ihm voll und ganz!" - Sünde ist auch die falsche Struktur dieser Welt: Mit ihrer Gewalt, mit ihrer Unreinheit, mit ihrem Götzendienst. Die gefährliche und heillose Struktur dieser Welt kann und wird einer verändern und heilen: Der Herr. Es ist wieder ein ungewöhnliches, schockierendes und faszinierendes Bild: Jesus der Systemveränderer. Jesus der Totalerneuerer.
Das zweite Zeugnis: Jesus ist der Geisterfüllte.
Der große Johannes zeigte am Jordan auf Jesus und verkündete ein zweites, weltgeschichtliches Zeugnis: Er ist der Geistträger. Er ist der Geisterfüllte. Er ist der Geisttäufer. - Wir schätzen die hohen geistigen' Leistungen der Menschen in allen Jahrtausenden der Geschichte. Wir wissen aber auch um die Geistesarmut, die Geistlosigkeit und die Gegengeistigkeit vieler Menschen. Wir leiden unter den geistfeindlichen Systemen, Strömungen und Ideologien. Jesus ist nun nicht nur ein Vertreter hohen menschlichen Geistes, er ist der Träger des Geistes Gottes. Seine Anmeldung geschah durch den großen Propheten Jesaja: "Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht."(Jes 11,2/3) Seine Ausrufung geschah durch den Täufer: "Und Johannes bezeugte: Ich sah, daß der Geist Vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist Gottes herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft."(33)- Bei anderen Evangelisten finden wir die Zusage noch erweitert: "Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen." (Mt 3,11 und Lk 3,16) Die Botschaften sind wieder ungewöhnlich: Jesus, der Geisttäufer. Jesus der Lebensspender.-Jesus der Feuerwerfer.
Das dritte Zeugnis: Jesus ist der Sohn Gottes.
Das wesentliche Zeugnis verkündete Johannes am Jordan in überaus kurzen und dichten Worten: "Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes." (34) Dieses Zeugnis ist vorrangig und unverzichtbar. Im Weltkatechismus ist die grundsätzliche Aussage verankert: "Die Kirche bekennt, daß Jesus untrennbar wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er ist wirklich der Sohn Gottes, Mensch geworden, unser Bruder und dies ohne aufzuhören, Gott, unser Herr zu sein."(469) -
Dieses grundsätzliche Bekenntnis wurde im Lauf der Geschichte immer wieder angezweifelt und geleugnet. Schon zu Beginn des vierten Jahrhunderts predigte Arius mit Erfolg: "Jesus ist ein wunderbarer Mensch; aber er ist nicht Gottes Sohn." Auch heute gibt es viele Getaufte, die von Jesus fasziniert sind, seine Göttlichkeit aber als Zumutung empfinden. Ein Zeitgenosse drückt es so aus: "Jesus war der Mensch, wie Gott sich ihn vorstellt, der exemplarische Mensch, das Vorbild, die Chance für eine beglückende Nachfolge ... Jesus war Menschensohn, weil er der Sohn von Maria und Josef war. Er war Gottessohn, weil er sich als Kind des himmlischen Vaters verstand ... Menschensohn und Gottessohn ist unser Bruder. Einem Gott können Menschen niemals nachfolgen, ohne sich selbst zu Halbgöttern zu machen. Leider wurde schon im Neuen Testament aus dem Bruder Jesus der Herr Jesus gemacht."(Franz Alt) -
Folgerungen für das christliche Leben.
1. Wir sind gerufen, das Zeugnis des Johannes, das Zeugnis der Kirche und das Zeugnis vieler Jünger und Jüngerinnen dankbar anzunehmen. Wir sollen persönlich bekennen: Ich glaube. -
2. Wir müssen uns von Jesus, dem wahren Lamm Gottes, von unseren Fehlern, Vergehen und Sünden reinigen lassen. Gleichzeitig sollen wir mithelfen, das Böse und Dämonische in der Welt zu erkennen und zu verdrängen. Es genügt nicht, über die böse Welt zu schimpfen; wir müssen sie mit der Kraft des Herrn verändern, verbessern und heiligen. Mit allen Christen sollen wir rufen: "Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: Erbarme dich unser!" -
3. In der oft geistlosen und gegengeistigen Geschichte sind wir aufgefordert, den Geistträger zu bitten: "Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu." - Voll Vertrauen dürfen wir auch für uns beten: "Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!" -
4. Es ist unsere besondere Ehre, Jesus von Nazaret, öffentlich als Sohn des lebendigen Gottes anzuerkennen und anzubeten. Der programmatische Lobgesang sei unser sieghaftes Bekenntnis: "Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser! ... Du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser. Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters."
5. Wenn wir das Zeugnis von unserem Herrn Jesus gläubig übernehmen, werden wir von ihm zur Würde seiner Zeugen erhoben. Die Zusage des Auferstandenen ist verheißungsvoll: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen." - Der Auftrag des Erhöhten ist beglückend: "Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde."(Apg 1,8) - Das glaubwürdige Zeugnis der Christen ist unverzichtbar in der Welt. Es muß anziehend, werbend, attraktiv auf die suchenden Menschen wirken. Im Gebet für das Jubeljahr 2000 wurden uns klare Zeugnisimpulse angeboten: "Vater, lenke unsere Schritte auf den Straßen der Welt, damit wir durch unser Leben Christus verkündigen." - Die stärkste Kraft des Zeugnisses ist die Liebe. Deswegen dürfen wir bitten: "Schenke den Jüngern, den Geschwistern Jesu, Ausstrahlung durch ihre Liebe zu den Armen und Bedrückten, laß sie solidarisch sein mit den Bedürftigen, großzügig in den Werken der Barmherzigkeit ... - Der Herr möge unsere Entscheidungen in Taufe und Firmung erneuern! So dürfen wir dankbar und froh singen:
"Christus der Herr hat mich erwählt,
ihm soll ich fortan leben.
Ihm will ich dienen in der Welt
und Zeugnis für ihn geben.
So leb ich nicht mehr mir allein,
sein Freund und Jünger darf ich sein.
Ich trage seinen Namen;
sein bleib ich ewig. Amen." (GL 635,3)
Joh 20. 19 - 31
Wieder wird uns das Osterevangelium verkündet. Am Weissen Sonntag dürfen wir zwei Begegnungen des Auferstandenen mit seinen verschreckten, verstörten und verzagten Jüngern nacherleben. Diese Begegnungen sind befrachtet mit unsterblichen Botschaften, die "für den Osterglauben, das Leben und die Zukunft der Kirche von entscheidender Bedeutung" sind. So urteilt der bekannte Theologe Rudolf Schnackenburg. - Wir hören den Bericht von der ersten Begegnung. Der Evangelist Johannes hat ihn für alle Zeiten festgeschrieben:
1. Der Auferstandene kommt und sendet seine Jünger.
"Am Abend des ersten Tages der Woche als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." - (Joh 20, 19 - 23)
Wir sind überschwemmt mit Ideen, Bildern und Wörtern. Wir sind überfrachtet mit Gedankenfetzen, Worthülsen und Bildtrümmern. Die österliche Botschaft ist überaus kurz. Sie ist geradezu graniten. Und doch: Die dichten Sätze beschreiben weltgeschichtliche Vorgänge ersten Ranges. Sie sind gleichzeitig ein unüberbietbares Programm. - Wir sind eingeladen - geistigerweise - nach Jerusalem, zu den Jüngern und galiläischen Frauen im Untergrund, Dort saßen sie fest nach der entsetzlichen Hinrichtung ihres Meisters. Sie waren ihm nachgelaufen. Sie hatten geglaubt: Er sei der ersehnte Messias der Juden. Er werde Leute um sich sammeln. Er werde nach Jerusalem marschieren. Er werde. vom Ölberg in die Heilige Stadt einfallen. Er werde die verhassten Römer aus dem Lande jagen. Er werde mit Hurra die Macht ergreifen. Und - wie könnte es anders sein? - Er werde die Freunde der ersten Stunde belohnen: Mit hohen Posten. Und:- das ist doch klar - mit viel, viel Geld. Und jetzt? Eine grausame Enttäuschung: Er wurde verhaftet. Er wurde verurteilt. Er wurde verhöhnt. Er wurde gefoltert. Und er wurde - schrecklich, schrecklich! - er wurde hingerichtet. Ihre Hoffnung war weg; restlos zerstört. Und sie hockten im Untergrund mit einer' Riesenangst um ihren Kopf. - Doch dann geschah das Unerwartete, das Unfassbare, das Unmögliche: "Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch" (19) - Nach dieser Begrüßung stellte er sich den Jüngern, der Kirche und der ganzen Menschheit vor: Unnachahmlich kurz heißt es: "Nach diesen Worte zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite."(20) Jesus zeigte ihnen also seine Nagelwunden und sein durchstoßenes Herz. Unmissverständlich offenbarte er seine Identität: Seht mich an: Ich bin der Gekreuzigte. Ich bin der Gestorbene. Ich bin der Begrabene. Und ich bin der von den Toten Auferstandene. -
Seit einigen Jahren werden - rechtzeitig zu Ostern - merkwürdige Ansichten angeboten: Jesus sei den verängstigten Jüngern als Gespenst erschienen. Der sogenannte Auferstandene sei das lichtvolle Ergebnis einer Gruppenangst. Jesus sei am Kreuz gar nicht gestorben, sondern nur ohnmächtig gewesen. Treue Jüngerinnen hätten ihn dann gesundgepflegt. Schließlich und endlich habe Jesus Maria von Magdala geheiratet. Nach einigen Schwierigkeiten mit seinen Kindern sei er auf dem Karmel friedlich gestorben. - Wir müssen festhalten: Wenn Christus nicht am Kreuz gestorben ist, ist er auch nicht auferstanden. Wenn er aber nicht auferstanden ist, sind seine Worte unverbindlich. Wenn Christus nicht auferstanden ist, kann man seine Kirche vergessen. Der Apostel Paulus stellt nüchtern fest: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos." Dann schreibt er den österlichen Grundsatz fest: "Nun ist aber Christus von den Toten auferweckt worden, als der Erste der Entschlafenen."(I Kor 15,14) Nach seiner hohen Vorstellung vor den Jüngern setzte der Auferstandene im Untergrund von Jerusalem einen zweiten Hoheitsakt: Er übergab seine einmalige Sendung weiter. An wen? An seine Jünger von damals und heute. Er sagte noch einmal: "Schalom alechem!" - Also: Friede sei mit euch!"
Dann erklärte er ohne Zögern: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."(21) Seine eigene Sendung hatte Jesus in der Synagoge seiner Heimat verkündet: "Der Geist des Herrn ruht auf mir', der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; da mit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Lk 4,18/19) - Diese Sendung gab der Auferstandene also weiter: An seine Jünger; an seine Kirche. Wir können sagen: An gute,, menschliche, sündige, böse, heilige Menschen. Wahrhaftig: Ein göttliches Wagnis!
Für diesen Auftrag gab Jesus eine Ausrüstung. Es handelt sich um den dritten, heilsgeschichtlichen Vorgang: "Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!" (22) Der Heilige Geist wird geschenkt vor allem in den Sakramenten: In der Taufe, in der Firmung, in der Weihe. Christen sollen nicht sein: "Religionsanhänger", "Mitläufer", oder sogar "Karteileichen". Christen müssen sein: "Geistträger"; mit Auftrag und Verantwortung. - Vor einigen Tagen hat Papst Johannes Paul II. die Jugend der Welt nach Toronto eingeladen zum ersten Weltjugendtag im dritten Jahrtausend. Sein Auftrag ist klar: "Kommt und sprecht vor der Welt von eurer Freude, Jesus Christus begegnet zu sein, und von eurer Aufgabe, sein Evangelium vom Heil bis an die Grenzen der Erde zu verkünden." (KNA, 2002) -
Unmittelbar nach der Zusage des Geistes gab der Auferstandene einen weiteren Auftrag an seine Kirche. Es ist der vierte österliche Auftrag. Der Auferstandene gab seine göttliche Vergebungsvollmacht an seine Kirche weiter: "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert."(23) - Wir kennen die Schlagwörter: "Schuldbewältigung"; "Vergangenheitsbewältigung". Es handelt sich um eine Schwerarbeit bei schuldiggewordenen Völkern und Menschen. Da ist nun einer, der sich nicht nur auf "heilende historische Erinnerung" versteht; und nicht nur auf gute psychotherapeutische Gespräche. Jesus konnte hoheitsvoll zu einem Menschen sagen: "Deine Sünden sind dir vergeben."(Mk 2,5) Die Frage der erschreckten Landsleute wer verständlich: "Wer kann Sünden vergeben, außer dem einen Gott?" (Mk 2,7) - Am Osterabend gab der Auferstandene seinen Jüngern die hohe Vollmacht, in seinem Namen Sünden zu vergeben. Wir können sagen: Die sündige Kirche darf das österliche Geschenk des Herrn allen umkehrbereiten Gläubigen anbieten. Sie muss es tun in Gehorsam und Treue zum Auferstandenen. - Mit der "Beichte" können viele Christen nicht viel anfangen. Die freundliche Hinführung zu diesem wunderbaren Angebot war im letzten Jahrhundert eher mangelhaft, Der Heilige Vater hat für das Jubeljahr 2000 die "Wiederentdeckung und intensive Feier des Bußsakramentes in ihrer tiefsten Bedeutung" gefordert. (TMA 50) - Für das begonnen Jahrhundert hat er der ganzen Kirche einen Auftrag gegeben: "Sodann bitte ich um einen neuen pastoralen Mut, damit die tägliche Pädagogik der christlichen Gemeinden überzeugend und wirksam die Praxis des Sakramentes der Versöhnung vorzulegen vermag."(NMI 37) -
Die Sendung der Kirche hat im Untergrund von Jerusalem begonnen. Nach Aufbrüchen und Rückschlägen wird sie siegreich sein. Der Gekreuzigte und Auferstandene wird wiederkommen mit Macht und Herrlichkeit und sie vollenden. -
2. Der Auferstandene kommt und fordert Glauben.
In der zweiten österlichen Begegnung mit der verängstigten Gemeinschaft der Jünger fordert Jesus den Glauben. Dieser Glaube wird beispielhaft gezeigt an Thomas, der zum Glauben gekommen ist. -
"Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus, hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor seinen Jüngern getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen." (Joh 20,24- 31)
Der intelligente und kritische Thomas war also am Osterabend nicht dabei, als Jesus kam. Die Jünger und Jüngerinnen erzählten ihm begeistert: "Wir haben den Herrn gesehen." (25) - Doch Thomas hielt nichts von dem dummen Geschwätz; er glaubte ihnen nicht. Für ihn war der Meister tot; unwiederbringlich tot. Er müsste ihn schon sehen können mit seinen eigenen Augen; und hören können mit seinen eigenen Ohren; und greifen können mit seinen eigenen Händen. - Da geschah es acht Tage später. Die Jünger waren vollzählig beisammen; immer noch im Untergrund. Plötzlich kam Jesus bei verschlossenen Türen. Er begrüßte sie: "Friede sei mit euch!" - Dann nahm er Thomas beim Wort: "Streck deinen Finger aus, hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite!" (27) - Nach dieser handgreiflichen Kontrolle der Nagelwunden und des durchbohrten Herzens gab er den kurzen und festen Befehl: "Und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" (27) - Thomas ging vor der Übermacht des gekreuzigten und verklärten Herrn buchstäblich in die Knie. Er sprach ein markantes Credo, zum Vorbild für alle Christen: "Mein Herr und mein Gott!" (28) - Dieser Osterbericht ist kein Protokoll einer interessanten Begegnung, sondern eine exemplarische Glaubensgeschichte. Wir gebrauchen das Wort vom "ungläubigen Thomas". Es ist aber die Geschichte von Thomas, der zum Glauben kommt; also die Geschichte vom "gläubigen Thomas". -
Wir können ein Erstes feststellen:- Thomas kommt nicht von sich aus zum Glauben. Auch können ihn die Jünger nicht überreden. - Das bedeutet: Glaube ist nicht das Produkt tiefsinniger Überlegungen oder menschlicher Einflüsse. Glaube hat schon gar nichts mit Druck oder Zwang zu tun. Manche gute Eltern erklären ihren Kindern: "Solange du deine Füße unter unseren Tisch stellst, gehst du in die Kirche! Fertig!" - Glaube ist Entgegenkommen Gottes in Jesus Christus Christus. Wir können auch sagen: Glaube ist Gnade. Um diese Gnade können wir nur für uns und viele suchende Menschen herzlich bitten. -
Ein Zweites ist auffällig: Jesus begegnet Thomas nicht allein, irgendwo im Wald, sondern in der Gemeinschaft der Jünger. Das bedeutet: Der Übergang vom Unglauben zum Glauben vollzieht sich in der oft menschlichen, sündigen, lieben Kirche. Friedrich Kardinal Wetter hat ein bedenkenswerte Wort geprägt: "Zum Glauben kommt man also, indem man mit Glaubenden in Gemeinschaft tritt. Das gilt nicht nur für den Glaubensbeginn, sondern auch für den Glaubensweg." - Wenn ein suchender Mensch nur eine fromme, aber kontaktlose Kultgesellschaft erlebt, oder eine zerstrittene Gemeinde, oder eine polarisierte Großkirche, wird er nur schwer zum Glauben kommen. Wenn die "Hauskirche", also die christliche Familie nicht intakt ist, wird der Glaube für jüngere Menschen schwer sein. -
Neulich haben mir Jugendliche in neudeutscher Sprache erklärt: "Religion ist trendy. Jesus ist in. Kirche ist out." - Papst Johannes Paul II. zögert nicht, im Blick auf die "Neuevangelisation" nachdrücklich zu fordern: "Die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen, darin. liegt die große Herausforderung, die in dem beginnenden Jahrtausend vor uns steht"(NMI 43) - Ein Drittes erkennen wir im Glaubensvorgang: Thomas durfte die Wunden des Herrn berühren. Wir sollten nicht sagen: Ja, Thomas! Der hatte es leicht. Er durfte probieren und experimentiere; wir leider nicht. - Die "Berührung" des Auferstandenen geschieht heute in den Sakramenten: In der Taufe, in der Versöhnung, in der Eucharistie. Unser Heiliger Vater erklärt eindeutig: "Der größte Einsatz muss daher für die Liturgie aufgewandt werden, die der Höhepunkt ist, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt." (NMI 35) -
Ein Viertes wird deutlich im Glaubensvorgang: Der Auferstandene gab Thomas einen schlichten Befehl: "Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" (27) - Der österliche Glaube gründet nicht auf einem Experiment; auch nicht auf einem Beweis; sondern auf dem Wort: Das Jesus spricht und das er selbst ist. Er trägt einen hohen Titel: "Logos", "Wort". Manche brave Christen suchen "Privatoffenbarungen" und unbewiesene "Erscheinungen". Wir müssen uns alle hinweisen lassen auf das Wort des lebendigen Gottes. Unser Papst gibt einen entscheidenden Impuls: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends." (NMI 40) -
Ein Fünftes lehrt uns der gläubige Thomas: Er bekannte mit seiner ganzen Existenz: "Mein Herr und mein Gott!" (28) - Glaube ist nicht Zugehörigkeit zu einer Kirche. Glaube ist nicht flüchtiges Jajasagen zu einigen Glaubenssätzen. Glaube ist nicht nur gelegentliche Annahme von kultischen Angeboten.- Glaube- - ist Anerkennung des gekreuzigten und auferstandenen Christus als "Herrn" und als "Gott". Glaube ist Überantwortung und Hingabe des kleinen Menschen an den Herrn, der lebt und wiederkommen wird mit Macht und Herrlichkeit. - Anläßlich des Weltjugendtages im Juli 2002 in Kanada gibt unser Heiliger Vater eine klare Ermunterung: "Ihr, liebe Jugendliche, ihr müsst beteuern, dass der Glaube eine persönliche Entscheidung ist, die die ganze Existenz in Anspruch nimmt. Das Evangelium soll das große Kriterium sein, das die Entscheidungen und Ausrichtung eures Lebens leitet!" (KNA Jan. 2002) -
Im Heiligen Jahr 2000 pilgerte der Heilige Vater "auf den Spuren des Heiles" zu der Grabeskirche in Jerusalem. Die Griechen nennen sie "Anastasis", Auferstehungskirche. Dort bekannte er ausdrücklich den österlichen Glauben: "Zusammen mit den Aposteln und Evangelisten, mit der Kirche aller Zeiten und aller Orte, glauben, bezeugen und verkünden auch wir: Christus ist auferstanden!" - Dort bekannte er sich auch zu der Sendung: "Von diesem Ort aus, wo die Apostel erstmals von der Auferstehung erfuhren, fordere ich alle Gläubigen auf, ihre Treue zum Gebot des Herrn, das Evangelium bis an die Grenzen der Erde zu tragen, kraftvoll und froh zu erneuern." - Dort sprach er ein großes Wort der Hoffnung aus: "An der Schwelle eines neuen Jahrtausends müssen wir Christen in die Zukunft blicken mit einem unerschütterlichen Vertrauen auf die herrliche Macht des Auferstandenen: Er wird alles neu machen." - Dort, in der "Mutter aller Kirchen" bekannte er im Namen aller Christen auf dem Erdkreis: "Christos anesti! Jesus Christus ist auferstanden! er ist wahrhaft auferstanden! Amen. Alleluja!" - (OR 14.04.2000) -
Vor dem Evangelium singt heute der Kantor einen Jubelruf:
"Halleluja. Halleluja.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja."
Dieser Ruf ist eine Prophetie des Jesaja über den kommenden Messias. Dieser Ruf stammt aus der Regierungserklärung Jesu, die er öffentlich in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret verkündet hat. Dieser Ruf ist eine sieghafte Deutung des überraschenden Vorgangs, den uns der Evangelist Matthäus überliefert hat:
"In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und er sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten."
- (Mt 9,9 - 13)1. Das anstößige Handeln des Herrn.
Wenn wir das überraschende Handeln Jesu und seine göttliche Lehre ein wenig verstehen wollen, müssen wir die gesellschaftliche und religiöse Bedeutung der genannten Menschen erkennen. - Da werden eingeführt: Die Pharisäer. Sie gehörten einer strengen Richtung im Judentum an. Sie bildeten eine einflußreiche Partei. Sie hielten sich im Alltag korrekt an die kultischen Regeln. Die "Lehre der Väter" und die Überlieferungen der Alten" schätzten sie hoch. Sie fühlten sich eng dem Hohen Tempel in Jerusalem verbunden. Sie hatten ihre Vertreter in den Synagogen, in den wichtigen Schulen und im Hohen Rat. Sie erwarteten den Messias, der sie vom Joch der römischen Besatzer befreien sollte. Sie hofften - im Gegensatz zu den Sadduzäarn und Zeloten - auf ein Weiterleben nach dem Tod. Sie fühlten sich als die "Reinen", die das "Hohe Gesetz Gottes", die "Heilige Tora", wortgetreu und rein einhielten. Um in ihrer erhabenen Lebensführung nicht gestört oder sogar verdorben zu werden, hielten sie Distanz zu allen "Ungebildeten, und "Dummen". Und sie verabscheuten jeglichen Kontakt zu "Sündern". Dazu gehörten nach ihrer Ansicht: Die betrügerischen Händler, die Dirnen, die Kollaboranten der "verfluchten Römer" und die Zöllner. Sie lebten nach einer klaren Anweisung: "Der Reine geselle sich nicht zu den Sündern!" - "Der Gerechte setze sich nicht mit den Gesetzlosen an den Tisch!" -
Im Evangelium werden auch eingeführt: Die Zöllner. Die Zöllner von damals waren nicht zu vergleichen mit den braven Beamten an unseren Grenzen. Sie waren "elende Mitarbeiter der verfluchten Römer". Sie zahlten aus ihrer Tasche den Besatzern die kaiserlichen Steuern. Dafür erhielten sie das Recht, ihren Mitbürgern die Steuern abzuknöpfen. Manchmal taten sie es ehrlich; meistens aber taten sie es frei nach Augenmaß. Kein Wunder, daß viele von ihnen reich waren. Sie hatten ihre Büros an den großen Straßen und an den Grenzen. Die Herrn an den "Zollstätten" waren verhaßt. Der antike Schriftsteller Aristophanes beschrieb sie treffend: "Ein Zöllner ist ein Schlund, der alles schluckt und doch nicht satt wird.- Der Heilige Johannes Chrysostomus schilderte die gängige Meinung der braven Leute von damals mit dem Satz: "Zöllner und Bordellbesitzer sind gleich." - Die Pharisäer waren als fromme Saubermänner überzeugt: "Die Zöllner sind unrein. Und wer sich mit Zöllnern zusammensetzt wird auch unrein. "Die Zöllner durften sich nicht in den Synagogen blicken lassen. Man hätte sie sofort hinausgeworfen.
Nun wird das anstößige Handeln Jesu gezeigt. Es ist Verkündigung einer Frohen Botschaft:
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach!" (9) -
Jesus sieht den Menschen. Er sieht seine Sehnsucht, sein Fallen, sein Aufstehn. Jesus sieht den Menschen mit einem göttlichguten Blick. Er hat keine Vorurteile. Jesus sieht das Herz eines Menschen. Und nun der erste, anstößige Vorgang: Er beruft den verfemten und verhaßten Mann an der Zollstätte in seine Jüngerschaft; in seine Nachfolge. Der Mann wird mit Namen genannt: Matthäus. Das heißt: Er ist wichtig für die Heilsgeschichte. Die Reaktion des Gerufenen wird mit einem kurzen, überaus dichten Satz vermeldet:
"Da stand Matthäus auf und folgte ihm." (9) -Das bedeutet: Matthäus machte augenblicklich Schluß mit seinem Beruf und mit seiner ganzen Vergangenheit. Er wurde ohne Zögern Jünger Jesu, einer der Zwölf. Wir sehen den zweiten, anstößigen Vorgang:
"Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern." (10) -Jesus ging also in das Haus eines "Unreinen". Nach der Auffassung der Herrn von der Partei der "Reinen" verfiel Jesus der "Unreinheit". Er setzte sich mit den "Unreinen" zu Tisch. Seine "Unreinheit" wurde damit noch verstärkt. - Und es kamen viele Zöllner und Sünder. Auch das noch! Und er verführte seine Jünger zu dem gleichen, unreinen Tun. Das war ein Skandal! - Für die frommen Pharisäer war es glasklar: Dieser Jesus ist kein Gesetzestreuer; kein Gerechter; kein Heiliger. Für die religiösen Führer des Volkes stand fest: Dieser Jesus ist kein Gottesmann; kein Prophet; und schon gar nicht der ersehnte Messias. - Die Pharisäer wandten sich nicht mehr an Jesus: Der war für sie schon erledigt. Sie sprachen die Jünger an:
"Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllner und Sündern essen?" (11)Die Kritik war zynisch: "Euer Meister". Also:" Euer sauberer Chef! Er führt euch in den Untergang. Trennt euch von ihm; aber schnell! Ungefragt schaltete sich der Herr ein. Er gab eine hohe Deutung seiner Handlungsweise. Uns allen übergab er eine göttliche Lehre.
2. Die hohe Lehre des Herrn.
Papst Johannes Paul II. gab der Kirche eine Devise für die Auslegung des Evangeliums: "Das ganze Leben Jesu ist eine einzige Verkündigung: Seine Worte, seine Taten, seine Wunder, seine Zeichen ..." (Cat.tr.) - Wir dürfen in der Berufung des "unzuständigen" Zöllners Matthäus und in der selbstverständlichen Kontaktaufnahme des Herrn mit Zöllnern und Sündern wichtige Botschaften erkennen. Jesus selbst gab auf die verständnislose Kritik der Pharisäer, die sich als die "Führer des Volkes" verstanden haben, eine deutliche Antwort: Er sagte ihnen einen Grundsatz. Er gab ihnen eine klaren Auftrag. Und er stellte sich ihnen als kompetenter Lehrer der Menschheit vor. - Der Herr verkündete einen unmißverständlichen Grundsatz:
"Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken." (12) -Wenn wir krank werden, suchen wir einen Arzt auf und lassen uns eine gute Medizin verschreiben. Das ist gut so! - Wir müssen aber noch andere Krankheiten erkennen! Wir werden krank: Wenn wir die Gebote Gottes mißachten; wenn wir die Anweisungen Jesu übergehen; wenn wir nicht lieben. - Wir sind vor Gott alle krank; manche sind schwerkrank; manche sind todkrank. Jesus ist der allmächtige und allgütige Arzt; er ist aller Menschen Heiland. Er lädt uns ein: Laßt euch heilen: Von euren Fehlern, von euren Sünden, von euren Bosheiten, von euren Lastern! - Vor einigen Wochen hat unser Heiliger Vater ein Wort an die ganze Kirche gerichtet: "Das Heil ist insbesondere Erlösung von der Sünde, die ein Hindernis für die Freundschaft mit Gott ist, Befreiung aus dem Zustand der Sklaverei, in dem der Mensch steht, der der Versuchung des Bösen nachgab und die Freiheit der Kinder Gottes verloren hat." (Misericordia Dei, 03.05.2002) - Die Kirche hat den Dauerauftrag des Herrn, die Schwachen und Sünder zu heilen. Sie muß diesen Heilungsdienst treu ausführen. Die Sakramente der Taufe Versöhnung sind unverzichtbar im Leben der Gläubigen.- Niemand darf dem sündigen Menschen ausweichen. Der Heilige Kirchenlehrer Augustinus hat ein interessantes Wort gesprochen: "Nichts bekundet so die Größe eines Menschen wie sein Verhalten gegenüber den Sündern. Wer wahrhaft groß ist, will befreien, nicht demütigen! Er sinnt auf Hilfe, nicht auf Vorwurf, und er erweist seine Gesinnung nach Kräften durch die Tat ...
Die Gemeinde Jesus muß sich aber immer annehmen der angeschlagenen, sündigen und verletzten Menschen. Charles de Foucauld hat seine Mitbrüder gemahnt: "Um die Armen, die Unglücklichen, die Kranken, die Sünder ... sollen wir uns mit allen Kräften bemühen!"
Wir alle aber sind als kranke Sünder aufgerufen, Christus um seine Heilung zu bitten:
"Erbarme dich, erbarm dich mein,
Herr, durch die große Güte dein.
Mach rein mich bis zum Herzensgrund;
im Innersten mach mich gesund.
Denn meine Sünde brennt in mir;
ja, schuldig ist mein Herz vor dir." (GL 164) -
Der Herr gab nun den Pharisäern damals und uns allen heute einen klaren Auftrag: "Darum lernt, was es heißt Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!" (13) -
Die Schlacht- und Brandopfer im Hohen Tempel zu Jerusalem waren ein frommes Zeichen der Verehrung des lebendigen Gottes. Für manche einflußreiche Herrschaften waren sie allerdings auch ein Beweis für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status. Manche Prominente verstanden es auch, ihre unsaubere Lebensführung und ihre Herzenshärte mit dem Rauch der feierlichen Opfer zu verdecken. Ihnen galt die Schimpfrede des Hosea, die er im Namen Gottes gerufen hat:
"Was soll ich tun mit dir, Efraim? Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht. Darum schlage ich drein durch die Propheten, ich töte sie, durch die Worte meines Mundes. Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht. Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer." (6,4-6) -Diese prophetische Zurechtweisung wird uns heute in der 1. Lesung zugemutet.- Unser Herr fordert einen bewußten und gezielten Lernvorgang: "Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!" (13) -Die Mahnung gilt heute und immer. Das schwierige Lernen der Liebe und Barmherzigkeit bleibt unsere Lebensaufgabe. - Eine Asylantenfamilie hatte mich in ihren aussichtslosen Problemen um Fürsprache gebeten. Ich wandte mich an einen höheren Beamten: einen treuen Bayern und guten Katholiken. Er bekannte: "Ich gehen jeden Sonntag in meine Kirche. Ich habe noch nie eine Fronleichnamsprozession ausgelassen-" - Dann bat ich ihn für die Familie in Not. Er sagte : "Nein ! Es geht um die Sache ; um die Sache ! Hab ' ich nicht
recht?" -Ich antwortete in der gleichen Tonlage: "Nein! Es geht um den Menschen; um den Menschen! Sie haben nicht recht!" - Er schaute mich fassungslos an und erklärte: "Du lieber Gott! Wo kämen wir denn da hin?" - Jesus geht es um den Menschen: Um sein Leben, um sein Glück, um sein ewiges Heil. -Er stellt sich hoheitsvoll den Menschen aller Zeiten vor:
"Denn ich bin gekommen
um die Sünder zu rufen,
nicht die Gerechten." (13)
Er ruft: In seine Nachfolge, in die Gemeinschaft mit Gott, in das ewige Heil. - Er ruft: Alle Sünder, die ihre Grenzen, Schwächen und Bosheiten eingestehen. Er ruft: Alle Schuldigen, die bereit sind zur Umkehr. - Er ruft nicht: Die Sünder, die ihre Schuld nicht erkennen. Er ruft nicht: Die Bösen, die sich einbilden "Gerechte" zu sein. - Der Glaube öffnet uns die Augen für das eigene Versagen. Doch der Herr hat uns gerufen. So dürfen wir sprechen: "Vater wir danken dir, daß du uns gerufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen." (Zweites Hochgebet) -
Der Glaube lehrt uns auch die Barmherzigkeit. Der heilige Augustinus hat in einer Predigt erklärt: "Nichts bekundet so die Größe eines Menschen wie sein Verhalten den Sündern gegenüber. Wer wahrhaft groß ist, will befreien, nicht demütigen; er sinnt auf Hilfe, nicht auf Vorwurf, und er erweist seine Barmherzigkeit durch die gute Tat. Warst du immer gut - doch wer ist immer gut? vergiß es nicht!"
Aus dieser Gesinnung dürfen wir den Herrn herzlich bitten: "Erhöre, gütiger Vater, die Gebete deiner Gemeinde und führe zu dir auch alle deine Söhne und Töchter, die noch fern sind von dir." (Drittes Hochgebet) -
An den verachteten Zöllner erging der überraschende Ruf Jesu: "Folge mir nach!" - Der Gerufene handelte sofort: "Da stand Matthäus auf und folgte ihm." (9) - Als begrenzte und sündige Menschen sind auch wir in die Jüngerschaft des Herrn berufen. Mit den zeitlosen Worten der Jubiläumshymne für das Jahr 2000 dürfen wir unsere Bereitschaft dankbar und froh erneuern: "Christus, Herr, Bruder und Freund, gestern, heute und alle Zeit! Du bist Gott, Liebe und Licht; rufst du uns, wir stehen bereit." -
Wir sprechen heute viel von der "Globalisierung". Es handelt sich um ein Programm für die nächsten Jahrhunderte: Es muß Brot und Leben für alle auf unserer guten Erde geben. Deswegen muß die Politik erneuert werden. Deswegen muß die Wirtschaft geändert werden. Deswegen muß die Kultur erweitert werden. Es geht nicht um die Interessen einige privilegierter Zeitgenossen. Es geht nicht um das Wohl einiger bevorzugter Gruppen. Es geht nicht um den Vorzug einiger Nationen. Es geht um das Leben aller Menschen auf unserem schönen Globus. - Heute wird uns in der Frohbotschaft der wahre Globalisierer gezeigt: Unser Herr Jesus Christus. Alle Menschen auf unserem Erdball sollen zum Glauben kommen. Und alle Menschen sollen das ewige Heil erfahren. - Es wird uns eine sperrige, unheimliche, faszinierende Glaubensgeschichte verkündet. Den Bericht von dem erregenden Vorgang hat uns der heilige Matthäus übergeben:
"In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot d en Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt." (Mt 15,21 28)
1. Jesus überwindet die nationalen und religiösen Grenzen.
Wir sind eingeladen, den biblischen Bericht zu betrachten. Er ist eine großartige Katechese. - Jesus zieht sich mit seinen Jüngern für ein paar Tage zu rück Als Ort ihres Urlaubs wird die Gegend von Tyrus Lind Sidon genannt. Da kommt eine Frau. Ihr Name ist unbekannt. Sie ist Ausländerin, Heidin und ein primitives Weib dazu. Sie schreit hinter Jesus her. Das tut man doch nicht! Doch sie schreit: "Hab Erbarmen mit mir! Herr, Du Sohn Davids!" - Dann nennt sie den Grund ihres aufdringlichen Geschreis: "Meine Tochter wird von einem Dämon gequält." - In seiner überzeitlichen Katechese halt sich Jesus an die rabbinische Regel : "Der Reine geselle sich nicht zu den Sündern. Der Gerechte fliehe die Gesellschaft mit den Heiden." Jesus hüllt sich zunächst an die bewährte Vorschrift und gibt der Frau keine Antwort. - Die Frau schreit weiter. Den Jüngern wird die Sache peinlich. Sie drängen Jesus: "Befrei sie ... ! Im griechischen Urtext lesen wir ein schwer übersetzbares Wort: "apolyson auten'" Wir können übersetzen: "Schick sie weiter!" Oder: "Hau sie davon!" - Die Begründung für diesen derben Satz reichen sie sofort nach : "Sie schreit hinter uns her. . . !" Also: Wer sind wir denn? Das brauchen wir uns doch nicht gefallen lassen! Wir sind doch anständige Leute. Was haben wir mit diesem hysterischen Weib zu tun? - Im nächsten Schritt der Katechese bekennt sich Jesus als der ersehnte Messias. Er zitiert die übliche Vorstellung seiner braven Zeitgenossen: "Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt." - Das Weib läßt sich nicht abschütteln. Sie fällt vor dem Jesus nieder und fleht: "Herr, hilf mir!" - Die drastische Katechese kommt zum Höhepunkt. Jesus spricht die allgemeine Meinung seiner Landsleute in der Synagoge, im Hörsaal und in der Kneipe ohne Zögern aus: Sie haben nämlich die Ausländer und Heiden schlicht als "Hunde" beschimpft. Sich selber haben sie als "Kinder des auserwählten Volkes" und als "Kinder Gottes" bezeichnet. Jesus sagt zu der weinenden Frau: "Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen." - Auf dieses Zitat des allgemeinen Fremdenhasses von damals gibt die besorgte Frau eine umwerfende Antwort. Sie redet Jesus mit dem Herrentitel an: "Kyrie!" - Und dann argumentiert sie schlagfertig: "Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren." Auf dieses umwerfende Bekenntnis spricht ihr Jesus seine volle Bewunderung aus. Er redet das verachtete Weib aus dem Ausland, aus der Gegend der "Hunde" hoheitsvoll an: "0 Frau!" - Dann spricht er eine Anerkennung höchsten Ranges aus: "Dein Glaube ist groß." - Jesus kennt den Unglauben vieler hochrangiger Zeitgenossen. Jesus weiß um den Kleinglauben seiner Jünger. Und jetzt: Er bewundert den Großglauben dieser heiligen Ausländerin und Heidin. Er spricht ihr herrscherlich zu: "Was du willst, soll geschehen." - Die Vollzugsmeldung ist eindeutig: "Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt." - Es handelt sich um ein messianisches Zeichen: Auf den großen Glauben hin vertreibt Jesus den Dämon und schenkt Heilung und Heil. -
2. Jesus will den Glauben und das Heil aller Menschen.
Wir müssen lernen, die hohe Lehre Jesu zu begreifen und nach ihr zu handeln. Wir müssen aus der zeichenhaften Katechese Jesu Konsequenzen ziehen. Die erste Folgerung: Wir sollen erkennen, es gibt keine besseren oder schlechteren Nationen. Das falsche Lied: "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt...", gehört in den Papierkorb. Es gibt keine "minderwertigen Völker" und schon gar keine "lebensunwerten Rassen". Seien wir vorsichtig! Die unseligen Vorstellungen aus dem letzten Jahrhundert feiern fröhliche Urständ. -
Die zweite Folgerung: es gibt keine minderwertigen oder sogar wertlosen Menschen. Man darf keinen unheilbar Kranken "abspritzen" und keinen Embryo "für Heilungszwecke verbrauchen" oder "wegwerfen". - Wir müssen in jedem Menschen das "Abbild Gottes" erkennen und verehren. Zur Zeit erleben wir gefährliche Entwicklungen. Vor einigen Wochen hat der hohe Bundesgerichtshof in Karlsruhe einem Ehepaar das Recht zugesprochen: Weil eine Ärztin die Eltern vor einigen Jahren nicht aufgeklärt hat, daß ihr liebes Kind behindert zur Welt kommen wird, muß sie jetzt Alimente zahlen, weil sie eine Spätabtreibung verhindert hat. Ein Schandurteil! - Wir dürfen auch die verächtlichen Aussagen im Alltag ersatzlos tilgen: Die urbayerische Rede vom "Saupreiß" ist dumm. Die Aussage "Hurenflüchtling" ist böse. Die Bezeichnung "Schweineasylant" ist pervers. - Ein Kapuziner aus dem mittleren Osten erzählte mir, das kleine katholische Gemeindehaus sei von radikalen Moslems mit der Parole beschmiert worden: "Christenhunde bekehrt euch!" - Nach einer Predigt über "Maria, die hohe Tochter des Volkes Israel", erhielt ich einen Brief von einem Kirchgänger mit der ehrenvollen Anrede: "Dreckiger Saujud!" -
Eine dritte Folgerung: Wir müssen lernen, uns die Sicht Gottes vom Menschen zu eigen zu machen. Der großartige evangelische Blutzeuge, Dietrich Bonhoeffer, durfte das Dritte Reich nicht überleben. Er wurde im KZ Flossenbürg hingerichtet. Unser Heiliger Vater hat ihn vor einigen Wochen wieder zitiert: "Während wir unterscheiden zwischen Frommen und Gottlosen, Edlen und Gemeinen, Guten und Bösen, liebt Gott unterschiedslos den wirklichen Menschen. Er duldet es nicht, daß wir die Welt und die Menschen einteilen nach unseren Maßstäben und uns zu Richtern über sie aufwerfen. Christus zieht die Grenzen der Zugehörigkeit zu ihm weiter, als es wir Menschen wünschen und tun." -
So dürfen wir beten und hoffen, daß viele Menschen zu Christus finden: Erwartete und Unerwartete. Und er wird ihnen schenken: Befreiung, Heilung und schließlich das selige Heil. -Eine vierte Folgerung: Die Botschaft des Evangeliums muß allen Menschen verkündet werden. Das Heil in Christus muß allen Menschen auf dem ganzen Erdkreis -angeboten werden. Wir müssen die wahren "Globalisierer" sein! - Vor gut vierzehn Tagen wurde der "erste Weltjugendtag am Beginn des dritten Jahrtausends" in Toronto gefeiert. Papst Johannes Paul II. hat die Jugend der Welt mit jugendlicher Leidenschaft eingeladen. Sein Aufruf gilt uns allen: "Im Herzen von Toronto, einer Stadt mit vielen Kulturen und Konfessionen und Religionen müssen wir die Einzigkeit Christi, des Retters, und die Universalität seines Heiles verkünden und bezeugen. Kommt und sprecht vor der Welt von eurer Freude, Jesus Christus begegnet zu sein! Kommt und sprecht von eurem Wunsch, ihn immer besser kennenzulernen! Kommt und sprecht von eurer Aufgabe, sein Evangelium vom Heil bis an die Grenzen der Erde zu verkünden!" - Es wird in der Weltgeschichte die Prophetie des großen Jesaja in Erfüllung gegen: Trotz aller Kriege, trotz aller Katastrophen, trotz aller Leiden: "So spricht der Herr: Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit: denn bald kommt von mir das Heil Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt." (Jes 56,1 und 7) - Wir alle sind aufgerufen, die demütigen Worte der kanaanäischen Frau, mit Vertrauen und Glauben nachzusprechen. Sie hat die Ehre, eine übe zeitliche Vorbeterin der Glaubenden aller Jahrtausende zu sein: "Kyrie, eleison! - Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!" - Er wird uns erhören. Ganz sicher.
Die Auseinandersetzungen des Herrn Jesus mit seinen gescheiten, tüchtigen und frommen Zeitgenossen nahmen kein Ende. Einmal geriet er in Konflikt mit den Herren der kleinen, begüterten und einflußstarken Partei der Sadduzäer. Dann kam er Streit mit den Vertretern der strengreligiösen Partei der Pharisäer. Beide Parteien waren zerstritten. Und sie suchten Jesus in ihre Grabenkämpfe zu zerren, um auch ihn zu erledigen. In diesen Auseinandersetzungen bekannte sich Jesus als der neue Mose, als der wahre Lehrer, als der Herr er Weltgeschichte. - Seine Worte sind gültig für alle Gläubigen, für alle Menschen.- Wir lesen im Evangelium nach Matthäus:
"In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, daß Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten." (Mt 22,34-40)
I."Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben..." (Mt 22,34 - 40)
Der bekannte Showmaster Hans Rosenthal ist vor einigen Jahren gestorben. Er war ein gläubiger Jude. Seine Heimatstadt war Berlin. Er war mit einigen Kameraden mit dem Rad unterwegs. Bei der Rückkehr mußte er hören: "Schnell, schnell untertauchen! Deine Familie ist schon verschleppt-" - Zwei christliche Frauen versteckten den Jugendlichen in einem Schrebergartenhäuschen. Und sie fütterten ihn durch bis zum Ende des II.Weltkrieges. Dann rückten die Russen ein. Der Junge stürmte aus seinem Gefängnis. Doch die Soldaten wollten ihn erschießen: "Du SS-Mann." - Der junge Hans jammerte mit erhobenen Händen: "Ich bin kein SS-Mann. Ich bin ein Jude." -Die Russen glaubten ihm nicht. Einer jedoch kannte sich aus und sagte: "Wenn du ein Jude bist, kannst du ja das Schema aufsagen." Das ist das Grundbekenntnis der Juden aller Zeiten. In Todesangst begann der junge Mann in hebräischer Sprache zu beten: "Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen!" (Dt 6,5/6) Der junge Hans Rosenthal war gerettet.
Damit sind wir mitten in dem Vorgang des heutigen Evangeliums. Nach dem Streit Jesu mit den Sadduzäern stellte ein hochkarätiger Gesetzes= lehrer Jesus eine Frage: "Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?" - Die Fachleute von damals kannten 248 Gebote und 365 Verbote. Sie unterschieden: "leichte Gebote", "halbschwere Gebote" und "schwere Gebote". Sie stritten sich auch um die richtige Deutung. Von Jesus erwarteten sie sicher keine klare Antwort. Er hatte ja kein Fachstudium hinter sich. - Doch Jesus zögerte nicht. Er zitierte das Schema der Juden und folgerte: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.' Sicher und souverän erklärte er: "Das ist das wichtigste und erste Gebot." -Wir stehen vor wesentlichen Fragen, die uns ganz persönlich gestellt werden: "Glaube ich an den lieben Gott wirklich? Liebe ich Gott wirklich?" - Unsere Bekenntnisse dürfen ja nicht religiöse und fromme Sprüche sein! - Im Weltkatechismus wird uns deutlich gesagt: "Im Glauben an die Liebe Gottes liegt die Aufforderung und die Pflicht, die göttliche Liebe aufrichtig zu erwidern ... (2o93) - Die Liebe zu Gott ist und bleibt ein Versuch. Im aufgewühlten 17. Jahrhundert lebte und wirkte Angelus Silesius. Von Geburt war er evangelischer Christ. Als junger Mann konvertierte er zur katholischen Kirche. Schließlich wurde er Priester und Terziar des Heiligen Franziskus. Sein Grab ist in Görlitz. Sein Versuch der Gottesliebe ist nüchtern und glutvoll.Er sagte nicht:"Ich liebe Gott ... " Sondern: "Ich will dich lieben..." Sein Bekenntnis gehört zum gemeinsamen Gebetsschatz der Christen:
"Ich will dich lieben, meine Stärke,
ich will dich lieben, meine Zier,
ich will dich lieben mit dem Werke
und immerwährender Begier;
ich will dich lieben, schönstes Licht,
bis mir das Herze bricht." (GL 558)
Die Liebe zu Gott erwächst aber nicht aus unseren menschlichen Kräften. Sie ist eine Wirkung des Heiligen Geistes. In der Geburtskirche unseres Herrn in Betlehem hat im Jubiläumsjahr unser Papst im Namen aller Menschen gebetet: "Kind von Betlehem, Sohn Gottes und Sohn Mariens, Herr aller Zeiten und Fürst des Friedens, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit: da wir in das neue Jahrtausend aufbrechen, heile unsere Wunden, stärke unsere Schritte, öffne unser Herz und unseren Geist für die barmherzige Liebe unseres Gottes, durch sie wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe." (22.03.2000) - Wir müssen im Evangelium weiterlesen Nach dem klaren Hinweis auf den Vorrang der Liebe zu Gott, gab der wahre Gesetzgeber der Menschheit, unser Herr Jesus Christus, eine einmalige Erklärung ab. Er vereinigte mit dem hohen Gebot der Liebe zu Gott, das Gebot der Nächstenliebe. Er forderte unmißverständlich:
2. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
Jesus erhob die Nächstenliebe und gab ihr einen Rang, wie er größer nicht gedacht werden kann. Er ließ keinen Zweifel: "Ebenso wichtig" wie das Gebot der Gottesliebe ist das Gebot der Nächstenliebe.Er zögerte auch nicht, den Schriftgelehrten von damals und allen Menschen aller Zeiten zu eröffnen: "An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten." - Der Weltkatechismus bietet uns eine überaus dichte Deutung an: "Das erste Gebot befiehlt uns, Gott über alles und seinetwegen sämtliche Geschöpfe zu lieben." (2093) - Wir kennen in unseren Herzen die Gefahren der Ablehnung, der Lieblosigkeit und des Hasses. Nach dem blutigen 20.Jahrhundert werden wir auch heute täglich konfrontiert mit schrecklichen Vorgängen, die wir mit bösen Namen belegen müssen: Unterdrückung, Verachtung, Terror, Abtreibung, Mord, Bürgerkrieg, Krieg. - Unser Heiliger Vater gibt ohne Resignation der Christenheit ein Programm. Er überschriebt es mit der klaren Forderung: "Auf die Liebe setzen." Und er führt aus: "Aus der innerkirchlichen Gemeinschaft öffnet sich die Liebe, wie es ihrer Natur entspricht, auf den universalen Dienst hin und stellt uns in den Einsatz einer tätigen, konkreten Liebe zu jedem Menschen. Das ist ein Bereich, der das christliche Leben, den kirchlichen Stil und die pastorale Planung gleichermaßen bestimmt und kennzeichnet ... Wenn wir wirklich von der Betrachtung Christi ausgehen, werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im Antlitz derer zu erkennen, mit denen er sich selbst identifiziert hat: 'Ich war hungrig,und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen." (Mt 25,35-36) - Unser Papst sagt weiter: "Es ist sicher, daß niemand von unserer Liebe ausgeschlossen werden darf ... Ohne die Liebe läuft die Verkündigung Gefahr, nicht verstanden zu werden ... Die Liebe der Werke verleiht der Liebe der Worte eine unmißverständliche Kraft." (Novo Millennio ineunte, 50)
Trotzdem: Diese Liebe zum Nächsten ist gar nicht so leicht. Sie setzt eine ständige Umkehr voraus. Die Heilige Edith Stein hat vor ihrer Ermordung ein nüchternes Zeugnis abgelegt. Ihr Bekenntnis drängt uns zu einer Überprüfung unseres Lebens: "Jesus, seitdem Du zu uns gekommen bist, können wir nicht mehr Gottes- und Nächstenliebe trennen. Du bist einer von uns geworden, hautnah können wir mit Dir zusammenleben, wenn wir unseren Bruder, unsere Schwester annehmen. Hier aber sitzt das Problem. Dich nehmen wir leicht an, in unseren Reden, unseren Taufscheinen. Aber unseren Bruder - den verwahrlosten, nackten, ungebildeten, der uns so gar nicht liegt, mit seiner Herkunft, Erziehung, Rasse, Hautfarbe? Jesus, das haben wir nicht gedacht, daß die Liebe zu Dir, zu Gott, so schwierig ist." -In der religiös schwierigen Zeit des 17. Jahrhunderts hat der Konvertit und Priester, Angelus Silesius, ein zeitloses Lied gedichtet. Er hat es nicht gewagt, lauthals zu singen: "Ich liebe Dich, Gott..." Er hat sehr demütig bekannt: "Ich will Dich lieben..." - Er hat auch gewußt, um die schwierige Liebe "mit dem Werke". Das wunderbare Lied dieses franziskanischen Christen aus Schlesien, gehört zum gemeinsamen Gebetsschatz aller Christen deutscher Sprache:
Heute feiern wir den "Sonntag der Weltmission". - Das "evangelische Zeugnis der Liebe zu den Armen, zu den Kleinen und zu den Leidenden ... (Redemptoris missio 42), wird uns in einer grenzüberschreitenden Hilfsaktion angemahnt. In diesem Jahr werden wir herzlich gebeten, ja nicht die Brüder und Schwestern zu übersehen, die an der tödlichen Immunschwäche Aids leiden. Auf unserer guten Erde leben 40 Millionen Menschen, die von dieser Seuche befallen sind. Von ihnen leben allein 28 Millionen im südlichen Afrika. In den letzten 12 Monaten sind 2 Millionen von ihnen gestorben. Im gleichen Zeitraum haben sich 3,5 Millionen neu angesteckt. - In diesem schrecklichen Drama werden uns besonders die erkrankten Kinder und die vielen Aids-Waisen anvertraut.- Wir dürfen auch wissen: Jeder vierte AidsKranke wird in einer Einrichtung der katholischen Kirche betreut. - Das Motto des heutigen Sonntags ist die herzliche Bitte der Kranken und ihrer oft heldenhaften Betreuer: "Gebt uns Hoffnung!" - Wir sollen aber wissen: Die Liebe zu den Ärmsten der Armen ist ein unverzichtbarer Vorgang der Evangelisation. In einer gemeinsamen Erklärung von Missio Aachen und München wird uns verkündet: 'Tie Liebe zum leidenden und bedürftigen Nächsten ist ein Grundzug missionarischer Praxis und Spiritualität ... Zugleich geht es darum, sichtbar zu machen, daß die Liebe Gottes und die ständige Gegenwart seines Geistes umwandelnde Kraft haben über den Raum der Kirche hinaus. Barrieren zwischen Arm und Reich sollen aufhören zu existieren;den durch Krankheit und Armut Ausgeschlossenen wird eine neue Heimat aufgezeigt." - Die Mahnung des Heiligen Vaters an die vielen jungen Gläubigen beim Weltjugendtag 2002 in Toronto gilt uns allen: "Kommt und sprecht vor der Welt von eurer Freude, Jesus Christus begegnet zu sein! Kommt und sprecht vor der Welt von eurem Wunsch, ihn immer besser kennenzulernen! Kommt und sprecht vor der Welt von eurer Aufgabe, sein Evangelium vom Heil bis an die Grenzen der Erde zu verkünden! ... Möge dieser erste Weltjugendtag am Beginn des dritten Jahrtausends allen eine Botschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe vermitteln können!" - Wir sind eingeladen, mit der Kirche auf dem ganzen Erdkreis herzlich zu beten:
"Allmächtiger, ewiger Gott,Einige Tage nach der hohen Feier des Geburtstages unseres Herrn Jesus Christus verkündet uns die Kirche die überaus wichtige Botschaft von der Weihe des Gottessohnes im Tempel zu Jerusalem. Das Wort "Weihe" kann uns verunsichern. Unser eher volkstümlicher Sprachgebrauch ist etwas unscharf. Wir schätzen die Segnungen der Kirche. Wir kennen die verschiedenen Weihen: Die Taufweihe, die Ordensweihe, die Diakonen= weihe, die Priesterweihe, die Bischofsweihe. Weihe bedeutet: Übergabe eines Christen an den dreifaltigen Gott für einen Dienst zum Heil der Menschen. Der Vorgang der Weihe Jesu wurde im Ersten Testament grundgelegt und im Evangelium vollendet.
1. Die Weihe Jesu nach den Weisungen für das Volk Israel
Wir lesen im Evangelium, das der Heilige Lukas niedergeschrieben hat:"Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben." (2, 22 24)
Bei den Juden finden wir "allgemeine Gesetze über den Erstgeborenen.11 Sie nennen ihn: "Bechor". "Er wird Gott geweiht. Er gehört dem Tempel und ist für den Altar bestimmt."(De Vries) Der Erstling ist ein "Auserwählter". Durch seine Weihe ist er von öffentlichen Gottesdienst vorgesehen. Er ist auch berufen, Aufgaben im politischen Leitungsdienst zu übernehmen. Und er hat den klaren Auftrag, "die Aufgabe der besonderen Gerechtigkeit" zu erfüllen. Das bedeutet: Wenn der Bechor eine asoziale oder kriminelle Handlung erkennt, muss er einschreiten. Wegen dieser verantwortlichen Aufgaben hat der gottgeweihte Erstgeborene einen "Vorrang": In der Synagoge, in der Gemeinde, in der Volksgemeinschaft. Die Weihe eines Bechor spielt sich ungefähr so ab: Die Mutter bringt das Kind ins jüdische Gotteshaus. Der Vater legt es dann dem Priester in die Arme und spricht: "Das ist mein erstgeborener Sohn, der erste, der kam aus seiner Mutter Schoß." Dann betet der Kohen, der jüdische Priester: "Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns Leben und Erhaltung gegeben und uns diese Zeit hast erreichen lassen! "Dann legt der Priester dem Kind die Hand auf den Kopf und segnet es. Dann wünscht er dem Gottgeweihten: "Alles Gute!" Anschließend segnet er auch die Eltern und ermahnt sie, den Erstgeborenen gut zu erziehen und auf seine hohen Dienste in der Synagoge, in der Gemeinde und im ganzen Volk bewusst vorzubereiten. Die Weihehandlung wird gestaltet von einem Chor. Nach der Feier ruft ein junger Mann der Gemeinde zu: "Lobt den Herrn und freut euch! Ein neuer Gottgeweihter ist unter uns! Möge er einmal wirken zur Verherrlichung Gottes und zum Wohl vieler Menschen!" Diese Anweisungen und Riten haben Maria und Josef in Gehorsam und Treue erfüllt. Und dennoch: Die Weihe des Jesuskindes im Tempel zu Jerusalem übersteigt alles Traditionen und Vorstellungen. Die Weihe Jesu ist ein weltgeschichtlicher Vorgang ersten Ranges.
2. Die Weihe des menschgewordenen Gottessohnes in der Verkündigung des Evangeliums
Wir lesen weiter in der Frohbotschaft nach Lukas:"In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuels, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als Junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm." (2,25 40) -
Die Weihe Jesu im Tempel zu Jerusalem wird also erhöht zu einem Vorgang weltgeschichtlicher Größe. Der alte, gerechte und fromme Simeon hat die einmalige Ehre, den neugeborenen Jesus in die Arme nehmen zu dürfen. Der geisterfüllte Mann , der auf den Retter wartet, erkennt den ersehnten Messias und beginnt den priesterlichen Lobpreis mit einem unsterblichen Lied. In seiner Laudatio gibt er dem Kind hohe Titel: Jesus ist das Heil. Jesus ist das Licht. Jesus ist die Herrlichkeit. Simeon segnet das Kind nicht. Er weiß: Jesus Christus ist der vollkommene Segen für alle Menschen; für die ganze Welt. Simeon segnet Maria und Josef. Er spricht bereits von dem Widerspruch, den Jesus erdulden wird. Er weist hin auf den Karfreitag. Er verkündet aber auch die österliche Aufrichtung vieler Menschen durch den Herrn. In dem Fest der Weihe Jesu in Jerusalem auch eine alte Fr eine heilsgeschichtliche Rolle: Hanna. Sie erhält den Ehrentitel "Prophetin". Ihre Daten werden in einem Weltprotokoll für immer festgehalten. Sie tritt hinzu. Sie erkennt den ersehnten Messias. Sie singt das Gotteslob. Und sie beginnt im Hohen Tempel die Verkündigung des menschgewordenen Gottessohnes. Nach dem Fest der Weihe Jesu kehrt die Heilige Familie nach Nazaret zurück. Für die nächsten stillen Jahre unter der Fürsorge seiner Mutter Maria und c heiligen Josef, wird von Jesus in dichtester Kürze gesagt: "Das Kind wuchs heran und wurde kräftig, Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm."
3. Die Bedeutung des Erstgeborenen für die Menschen
Der große Simeon sagt der Welt: Dieses Kind, geboren zu Bethlehem und geweiht in Jerusalem: Ist das Heil. Wir leiden unter dem Unheil des Terrors, des Krieges, der Vertreibung, des Hungers. Wir beklage das Unheil: der Feindschaft, der Trennung, der Scheidung, der Krankheit des Todes. Wir sind aufgefordert, Jesus den Heiland der Welt herzlich zu bitten. Wir sind auch aufgerufen, uns für das Wohl und Heil der Menschen tatkräftig einzusetzen. In einer zerstrittenen Welt und Kirche, in der verrückten Zeit des Hexenwahns, hat der Jesuit Friedrich Spee die Gläubigen zu singen gelehrt:
"Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
0 komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal!" (GL 105,4) -
Der heilige Simeon sagt der Welt: Dieses Kind, geboren in Bethlehem und geweiht in Jerusalem: Ist das Licht. Wir erschrecken wegen de Finsternis in der Welt, in der Gesellschaft und auch in der Kirche. Wir betrauern die Finsternis des Geistes, des Herzens und auch des Glaubens. Der heilige Franziskus von Assisi hat innig gebetet: "Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzen und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe..." Wir werden erleuchtete Christen sein müssen, die in das Dunkel des Lebens das Licht Christi bringen. In einer düsteren Zeit hat Friedrich Spee leidenschaftlich gebetet:
"0 klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollen wir anschauen gern.
0 Sonn geh auf, ohn' deinen Schein
in Finsternis wir alle sein." (GL 105,5)
Der geisterfüllte Simeon sagt der Welt: Dieses Kind, geboren zu Bethlehem, geweiht in Jerusalem: Ist die Herrlichkeit. Im Ersten Testament ist das Wort "Herrlichkeit" eine verhüllende Bezeichnung für den allmächtigen, allheiligen, allgütigen Gott. "Herrlichkeit" ist eine Umschreibung seines unbegreiflichen, unbeschreiblichen, unfaßbaren Lebens. Viele Menschen leiden unter der "Abwesenheit Gottes": Man hört ihn nicht; man sieht ihn nicht; ergreift nicht ein. Neulich war ein dümmliches Liedchen zu hören: "Mein liebes Kind: Der liebe Gott, der hat den Himmel zugemacht; ist abgereist; ist ganz weit weg; und kümmert sich 'nen Dreck." Auch manche Christen leiden unter der Gottverlorenheit und Gottverlassenheit. Nachdrücklich wird uns verkündet: Der Herr wird seine lebendige und herrliche Gegenwart über uns aufleuchten lassen. In ihm sind wir angenommen, aufgehoben und geborgen: In Freude, Glück und Seligkeit. In der schwierigen Zeit des 17.Jahrhunderts hat Angelus Silesius den Herrn Jesus freudig und geradezu schwärmerisch besungen. Wir kennen das Lied: "Morgenstern der finstern Nacht, der die Welt voll Freude macht" Er lädt uns ein mitzusingen:
"Deines Glanzes Herrlichkeit
übertrifft die Sonne weit;
du allein, Jesu mein,
bist, was tausend Sonnen sein,
bist, was tausend Sonnen sein." (GL 555,3)
Der heilige Paulus, der schriftkundige Völkerapostel, erhöht die Weihe des neugeborenen Christus im Tempel zu Jerusalem in universale Dimensionen. Im Brief an die Römer verehrt er den Herrn als den "Erstgeborenen von vielen Brüdern". (8,29) Den Brief an die Kolosser beginnt er mit einem Hymnus: "Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden... Er ist der Ursprung, der Erstgeborene von den Toten; so hat er in allem den Vorrang." - (1,15/16, 18)
Halten wir fest: Jesus Christus hat "in allem den Vorrang". Er ist keine Randfigur der Geschichte; er ist kein genialer, guter, aber längst toter Mann. Er hat den Vorrang in der Kirche, in der Welt, in der ganzen Geschichte. Und wir haben die ehrenvolle, unverzichtbare Aufgabe, seinen Vorrang im Leben der Menschen und Völker tatkräftig zu vertreten. Wir müssen seine Gedanken und Worte in die Bereiche des politischen, sozialen, medizinischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens einbringen. Der Vorrang Jesu erfordert globales Denken und Handeln. Den "Erstgeborenen von vielen Brüder", den "Erstgeborenen der ganzen Schöpfung", den "Erstgeborenen der Toten" dürfen wir loben und anbeten:
"Denn du allein bist der Heilige,
du allein der Herr,
du allein der Höchste:
Jesus Christus,
mit dem Heiligen Geist,
zur Ehre Gottes des Vaters. Amen."
Liebe Schwestern und Brüder!
"Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe." - So beten und singen wir bei jeder Feier der Eucharistie. Wir gedenken des Einzuges Jesu in seine Stadt Jerusalem und wir erwarten seine endgültige Machtübernahme bei der Vollendung der Welt. - Zu Beginn der Hohen Woche beten und bekennen wir: "Allmächtiger Gott, am heutigen Tag huldigen wir Christus in seinem Sieg und tragen ihm zu Ehren grüne Zweige in der Händen..."Die Frohbotschaft des Palmsonntags hat uns der heilige Evangelist Markus übergeben:
"Es war einige Tage vor dem Osterfest. Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden? Sie gaben zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren.
Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweige von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!" - Mk, 11,1 - 10
1. Die große Erwartung
Mehrmals in den letzten Jahren kam eine kurze Nachricht in die Medien. Einige Juden der strengreligiösen Richtung in Israel haben gehört, "wie der Messias mit beiden Füßen kraftvoll auf die Erde aufgesetzt hat". Sie haben daraus gefolgert: "Er werde bald den großen Kampf beginnen und das langersehnte Reich begründen." - Wir werden diesen völkischen und religiösen Hoffnungen mit Respekt gegenüberstehen. Sie sind verständlich nach den schrecklichen Erfahrungen der Juden in den Zeiten der Verfolgung und Ausrottung. Sie sind begreiflich in den lebensbedrohlichen Vorgängen im Nahen Osten. An diesen Zeitungsnotizen können wir erkennen, dass in einigen Gruppen des jüdischen Volkes die Erwartung des Messias nicht erstorber ist. Eine uralte Hoffnung bricht auf: Er wird kommen und seinem leidenden Volk zu Hilfe eilen. Es erwachen Vorstellungen, die über zweitausend Jahre alt sind: Der Messias wird kommen als überragender Feldherr und wird als Sieger die böse Weltgeschichte wenden. Wir lesen die prophetischen Verheißungen der Ereignisse im Buch Sacharja: "Dann wird der Herr ausziehen und gegen die Völker kämpfen ... Seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der östlich gegenüber Jerusalem liegt."(Sach 14,3) - Wir lesen in diesem Zusammenhang von gewaltigen, geradezu kosmischen Begleitumständen seines Kommens: "Der Ölberg spaltete sich von der Mitte aus nach Osten und Westen, so dass ein sehr großes Tal entsteht. Die eine Hälfte des Berges weicht nach Norden, die andere nach Süden aus..."(Sach 14,4) Wir lesen auch die schrecklichen Worte: "Das wird das Strafgericht sein, das der Herr an allen Völkern vollzieht, die gegen Jerusalem zu Felde zogen: Es vermodert ihr Fleisch, während sie noch auf den Füßen stehen; ihre Augen verfaulen in ihren Höhlen, und ihre Zungen verwesen in ihrem Mund." (Sach 14,12) - Die sehnsüchtige Hoffnung der Juden zeigte sich auch jährlich am siebenten Tag des Laubhüttenfestes. Siebenmal zogen die Gläubigen um den Altar und flehten zornig: "Hosanna!" Jahwe hilf doch! Und sie schwangen grüne Büsche und Palmzweige, um dem ersehnten Messias im Voraus zu huldigen. Wir erkennen den Traum von dem triumphalen Einzug des Messias in seine Stadt Jerusalem; und den unsterblichen Traum von einer neuen, guten, glücklichen Zeit. -
2. Die neue Wirklichkeit
Angesichts dieser uralten und allerneuesten Erwartungen glauben wir Christen, dass der Messias schon gekommen ist. Wir bekennen, dass er seinen großen Einzug schon gehalten hat. Und wir feiern ihn heute freudig und dankbar als den Retter, der die Geschichte der Menschheit bereits in die Hand genommen hat und einmal endgültig zum Glück und Heil wenden wird: Unseren Herrn Jesus , den wir verehren und anbete als den "Gesalbten", als den "Christos", als den "Messias". - Der Vorgang des messianischen Einzugs wird uns im Evangelium des heutigen Palmsonntags verkündet. Klar und sicher wird gesagt: "Jesus ging nach Jerusalem hinauf." - In diesem Satz handelt es sich nicht um eine geographische Angabe oder eine Beschreibung einer harmlosen Wanderung es handelt sich um die Überschrift des siegreichen Marsches nach Jerusalem. Auf dem Ölberg, dem Ort messianischer und endzeitlicher Erwartungen, begann Jesus tatsächlich seine Machtübernahme zu planen. Zwei Sonderbeauftragte durften seinen Einzug vorbereiten. Er schickte zwei Jünger aus. Sie sollten einen "jungen Esel" holen. Das hört sich an wie ein Witz: Für die offiziellen Einzugsplaner von damals, wie au für alle Festkommittes politischer, kultureller und kirchlicher Art von heute: mit ihren Schirmherrschaften und Konferenzen, teuren Empfängen und Umzügen; und nicht zuletzt: mit ihren Truppenparaden; mit dem Aufmarsch von kampfeswilligen Soldaten und dem eindeutigen Herzeigen von todbringenden Waffen. In den letzten Wochen mussten die Menschen schreckliche Lehrstücke annehmen. - Für den Erlöser der Welt genügt ein Esel; und der ist geliehen. Schnell wird das junge Reittier mit einem Linnen gesattelt und der Menschensohn darf aufsteigen. - Diese Karikatur von Macht und Herrschaft ist dennoch die wesentliche Realität der Weltgeschichte und die Erfüllung einer alten Prophezeiung "Tochter Sion, juble laut! Siehe, dein König kommt zu dir; gerecht und heilbringend ist er, demütig reitend auf einem Esel, auf dem Füllen einer Eselin. Er beseitigt die Streitwagen aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem. Die Kriegsbogen werden vernichtet. Er gebietet den Völkern Frieden. Seine Herrschaft erstreckt sich von Meer zu Meer, vom Euphratstrom bis an die Grenzen der Erde."(Sach 9,9/10) - In einer Zeit der neuen, gefährlichen Aufrüstung und des schrecklichen Rüstungswettlaufes, ein verwirrendes Bild: Der wirklich starke Mann sitzt auf einem Esel; barfuss. In einer Zeit des bedrohlichen Rennens um die Vormachtstellung in der Welt eine faszinierende Aussage: Der gewaltlose Jesus ist wirklich der Herr der Welt. - Der Einzug Jesu, - so ganz anders, so völlig unerwartet, - ist der wirkliche Einzug des Messias in seine heilige Stadt. Auf dem Weg vom Ölberg, dem verheißenen Ort des messianischen Aufbruchs, begannen die Jünger "freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben." Sie bekannten singend: Jetzt greift er ein, der allmächtige und allgütige Gott. Jetzt kommt der Erlöser und Retter der Menschheit. Sie breiteten ihre Kleider auf der Straße aus". - "Sie rissen auf den Feldern Zweige von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg." - Die Menschen sangen, riefen und schrieen: "Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!" -
3. Der bleibende Auftrag
Der Einzug Jesu in seine Stadt Jerusalem war keine nebensächliche Episode, sondern der erwartete, ersehnte, erbetete Einzug des Messias, des Gesalbten, des Herrn. Das Ziel dieses Einzugs war nicht die militärische Machtübernahme, sondern das Werk der Erlösung durch den Tod und die Auferstehung. Aus dieser heilsgeschichtlichen Tatsache erwachsen den Glaubenden aller Zeiten unverzichtbare Aufträge. -Der erste Auftrag: Wir werden in dem geistigen Bewegungen und Verirrungen der Zeit klar und deutlich bekennen: "Du bist das Ziel der Geschichte. Du bist der Retter der Welt. Du bist der einzige Herr: Du bist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit." (Hebr 13,8) - Der zweite Auftrag: Wir haben die Ehre, den Herrn Jesus zu loben und anzubeten: "Sei gepriesen, der du kommst als Heiland der Welt. Hosanna in der Höhe!" - Der dritte Auftrag: Wir sind aufgerufen, den Herrn in unser Leben einziehen zu lassen. Wir singen immer wieder: "Komm, a mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit, den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein o Herr, sei ewig Preis und Ehr!" (GL 107, 5) -Der vierte Auftrag: Wir sind berufen und befähigt, den gewaltlosen, friedlichen und doch mächtigen Einzug des Herrn in unsere Welt mittragen zu helfen. Mitten im Irakkrieg hat unser Heiliger Vater an die programmatischen Worte erinnert, die er am Tag der Übernahme des Petrusamtes gesprochen hat: "Brüder und Schwestern! Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen! Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen! Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst!" -Der fünfte Auftrag: Wir haben die Ehre, im Dunkel der Geschichte den sicheren Sieg Christi zu verkünden und zu bezeugen. - Voll Vertrauen und Freude dürfen wir das Gebet für das Heilige Jahr 2000 bewusst sprechen. Ich darf einige Sätze anbieten:
"Sei gepriesen, Vater,Wir Menschen wollen leben; gut leben; lange leben; ewig leben. Für dieses Leben brauchen wir Nahrung: gute, gesunde, kräftige Nahrung. Wir brauchen das ,,tägliche Brot". Wir schätzen das Brot oft nicht; wir haben ja genug zu essen. Es gibt aber Millionen Menschen auf unserer guten Erde, die Hunger haben. Doch das ist nicht alles: Tausende Menschen müssen täglich irgendwo in der Welt verhungern. - Wir kennen aber noch einen anderen Hunger. Unser Herr hat dem Versucher in der Wüste erklärt: ,,Der Mensch lebt nicht nur von Brot... (Mt 4,4) Wir haben Hunger nach dem Guten, nach dem Wahren, nach dem Schönen. Wir haben Hunger nach Sinn, nach Liebe nach Glück. Wir haben Hunger nach Gott: Manchmal bewußt, meistens unbewußt. In dieser Situation aller Menschen gibt Jesus ein Zeichen. Dieses gewaltige Zeichen kann in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung nicht überschätzt werden. Die Kirche verkündet heute auf dem ganzen Erdkreis die Frohbotschaft von der wunderbaren Brotvermehrung . Der Evangelist Johannes hat die gute Nachricht für uns aufgeschrieben. (Joh 6,1-15)
1. Das Zeichen des Brotes.
Wir sehen Jesus, den göttlichen Herrn. Und wir sehen viele Menschen. Wir lesen im Evangelium:
"In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa
der auch See von Tiberias heißt.
Eine große Menschenmenge folgte ihm.
weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
Jesus stieg auf den Berg
und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder." (1 - 3)-
Wenn im Evangelium ein Berg erwähnt wird, ist das keine landschaftlich Bemerkung sondern eine theologische Aussage. Der Berg ist der neue Ort der Offenbarung Gottes, der neue Sinai. Und wenn sich Jesus dort hingesetzt hat, ist das auch keine nebensächliche Aussage, sondern ein göttlicher Hinweis: Jesus ist der neue und wahre Mose. Jesus ist der universale Lehrer der Menschheit. -
Das Zeichen Jesu wird nun vorbereitet. Grundsätzlich wird zunächst erklärt , daß er die Menschen sieht: in ihrem Hunger, in ihrer Sehnsucht, in ihrer Not, in ihrem Elend:
"Als Jesus aufblickte und sah,
daß so viele Menschen zu ihm kamen,
fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen,
damit diese Leute zu essen haben?
Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen;
denn er selbst wußte, was er tun wollte."- (5/6)
Auf diese provozierende Frage gaben zwei Jünger ihre Antwort. reagierten fassungslos und mutlos:
"Philippus antwortete ihm:
Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus,
wenn jeder von ihnen
auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
Ein anderer Jünger,
Andreas, der Bruder des Simon Petrus
sagte zu ihm:
Hier ist ein kleiner Junge,
der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische;
doch was ist das für so viele!" (7-9) -
Auf diese Eingeständnisse: Wir haben keinen Rat; wir wissen nicht weiter; wir sind hoffnungslos überfordert; begann Jesus seinen göttlichen Auftritt. Er gab eine erste Anweisung:
"Jesus sagte: Laßt die Leute sich setzen!
Es gab dort nämlich viel Gras. da setzten sie sich;
es waren etwa fünftausend Männer." (10) -
Dann handelte der Herr mit Hoheit. Er tat es nach der Liturgie des jährlichen Paschamahles. Er stellte sich den Menschen aller Zeiten vor als der sorgende und gute Hausvater der Menschheit.
"Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet
und teilte an die Leute aus, soviel sie wollten;
ebenso machte er es mit den Fischen." (11) -
Die Erfolgsmeldung klingt unwahrscheinlich. Doch die vielen Menschen, Frauen, Männer und Kinder, sie wurden alle satt. Der Herr gab anschließend eine zweite Anweisung. Sie gilt auch heute und für alle Zukunft der Kirche. Die Botschaft ist überaus kurz und dicht:
"Als die Menge satt war,
sagte er zu seinen Jüngern:
Sammelt die übriggebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt.
Sie sammelten
und füllten zwölf Körbe mit den Stücken,
die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren." (12/13) -
Den Menschen blieb nun die Sprache weg. Sie waren Zeugen eines unglaublichen Wunders. Sie deuteten den weltgeschichtlichen Vorgang grundsätzlich richtig: "Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll." (14) -
Mit der richtigen Einschätzung Jesu als den erwarteten Messias, verbanden sie aber überaus menschliche und politische Erwartungen: Das ist der Prophet den wir brauchen. Er befreit uns von Sorge und Arbeit. Er führt eine neue Zeit herauf. Er bringt uns Wohlstand, Freude und Glück. - Doch Jesus, der Herr, wußte um seine wahre Sendung. Er wußte um sein Pascha. Er wußte um seinen Tod, seine Auferstehung, seine Herrlichkeit:
"Da erkannte Jesus,
daß sie kommen würden,
um ihn in ihre Gewalt zu bringen
und zum König zu machen.
Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein." (15)
2. Die Wirklichkeit des Brotes.
Der Ruf vor dem Evangelium zielt die Botschaft an. Am heutigen Sonntag singen die Kantoren: "Halleluja. Halleluja. Ein großer Prophet trat unter uns auf: Gott nahm sich seines Volkes an. Halleluja."
Wir glauben , daß Jesus als der Prophet, uns das wahre, gute, lebendige Wort sagt. Wir glauben, daß der Herr uns Sinn, Hoffnung, Heil schenkt. Er lädt uns ein zum reich gedeckten ,,Tisch des Wortes". Unser Herr Jesus Christus hat das Ansinnen des Versuchers, Steine in Brot zu verwandeln, energisch zurückgewiesen. Seine Erklärung ist überzeitlich: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt." (Mt 4,4) - Das Wort Gottes wird gegenwärtig demontiert. In einem deutschen Magazin konnte man lesen: ,,Jesu frühe Anhänger heben ihren am Kreuz getöteten Meister mit aller Fantasie des Morgenlandes in den Himmel. Per Mundpropaganda zunächst. Was dann Jahrzehnte später an Erinnertem und Ersonnenem auf eine der damals gebräuchlichen Buchrollen paßt, wird aufgeschrieben und zur Quelle der heutigen Evangelien. So bekommt Jesus, gestutzt und geschminkt, seine gewohnten Konturen und wird endgültig zum Christus." (Stern, Weihnachtsnummer 2002) Das Ergebnis: Im Alten Testament sind uralte Fabeln niedergeschrieben und im Neuen Testament stehen ,,Märchen und Legenden". - Wir müssen auch die gezielten Verfälschungen der biblischen Botschaft in esoterische Aussagen klar durchschauen. Diese Versuche werden pünktlich zu den hohen christlichen Feiertagen in verschiedenen Blättern angeboten. - Im Innenbereich der Gemeinden ist die Neigung zur Apogryphie durchaus zu erkennen. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz hat es so ausgedrückt: "Bei manchen Kirchgängern hat sich der Ankerpunkt von den Zentralaussagen zu den Randphänomenen verlagert." (P. Hans Langendörfer SJ.) Eine fromme Frau hat mich nach einer Predigt angesprochen: "Sie sprechen immer über das Evangelium. Das kennen wir doch schon.. Wir brauchen etwas ganz anderes ..." Auf meine Nachfrage habe ich erfahren dürfen: "Ja , wir brauchen neue Offenbarungen ... Was der liebe Heiland von der Handkommunion hält... Was die Muttergottes über die Neue Messe sagt... Was wir für die drei finsteren Tage an Lebensmitteln aus Altötting in den Wohnungen haben sollen... Von all den Dingen sagen Sie nichts." - Nun, diese unbewiesenen sogenannten Privatoffenbarungen gehören nicht in die Verkündigung der Kirche. Sie sind nicht das ,,Brot des Wortes", von dem wir leben können; sie sind höchstens Vogelfutter. - In dem Dokument unseres Heiligen Vaters , "Novo Millennio ineunte", in dem er Impulse und Leitlinien der Kirche auf dem Erdkreis übergibt, lesen wir wichtige Hinweise: ,,Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung ,Diener des Wortes zu sein': Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends... Unzähligemale habe ich in diesen Jahren den Aufruf zur Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, daß es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, daß wir uns von dem Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen lassen."(40) - Es werden uns zwei wesentliche Mahnungen übergeben. Die erste Mahnung: Laßt euch nähren durch das Wort des lebendigen Gottes! Ihr könnt nicht leben von harmlosen Geschichten schönen Stories, unbewiesenen Visionen und Erscheinungen. - Mit der Kirche dürfen wir beten:
"Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen ..."
(Tagesgebet am 2 Fastensonntag) -
Die zweite Mahnung: Gebt des Wort Gottes weiter durch Verkündigung und Zeugnis! - Am Vortag seines plötzlichen Todes hat Papst Johannes Paul 1. ein programmatisches Wort gesprochen: ,,Zu den größten Rechten der Menschen gehört das Recht: Gottes Wort ungeteilt und rein mit all seinen Forderungen zu empfangen. Die große Forderung der Zeit ist die volle Evangelisation... - Die Kirche lehrt uns zu beten:
"Gott, du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns, Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden,
und deine Zeugen zu werden mit unserem ganzen Leben."
(Tagesgebete zur Auswahl, 7) -
Jesus der Herr, bietet uns als Speise für das Leben: Das Brot der Eucharistie . - In der Enzyklika ,,Ecclesia de Eucharistia", hat unser Heiliger Vater am Gründonnerstag 2003 der Weltkirche wichtige Klärungen und Anweisungen übergeben: ,,Die Eucharistie ist ein wahres Mahl, in dem sich Christus als Nahrung darbietet. Als Jesus zum ersten Mal diese Speise verkündet hat, blieben die Zuhörer erstaunt und verwirrt, so daß sich der Meister gezwungen sah, die objektive Wahrheit seiner Worte zu unterstreichen: ,Amen, Amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch." (Joh 6,53) Es handelt sich nicht um eine metaphorische Nahrung: Mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank." (Joh 6,55) (17) - Im 3. Hochgebet spricht der Priester: ,,Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus." -
Die Eucharistie ist das Brot für das bleibende, unzerstörbare ewige Leben. Papst Johannes Paul II. erklärt in seiner jüngsten Enzyklika: ,,Wer sich von Christus in der Eucharistie nährt, muß nicht das Jenseits erwarten, um das ewige Heil zu erlangen: Er besitzt es schon auf Erden, als Erstlingsgabe der künftigen Fülle... In der Eucharistie empfangen wir tatsäch1ich die Garantie der leiblichen Auferstehung. Der Herr gibt uns das Versprechen: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag." (Joh 6,54) - Aus diesem Glauben hat er die Kirche auf dem Erdkreis unmißverständlich aufgefordert: ,,Der größte Einsatz muß daher für die Feier der Eucharistie aufgewandt werden, die der Höhepunkt ist, dem das ganze Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt." (Novo Millennio ineunte 35) Mit dem heiligen Thomas von Aquin, dem vortrefflichen Theologen und leidenschaftlichen Poeten des eucharistischen Christus, dürfen wir singen:
"Guter Hirt, Du wahre Speise,Zu Dir, o Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, auf Dich vertraue ich. Lass mich nicht scheitern, Lass meine Feinde nicht triumphieren! Denn niemand, der auf Dich hofft,' wird zuschanden." (Ps 25,1-3) -
Mit diesen Worten aus einem unsterblichen Lied des Volkes Israel beginnen wir einen neuen Advent. Sie sollen unser gemeinsames und persönliches Morgengebet sein am Anfang eines neuen Herrenjahres. - Advent bedeutet: Ankunft. Wir wissen um die Ankunft des ersehnten Messias im Stall zu Betlehem. Dieses weltgeschichtliche Ereignis feiern wir mit vielen Menschen zu Weihnachten.
Advent bedeutet: Ankunft. Wir sind eingeladen, mit Verstand und Herz die neue Ankunft des Herrn Jesus zu erwarten. Von ihm bekennen alle Getauften: "Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird kommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein." (Credo) -Die Kirche lässt uns heute einige Sätze aus der großen, endzeitlichen Rede Jesu ausrichten. Der Herr hat sie gesprochen im Hohen Tempel in Jerusalem:
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Tosen und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so, wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt." (Lk 21, 25-28.34-36) -
1. Der Herr sagt seine machtvolle Wiederkunft an.
Es gibt viele Menschen die Jesus schätzen. Es gibt viele Christen, die zu ihm rufen und beten. Es gibt viele Gläubige, die ihn herzlich lieben. Es gibt allerdings auch viele Menschen und Christen, die behaupten: Jesus war gut; aber er ist gescheitert; er ist unter die Räder gekommen; er ist schon lange tot, unwiederbringlich tot; er kommt nicht wieder. - Unmittelbar vor seiner schändlichen Hinrichtung am Kreuz, hat Jesus eindeutig seine machtvolle Wiederkunft angesagt Er war wieder einmal im Hohen Tempel zu Jerusalem. Mit dem Tempel haben die Juden völkische und politische Hoffnungen verbunden. Sie glaubten fest: Hier wird der Gesalbte ankommen. Hier wird der Messias die verhassten Römer unterwerfen. Hier wird der Christus die Macht ergreifen und seinen Thron errichten. Hier wird der Retter sein Volk in eine gute, reiche und glückliche Zukunft führen. Und sie beteten ungeduldig und zornig: .Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!" - Der Tempel war ein Prachtbau mit hohen Mauern und riesigen Innenhöfen. Das Areal war größer als der Petersplatz in Rom. Zweihunderttausend Menschen konnten dort beten, singen, hören, reden, feiern. Im Tempel waren die großen Opferaltäre. Im Tempel stand das stolze Staatssymbol der Juden: Der riesige Weinstock; sechzehn Meter hoch; er war über und über vergoldet. Im Tempel war das Allerheiligste; ein geheimnisvoller, hoher, dunkler Raum mit der Bundeslade und des Gesetzestafeln. - Mit einem fachmännischen Blick für handwerkliche und künstlerische Leistung sagten die Jünger zu Jesus: Schau her, was für "riesige Steine!" (Lk 21,5) Welche "gewaltigen Bauten!" (Mt 24,1) "Was für wunderbare Weihegeschenke! " (Lk 21,5) In selbstverständlicher Erwartung der braven Juden meinten sie auch: Das ist doch dein Platz als Messias! Gleichzeitig dachten sie auch: Das ist doch auch unser Platz, demnächst; nach deiner Machtübernahme. Und sie waren stolz auf ihren Tempel. - Und Jesus sagte zu ihnen: "Seht ihr das alles? Amen, ich sage euch: Kein Stein wird auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden." (Mt 24,2 - Lk 21,6) Das war ein Schock für die Jünger. Das war doch unmöglich. Das war verrückt. Der Tempel ist doch "Schemel Gottes, des Hochgelobten". Der Tempel ist doch der Regierungssitz des Messias. Der Tempel ist ein ewiges Werk. Eine Zerstörung des Tempels wäre das Ende: Das Ende des Messias; das Ende des Volkes Israel; das Ende der Welt. - Und Jesus gab den Jüngern von damals und heute einen grundsätzlichen Unterricht, eine Katechese höchsten Ranges. In einem riesigen Bogen in die Zukunft verkündete er die wirkliche Ankunft des Messias: als Richter, als Retter, als Herr. "Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen."(27)- Die Menschen werden also einen sehen: "Den Menschensohn." Nicht mehr als Kind in der Krippe; nicht mehr als Prediger unterwegs, nicht mehr als Heiland der Kranken. Sie werden ihn sehen: Nicht mehr als Angsterfüllten; nicht mehr als Gefolterten, nicht mehr als Gekreuzigten. Sie werden sehen den Auferstandenen, den Erhöhten, den Herrn "mit großer Macht und Herrlichkeit". Und wenn Jesus erklärt hat: Er wird kommen "auf einer Wolke" (27), ist das keine nebensächliche Bemerkung, sondern eine hohe theologische Aussage. Auf dem Wüstenzug der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des großen Mose, war die Wolke Zeichen der Gegenwart Gottes. Auf dem Berg Tabor erschien eine "leuchtende Wolke". (Mt 17,5) Das bedeutet: Wenn der Herr wiederkommt wird Gott gegenwärtig mit seiner Allmacht, mit seiner Allweisheit, mit seiner Allgüte. Die Zerstörung des Hohen Tempels und der Heiligen Stadt bedeutet kein Ende der Welt. Die Kreuzigung Christi bedeutet kein Scheitern der messianischen Hoffnung. Es handelt sich um Stationen auf dem Weg zur endgültigen Ankunft des Herrn. Wir dürfen bei jeder Eucharistiefeier singen: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit." - Für sein endgültiges Kommen hat Jesus Zeichen angesagt: "Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein.. Die Menschen werden vor Angst vergehen.. denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden."(25/26) - Jesus hat nicht von einem Weltuntergang gesprochen, sondern von kosmischen Erschütterungen. - Dieser großartigen Vision stehen heute endzeitliche Ängste vieler Menschen entgegen. Der Terror, die Kriege, die Massaker bereiten ernste Sorgen. Die atomare Verstrahlung, die biologische Verseuchung und die chemische Vergiftung schüren starke Ängste. Im Bereich der Sekten und mancher esoterischer Gruppen werden Welt Untergangsängste geschürt Am Rand mancher christlicher Gemeinden werden von frommen Leuten die "drei finsteren Tage" propagiert. Die endzeitliche Hoffnung wird an "schwarze Kerzen" und teure Lebensmittelpakete gebunden. Auch in Altötting müssen wir solche Angebote erkennen. Sie haben mit dem Wort Gottes und seiner Kirche nichts zu tun. Das Untergangszenario wird auch in Heftelchen und Zettelchen belegt. Manche Zeitgenossen sparen nicht mit unüberprüfbaren Aussagen von Müllhiasl und Irlmaier, Lorber und Nostradamus. Manche N erantwortungslose Zeitgenossen legen der heiligen Hildegard oder dem heiligen Pio Sätze in den Mund, die sie nie gesprochen haben. Manche selbsternannte Propheten scheuen auch nicht zurück, der Mutter unseres Herrn Drohworte in den Mund zu legen. Dieser unappetitliche Eintopf sogenannter Prophezeiungen hat nichts zu tun mit der Frohbotschaft Jesu. - Als glaubende dürfen wir voll Vertrauen zu Gott, dem Vater beten: "Komm uns zu Hilfe mit Deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten."
2. Der Herr fordert uns auf bereit zu sein.
Wenn der Herr wiederkommt, wird er von uns Rechenschaft verlangen: Wir müssen "vor ihn hintreten". - Vor einigen Wochen erzählte mir eine Schülerin von der neuen Freundin ihres Herrn Papa; von Trennung und Scheidung. Plötzlich sinnierte sie: "Wie schafft er das nur? Er muss doch einmal - dem da oben - Rede und Antwort stehen ... " Ich war erstaunt über den sittlichen Ernst dieses jungen Mädchens. Wir sind also aufgerufen, verantwortlich vor Gott und den Menschen zu leben. Wir haben kein Recht, uns die Maßstäbe selber nach Geschmack und Lust zusammenzubasteln. Es geht um kein Leben zu herabgesetzten Preisen. Es geht um kein "Christentum light". Es geht auch nicht um die praktische Trennung von Dienst und Freizeit. Ein sehr bekannter Mann mit Erfolgen im Leben und einem heillosen Durcheinander in Ehe und Familie hat vor ein paar Tagen erklärt: "Ich tue meine Pflicht in der Gesellschaft. Ich freue mich über die hohe Anerkennung. Mein Privatleben geht niemand etwas an ..." Der Weltenrichter wird diese kluge Differenzierung nicht zulassen. - In der Erwartung des Herrn ergehen an uns Hinweise, Mahnungen, Ermunterungen. Wir müssen sie uns vertrauensvoll zu Herzen nehmen. -
Die erste Ermunterung: "Richtet euch auf" (28) Eine leidgeprüfte Frau klagte einmal: "Ich kann nicht mehr Meine Verwandten haben mich niedergemacht; jetzt liege ich am Boden Wir wissen um Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Der Herr ruft uns allen zu: "Richtet euch auf!" Und er gibt eine große Begründung: ". . denn eure Erlösung ist nahe." (28) -
Die zweite Ermunterung: "Erhebt eure Häupter!" (28) Wenn Menschen den Kopf hängen lassen, sind sie traurig oder angsterfüllt. Sie wissen nicht weiter und erkennen keinen Sinn in ihrem Leben. Der Herr spricht allen freundlich und herzhaft zu: Kopf hoch! Hier ist ein Weg. Hier liegt ein tiefer Sinn. Ich bringe euch Leben, Glück und Heil. -
Die dritte Ermunterung: "Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit.. euch nicht verwirren!" 834) - Ein Penner redete mich einmal an: "Pater, kannst du mir nicht ein Bier stiften?" - Mit Rücksicht auf seine eindeutige Alkoholfahne sagte ich: "Ich stifte dir eine Pizza.", Durchaus philosophisch konterte er: "Ach weißt du, mit einer Pizza kann ich nicht vergessen . Viele Menschen suchen Trost oder wollen ganz einfach vergessen. Wir wissen um die Alkoholprobleme und die Drogengefahr. Diese Sorgenbrecher können das Leben eines guten Menschen zerstören und ganzeFainilienerledigenbiszum"Esgehtnichtraehr."Jesussagtsehrkonkret: "Nehmt euch in acht!" -
Die vierte Ermunterung: "Nehmt euch in acht.. dass die Sorgen des Alltags euch nicht -verwirren!" (34) -Wir alle haben Sorgen. Wi ralle haben Sorgen. Wir müssen uns sogar Sorgenmachen: Um die Gesundheit; um eine Arbeit; um einen Studienplatz-, um eine Lehrstelle; um den Bestand einer Ehe; um die Kinder; um die Kirche; um die Menschheit. Das Vertrauen zu Gott muss allerdings ein klein wenig größer sein als die Summe der Sorgen. - Freilich gibt es auch dumme und böse Sorgen. Einjunger Mensch erzählte mir einmal von seinen Sorgen. Ich sagte ihm, er solle doch einmal mit seinen Eltern reden. Er lehnte heftig ab: Die haben jetzt andere Sorgen; außerdem sind sie bescheuert. . . " Ich musste protestieren: "Komm, bitte, auf den Teppich! Deine Mutter ist anerkannt in der Pädagogik; dein Vater gehört zu den Spitzenmännern in der Politik." - Der Bursche ließ den Kopf hängen und erklärte: "Vater hat ne Freundin; Mutter hat nen Freund; ich bin flüssiger wie Wasser.. . " Dann machte er eine Handbewegung an seiner Stimme und stellte resigniert fest: "Die sind jetzt beide bala ... bala." Soweit das Urteil im Originalton. Dieser "Balabalazustand" heißt biblisch: Verwirrung. Diese Verwirrung kann ausgelöst werden durch ungezügelte Gefühle oder blanken Sex. Diese Verwirrung kann ausbrechen bei Geldgier. Im Volksmund bezeichnet man solche Leute treffend als "geldnarrisch". Die Verwirrung ist zu beobachten bei Menschen, die plötzlich "machtbesessen" sind. Menschen in moralischer Verwirrung fühlen sich regelmäßig im Recht und: sind für gute Worte meistens taub.
Die Kirche ist nicht weltfremd, wenn sie uns in jeder Heiligen Messe beten lässt: "Erlöse uns Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit Deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten." -
Die fünfte Ermunterung: "Wacht und betet allezeit! " - Das heißt: Lebt nicht verschlafen, abwesend, betäubt! Erkennt die Zeichen der Zeit und handelt richtig! Führt euer Leben bewusst und hellwach! - Erkennt die Zeichen der Zeit! Und bleibt in ständiger Gemeinschaft betend und flehend mit Gott! - Der Selige Rupert Mayer hat den Ungeist des Nationalsozialismus erkannt. Nach seiner Festnahme und Vernehmung gab er den Herrn von der Geheimen Staatspolizei in München bekannt: "Ich erkläre, dass ich im Falle meiner Freilassung trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes nach wie vor, sowohl in den Kirchen Münchens als auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus -predigen werde." Die Heilige Edith Stein hat am Geburtstag des Führers 1933 einen glasklaren Brief an den Papst geschrieben. Mit ihrer Einschätzung der nationalsozialistischen Ideologie war sie eine Prophetin der ersten Stunde. Im August 1942 wurde sie mit fast eintausend jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert. Sie wusste genau um die Zukunft: Vergasung und Verfeuerung. Die Menschen im Transport brüteten in dumpfer Verzweiflung vor sich hin. Viele waren dem Wahnsinn nahe. Die Heilige redete ihnen gut ZU Lind betete mit ihnen. Die Professorin mit den zwei linken Händen, nahm sich in dem Jammer und Elend der Kinder an: Sie wusch und kämmte sie; sie fütterte sie und legte sie trocken; sie spielte mit ihnen, um sie von der Todesangst abzulenken. Heute verehren wir die gottverbundene, wache Frau als Mitpatronin Europas. -
Am Ersten Adventsonntag fassen wir mit vielen Gläubigen auf dem Erdkreis unsere christliche Bereitung betend zusammen: "Herr, unser Gott! Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit." - In der sicheren Erwartung seiner machtvollen Wiederkunft dürfen wir beten, rufen und singen: .,Benedictus qui venit in nomine Domini! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!"
"Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus"
Ein anerkannter Herr erklärte mir neulich: "Ich will persönlich ein Christ sein. Ja! Aber für die Kirche sehe ich schwarz. Ihr Angebot ist wenig gefragt. Sie hat wohl keine Zukunft..." - Ich antwortete ihm: "Ich danke ihnen für ihr persönliches Bekenntnis. Allerdings darf ich ihnen auch freundlich widersprechen: Die Kirche hat einen unverzichtbaren Auftrag. Sie muss das Evangelium den Menschen aller Rassen, Kulturen, Zivilisationen und Religionen anbieten: Damit sie zur Hoffnung kommen und das endgültige Heil finden. Und die Kirche hat Zukunft: trotz ... trotz ... trotz..." - Für diese Zukunft hat unser alter, kranker Papst der Weltkirche ein Programm übergeben: Ein Apostolisches Schreiben mit dem Titel "Novo Millennio ineunte." Ohne Zeichen von Schwäche und Resignation stellt er fest: "Zu Beginn des Neuen Jahrtausends ... eröffnet sich für die Kirche ein neuer Wegabschnitt. In unserem Herzen hallen die Worte wieder, mit denen einst Jesus, nachdem er vom Boot des Simon aus zur Volksmenge gesprochen hatte, den Apostel aufforderte, zum Fischen auf den See hinauszufahren: Duc in altum! Petrus und die ersten Gefährten vertrauten dem Wort Christi und warfen ihre Netze aus. Das taten sie und fingen eine große Menge Fische. Duc in altum! Dieses Wort erklingt heute für uns und lädt uns ein, dankbar der Vergangenheit zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und uns vertrauensvoll der Zukunft zu öffnen: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit." - Unser Heiliger Vater bietet einen starken, biblischen Impuls an. Die Frohe Botschaft wird auf dem ganzen Erdkreis verkündet:
In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees von Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie und fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach." (Lk 5,1 - 11)
Das Zeichen Jesu.
Jesus setzt ein starkes Zeichen, ein leuchtendes Signal. Wir sollen seine Bedeutung erahnen und verstehen. Wir sollen zu einer guten Hoffnung kommen und zu einem Tun im gläubigen Gehorsam. - Jesus war am See Gennesaret. Viele Menschen waren gekommen. Sie drängten sich um ihn. Sie hatten eine große Erwartung: Sie wollten das Wort Gottes hören: Das gute, klare, erleuchtende, erfüllende, göttliche Wort. - Nun begann Jesus sein immer gültiges Zeichen: "Da sah, er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze." Die letzte Bemerkung soll besagen: Es war keine Stunde für einen Fischfang, sondern eine Zeit für Nacharbeit und Vorbereitung. - Jesus stieg nun "in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren." Wenn im Evangelium von einem "Boot" oder "Schiff" die Rede ist, dürfen wir einen Hinweis auf die Kirche erkennen. Wir sprechen vom "Kirchenschiff" Wir reden vom "Schifflein Petri". Wir kennen auch das alte Lied: "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit ..." Von Jesus wird nun berichtet: "Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus." Jede Aussage ist eine theologische Botschaft: Jesus setzte sich, wie der große Mose. Er lehrte: Er ist der wahre Lehrer der Menschheit. Und wenn es heißt: "Er lehrte das Volk vom Boot aus", ist das kein harmloser Hinweis auf eine interessante Kanzel. Es geht um die grundsätzliche Aussage: Die Botschaft Jesu kommt aus dem Bereich der menschlichen, sündigen, heiligen Kirche.- Über den Inhalt der Lehre Jesu am See Gennesaret wird uns nichts überliefert. Jesus begann sein göttliches Zeichen mit einem merkwürdigen, unverständlichen Befehl: "Als er seine Lehre beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!" Petrus war Fachmann in seinem Beruf. Er wusste genau, dass zu dieser Stunde kein Fischfang möglich ist. Was würden die anderen Fischer über ihn sagen? Petrus wagte auf den Befehl Jesu einen vernünftigen Einwand: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen..." Doch dann stellte er seine Erfahrung, sein Wissen und Können restlos zurück und bekannte: "Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen." Das bedeutet: Petrus war bereit, in der Ungunst der Stunde, das Unmögliche, das Verrückte zu tun. Er war bereit, dem Wort das Herrn bedingungslos zu gehorchen. - Die Vollzugsmeldung ist überaus kurz: "Das taten sie." Doch dann kam die riesige Überraschung: Zur Unzeit, im blanken Gehorsam auf das unverständliche Wort des Herrn: "Fingen sie eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten." Sie mussten ihren Gefährten zuwinken:" Sie sollten kommen und ihnen helfen." - Die Erfolgsmeldung ist kurz und bündig: "Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen." - Mit dem überreichen Fischfang zur Unzeit wollte Jesus keineswegs dem Petrus und seinen Mitarbeitern einige üppige Mahlzeiten oder zusätzliche Goldstücke verschaffen. Jesus gab ein Zeichen für die Kirche aller Zeiten. - Auf den unerwarteten Fischfang reagierte Petrus: "Er fiel Jesus zu Füßen und sagte: "Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder." Die Botschaft des Geschehens konnten Simon und die anderen Jünger nur schwach erahnen. Es ergriff sie Staunen. Und es packte sie ein großer Schrecken: Sie erkannten den göttlichen Eingriff Jesu. Der Gottessohn gab nun eine Deutung. Er sprach ein unsterbliches Herrenwort: "Da sagte Jesus zu Simon Petrus: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen." - Es geht also um den Menschen: den suchenden, den angefochtenen, den bedrängten, den guten, den bösen, den heiligen Menschen. Er soll gerettet werden für ein erfülltes Leben in Freude, Glück und Seligkeit. Der ganzen Kirche und allen Gläubigen wird die Heilssorge um den Menschen übertragen. -
Vor einiger Zeit musste ich mich an einen Herrn in politischer Verantwortung wenden. Ich wollte Fürsprache einlegen für eine christliche Asylantenfamilie. Der hohe Herr gab mir einen interessanten Bescheid: "Ich bin gut katholisch. Ich gehe regelmäßig in meine Kirche. Jedes Jahr marschiere ich einmal nach Altötting. Aber für die Zigeuner tue ich nichts. Merken sie sich: Es geht um die Sache ... um die Sache ... um die Sache!" Im gleichen Ton erklärte ich ihm: "Sie haben nicht recht. Und ihre Wallfahrten nach Altötting dürfen sie streichen. Merken sie sich: Es geht um den Menschen ... um den Menschen ... um den Menschen!" - Er reagierte verständnislos: "Ja, du lieber Gott! Wo kämen wir denn da hin!" - Die Jünger am See hatten die Lehre Jesu verstanden. Sie zogen Folgerungen für ihr ganzes Leben: Erstens: "Sie zogen die Boote an Land..." Der reiche Fischfang war abgeschlossen.- Zweitens: "Sie ließen alles zurück..." Petrus gab seine Fischereifirma sofort auf. Die jungen Brüder Jakobus und Johannes ließen sich ebenfalls umschulen.- Drittens: "Und sie folgten Jesus nach." Das heißt: Sie übernahmen seine Lebensform und sein Lebensschicksal. Und sie waren bereit für die neue Aufgabe und Sendung: Zum Wohl und Heil der Menschen. -
Der Auftrag Jesu.
Eine brave und fromme Frau erklärte mir neulich mit Nachdruck: "Wir leben in der Endzeit. Die schlechte Welt steht vor dem Untergang." Für ihre Behauptung nannte sie mir eine Reihe von vermeintlichen Propheten: Müllhiasl, Irlmaier, Lorber und Nostradamus. Sie zitierte auch eine ganze Reihe von unbewiesenen Warnungen der lieben Mutter unseres Herrn. Auf meinen freundlichen Hinweis, dass die Kirche diese sogenannten Privatoffenbarungen nicht bestätigt habe, wurde sie aggressiv wegen meines Unglaubens. Ich sagte ihr auch: "Nicht einmal der Heilige Vater in Rom denkt an einen Untergang. Er hat der ganzen Christenheit ein Programm für das dritte, christliche Jahrtausend übergeben in dem Apostolischen Schreiben ‚Novo Millennio ineunte' ( 06.01.2001). Und er hat einen kräftigen Aufruf an die Kirche in Europa gerichtet mit der Überschrift: ‚Ecclesia in Europa'". Die Frau reagierte reichlich überlegen: "Der Papst muss ja so reden. Der wird ja von den freimaurerischen Kardinälen gezwungen ... " Auf meinen Einwand: "Der Papst lässt sich nicht zwingen...",sagte sie mir ins Gesicht: "Sie sind ein ganz ungläubiger Pater!" - Nun, der Heilige Vater hat uns allen Jugendlich zugesprochen: "Duc in altum! Gehen wir voll Hoffnung voran! Ein neues Jahrtausend liegt vor der Kirche wie ein weiter Ozean, auf den es hinauszufahren gilt. Dabei zählen wir auf die Hilfe Jesu Christi. Der Sohn Gottes, der aus Liebe zum Menschen vor zweitausend Jahren Mensch wurde, vollbringt auch heute sein Werk. Wir brauchen aufmerksame Augen, um es zu sehen, und vor allem ein großes Herz, um selber seine Werkzeuge zu werden." Das starke Impulsevangelium "Duc in altum!" übergibt der ganzen Kirche und allen Gläubigen persönlich klare Forderungen:
Die erste Forderung: Wir sind gerufen, an die Gegenwart unseres Herrn in seiner Kirche zu glauben. In den Schwierigkeiten und Katastrophen der Geschichte dürfen wir auf seine Macht und auf seinen sicheren Sieg vertrauen.
Die zweite Forderung: Wir sind gerufen, entschieden und dankbar das Wort des Herrn anzunehmen. Der Heilige Vater zögert nicht, die Christen auf dem Erdball zu ermuntern: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirchen am Beginn des neuen Jahrtausends."(NMI 40)
Die dritte Forderung: Wir alle sollen wissen: Wir sind nicht nur Religionsanhänger, keine harmlosen Kirchenmitglieder, die einen religiösen Service annehmen, oder etwas für ihr angeschlagenes Gemüt haben wollen. Wir Christen müssen sein: Glaubende und Mitarbeiter. Es muss uns um den Menschen gehen: Um sein Wohl, um seine Erfüllung, um sein ewiges Heil in Gott. -
Die vierte Forderung: Im Gehorsam auf das Wort Christi sollen wir mithelfen, "die Netze auszuwerfen". Wir sollen nicht den vermeintlich guten, alten Zeiten nachtrauern oder über die "böse Welt" schimpfen. Wir sollen "leidenschaftlich die Gegenwart leben und uns vertrauensvoll der Zukunft öffnen."(NMI 1) - In dem Apostolischen Schreiben "Kirche in Europa" mahnt uns der Papst: "Kirche in Europa, die Neuevangelisierung ist die Aufgabe, die auf dich wartet! Sieh zu, die Begeisterung für die Verkündigung wieder zu entdecken! Fühle dich jetzt, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch die flehentliche Bitte angesprochen, die bereits in den Anfängen des ersten Jahrtausends erklungen ist, als dem Paulus in einer Vision ein Mazedonier erschienen ist und ihn bat: "Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!" (Apg 16,9) - Die Verkündigung Jesu, die das Evangelium der Hoffnung ist, möge also dein Ruhm und deine Daseinsberechtigung sein!" (EIE 45) -
Die fünfte Forderung: Wir sind gerufen in der Ungunst der Zeit unserer Kirche Wachstum und Zukunft zuzutrauen. In Zeiten der Kriege, des Terrors, der Bedrängnis, der Verfolgung, dürfen wir auf die Kraft des Wortes Christi bauen. In den Zeiten der Ablehnung des Wortes Christi, der Gleichgültigkeit und der Gottvergessenheit vieler Menschen, sind wir aufgerufen: "Duc in altum! Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zu Fang aus!" - Wir sollen wissen: Die Menschheit ist überreif für die Neuevangelisierung. Die Kirche hat eine unverzichtbare Aufgabe. Die Kirche Jesu hat Zukunft. -
Ein lebendiges Zeugnis darf das heutige Evangelium noch einmal beleuchten. Im Jahr 1950 kam der junge Priester und Doktor der Theologie , Oto Madr, aus Rom nach Prag zurück. Er wollte anfangen, seelsorglich und wissenschaftlich zu arbeiten. Doch dann brach die Verfolgung der Christen aus. Der kommunistische Staat plante die "Liquidierung der Kirche". Der Priester musste schnell untertauchen. In dem Gartenhäuschen eines Ordenskrankenhauses hielt er sich versteckt. Im Jahr 1951 kam er 18 Monate in Untersuchungshaft. Dann wurde er "wegen Spionage und Hochverrat" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dann durfte er als Hilfspfleger und Lagerist arbeiten. - Aus seinem Versteck im Gartenhäuschen hat er den bedrängten, verfolgten und verängstigten Christen einen Brief geschickt. Dieser Brief wurde im Untergrund der Kirche vieltausendmal abgeschrieben und weitergegeben als Botschaft der Hoffnung. Einige Sätze sind ein konkreter Kommentar zu dem Evangelium "Duc in altum!": "Kopf hoch, Brüder und Schwestern! Die Zeit ist nicht besonders angenehm für Christen, aber für Christen von Format ist sie groß und herrlich ... Christus hat der Kirche geboten, sein Evangelium der ganzen Welt zu verkünden...Gott hat die Welt den Tapferen gegeben und wir wollen Gott der Welt geben. Seid tapfer, stellt euch dem Herrn zur Verfügung. Dem Herrn, der jetzt seine Pläne erfüllt durch die Feinde und durch euch. Unsere Hoffnungen sind keine politischen. Unsere Hoffnung ist der Herr. Er ist unsere Kraft und unser Sieg. Kopf hoch, Brüder und Schwestern! Und erhebt eure Herzen! Der Herr ist mit euch" -
Wir aber dürfen beten:
"Heiliger Geist, lass die Menschheit in Jesus von Nazaret
den Herrn der Herrlichkeit, den Retter der Welt,
die Vollendung der Geschichte erkennen.
Lehre die Kirche kraft deiner heiligen Gaben,
mutig die Schwelle des Jahrtausends zu überschreiten,
um den kommenden Generationen
das Licht des rettenden Wortes zu bringen.
Komm, Geist der Liebe und des Friedens!" -
(Aus einem Gebet zur Vorbereitung
auf das Heilige Jahr 2000)
"Mir nach", spricht Christus unser Held, "mir nach, ihr Christen alle!" - Wir kennen dieses Lied von Angelus Silesius. Er lebte in einer aufgeregten und aufgewühlten Zeit. Vor genau 35o Jahren schloss sich der evangelische Christ bewusst und entschieden der katholischen Kirche an. Er ließ sich zum Priester weihen. In Görlitz lernte er die Minderen Brüder kennen und schloss sich dem Dritten Orden des Hl. Franziskus an. Sein Grab ist in Breslau. In den Wirren der Zeit erkannte Angelus klar und deutlich: Glaube ist nicht nur eine belanglose Zugehörigkeit zu einer Kirche. Glaube ist nicht nur eine oberflächliche Annahme von Dogmen. Glaube ist nicht nur eine angenehme Übernahme frommer Formen. Glaube ist Annahme des Wortes Jesu und die immer neue Entscheidung, Christus auf seinem Weg zu folgen. Die Worte des Evangeliums sind erschreckend. Sie sind aber eine starke Einladung an jeden Glaubenden und die gesamte Kirche, den Weg Jesu - ohne Wenn und Aber - mitzugehen. Der heilige Lukas. hat die Worte der Frohen Botschaft niedergeschrieben:
"Als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss er sich, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Als sie weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von"meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." - Lk 9,51-621. Die erwartete Nachfolge des Messias
Wir lesen im Evangelium den fundamentalen Satz: "Als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss er sich, nach Jerusalem zu gehen."(51) - Die ungeduldigen Jünger waren voll Freude: Endlich ist es soweit! Sie wussten aus ihren heiligen Traditionen: Der Messias wird kommen. Er wird irgendwo im Land auftauchen. Er wird kampfeswillige Männer um sich sammeln. Er wird den spektakulären Marsch auf Jerusalem antreten. Er wird unterwegs - so nebenbei - das verhasste Samaria zerstören und die Samariter unterwerfen. Dann wird er auf dem Ölberg Heerschau halten und den Befehl zum Sturm auf Jerusalem brüllen. Dann wird er die römischen Unterdrücker besiegen und unterwerfen. Dann wird er sich zum Beweis seiner messianischen Sendung von der Tempelzinne stürzen und die Engel werden ihn auffangen. Dann wird er unter dem Jubel des ganzen Volkes in den Tempel geführt werden. Die Ältesten, Hohenpriester und Schriftgelehrten werden ihm alle Macht übertragen. Dann wird er für sein Volk eine herrliche Zukunft einleiten. Und dann wird er - wie könnte es anders sein? - die Freunde der ersten Stunde mit hohen Posten und viel, viel Geld belohnen. Auf diesem politischen und militärischen Weg wollten die Jünger dem Messias gern nachfolgen. Ein Zwischenfall beleuchtet ihre welthafte und eitle Erwartung: "Sie kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war."(52/53) Zwei Jünger Jesu, Jakobus und Johannes, sahen die Stunde gekommen: Jetzt wird zugeschlagen! Jetzt wird gekämpft! Die beiden jungen Heißsporne wandten sich an Jesus: "Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?"(54) Die Reaktion Jesus war für sie sicher überraschend: "Da wandte er sich um und wies sie zurecht."(55) Im griechischen Urtext heißt es schärfer: Er fuhr sie an. Er schimpfte sie. Der Weg des Herrn nach Jerusalem ist ganz anders. Und seine Nachfolge ist ebenfalls ganz anders. -
2. Die wirkliche Nachfolge des Herrn
Der Weg Jesu nach Jerusalem war völlig anders. Es war kein Marsch zur politischen Machtergreifung. Es war der Weg zum Kreuz. Es war aber ein Weg zum Heil für die Welt. Unmittelbar vor den Forderungen, die uns heute übergeben werden, hat Jesus seinen Weg verkündet und die Jünger aller Zeiten eingeladen: "Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden, er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Lk 9,22/23) -
Auf dem Weg der Nachfolge müssen die Jünger mit Belastungen, Schwierigkeiten und Leiden sehr nüchtern rechnen. Heute werden uns drei Worte des Herrn übergeben. Sie wurden in der Kirchengeschichte mit der Überschrift "Wanderradikalismus" versehen. Sie wurden in den Kommentaren eingeschränkt auf einige wenige Glaubende. Täuschen wir uns nicht! Sie gelten allen Jüngern. - Ein idealgesinnter Mann sagte zu Jesus: "Ich will dir folgen, wohin du auch gehst." (57) Der Herr gab ihm einen erschreckenden Bescheid: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann."(58)
Vor einigen Jahren traf ich in Prag mit Christen zusammen, welche die Jahre der Verfolgung im Untergrund überlebt haben. Einen jungen Mann fragte ich: "Stammst du aus einer christlichen Familie?" Er antwortete: "Meine Eltern sind heute noch stramme Genossen. Sie sind gottlos." - Ich fragte ihn weiter: "Wie bist du zum Glauben gekommen?" Er berichtete mir: " Ich lernte eine Jugendgruppe im Untergrund kennen. Mit sechzehn wurde ich in der Katakombe getauft ... 11 Er erzählte weiter: "Als meine Eltern erfuhren, dass ich Christ sei, erklärte sie mir: "Jetzt muss du dich entscheiden: "Entweder 'raus aus der Kirche oder 'raus aus dem Elternhaus...Da bin ich von daheim ... Verstehst du schon was es heißt, um Jesu willen heimatlos zu sein?" - Mit Respekt sagte ich ihm: "Ich danke dir für dein Bekenntnis. Du bist ein echter Jünger des Herrn. Bleib, treu!" - Die Ungeborgenheit und Heimatlosigkeit müssen viele Glaubende durchstehen: Wenn sie wegen ihres Christseins in der Familie nicht erstgenommen werden; wenn sie in der Nachbarschaft belächelt werden; wenn sie in der Öffentlichkeit für rückständig und dumm verkauft werden. Sie alle sollen wissen: Das ist mit der Nachfolge des Herrn verbunden." - Im Evangelium wird eine zweite Begegnung geschildert: "Zu einem anderen sagte der Herr: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!" (59/60)- Ein harter Grundsatz! Hier geht es aber nicht um eine Anstiftung zur Lieblosigkeit den Eltern gegenüber. Auf dem Weg in der Nachfolge sollen die Jünger nicht traurig zurückschauen in eine vermeintlich bessere Vergangenheit. Die Redeweisen sind bekannt: "Ja, damals, in der guten alten Zeit: Da war alles noch in Ordnung. Da waren die Jugendlichen noch brav. Da waren die Familien noch intakt. Da waren die Christen noch fromm." In den Leitlinien für die Kirche im dritten christlichen Jahrtausend erklärt Papst Johannes Paul II.: Das Wort Christi "lädt uns ein, dankbar der Vergangenheit zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und uns vertrauensvoll der Zukunft zu öffnen: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit." (NMI 1) -
Im heutigen Evangelium wird eine dritte Begegnung aufgezeigt: "Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." (61/62) - Auch dieser Ausspruch des Herrn ist unerträglich. Freundliche Begrüßungen, ehrliche Dankesworte, schöne Abschiedsfeiern: Sie gehören in die Kultur jeder Familie, jeder Gemeinschaft und jeder Gesellschaft. Jesus aber kennt die Dringlichkeit des Reiches Gottes. Christen dürfen sich in der Nachfolge des Herrn nicht verzetteln und vertändeln. Sie müssen wagen, familiäre und gesellschaftliche Rücksichten zurückzustellen. Sie müssen ständig bereit sein, den Auftrag Gottes zu erfüllen. Die Bedingungen der Nachfolge sind groß und herrlich.
3. Die dringenden Aufträge in der Nachfolge
Auf dem Weg Jesu dürfen die Nachfolger keine braven Mitläufer sein. Sie alle sind berufen, Mitarbeiter zu werden. Einem Menschen, der bereit war Jesus nachzufolgen, gab er den klaren Befehl: "Du aber geh und verkünde das Reich Gottes!"(6o) In den Leitlinien für die Weltkirche hat unser Heiliger Vater die Vorrangstellung des Evangeliums deutlich angemahnt: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends." (NMI 40) - Unverzichtbar sind Predigt und Katechese. Sie sind den Bischöfen, Priestern, Diakonen und allen, die mit der Verkündigung beauftragt sind, in besonderer Weise übertragen.- Die Verantwortung für die Weitergabe des Wortes ist auch die Aufgabe der Ortskirchen und Gemeinden. Vor einigen Wochen hat unser Heiliger Vater bei einer Begegnung erklärt: "Eure am östlichen Stadtrand Roms gelegenen Pfarrgemeinden sind zu einer ständigen Evangelisierungsarbeit aufgerufen. Ich freue mich mit all jenen, die sich dem liturgischen und karitativen Dienst an den bedürftigen Menschen, wie auch der Vorbereitung der jungen Menschen auf die Ehe und Familie widmen." (20. März 2004) - In der Vorbereitung auf den Weltjugendtag hat er den jungen Christen zugerufen: "Liebe Jugendliche, macht das Kreuz zu eurem wesentlichen Bezugspunkt. Der gekreuzigte und auferstandene Christus schenke euch den Mut, unserer von Spannungen, Hass, Krieg und Terrorismus geplagten, aber auch an menschlichen und geistlichen Ressourcen so reichen Welt, das Evangelium zu verkünden."(ebd) Eine vorrangige Form der Evangelisierung ist die glaubwürdige Praxis christlicher Liebe. In dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben "Ecclesia in Europa" (28. 06. 2003) schreibt der Heilige Vater klar und deutlich: "Die ganze Kirche ist gefordert, den Armen wieder Hoffnung zu geben. Sie aufzunehmen und ihnen zu dienen, bedeutet für die Kirche, Christus aufzunehmen und ihm zu dienen. Die vorrangige Liebe zu den Armen ist eine notwendige Dimension des Christseins und des Dienstes am Evangelium."(86) -Wir alle sollen taugliche Mitarbeiter in der Nachfolge Jesu sein. Es darf und nicht sein Wort treffen: "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." (62) - Ein glaubwürdiger Zeuge Christi in der kommunistischen Bedrängnis war Josef Zvervina. 14 Jahre saß er im Gefängnis. Er lebte und wirkte vor allem in Prag. Seine Botschaft aus dem Untergrund ist kraftvoll und siegesbewusst:
"Brüder und Schwestern! Schleudert der Welt die Gute Botschaft entgegen: Die Botschaft, dass ihr Feuer bringt und wollt, dass es brennt. Legt selbst den Glaubensmut an den Tag, der vom Heiligen Geist kommt. Rüttelt die Gleichgültigen auf! Helft den Suchenden! Tröstet die Bedrückten. Befreit die Welt vom falschen Vertrauen in die Technik und vom Primat der Wirtschaft! Durchschaut die neuen Mythen und die Glaubenssurrogate! Vor allem zeigt die Wege, die zum Evangelium führen. Die Liebe Christi und die Kraft des Heiligen Geistes ist mit euch!"
-Im Heiligen Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. der Weltkirche ein wesentliches Gebet übergeben. Es soll uns in die ersten Jahrzehnte des neuen Millenniums begleiten:
"Vater, lass uns der Stimme des Geistes gehorchen
und Christus in Treue nachfolgen.
Gib, dass wir unablässig auf dein Wort hören
und aus den Quellen der Gnade schöpfen.
Trage, Vater, mit der Kraft des Geistes die Kirche
beim Einsatz für die neue Evangelisierung.
Lenke unsere Schritte auf den Straßen der Welt,
damit wir durch unser Leben Christus verkündigen.
Lob und Ehre sei dir, dem einzigen und höchsten Gott,
der allerheiligsten Dreifaltigkeit. " -
Am heutigen Sonntag werden wir an unsere ehrenvolle Bindung an den lebendigen Gott erinnert. Gleichzeitig werden uns unverzichtbare Weisen unseres Betens zu Herzen gesprochen: "Herr, erbarme dich!" Das ist der zeitlose Ruf aller Menschen. "Wir sagen dir Dank." Das ist die gläubige Antwort auf das göttliche Geschenk des Lebens, der Rettung und des Heiles. Der heilige Evangelist Lukas hat die Frohe Botschaft für uns aufgeschrieben:
"Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind denn die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott die Ehre zu geben, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen." (Lk 17,11-19)
1. "Kyrie eleison!" - "Herr, erbarme dich!"
Wir sehen Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem. Die Juden träumten von dem "Marsch nach Jerusalem". Sie erwarteten die militärische Unterwerfung der römischen Besatzer und die siegreiche Machtergreifung durch den ersehnten Messias. Jesus ist nun wirklich auf dem Weg nach Jerusalem. Es ist aber der Weg zu seinem schrecklichen Tod und zu seiner herrlichen Auferstehung. -Der Evangelist berichtet, dass Jesus "durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa zog".(11) Das ist keine nur geographische, also nebensächliche Notiz. Jesus ist für die Rettung der Juden gekommen, aber auch für die Erlösung der Samariter, die von den Juden als "Hunde" heftig abgelehnt wurden. Er ist für das Heil der Menschen aller Rassen, aller Kulturen, aller Zivilisationen und aller Religionen in die Weltgeschichte eingetreten. Wir sprechen heute von der "Globalisierung". Der Gottessohn will das Heil aller Menschen auf unserem "Globus", auf unserer guten, alten Erde. - "Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen."(12) Hier ist eine kurze Erklärung notwendig. Der Aussatz war eine unheilbare, ansteckende, tödliche Krankheit. Wenn der Aussatz bei einem Menschen medizinisch und amtlich festgestellt wurde, erhielt der Kranke eine öffentliche, bindende Belehrung: Leider musst du als Aussätziger aus deiner Familie, aus deinem Dorf und aus der Synagoge ausgeschlossen werden. Du darfst kein Haus, keine Siedlung von Menschen betreten. Auch den Hohen Tempel in Jerusalem darfst du nicht betreten. Damit die Menschen deine gefährliche Krankheit erkennen, muss du zerrissene Kleider tragen. Wenn du in der freien Landschaft einem Gesunden begegnest, musst du ihn vor dir warnen und laut rufen: "Unrein, unrein." Der gesunde Mensch soll dir etwas Essbares auf den Boden werfen und dann schnell davonlaufen. Und merke dir: Wenn du ihm zu nahe kommst, darf er dich mit einem Stecken abwehren. Wenn du ihn angreifst, darf er dich mit einem Knüppel straflos erschlagen. Und jetzt geh' auf Nimmerwiedersehn! - Da kamen Jesus und seinen Jüngern und Jüngerinnen "zehn Aussätzige entgegen"(12) Die Elenden hatten sich also zu einer Gruppe, zu einer Bande zusammengeschlossen. Sie wollten ja überleben. Sie hielten sich an die strengen Hygienegesetze: "Sie blieben in der Ferne stehen."(12)Sie schrieen nicht: "Unrein, unrein." Sie riefen laut: "Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! " (13) Sie riefen den Herrn mit seinem Namen an: "Jesus". Dieser Name ist ein weltgeschichtliches Programm: "In Gott ist Heil". Sie riefen ihn als "Meister" an. Sie hatten recht: Sein Wort ist gültig, bindend, göttlich. Und sie flehten um sein Erbarmen: In ihrer Bedrängnis, in ihrem Elend, in ihrer aussichtslosen Todverfallenheit. - Nun wird uns das souveräne Handeln des wahren Messias in überaus kurzer und dichter Form verkündet: "Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern!" (14)- Wir dürfen erkennen: Jesus sieht den Menschen: In seiner Not, in sein ein Elend, in seinem Tod. Er sieht den Menschen, jeden Menschen, mit seinem allguten Blick.- Wir erkennen weiter: Jesus redet die Menschen freundlich an.- In herrscherlicher Weise schickt nun Jesus die Ausgestoßenen zu den Priestern. Sie haben die amtliche Aufgabe festzustellen: Die Kranken sind geheilt, die Aussätzigen sind rein. Sie dürfen wieder zurück zu ihrer Familie, in ihre Heimat, in den Hohen Tempel. Sie sind mit Freuden wiederaufgenommen in die Gemeinschaft der Menschen.- Die Vollzugsmeldung nach ldem Wort des Herrn ist wiederum kurz und bündig- "Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein."(14)- Der Bericht des Evangeliums ist keine schöne Erzählung aus längst vergangenen Tagen. Der Bericht ist eine unvergängliche, frohe Botschaft an uns Menschen. Wir sind sündig, wir sind unrein, wir sind dem Tod verfallen. Wir sollen aber glauben und wissen: Jesus Christus ist der "Heiland": Er bringt Heilung und Heil. Der biblische Bericht ist eine starke Erinnerung an unsere Taufe. In ihr wurde uns das Heil geschenkt: sicher "anfanghart", aber dennoch wirklich und wesentlich. Und wenn ein Christ die Taufgnade durch eine Todsünde verloren hat, bietet der Herr "durch den Dienst der Kirche" die neue Chance der Heilung an, durch das Sakrament der Versöhnung. Wir sollen dankbar und froh erfahren: Der Herr ist übergroß in seiner Barmherzigkeit: Er will uns heilen, er will und retten, er will uns zum ewigen Leben führen. - Der heilige Kirchenlehrer Gregor von Nazianz, gestorben im Jahr 390 in der heutigen Türkei, hat die Taufe begeistert besungen: "Die Taufe ist die schönste und herrlichste der Gaben Gottes ... Wir nennen sie Gabe, Gnade, Salbung, Ereutung, Bad der Wiedergeburt, Gewand der Unverweslichkeit, Siegel des lebendigen Gottes, und nach allem, was besonders wertvoll ist..."-
2. "Eucharistia." - "Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott."
Durch sein göttliches Wort hat Jesus die ausgestoßenen und verlorenen Kranken geheilt. Die Erfolgsmeldung ist überaus dicht: "Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein."(14) Jetzt wird uns der zweite Höhepunkt des biblischen Berichtes gezeigt: Einer der Geheilten wird der Christenheit aller Jahrtausende als Vorbild übergeben. Wir hören im Evangelium: "Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme." Er wartete die amtliche Bestätigung seiner Heilung nicht ab'.- Er rannte zu Christus. "Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm."(16) Mit Dankbarkeit erkannte er Jesus an als den göttlichen Meister und Herrn.- Der Evangelist fügte noch eine durchaus kritische Bemerkung an: "Dieser Mann war aus Samarien."(16) Er war also für die anständigen Juden ein nationaler Gegner, ein politischer Feind. Die überzeugten Juden bezeichneten die Samariter nur als "Hunde". - Die Nachfrage Jesu war äußerst heikel: "Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?' Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?" (17/18)Dann gab Jesus dem dankbaren Geheilten einen hoheitlichen Bescheid: "Steh auf und geh!" (19) Das heißt: Geh gesund und kraftvoll in dein neues Leben! Du wirst auch sicher beschenkt werden mit einem unvergänglichen, herrlichen, ewigen Leben. Und Jesus gab dem dankenden Samariter eine Begründung; sie ist gleichzeitig eine hohe Anerkennung: "Dein Glaube hat dir geholfen."(19)- In dem zweiten Vorgang des Evangeliums sind wieder wir angesprochen: Die geheilten, die der Gemeinschaft eingegliederten Christen. Heilung und Eingliederung sind geschehen in dem einzigartigen Geschenk der Taufe. Für dieses Geschenk dürfen wir herzlich danken in unserem ganzen Leben. Der Ruf vor dem Evangelium zielt unsere Antwort an, die wir in unserem ganzen Leben geben dürfen: "Halleluja! Dankt Gott für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört. Halleluja." -Das Wort "Dank" oder "Danksagung" heißt in der griechischen Sprache: "Eucharistia". Die höchste Weise des Dankes ist also die Feier der Eucharistie. - Es gibt getaufte Menschen, die für ihre Hoffnung auf das Heil nicht dankbar sind. Man nennt sie: "Taufscheinchristen". Ein Soldat erklärte mir einmal: "Ich bin katholisch; ich kann aber nichts dafür,..." - Es gibt auch getaufte Christen, die nur selten oder sogar nie die sonn= tägliche Eucharistie mit der Gemeinde feiern. Wenn in manchen Gegenden ungefähr zehn Prozent der Pfarrangehörigen zur Feier der Heiligen Messe kommen, entspricht das sehr realistisch dem biblischen Vorgang, in dem nur ein Geheilter zur Danksagung den Samariter den "Glauben" mit klaren Worten anerkannt. Wir sind gerufen, das "Geheimnis des Glaubens" froh und dankbar zu feiern. In den Impulsen für die Kirche im dritten Jahrtausend erklärt unser Heiliger Vater: "Der größte Einsatz muss für die sonntägliche Eucharistiefeier aufgewandt werden, die der Höhepunkt ist, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt". (Novo Millennio ineunte 35) - In seiner Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (17.03.2003) erinnert unser Papst an den bewussten und dankbaren Vollzug der Akklamation der Gläubigen: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." - Die "eucharistische Grundhaltung" muss im Leben der Glaubenden immerwieder geweckt, erneuert und vertieft werden. - Sie ist uns allen bekannt: Die große Edith Stein: Jüdin, Philosophin, Ordensfrau, Märtyrerin. In dieser Woche werden wir an ihren Geburtstag und an den Jahrestag ihrer Heiligsprechung erinnert. Am 12. Oktober 1891 wurde sie in Breslau geboren. Am 11. Oktober 1998 wurde sie zur Heiligen erhoben. Die Kirche auf unserem alten Kontinent verehrt sie als "Mitpatronin Europas". Ihr Dankgebet für das hohe Geschenk der Heiligen Taufe am 01.Januar 1922 beleuchtet noch einmal die Frohe Botschaft des heutigen Sonntags:
"Ich danke dir, Vater im Himmel, dass ich aus dem Wasser und Geist neu geboren wurde in der Taufe. Ich darf mich dein Kind nennen, denn du hast mich aus Schuld und Tod gerufen und mir Anteil an deinem Leben geschenkt.
ich danke dir, Jesus Christus, Sohn des Vaters, für deinen Tod und deine Auferstehung. Wie die Rebe mit dem Weinstock, so bin ich mit dir verbunden, ich bin Glied an deinem Leib, aufgenommen in das heilige Volk zum Lob der Herrlichkeit des Vaters.
Ich danke dir, Heiliger Geist, dass deine Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen. Du lebst in mir und willst mich führen zu einem Leben, das Gott bezeugt und den Brüdern und Schwestern dient. So kann ich einst mit allen Heiligen das Erbe empfangen, das denen bereitet ist, die Gott lieben." -
"Nach welchen Normen leben wir?" - "Nach welchen Normen lebe ich?" - Diesen Fragen dürfen wir nicht ausweichen! Diesen Fragen müssen wir uns bewusst und ehrlich stellen! - Es gibt Menschen, "die leben so dahin". Sie nehmen alles an wie es kommt. Sie fragen nicht viel bei Vorgängen und Problemen. Sie werden bestimmt vom Augenblick. - Es gibt Menschen, die las sen sich bestimmen vom sogenannten Zeitgeist: "Man denkt heute so." - "Früher war alles anders." - "Heute hat man eine andere Auffassung von der Ehe, vom Embryo, vom Leben überhaupt." "Man kann ja nicht gegen den Strom schwimmen." - Es gibt Menschen, die nach guten Grundsätzen leben: "Edel sei der Mensche hilfreich und gut!" - "Tue recht und scheue niemand!" -"Seid nett zueinander!" Es gibt Menschen, die sich von bedenklichen Grundsätzen leiten lassen: "Hauptsache: Die Kasse stimmt." - "Der brave Mann denkt an sich selbst zuerst." - "Ich tue, was Spaß macht." - Es gibt Menschen, die nach schlechten Grundsätzen leben: "Drück' dich, wo du kannst!" - "Arbeite mit den Ellenbogen!" - "Nutze die anderen aus! Sie tun es ja auch." - "Schlag' zurück! Aber fest!" - Im letzten Jahrhundert wurden schreckliche Leitsätze ausgeschrieen: "Das minderwertige Leben muss weg! Lebensunwerte Menschen müssen ausgerottet werden!"So hat es der unselige "Führer Adolf Hitler" befohlen. - "Der Friede kommt aus den Gewehrläufen. Alles kommt aus den Gewehrläufen!" So hat es der böse Machthaber Mao ausgesprochen. - Es gibt Menschen, die nach göttlichen Grundsätzen zu leben versuchen. Sie glauben fest: Gott hat auf dem Berg Sinai den fliehenden Israeliten, aber auch der ganzen Menschheit, unverzichtbare Lebensnormen durch Mose übergeben. Diese göttlichen Lebensgrundsätze sind Wegweiser für fromme Juden, gläubige Christen und viele Menschen guten Willens. - Heute werden wir auf einen neuen, "hohen Berg" geführt. Hier stellt der allmächtige und allgütige Vater seinen Sohn der Menschheit vor und ruft eine überzeitliche Lebensnorm aus: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören!" - Die hohe Grundsatzbotschaft hat der heilige Evangelist Matthäus für uns aufgezeichnet:
"In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist." (Mt 17, 1-9)
1. Der Vater stellt seinen Sohn der Menschheit vor.
Das weltgeschichtliche Ereignis wird mit einem kurzen Satz eingeleitet: Jesus nahm Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg."(I) Die drei Jünger sind die Repräsentanten der Menschheit und die Zeugen der göttlichen Proklamation. Wenn der "hohe Berg" genannt wird, ist das kein Hinweis auf ein herrliches Landschaftsziel und eine schöne Wanderung. Der "hohe Berg" ist der wunderbare Ort der Offenbarung Gottes. Der "hohe Berg" ist der neue Sinai. Dieser Berg hat keinen Namen. Er ist Überall auf unserer guten Erde zu finden. Auf diesen Berg muss uns einer "führen". Der wahre Bergführer ist Jesus, der Herr. - Auf der Höhe des Berges geschah etwas Unerwartetes: "Er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht."(2) Das bedeutet: In Jesus brach vor seinem Tod am Kreuz und vor seiner Auferstehung, plötzlich die Herrlichkeit Gottes durch. "Herrlichkeit", hebräisch "Schechinah", ist für die Juden ein Name für den unaussprechlichen Gott. Bei diesem Namen neigen sie ehrfürchtig den Kopf. Noch etwas geschah auf dem Berg: "Da erschienen vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus."(3) Mose ist der große Repräsentant der hohen Gebote Gottes, die dem Volk Gottes für alle Zeiten und alle Menschen übergeben wurden. - Elija ist der starke Vertreter der Propheten, die den Messias, den Retter, den Herrn, angekündigt haben. Diese heiligen Männer des Ersten Testamentes "redeten mit Jesus.". - Petrus reagierte auf die herrliche Erscheinung überrascht, betroffen und verwirrt: "Herr, es ist gut dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija."(4) Er wollte also gleich anfangen, das schöne und heitere Laubhüttenfest zu feiern. Er kam aber m4Lt seinem interessanten Vorschlag nicht weit: "Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie..."(5) Die Wolke ist in der Geschichte Israels das Zeichen: Gott ist da. Der Unsichtbare, der Unfassbare, der Unbegreifliche, der Allmächtige, der Allgütige: Er ist anwesend. Die Jünger wurden in die leuchtende Gegenwart Gottes hineingerissen. Aus der strahlenden Wolke ertönte eine Stimme: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe..."(5)- Wir stehen hier vor dem Geheimnis der Hochoffenbarung. Gott spricht nicht in einem prophetischen Traum, wie bei Josef. Er lässt keine Botschaft ausrichten wie durch den Engel Gabriel an Maria. Er lässt nicht durch zwei Engel verkünden, wie im leeren Grab des auferstandenen Christus. Der Vater greift in in die Weltgeschichte ein, indem er gleichsam persönlich spricht. Er stellt der Menschheit seinen geliebten Sohn vor. Jesus ist nicht nur ein großartiger Mensch gewesen, der nun schon lange tot ist. Er war nicht nur ein Begründer "einer vorderasiatischen Sekte, die sich zu einer Weltreligion entwickelt hat". So war es in einem deutschen Massenblatt in den Weihnachtstagen 2004 zu lesen. Jesus von Nazaret ist der Menschensohn und Gottessohn. Unser Heiliger Vater hat im Zentrum des eucharistischen Jahres kraftvoll auf die Person Jesu gezeigt. In dem Apostolischen Schreiben "Mane nobiscum Domine!" hat er prophetisch bekannt: "Christus steht in der Tat nicht nur im Zentrum der Kirchengeschichte sondern auch der Weltgeschichte. In ihm wird alles eins. Wie können wir nicht an den Aufbruch denken, mit dem das Zweite Vatikanische Konzil bekannte, indem es Papst Paul VI. zitierte, dass Christus "das Ziel der menschlichen Geschichte ist, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und der Kultur konvergieren, der Mittelpunkt der Menschheit, die Freude aller Herzen und die Erfüllung ihrer Sehnsüchte". (6) - Wir haben den großen Auftrag, das Herrentum des verklärten Christus zu bekennen und zu bezeugen. Wir haben die österlichen Hoffnung, dass viele suchende Menschen ihn als universalen Herrn anerkennen und anbeten. Unser Gebet muss ein globales Bekenntnis werden:
"Du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser.
Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr,
du allein der Höchste: Jesus Christus,
mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters." -
2. Der Vater befiehlt der Menschheit, auf Jesus zu hören.
Im Heiligen Jahr 2000 hat unser Papst Johannes Paul II. während seiner Pilgerfahrt auf dem Berg Sinai erklärt: "Heute und für immer sind die Zehn Worte des Gesetzes die einzig wahre Grundlage für das Leben des einzelnen Menschen, der Gesellschaften und der Nationen. Heute und für immer sind sie allein die Zukunft der menschlichen Familie." - Nach diesem hohen Bekenntnis hat er auf den anderen Berg der Offenbarung gezeigt: "Auf dem Berg der Verklärung spricht Gott aus der Wolke wie auf dem Sinai. Aber jetzt sagt er: 'Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören." (Mk 9,7) (26.02.2000) - Das neue Gesetz für die Menschheit aller Zeiten ist kein Katalog von Geboten und Verboten. Das wahre und immer gültige Gesetz ist eine Person: Der Sohn des lebendigen Gottes, unser Herr Jesus Christus. Der Evangelist Johannes gibt Jesus einen unwahrscheinlich großen Titel: "Wort".' Ergriffen, erschüttert und begeistert singt er: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und 'das Wort war Gott."( Joh 1,1) - Die Person des Gottessohnes und seine ewigen Worte werden von manchen Menschen übergangen und abgelehnt. In den Weihnachtstagen 2004 war in verschiedenen Blättern zu lesen: "Die schönen Legenden um Jesus vermögen auch heute Menschen zu erfreuen ..." - Oder: "Das liebe Märchen vom Jesuskind in Bethlehem kann auch heute noch Kinder begeistern ..."- Wir müssen auch rechnen mit esoterischen Verfälschungen des Evangeliums. - Bedenklich sind auch die Abweichungen vom Wort zu Gunsten von unbewiesenen Visionen, Prophezeiungen und Erscheinungen. Eine brave Frau redete mich neulich an: "Wann wird endlich die Gnadenmutter von Blieskastel duftende Tränen weinen? Ich habe mir schon silberne Gefäße gekauft..." -Erschreckend sind auch die Versuche, das Evangelium in unbedeutende und private Bereiche abzuschieben. Der alte, eiserne Bismarck hat den evangelischen Superintendenten und Predigern deutlich gesagt: "Meine Herren, mit der Bergpredigt kann ich nicht regieren..." - Ein durchaus christlicher Politiker, Franz Josef Strauß, hat bei einer Aschermittwochkundgebung in Passau erklärt: "Die Bergpredigt kann nur persönlich gelten ..." - Dagegen wird uns im Weltkatechismus ein klares Wort übergeben: "Das Gesetz des Evangeliums erfüllt, übersteigt und vervollkommnet das alte Gesetz. Dessen Verheißungen werden durch die Seligpreisungen des Himmelreiches erfüllt..."(KKK 1984) - In den Impulsen für die Kirche in der Gegenwart und Zukunft zögert der Heilige Vater nicht, die Vorrangstellung des Wortes Gottes herauszustellen: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung 'Diener des Wortes zu sein': Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends." (Novo Millennio ineunte 40) Geradezu leidenschaftlich erklärt der alte, kranke Papst: "Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Aufruf zur Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, dass es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, dass wir uns von dem glühenden Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen lassen! Wir müssen uns die Leidenschaft des Paulus zu eigen machen, der ausrief: 'Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!" (1 Kor 9,16) - Die Hochoffenbarung auf dem Berg der Verklärung ist überaus kurz, unwahrscheinlich dicht und unendlich groß: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören."(5) - Wir sind gerufen, die Worte und das Beispiel unseres Herrn mit Herz und Verstand anzunehmen. Wir sind gerufen. die Worte unseres Herrn zu tun. Das klare Bekenntnis des Apostels Petrus muss immer mehr die Norm unseres Lebens werden: "Herr, zu wem. sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes." (Joh 6,68/69) - Wir sind auch gerufen, die Worte und Weisungen des Herrn freundlich und bestimmt weiterzusagen. Wir sind auch gerufen, das Evangelium Jesu anziehend zu bezeugen. -In seiner Predigt auf dem Berg der Seligpreisungen hat unser Papst die jungen Christen angesprochen. Seine Worte aber gelten uns allen: "Jugendliche des Heiligen Landes! Jugendliche in aller Welt! Jetzt, an der Schwelle des dritten Jahrtausends, seid ihr an der Reihe. Jetzt liegt es bei euch, in die Welt hinauszugehen und die Botschaft von den Zehn Geboten und den Seligpreisungen zu predigen ... Jetzt seid ihr an der Reihe, mutige Apostel seines Reiches zu sein!" - Auch das Gebet unseres Heiligen Vaters umfasst uns alle: "Herr Jesus Christus! Höre auf diese großzügigen jungen Herzen an diesem Ort, den du so gut gekannt und geliebt hast! Lehre sie auch in Zukunft die Wahrheit der Gebote und der Seligpreisungen! Mache sie zu freudigen Zeugen deiner Wahrheit und zu überzeugten Aposteln deines Reiches! Bleibe immer an ihrer Seite, besonders wenn es für sie schwer und anstrengend wird, dir und deinem Evangelium zu folgen! Du wirst ihre Kraft; du wirst ihr Sieg sein." (24.03.2000) - Vertrauensvoll dürfen wir für die Kirche, für die ganze Menschheit und für uns alle beten:
"Jesus, Gottes Kraft und Weisheit,
entzünde in uns die Liebe zur Heiligen Schrift,
in der die Stimme des Vaters widerhallt,
die erleuchtet und entflammt, nährt und tröstet.
Du, Wort des lebendigen Gottes,
erneuere in deiner Kirche
den missionarischen Impuls,
damit alle Völker dich erkennen,
den wahren Gottessohn und wahren Menschensohn,
den einzigen Mittler zwischen Gott und dem Menschen.
Lob und Ehre sei dir, Christus,
heute und in Ewigkeit!" -
Der heutige Sonntag heißt seit Jahrhunderten "Gaudete" - "Freut euch!" - Es geht aber nicht um eine schöne, irdische, menschliche Freude, sondern um die "Freude im Herrn". Der Eröffnungsvers der Eucharistiefeier zielt die hohe Grundstimmung an: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe."(Phil 4,4/5) - Der Grund unserer Freude ist also der Herr mit seiner guten, lieben göttlichen Gegenwart. Die Freude im Herrn ist die Nagelprobe für die Lebendigkeit unserer christlichen Berufung. - Die Kirche verkündet uns heute ein messianisches Lied des Propheten Jesaja. Und Jesus zögert nicht, dieses wunderbare Lied klar, fest und sieghaft auf sich zu beziehen. -
1. Der Grund unserer Freude: Unser Herr Jesus Christus.
Es war in der Synagoge von Nazaret. Jesus ging am Sabbat in das Gotteshaus, Nach einigen Gebeten und Liedern fragte der Vorsteher: "Will einer von den Brüdern ein Wort der Ermunterung vorlesen?" Da meldete sich Jesus. Der Vorsteher sagte: "Jeschua Ben Joseph möge hervortreten!" Dann sprach er einen Segen.: "Der Herr sei in deinem Herzen und auf deinen Lippen, damit du gut und ehrfürchtig sein Wort uns verkündest! Der Ewige sei gepriesen!" Ein Ministrant reichte ihm das Buch des Propheten Jesaja. Und Jesus las vor:
"Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir;
denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist.
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Gefesselten die Befreiung,
damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Jes 61,1-2a) -
Die Hörer im Gotteshaus wussten: Das ist die große Prophetie über den ersehnten Messias. Jesus "setzte sich". Das ist keine belanglose Bemerkung. Er nimmt den Lehrstuhl des großen Mose ein. Er ist der wahre Lehrer der Menschheit. "Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." (Lk 4, 20/21) - In einigen Tagen feiern wir den Geburtstag Christi. Wir wissen: Er ist nicht nur ein weiser Mann der Geschichte gewesen. Er ist nicht nur ein Helfer der Menschen gewesen. Er ist nicht schon lange untergegangen, Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes. Er ist der Herr. Er lebt und wirkt. - In der Synagoge von Nazaret stellt sich nun Jesus vor. Die erste Vorstellung: "Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir." Jesus ist der Geisterfüllte. - Die zweite Vorstellung: "Der Herr hat mich gesalbt." Jesus ist der ersehnte Messias, der erwartete Christus.. - Die dritte Vorstellung: "Der Herr hat mich gesandt." Jesus ist "von" Gott gesendet zu allen Völkern, zu allen Nationen, zu allen Menschen. In dem weltgeschichtlichen Vorgang bekennt sich der Herr zu seinen Aufgaben. Mit den Worten des Propheten Jesaja verkündet er eine erste Regierungserklärung. Die erste Aufgabe: "...damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe." Wir leiden heute unter der Vielwörterei und Wortlosigkeit. Jesus spricht nicht nur schöne, brave, fromme Worte. Er verkündet die unverzichtbare Botschaft von Gott, seiner Herrschaft und seinem Anspruch. Das Evangelium ist .das bindende Grundsatzprogramm der Geschichte. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat in seinen Impulsen für die Zukunft erklärt: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung 'Diener des Wortes' zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität. für die am Beginn des neuen Jahrtausends." (Novo Millennio ineunte 40) - Die zweite Aufgabe: "...damit ich alle heile, deren Herz zerbrochen ist." Wir wissen um so viele Menschen, die klagen. "Ich kann nicht mehr..." Oder: "Ich mag' nicht mehr..."Führen wir sie zu Jesus! Sie werden erleben: Er ist der wahre und gute Heiland. - Die dritte Aufgabe: "...damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung." - Ein junger Mann redete mich an: "Beten Sie für mich! Ich bin ein Gefangener meiner Sucht ..." - Manche Zeitgenossen sind gefesselt von einer merkwürdigen Ehrsucht, oder einer hemmungslosen Geldgier, oder von einer ungezügelten Sexualität. Sie alle brauchen den wahren Befreier. - Die vierte Aufgabe: "...damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." - Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Manche falsche Propheten drohen mit dem Untergang der Welt. Eine fromme Frau verriet mir neulich: "Jetzt kommen die finsteren Tage. Dann geht's los..." Ich versuchte sie zu beruhigen. Doch sie schimpfte mich: "Sie glauben aber auch gar nichts!" Durch den Dienst der Kirche bietet Jesus jetzt schon die Zeit der Gnade an. Er wird mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen und die Zeit der Gnade vollenden in Freude und Glück und Seligkeit. -
2.Die Freude im Herrn: Eine Grundstimmung des Christen.
"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe."(Phil 4,4/5)- Wir dürfen schon fragen: Stimmt das? Ist das realistisch? Oder gehört die Mahnung in den Bereich der Sprüche? Manche Christen vertreten ein hartes Gottesbild. Manche Gläubige zeigen eine düstere Religion. Ein Schüler gestand mir: "Wenn ich meine Eltern anschaue oder unseren Pfarrer, muss der Glaube eine Art Strafvollzug sein ... - Wer Christus gefunden hat und seine liebende Gegenwart - wenigstens manchmal - erlebt, wird trotz aller Schwierigkeiten und Leiden ein froher, strahlender Jünger Jesu sein. - Wir hören in der Prophetie des Jesaja einen überraschenden Impuls. Er ist nicht weltfremd, nicht unwirklich, nicht maßlos übertrieben:
"Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn..
Meine Seele soll jubeln über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt
und der Garten die Pflanzen hervorbringt,
so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor
und Ruhm vor allen Völkern." (Jes 61,10/11)
Als getaufte und gefirmte Jünger Jesu sind wir reich beschenkt. Wir sind berufen, eine wunderbare Hoffnung in uns zu tragen. Wir haben also allen Anlass zu singen: "Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn." Noch mehr: Wir sollen jubeln: "Meine Seele soll jubeln über meinen Gott." - Wir müssen uns ernsthaft fragen: Wann habe ich - wann haben wir wirklich gejubelt? - Eine Gruppe Realschüler kam auf das Thema "Jubel". Ein Fünfzehnjähriger verriet mir lächelnd: "Als ich erfuhr, dass ich nicht durchgefallen bin, war ich ganz narrisch vor Freude." - Ein Kamerad erzählte grinsend: "Als ich in unserer Mannschaft das erste Tor geschossen habe, da habe ich vor lauter Freude einen Purzelbaum geschlagen."- Es darf gelacht werden! Trotzdem ist die Frage sehr ernst: Ist uns der Jubel über Christus und unsere hohe Berufung eine geistliche Erfahrung? - Wir dürfen die begeisterten Worte des Propheten auf uns anwenden:"Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit." Wir dürfen das Bild von der Hochzeit auf unser Leben beziehen: "Wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt..." - Ein Vorbild der Freude und des Jubels ist Maria, die Mutter des Herrn. Das unsterbliche Magnifikat wird uns zum Nachvollzug übergeben:"Meine Seele preist die Größe des Herrn,, und mein Geist jubelt Über Gott, meinen Retter." (Lk 1,46/47), - Der tschechische Bekenner Josef Zverina hat die Haft in nationalsozialistischen und kommunistischen Gefängnissen erdulden müssen, In der Zeit der Unterdrückung der Kirche schrieb er voll Zuversicht: "Die Freude gehört zum Wesen der Kirche. In ihr erfüllt sich das Wort, dass Gottes Reich Freude ist. Ohne sie ist die Kirche langweilig und armselig und kalt." - Auf dem Weltjugendtag hat unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI. die jungen Christen aus aller Welt freundlich und kraftvoll angesprochen: "Liebe Jugendliche! Das Glück, das Ihr sucht, das Glück, auf das Ihr ein Anrecht habt, hat einen Namen, ein. Gesicht: Es ist Jesus von Nazaret ... Er allein schenkt der Menschheit Leben in Fülle. In diesen Tagen lade ich Euch ein, Euch rückhaltlos dem Dienst Christi zu widmen. koste es, was es wolle. Die Begegnung mit Jesus Christus wird euch ermöglichen, innerlich die Freude über sein lebendige und lebensspendende Gegenwart zu genießen, um sie dann in Eurer Umgebung zu bezeugen."( Köln 10.08.05) - Wir wünschen uns in diesen adventlichten Tagen "Frohe Weihnachten!" Die Kirche lässt uns heute beten: "Allmächtiger Gott, sieh gütig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet. Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde." (Tagesgebet) - Vor achthundert Jahren hat ein begnadeter Sänger den Hymnus gedichtet: "Jesu dulcis memoria." In der Drangsal der Welt und Kirche von damals und heute, ist er ein Siegeslied der Freude über Jesus, den Herrn und Retter:
"O lieber Jesus, denk ich dein,
strömt Glück in meine Seele ein,
doch meine größte Freude ist,
wenn du, o Jesu bei mir bist.
Du unser Glück in dieser Zeit,
du Sonne unsrer Ewigkeit,
in dir erstrahlt der Gottheit Schein,
lass uns mit dir verherrlicht' sein." -
(Gotteslob Nr. 550,1,5,6
"Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben." Ist dieses Bekenntnis ernst gemeint? Kann man, soll man darauf "Amen" sagen: Ja, ich glaube; ich halte mich fest an diesem Wort; ich baue meine Hoffnung auf dieses Bekenntnis? - In vielen Getauften ist dieser Glaube ins Wanken geraten. Ein Jugendlicher erklärte mir einmal: "Jesus war ein wirklich toller Mann; aber er ist schon lange tot..." Also: Bei aller Anerkennung ist von Christus nichts mehr zu erwarten. - Bert Brecht gab den unmissverständlichen Hinweis: "Lasst euch nicht verführen! Es gibt keine Wiederkehr ... Lasst euch nicht vertrösten! Ihr habt nicht viel Zeit! ... Ihr sterbt mit allen Tieren und. es kommt nichts nachher." (Gegen Verführung). - Der anerkannter Philosoph Friedrich Nietzsche gab eine kräftige Mahnung: "Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht."(Also sprach Zarathustra) - Trotz dieser eindeutigen Warnungen sind wir eingeladen, eine österliche Botschaft zu hören und freudig anzunehmen. Der Evangelist Lukas hat sie für uns niedergeschrieben. -
"Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren. erzählten den Elf und den anderen Jüngern, was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas, zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür." - (Lk 24, 35 - 48)
1. Der Gekreuzigte und Auferstandene stellt sich vor.
Vor einigen Wochen ging ich in einer alten Stadt Bayerns, mit unübersehbar christlicher Kulisse, in eine renommierte Buchhandlung. Mach einigem Suchen fragte ich eine freundliche Dame: "Wo haben Sie denn die Theologie versteckt?" Sie schaute mich überrascht an und fragte: "Meinen Sie die Esoterik?" - Ich verneinte höflich, begann aber doch etwas zu schmökern. Schließlich erstand ich doch einige Schriften. Ich bekam zu lesen,"dass die Kirchen die Lehre Jesu in einem Dickicht von Lüge und Entstellung verdorben haben." Ich interessierte mich für die "wahren Wurzeln des Jesus von Nazareth" Ich ließ mich ermahnen, "meinen Vitalkörper dem Meister Jesus zu öffnen". Ich wurde auch belehrt: "Bei der Grablegung Jesu durch treue Jünger durften sie erleben: Jesus ist nicht tot ... Sie versteckten ihn an einem sicheren Ort ... Treue Freundinnen haben ihn gesund gepflegt ... Schließlich hat er die schöne Maria von Magdala geheiratet und ist Vater etlicher Kinder geworden..." -
Täuschen wir uns nicht: Solche und ähnliche Geschichten über Jesus sind im Umlauf. - Als Christen dürfen wir nüchtern feststellen: Wenn Christus am Kreuz nicht gestorben ist, dann ist er auch nicht auferstanden von den Toten. Glasklar hat schon der heilige Paulus seinen unsicher gewordenen Freunden im alten Korinth erklärt: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos."( I Kor 25,14) - Auf dem ganzen Erdkreis wird heute eine starke, frohe Ostergeschichte verkündet. - Irgendwo im Untergrund der Stadt Jerusalem waren sie beisammen: Die elf Apostel und eine Gruppe Jüngerinnen und Jünger. In der nächtlichen Stunde kamen auch die beiden Jünger aus Emmaus zurück, die Jesus erkannt hatten, "als er das Brot brach". Begeistert erzählten sie von dieser österlichen Begegnung. Während alle aufgeregt redeten und debattierten, geschah das Unerhörte: Jesus selbst trat in ihre Mitte. Die Jünger erschraken und hatten große Angst. Jesus kritisierte ihre Bestürzung und ihre Zweifel. Dann ließ er sich herbei zu einer einmaligen, für die Glaubenden aller Zeiten wichtigen Demonstration: Er begrüßte sie:"Friede sei mit euch!". Dann zeigte er ihnen seine durchbohrten Hände und durchstoßenen Füße. Nachdrücklich sagte er: "Ich bin es selbst." Er ließ nicht locker: "Fasst mich doch an! ... Kein Gespenst hat Fleisch und Knochen, wie ihr es an mir seht."Die österliche Demonstration ging weiter:"Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch, er nahm es und aß es vor ihren Augen." - Jesus kam also zu seinen Jüngern: Nicht als Rekonvaleszent, schon gar nicht als lichtvolles Phantasiegebilde, sondern als der von den Toten Auferstandene. Wenn nun der hingerichtete Leib Jesu auferweckt und verklärt wurde, ist die Schöpfung zu ihrer Krönung gekommen. Dann hat der Mensch, jeder Mensch, eine überaus hohe, unantastbare Würde. - Wenn Jesus von den Toten auferweckt wurde, dürfen wir zuversichtlich hoffen, "auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen-."- (Phil 3,11) - Das Gebet eines schwer behinderten Menschen hat mich fasziniert: "0 Gott! Es ist mir in dieser Welt nicht leicht gefallen, von deiner Güte und Liebe zu reden. Ich habe lange gebraucht, um mit meiner körperlichen Behinderung zu leben. Es gelingt mir kaum, das Lied zu singen: 'Was Gott tut, das ist wohlgetan'. Immer noch muss ich wandern durch Finsternisse und Irritationen Aber eine große Hoffnung trägt mich, sie macht mich froh und frei: Es gibt eine Ewigkeit! Es gibt eine Auferstehung des Fleisches! Ja, dann werde ich deine ganze Liebe erfahren: denn verklärt und gesund an Leib und Seele werde ich an deiner ewigen Herrlichkeit teilnehmen." Diese österliche Hoffnung darf herzhaft zugesprochen werden: Allen Benachteiligten, allen Ausgenützten, allen Verstümmeltem, allen Geprügelten, allen Entwürdigten, allen Weggeschmissenen: Ihr werdet jung und gesund und schön und herrlich und ewig leben. - Aus dem Gefängnis hat der heilige Paulus uns allen geschrieben, in klarem Wissen um Armseligkeit und Schwäche, Folter und Tod: "Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in :die Gestalt, seines verherrlichten Leibes..." (Phil 3,20.22)
2. Der Auferstandene beruft seine Jünger zu Zeugen.
Nach der österlichen Vorstellung Beginnt der Auferstandene einen hohen, wesentlichen Vorgang für die Kirche aller Zeiten: Er beruft seine Jünger und Jüngerinnen zu österlichen Zeugen: "Ihr seid Zeugen dafür." - Zeuge ist man in einem Prozess. Täuschen wir uns nicht: Der Prozess gegen den Gottessohn geht weiter durch die Jahrtausende. In diesem Prozess sollen die Jünger für den Auferstandenen gerade stehen; sie sollen für ihn den Mund aufmachen ;und sie sollen für ihn den Kopf hinhalten. Um nun seine Jünger für die überaus große Aufgabe der Zeugenschaft vorzubereiten, hat der Auferstandene sie in die Geheimnisse der Herrschaft Gottes eingewiesen, eingeführt. Man kann auch sagen: eingeweiht. Das ist also der erste österliche Vorgang: Die Einweihung der Jünger. Sie ist im Evangelium in allerkürzester Form festgehalten, Dann sprach Jesus zu ihnen: "Das sind die Worte, die ich euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen, über mich gesagt ist."(44)- Das heißt: Jesus hat seine Jünger an seine Worte erinnert: an seine neue, gute und herrliche Botschaft. Und er hat auf das Alte Testament verwiesen: Das hohe Gesetz, das der große Mose dem Volk Israel und allen Menschen im Namen Gottes übergeben hat. Er hat auf die markanten Worte der Propheten und auf die überzeitlichen Psalmen verwiesen. Der Auferstandene hat nicht gezögert zu erklären: In diesen Büchern findet ihr mich. Noch schärfer: Ich bin die Erfüllung des Ersten Bundes. - Seit einigen Jahren ist ein sehr guter Vorgang zu erkennen: Die Christen besinnen sich auf die Wurzeln ihres Glaubens im Alten Testament und die Juden stehen dem Rabbi Jesus mit Respekt gegenüber. Nach den Verirrungen der Kreuzzüge, nach den bösen Judenverfolgungen und nach dem entsetzlichen Holocaust, hat die Kirche im II. Vatikanischen Konzil mit der Erklärung "Nostra aetate" eine neue Brücke zu den Juden geschlagen. Am 19.August 2005 hat Papst Benedikt XVI. die Synagoge in Köln besucht .Er hat dort erklärt:"Ich möchte versichern, dass ich beabsichtige, den Weg der Verbesserung der Beziehungen und der Freundschaft mit dem, jüdischen Volk, auf dem Papst Johannes Paul II. entscheidende Schritte getan hat, mit voller Kraft fortzusetzen." - Er hat auch bekannt: "Sowohl die Juden als auch die Christen erkennen in Abraham ihren Vater im Glauben und berufen sich auf die Lehren des Mose und der Propheten ... Die Spiritualität der Juden wird wie die der Christen aus den Psalmen gespeist." Er hat auch ein Motto des verstorbenen Papstes zitiert: "Wer Christus begegnet, begegnet dem Judentum." - Für die gute Wirkung des österlichen Zeugnisses ist ein zweiter Vorgang wesentlich Wir lesen im Evangelium: "Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift."- Wir beklagen die Ablehnung des Wortes Gottes durch einzelne Menschen und ganze Systeme. Vor einigen Tagen wurden die Osterevangelien wiederum als "schöne Frühlingsmärchen" bezeichnet, die heute weitgehend von den "netten Geschichten über den Osterhasen ersetzt werden und wir müssen auch vorsichtig sein gegenüber den esoterischen Verdrehungen des Wortes Gottes: Ein bisschen Christentum, vermischt mit Buddhismus, aufgeputscht mit einer sonderbaren Engellehre und schließlich gewürzt mit einigen Heilkräutern. - Wir dürfen auch nicht verfallen den frommen Verdrängungen des Evangeliums durch unbewiesene Visionen oder von der Kirche abgelehnte Erscheinungen oder Privatoffenbarungen. Der Ruf vor dem Evangelium am heutigen Sonntag ist eine wesentliche Bitte der Gläubigen .aller Zeiten- "Halleluja. Halleluja. Herr Jesus, erschließ uns die Schrift. Lass unser Herz entbrennen, wenn Du zu uns redest! Halleluja." - Das österliche Zeugnis der Christen muss sich umfassend zeigen: In der glaubwürdigen Verkündigung, in einem klaren Bekenntnis, in den überzeugenden Diensten der Liebe und schließlich in der schlichten Treue in allen Schwierigkeiten und Leiden.
Auf dem Weltjugendtag in Köln hat unser Heiliger Vater die jungen Christen aus aller Welt freudestrahlend angesprochen: "In diesen Tagen lade ich Euch ein, Euch rückhaltlos dem Dienst Christi zu widmen, koste es, was es wolle. Die Begegnung mit Jesus Christus wird Euch ermöglichen, innerlich die Freude über seine lebendige und lebensspendende Gegenwart zu genießen, um sie dann in Eurer Umgebung zu bezeugen." (18.08.2005) - Unsere namentliche Berufung zur Zeugenschaft geschieht im Sakrament der Firmung. Im Namen der ganzen Kirche spricht der Bischof in der Firmhomilie: "Ihr habt die Taufe empfangen, Nun soll euch auch die Kraft das Geistes Christi geschenkt werden, und ihr werdet auf der Stirn mit seinem Kreuz bezeichnet. Denn vor der Welt sollt ihr Zeugen seines Leid ans und seiner Auferstehung sein. Durch euch sollen die Menschen erfahren, was es heißt, als Christ zu leben." - So dürfen wir herzlich um den Heiligen Geist bitten:
"Dass wir allen Zeugnis geben,
die da sind und doch nicht leben,
sich betrügen mit dem Schein.
Lass den Blinden uns und Tauben,
Herz und Zunge aus dem Glauben,
aus der Liebe Zeugen sein!" (GL 637,3)
Wir kennen die Bitte der Kirche: "Allmächtiger Gott, gib uns die Gnade, dass wir auf Jesus hören, der unser wahrer Lehrer ist..." Im heutigen Evangelium werden uns einige Lehren Jesu übergeben. Ehrlich gesagt: Sie passen nur schwer in unsere menschlichen, politischen und kirchlichen Vorstellungen. Trotzdem! Sie sind überzeitlich, gültig und bindend. - Als "Schüler Jesu" dürfen wir die Worte des göttlichen Lehrers hören:
"In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger Über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten-, doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwöf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat." Mk 9, 30-37
Die erste Lehre: Der wahre Weg des Messias
Die jungen Apostel erwarteten den ersehnten Messias. Sie wussten um die religiösen und politischen Botschaften im Untergrund ihres Landes, das von den Römern besetzt war. Sie hofften: Der Messias wird irgendwo im Land auftauchen. Er wird kampfeswillige Männer um sich scharen und mit ihnen nach, Jerusalem ziehen. Auf dem Ölberg wird er den Befehl zum Sturm auf die unterdrückte Stadt brüllen. In einer siegreichen Schlacht wird er die verhassten Besatzer unterwerfen. Dann wird er zum Beweis seiner Sendung sich von der hohen Tempelzinne auf den harten Felsen stürzen. Die Engel Gottes werden ihn auffangen. Dann wird der Messias mit Hurra in die heilige Stadt geführt. Die Hohepriester, Ältesten und Schriftgelehrten werden ihm die Macht übergeben und ihm mit dem ganzen Volk huldigen. Dann wird er lsrael zu Macht und Reichtum führen. Und er wird - wie könnte es anders sein? die Kämpfer der ersten Stunde mit hohen Posten und viel Geld belohnen. Die eitle Erwartung der Jünger wird im Evangelium dokumentiert. Sie wird uns in einigen Wochen berichtet: "ln jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den anderen links neben dir sitzen." (Mk 16, 35-37) Es ging also den jungen Herren um die schlaue Planung der Ministerposten. Dann lesen wir weiter: "Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes." (10,41) Sie ärgerten sich allerdings nicht über ihr eiliges Vorgehen in der Postensicherung. Jesus belehrte nun seine Jünger über seinen wirklichen Weg nach Jerusalem: "Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen." (9,31) Der Erfolg der Grundsatzrede Jesu war enttäuschend: "Sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen." (9,32) Wir müssen bekennen: Jesus ist nicht gekommen, um ein politisches Reich zu gründen oder eine Nation zur Weltgeltung zu führen. Der Gottessohn ist in die Welt gekommen, um das Reich Gottes auszurufen, die Menschen zur Umkehr zu rufen und allen das ewige Heil anzubieten. Der Weg zum Heil führt nicht über politische Programme und militärische Einsätze und glorreiche Siege. Sein Weg geht über sein menschliches Scheitern: "Die Auslieferung an die Menschen", die Folterung und den schrecklichen Kreuzestod. Doch der Weg führt zum Ziel: zur herrlichen Auferstehung. Einige Tage vor seinem Tod hat Papst, Johannes Paul II. eine Gruppe Pilger mit gebrochener Stimme angesprochen: "Ich bitte auch, bewahrt die Treue zu Christus und zu seinem Kreuz!" Wenn wir die Lehre Jesu über seinen Weg annehmen, werden wir voll Freude singen können: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
Die zweite Lehre: Seid treue Diener
Auf ihrer Wanderung nach Jerusalem kamen Jesus und seine Apostel nach Kafarnaum. Die jungen Herrschaften hatten auf dem Weg heftig debattiert. Jesus fragte sie: "Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?" (33) Offenbar hatten sie ein dummes Gefühl und wollten nicht antworten. Im Evangelium heißt es: "Sie aber schwiegen". Über die Begründung darf man lächeln: "...denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei."(34) Das Streitgespräch der Jünger war jugendgemäß und köstlich unreif. Jetzt war die nächste Unterweisung Jesu fällig: "Da setzte er sich..." Er sprach also als neuer Mose, als wahrer Lehrer der ganzen Christenheit: "Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein."(35) - Das klingt hart. Jesus wirft unsere guten und bewährten Vorstellungen und Handlungsweisen unnachsichtig um; wieder einmal. Wir alle wollen - ehrlich gesagt - die Ersten, die Stärksten, die Größten, die Schönsten, die Tüchtigsten sein: Wir alle: Jeder in seinem Lebenskreis: Vom Kindergarten bis zu Altenheim. Wir möchten "Aufsteiger" sein; am liebstem "Senkrechtstarter" Wir wollen nach oben kommen, "nach oben gespült werden." Wir träumen von Karrieren und sind frustriert, wenn wir sie nicht schaffen. Und trotzdem: Die Jünger Jesu sind als "letzte Menschen" berufen, bewusst, unverkrampft und selbstlos "Diener aller" zu sein. Ein hartes Wort in unserer Leistungsgesellschaft! Eine Zumutung für die Kirche aller Zeiten! Und dennoch: Die Jünger Jesu sind verwiesen auf das Vorbild ihres Meisters, der eindeutig erklärt hat: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben für viele hinzugeben."(Mk 10,45) Die eckigen, harten, heiligen Worte vom "letzten Platz" und dem "Dienst an allen Menschen"! Sie müssen uns hinlenken zu einer allmählichen Bekehrung.
Die Gläubigen haben in den letzten zweitausend Jahren die Lehre des Herrn manchmal verstanden und oft übersehen. Ein hohes Verständnis hatte Maria, die Mutter des Herrn. Sie hat ihr grundsätzliches Bekenntnis uns allen übergeben: "Ich bin die Magd des Herrn..." (Lk 1, 38) Verständnis für den Auftrag Christi hat der heilige Franz von Assisi bewiesen. Zuerst wollte er adeliger Ritter werden, doch dann ist er "Minderer Bruder" geworden und hat den Letzten der damaligen Gesellschaft, den Aussätzigen gedient. Der verstorbene Papst Johannes Paul II, hat in dem Schreiben "Kirche in Europa" festgeschrieben: "Die ganze Kirche ist gefordert, den Armen wieder Hoffnung zu geben. Sie aufzunehmen und ihnen zu dienen, bedeutet für die Kirche, Christus aufzunehmen und ihm zu dienen." (86)
Die dritte Lehre: Nehmt die Geringen auf
Jesus setzte mit seiner überzeitlichen Katechese noch einmal an. Er tat es zeichenhaft, plastisch: "Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat." (9,36.37) In der damaligen Zeit galt ein Kind als unfertiger, geringer Mensch. Es war auch nicht Männersache, sich mit Kindern abzugeben. Im Evangelium steht das Wort "Kind" für alle unbeachteten, übersehenen, geringen Menschen! Die kleinen, die ungeliebten, die armen, die behinderten, die alten, die sonderbaren, die verrückten Menschen. Freilich, wir haben für diese Menschen Heime, Institute und Anstalten. Wir haben kirchliche und staatliche Stellen, die vieles leisten. Das ist gut so! Doch Jesus schickte das "Kind" nicht nur in ein städtisches Jugendamt oder in ein Caritasbüro. Er bewies dem "Kind" seine persönliche Liebe und göttliche Zuneigung: Uns allen zum Ansporn. Noch etwas fällt in der katechetischen Lehre unseres Herrn auf: "Und er stellte ein Kind in ihre Mitte."(36) - Wir Orden fragen: Wer steht heute in der Mitte der Jünger? In der ersten Enzyklika unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI lesen wir: "Die in der Gottesliebe verankerte Nächstenliebe ist zunächst ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, aber sie ist ebenfalls ein Auftrag an die gesamte kirchliche Gemeinschaft: Und dies auf allen ihren Ebenen: Von der Ortsgemeinde über die Teilkirche bis zur Universalkirche als ganzer. Auch die Kirche als Gemeinschaft muss Liebe üben." (20) In seiner überzeitlichen Lehre reisst Jesus noch einen riesigen Horizont auf: "Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat."(37) Die heilige Elisabeth von Thüringen lebte und wirkte in einer schwierigen Zeit. Es gab viele arme, kranke, verlassene und verstoßene Menschen. In Wohlstand und Reichtum erzogen, erkannte sie als junge Witwe den Grundauftrag des Herrn und wagte die Liebe trotz ihrer heftigen Ablehnung durch die hochadeligen Instanzen ihrer Zeit. An ihrem Gedächtnistag lässt uns die Kirche beten: "Gott, du Vater der Armen, du hast der heiligen Elisabeth ein waches Herz für die Armen gegeben, in denen sie Christus erkannte und verzehrte..." Wenn wir also einen geringen Menschen mit der Liebe Christi annehmen, "aufnehmen": Dann begegnen wir ihm, dem unsichtbaren, unergründlichen, unermesslichen Herrn. Dann nehmen wir ihn auf in einer wunderbaren Gemeinschaft.
Ein Zeuge des heutigen Evangeliums wird am 22. Oktober 2006 in Speyer zum Seligen der Kirche erhoben; Paul Josef Nardini. 1821 wurde er in Germersheim in der Rheinpfalz geboren. Seine Heimat war seit 1797 eine französische Provinz. 1816 kam sie an das Königreich Bayern. Die Menschen in dieser Gegend litten unter einem wirtschaftlichen Chaos. Der Vater des neuen Seligen war ein österreichischer Soldat. Er hat sich vor der Geburt seines Kindes aus dem Staub gemacht. Er hat sich nie um sein Söhnchen gekümmert. Es ist nicht einmal sein Name bekannt. Die Mutter musste den zweijährigen Jungen guten Pflegeeltern übergeben; sie konnte ihn nicht mehr ernähren. Der junge Mann konnte dann unter schwierigen Umständen studieren. Von 1843 bis 1846 studierte er auch Theologie in München. 1845 wurde er zum Priester geweiht. Der Dreissigjährige wurde Pfarrer in der Diasporagemeinde Pirmasens. Dort erlebte er Not und Elend vieler Menschen: sie waren ohne Arbeit und ohne Brot. Scharen von Bettlern durchzogen die Stadt. Es gab viele Straßenkinder. Paul Josef begann zu helfen, zu helfen, zu helfen. Er suchte Mithelfer. Schließlich gründete er die "Kongregation der Armen Franziskanerinnen von der heiligen Familie". Wir kennen sie als "Mallersdorfer Schwestern". 1862 ist er mit 40 Jahren gestorben.
Den Mitarbeitern in der christlichen Caritas hat er Hinweise gegeben, die dem Auftrag des heutigen Evangeliums entsprechen: "Nur wer arm ist mit den Armen, kann wahrhaft Arme pflegen und den Armen das Evangelium verkünden." "Der Glaube, beseelt vom Geist der Liebe Jesu Christi, bringt Taten der Liebe hervor, die die Welt verändern, uns selbst und die Menschen um uns." Sein Lebensmotto muss euch für unseren Alltag ein Ansporn sein: "Caritas Christi urget nos". Die Liebe Christi drängt uns." (2Kor 5,14)
Während des ganzen liturgischen Jahres, sprechen, singen, jubeln wir: "Deinen Tod. o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." - Dieser Ruf erlebt seinen Höhepunkt in der jährlichen Osterfeier, dem "Fest der Feste". (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium 241) - Nach den Impulsen des II. Vatikanischen Konzils sollen die Gemeinden und die einzelnen Gläubigen in der Fastenzeit, die österliche Taufentscheidung bewusst anzielen, erneuern und verlebendigen. Ostern muss ein kirchliches und persönliches Manifest des Glaubens werden. - Am heutigen Ersten Fastensonntag verkündet uns die Kirche ein uraltes Glaubensbekenntnis. Es gehört bis- heute zum täglichen Gebetsschatz der gläubigen Juden. Dieses Bekenntnis soll uns einstimmen auf die Tauferneuerung in der Osternacht. -
1. Das Bekenntnis der Hebräer.
Es war vor ungefähr 3200 Jahren. Das Volk Israel war unter der Führung des großen Mose aus der Sklaverei in Ägypten ausgebrochen. Es war eine mühsame Wanderschaft durch viele Jahre. Gleichzeitig wurde den Heimatlosen die wunderbare Gegenwart Gottes in einer Reihe von Zeichen geschenkt: In der Wüste, am Meer. In weltgeschichtlicher Größe wurde dem Volk die Herrschaft Gottes auf dem heiligen Berg Sinai geoffenbart'. Die Israeliten waren an den Jordan gekommen. Vor dem schon lange ersehnten Übergang in das "Gelobte Land", hielt Mose eine Rede an die Menschen. Er wusste, dass er das verheißene Land nicht betreten werde. Er wusste um das Ende seiner großen Sendung und um seinen Tod auf dem Berg Nebo. Trotzdem verkündete er den Menschen eine gute Zukunft: Ihr werdet das verheißene Land betreten. Ihr werdet die Felder bebauen. Ihr werdet gute Ernten einbringen. Ihr werdet leben.- Es ging ihm aber nicht um eine gute Wirtschaft, sondern um die Anerkennung und Anbetung des lebendigen Gottes. Mose begann seine Rede mit dem dankbaren Blick auf den Neubeginn:
"In jenen Tagen sprach Mose zum Volk:
Wenn du die ersten Erträge des Landes darbringst,
dann soll der Priester
den Korb aus deiner Hand entgegennehmen
und ihn vor den Altar des Herrn, deines Gottes stellen."(Dtn 26,
Dann übergab Mose dem Gottesvolk ein Urgebet, ein Glaubensbekenntnis,
ein Gelöbnis:
"Du aber,
sollst vor dem Herrn, deinem Gott,
folgendes Bekenntnis ablegen:
Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.
Er zog nach Ägypten,
lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten
und wurde dort
zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk.
Die Ägypter behandelten uns schlecht,
machten uns rechtlos
und legten uns harte Fronarbeit auf.
Wir schrieen zum Herrn, dem Gott unserer Väter,
und der Herr hörte unser Schreien
und sah unsere Rechtlosigkeit,
unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis.
Der Herr führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm,
unter großem Schrecken,
unter Zeichen und Wundern aus Ägypten,
er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land,
ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge,
von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, Herr.
Wenn du den Korb vor den Herrn, deinen Gott, gestellt hat,
sollst du dich vor dem Herrn, deinem Gott, niederwerfen."
Dieses Bekenntnis ist erschütternd menschlich und wunderbar groß. Es wird verkündet in der Sprache der Heilsgeschichte. Wir müssen es übersetzen in unseren persönlichen Lebensentwurf und in die Geschichte der Kirche und Welt. - In dem uralten Bekenntnis beklagen die Menschen ihre Ungeborgenheit, ihr Geworfensein, ihre Heimatlosigkeit.
Sie beweinen ihre Unterdrückung, ihre Entwürdigung, ihre Verwerfung. Und trotzdem: Sie erinnern sich "an den Herrn, den Gott unserer Väter". Zu ihm beten sie nicht nur. Ihn rufen sie nicht nur an. Zu ihm schreien sie: "Wir schrieen zum Herrn, dem Gott unserer Väter." - In ihrem Elend bekennen sie das göttliche Handeln: "...der Herr hörte unser Schreien", Wir sollen heute glauben: Gott hört uns. - "Er sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis." Wir dürfen erkennen: Gott sieht uns. Er sieht uns alle mit seinem göttlich guten Blick. - "Der Herr führte uns mit starker Hand und erhobenem Arm..." Wir dürfen vertrauen: Gott führt uns. Er nimmt uns liebevoll bei der Hand und führt uns durch Glück und Leid. Er führt uns in eine neue Zukunft: "In das Land, in dem Milch und Honig fließen." Wir dürfen das biblische Bild übersetzen: Er führt uns in das "Neue Jerusalem": In den Himmel des Friedens, der Freude und des unendlichen Glückes. Wir sind eingeladen, diese wunderbaren Zusagen langsam, fortschreitend zu verstehen. Wenn wir sie erfassen, dürfen wir "vor Gott treten". Hier handelt es sich um eine gesellschaftspolitische Formel: Wir dürfen wie bei einem Staatsempfang, als Geladene, als anerkannte Würdenträger vor Gott hintreten. - Wenn wir diese Ehre annehmen, dürfen wir "uns vor dem Herrn, unserem Gott, niederwerfen." Niederwerfen bedeutet: Anbeten. In den Jahrtausenden der Geschichte haben sich viele Herrscher göttlich verehren lassen. Die Menschen mussten sich vor ihnen auf den Boden werfen. Sie mussten ihnen Hände und Füße küssen. - Im heutigen Evangelium hören wir von den Versuchungen Jesu: "Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm ... alle Reiche der Erde ... Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben ... Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest ... Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen."(Lk 4,5-8) -
2. Die Einstimmung auf das Taufgelöbnis.
Das Bekenntnis der Hebräer soll uns heute einstimmen auf die auf die Erneuerung unseres Taufgelöbnisses in der Osternacht. - Das zeitlose Bekenntnis, das Mose seinem Volk übergeben hat, zeigt wichtige Schritte für die notwendige Einübung. Wir erkennen einen ersten Schritt:
Wir müssen das Vertrauen in den übergroßen und überlieben Gott bewusst einüben. In den Freuden, Leiden und Katastrophen sollen wir immer neu lernen: Gott ist da. Er ist unser Gott. Er hört uns. Er sieht uns. Er führt uns. Unser Vertrauen auf Gott müssen wir überprüfen und neu wagen. Als Vorbild sei die Heilige Edith Stein empfohlen! In Breslau in einer jüdischen Familie geboren, hat sie während ihres Studiums den Glauben an Gott verloren. Nach Jahren des geistigen Ringens entschied sie sich für die Taufe und wurde überzeugte Christin. Sie entschloss sich neu und wurde Ordensfrau in Köln. Im Jahr 1938 legte sie die ewigen Gelübde ab. Nach der "Reichskristallnacht" musste sie als gebürtige Jüdin nach Echt in Holland fliehen. Dort wurde sie von den Nationalsozialisten im Jahr- 1942 verhaftet und mit über 900 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz transportiert. Dort 'wurden alle vergast und verbrannt. Im klaren Wissen um dieses schreckliche Ende schrieb die Heilige, die wir heute als Mitpatronin Europas verehren, ihre Not und den Versuch ihres Vertrauens in einem erschütternden Bekenntnis nieder.- "Warum ist diese Angst in mir? Warum fürchte ich, mein Dasein ende im Nichts? Warum vertraue ich so wenig den Wurzeln meines Seins? Meine Sicherheit, mein Glaube, meine Ehre, mein Ansehen: Alles vergeht Wie Seifenblasen vor dieser jagenden Angst. Vielleicht muss ich ernst machen mit der Ruhe in mir, um nicht von jedem Windhauch umgeworfen zu werden. Vertrauen in Gott will eingeübt sein. Geborgenheit in Gott muss ersehnt und empfangen werden." - Dieses überaus nüchterne und doch klare Bekenntnis zum Vertrauen in Gott, möge uns allen hilfreich sein! - Das Urgebet des großen Mose, das er seinem Volk vor seinem Sterben übergeben hat, zeigt uns einen zweiten, überaus wichtigen Schritt auf unserem Lebensweg: Wir müssen in allen frohen und schrecklichen Stunden unseres Lebens und der Weltgeschichte, einen mutigen Blick in die Zukunft einüben. Unsere Erwartung ist nicht mehr das "Land, 'in dem Milch und Honig fließen". (9) Unsere Hoffnung ist der Herr. In der Osternacht werden wir unser Taufgelöbnis erneuern. Wir werden öffentlich bekennen: "Wir glauben an Jesus Christus, unseren Herrn, ... der gelitten hat und begraben wurde, der von den Toten auferstand und zur Rechten des Vaters sitzt." - "Wir glauben an die Auferstehung der Taten und das ewige Leben." Dieses österliche Bekenntnis muss uns formen und prägen. Dieses Bekenntnis müssen die Menschen in unserem Leben klar, überzeugend und anziehend erkennen. Es darf uns wiederum das Zeugnis eines glaubwürdigen Christen behilflich sein! - Am 23. Juni 1996 hat Papst Johannes Paul II. im Berliner Olympiastadium den Dompropst Bernhard Lichtenberg zum Seligen der Kirche erhoben, Der Priester wurde in Ohlau / Schlesien geboren. In Breslau wurde er zum Priester geweiht. Seine seelsorgliche Wirkungsstätte war Berlin. Nach der Pogromnacht erklärte er in der St. Hedwigs-Kathedrale: "Was gestern war, wissen wir. Was morgen ist, wissen wir nicht. Aber was heute geschehen ist, haben wir erlebt: Draußen brennt der Tempel. Das ist auch ein Gotteshaus." Öffentlich setzte er sich für die "Nichtarier" ein und protestierte gegen die menschenunwürdigen Methoden in den Konzentrationslagern. Schließlich wurde "der Gräuellügner Lichtenberg wegen heimtückischer Angriffe auf den Staat" in Schutzhaft genommen. Die Nazirichter forderten seine Treue zum "Tausendjährigen Reich" und verlangten sein öffentliches Bekenntnis zu dem größten Führer aller Zeiten: Adolf Hitler. Der Gefangene bekannte vor dem hohen Tribunal: "Ob das Dritte Reich tausend Jahre bestehen wird, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich: Jesus Christus ist derselbe: gestern, heute und in Ewigkeit."
- Das war zuviel! Nach einer Anzahl von Gefängnisstrafen, die seine Gesundheit ruiniert hatten, hieß es jetzt:. Ab nach Dachau! - Sein letzter Brief war ein Zettelchen, bekritzelt mit einigen Worten:
"Ich will nichts andres haben, als was mein Heiland will. Drum hält der Strafgefangene bis an das Ende still'. Und was der Heiland will, das steht schon lange fest: Apokalyps zwei, vom zehnten Vers den Rest! Salve! Bernhard Lichtenberg." -
Das so geheimnisvoll zitierte Bibelwort heißt: "Sei treu bis in den Tod! Dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben." -Der erschöpfte Priester ist auf dem Transport nach Dachau in Hof' gestorben. Sein letztes Bekenntnis war ein wunderbares, österliches Zeugnis. Nach dem Befehl der nationalsozialistischen Machthaber sollte seine Beisetzung am 16.November 1943 in Berlin "nichtöffentlich, ohne Wort und ohne Gesang" sein. Trotzdem kamen Tausende Gläubige auf den Friedhof. Ohne jede Absprache begann ein Christ die befohlene, unheimliche Stille zu durchbrechen. Er begann ein Osterlied anzustimmen. Und die vielen Gläubigen sangen, riefen und schrieen voll Begeisterung:
"Triumph, der Tod ist überwunden! Zum Leben der Unsterblichkeit ist selbst durchs Grab der Weg gefunden. Bekenner Jesu, singt erfreut: Alleluja! Alleluja!" -
Und sie sangen noch lange. Begeistert stimmten sie das "Te Deum" an: "Großer Gott wir loben dich ... " Diese Lieder an einem Grab haben die Nazigrößen nicht erwartet. Sie waren völlig durcheinander. Der österliche Sieg in der Zeit der Bedrängnis und Verfolgung war herrlich. - Das große Bekenntnis des Mose vor über dreitausend Jahren soll uns heute, morgen und immer einstimmen auf unser christliches Bekenntnis. In der zweiten Lesung, die uns die Kirche heute verkündet, wird uns ein österlicher Zuspruch gegeben. Der heilige Paulus hat ihn in seinem Brief an die Römer für die Gläubigen aller Zeiten verankert. Die Anrede gilt uns höchstpersönlich:
"Wenn du mit deinem Mund bekennst:
'Jesus ist der Herr'
und in deinem Herzen glaubst:
'Gott hat ihn von den Toten auferweckt',
so wirst du gerettet werden.
Wer mit dem Herzen glaubt
und mit dem Mund bekennt,
der wird Gerechtigkeit und Heil erlangen." (Röm 10, 9.10)
"Halleluja. Halleluja. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Halleluja."
So ruft und singt heute die ganze Kirche. Wir feiern Pfingsten. Wir feiern den dritten Höhepunkt des österlichen Ereignisses: Die Sendung des Heiligen Geistes durch den auferstandenen Herrn. Unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., hat eine Pfingstpredigt in St .Peter zu Rom, mit einer Erklärung begonnen: "Die Erste Lesung und das Evangelium des Pfingstsonntags führen uns zwei große Bilder von der Aussendung des Heiligen Geistes vor Augen. Die Apostelgeschichte erzählt, wie am Pfingsttag unter den Zeichen eines heftigen Sturmes und des Feuers der Heilige Geist in die betende Gemeinde der Jünger Jesu einbricht und damit die Kirche ins Leben ruft. Das zweite Bild von der Aussendung des Geistes, das wir im Evangelium finden, ist viel verhaltener. Aber gerade dadurch lässt es uns die ganze Größe des Pfingstgeschehens erfassen."(15.Mai 2005) Wir sind eingeladen, das grundlegende Evangelium zu betrachten. Der Theologe Rudolf Schnackenburg zögert nicht festzustellen: "Dieses Evangelium ist für den Osterglauben, das Leben und die Zukunft der Kirche, von entscheidender Bedeutung."
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am Abend des ersten Tages :der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
die Türen verschlossen hatten,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu Ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten
zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an
und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt,
dem sind sie vergeben;
wem ihr die Vergebung verweigert,
dem ist sie verweigert."
(Joh 20,19 - 23)
1. Der erste Vorgang: Der Auferstandene kommt und bringt Frieden.
Es war nach dem großen Sabbat. Die Freunde Jesu waren im Untergrund, im Versteck. Sie waren schockiert wegen der entsetzlichen Kreuzigung Jesu. Sie waren betroffen durch die Tatsache des leeren Grabes. Und sie waren völlig verwirrt durch die feste Behauptung der Maria von Magdala: "Ich habe den Herrn gesehen."(Joh 20, 28) Die Jünger und Jüngerinnen waren beisammen und hatten die Türen geschlossen, versperrt, verrammelt. Sie hatten Furcht vor einem polizeilichen Zugriff. Sie hatten Angst um ihr Leben. Da geschah etwas Unerhörtes, etwas Unbegreifliches, etwas menschlich Unmögliches: "Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!" (19) Das ist der erste Vorgang, der im heutigen Evangelium verkündet wird. Und er geschieht heute: Der Auferstandene kommt auf seine verschüchterte, verängstigte, verwirrte Kirche zu. Er tritt in ihre Mitte. Wir zerstreiten uns oft wegen Kleinigkeiten. Wir kämpfen oft für Nebensächlichkeiten. Wir jammern und schimpfen über die böse Welt, die klägliche Kirche und die schlechten Menschen. Hilflos und verdrossen ärgern wir uns über uns selber: Da steht er plötzlich da und sagt liebevoll: "Shalom!" "Friede! Friede sei mit euch!" Wir beklagen Kriege und Bürgerkriege. Jeden Tag werden wir mit Bildern der Feindschaft und des Hasses beliefert. Was ist los mit unserem alten Europa? Was ist los in vielen Ländern unserer guten Erde? Neulich hat unser Heiliger Vater geklagt: "Die Feindseligkeiten nehmen dramatische Äusmaße an..." Wir müssen in der Kirche eine Gemeinschaft sein, in welcher der Friede Christi da ist, zur Wirkung kommt und weiterströmt. In der Feier der Eucharistie werden wir angesprochen: "Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung!" In der lateinischen Sprache ist die Aufforderung ein wenig drängender: "Offerte vobis pacem!" Man könnte übersetzen: Teilt euch den Frieden mit! Schenkt einander den Frieden! - Ja, das muss geschehen auf dem ganzen Globus!
2. Der zweite Vorgang: Jesus stellt sich der Kirche vor.
In dem überaus dichten Evangelium wird ein zweiter Vorgang geschildert. "Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite."(20) Jesus hat damit den Gläubigen aller Zeiten gezeigt: Ich bin kein Phantom und kein Gespenst. Ich bin der Gekreuzigte und Auferstandene. Ich bin der Herr. In verschiedenen Magazinen wurde heuer zu Ostern das österliche Ereignis wiederum zerredet: Jesus war nur scheintot. Er wurde aus dem Grab durch Nikodemus und Josef von Arimathäa befreit. Er wurde von Maria von Magdala gesund gepflegt. Jesus hat sie dann geheiratet. Er ist im Alter eines ruhigen Todes gestorben. Ein Zitat von Franz Alt wurde wieder ausgedruckt: "Eine bis heute wundergläubige Theologie und Verkündigung erklärt Jesus am Kreuz für tot; verwandelt seine Leiche anschließend in ein Gespenst, das sich je nach Bedarf sichtbar und unsichtbar machen und schließlich in die Wolken aufschweben kann. Eine Zumutung für jeden denkenden Menschen. Welch primitives Jesus- und welch primitives Gottesbild." (Jesus, der erste neue Mann S 55) Wenn Jesus nur ein großer und guter Mensch gewesen ist, bleiben seine Forderungen im Evangelium unverbindlich. Wenn Jesus ein exemplarischer, aber toter Mann der Geschichte ist, kann man ihn vergessen. Wir aber sollen wissen: Er ist wirklich der Auferstandene. Er ist wirklich der Sohn Gottes. Er ist wirklich der Herr. Im Evangelium wird die Reaktion der Jünger festgehalten: "Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen."(20) Wir sind herzlich eingeladen, uns über die machtvolle Gegenwart unseres verklärten Herrn in der Gemeinschaft der Glaubenden zu freuen.
3. Der dritte Vorgang: Jesus gibt seine Sendung weiter.
Der dritte Vorgang im heutigen Evangelium ist von weltgeschichtlicher Tragweite: Jesus, der Messias der Juden und der Herr aller Menschen, gab seine einmalige, göttliche Sendung weiter. Damit begann er eine neue Zeit, die Zeit seiner Kirche. Die neue Epoche leitete er mit dem Ostergruß ein: "Friede sei mit euch!" Dann sagte er zu seinen Jüngern, also zu schlichten, guten, begrenzten und sündigen Menschen ein überragendes Wort: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." (21) Der Vergleich der Sendung von schwachen Menschen mit der universalen Sendung des Auferstandenen übersteigt alle Vorstellungen. Doch die Worte des auferstandenen Herrn stehen fest.
In seiner Inaugurationsrede - so könnte man sagen - hat Jesus in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret die Worte des Propheten Jesaja kraftvoll auf sich bezogen: "Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Lk 4,18) Zusammenfassend hat Jesus seine Sendung umschrieben: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist." (Lk 19,10) In einer Zeit des kirchlichen Verfalls hat der heilige Franz von Assisi an den unverzichtbaren Dienst der Christen erinnert: "Brüder und Schwestern, ihr seid der Welt zum Heil gegeben." Die ständige Sorge für das Heil der Menschen ist der ganzen Kirche übergeben. Wir kennen aber verschiedene Berufungen und Aufgaben. Vor einigen Tagen hat unser Heiliger Vater die Bischöfe, Priester und Diakone angesprochen: "Ihr seid die engsten Mitarbeiter in der Verkündigung des Evangeliums und im Dienst am Reich Gottes..."(29.04.07) Wir kennen die Dienste der Brüder und Schwestern in der Katechese und Gemeindepastoral. Wir kennen die Dienste der Kindergärtnerinnen und Firmhelfer. Wir kennen die vielen, schlichten Dienste namenloser Christen, die durch ihr Wort und ihre Liebe dem Heil der Menschen nützlich sind. Und wir kennen den überaus wichtigen Heilsdienst gläubiger Eltern. In der Lesung des heutigen Hochfestes wird uns klar und eindeutig verkündet: "Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt." (1 Kor 12, 5-7)
4. Der vierte Vorgang: Jesus rüstet seine Jünger mit dem Geist aus.
Für die unverzichtbare Heilsaufgabe hat nun Jesus Jünger ausgerüstet. Der vierte Vorgang wird in der heutigen Frohbotschaft mit einem einzigen, überaus dichten Satz ausgesprochen: "Nachdem der Herr das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist." (22) Mit dem Anhauchen durch den Herrn werden wir erinnert an die Tatsache: Der Geist ist Leben, Atem, Sturm. In dem klassischen Pfingstbericht, der uns in der Apostelgeschichte übergeben wird, hören wir: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem, sie waren." (2,2) Das Geschenk des Auferstandenen ist der Heilige Geist. Diese Botschaft ist übergroß. Die Kirche ist die Trägerin des Geistes: Die gute, menschliche, sündige, böse, heilige Kirche. Wir dürfen eine Folgerung aussprechen: Wir guten, begrenzten, sündigen Christen: Auch wir sind Träger des Heiligen Geistes. Wir haben die "Gabe des Geistes" in den Sakramenten der Taufe, der Firmung und der Weihe erhalten. Wir dürfen uns an ein Gebet erinnern, das der Bischof in der Stunde der Firmung über uns gesprochen hat. Zuerst hat er eine feierliche Anrede gesagt: "Allmächtiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus." Dann hat er einen deutlichen Bezug zur Taufe verkündigt: "Du hast diese jungen Christen in der Taufe von der Schuld Adams befreit, du hast ihnen aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt." Dann hat er im Namen der ganzen Kirche die wesentliche Bitte ausgesprochen: "Wir bitten dich, Herr, sende ihnen den Heiligen Geist, den Beistand ..." Dann hat er unsere Stirn mit Chrisam gesalbt und mit einem Kreuz bezeichnet. Er hat uns persönlich mit dem Vornamen angesprochen und erklärt: "N., sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." Diesen hochwichtigen Vorgang haben wir bestätigt mit einem dankbaren "Amen." Wir dürfen uns zum hohen Pfingstfest beglückwünschen:
Der Herr kommt auf uns zu.
Er schenkt uns seinen Frieden.
Er beauftragt uns mit seiner Sendung.
Er erfüllt uns mit seinem Heiligen Geist.
Vereint mit allen Glaubenden auf dem ganzen Erdkreis dürfen wir beten: "Allmächtiger, ewiger Gott,
durch das Geheimnis des heutigen
Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes,
und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn."
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf, und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst die viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden." - Lk 10,38 - 42 1.
1. Die große Lehre unseres Herrn Jesus Christus.
Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem. Die Juden hatten von dem messianischen Weg sehr welthafte Erwartungen: Der ersehnte Befreier werde mit kampfbereiten Soldaten nach Jerusalem marschieren. Er werde die verhassten Besatzer besiegen. Er werde die Macht ergreifen. Er werde schließlich seine treuen Jünger, alle Verantwortlichen des Landes, und auch das ganze Volk, zu Ansehen, Macht und Reichtum führen. Der messianische Weg Jesu führte wirklich nach Jerusalem. Dort musste er die schreckliche Kreuzigung erleiden. Dort ist er herrlich von den Toten auferstanden. Dort hat er seine universale Herrschaft zu Leben, Glück und Heil der Menschen begonnen. Auf diesem Weg gab nun der Herr gültige Anweisungen für das persönliche Leben der Menschen und für die Gestaltung der Welt.- Jesus kam nun auf seinem heilsgeschichtlichen Weg in ein Dorf "und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf."(38) Nach guter Art der Hausfrauen war sie "ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen."(40) "Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß" (39) Sie war offenbar ein noch junges Mädchen. "Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu."(39) Sie verhielt sich also wie eine Studentin in einer Hochschule, die von einem hohen Lehrer Weisheit lernen wollte.- Marta fühlte sich in der Küchenarbeit alleingelassen. Sie schimpfte aber ihre junge Schwester nicht, sondern schaltete Jesus ein. Er sollte für Ordnung sorgen: "Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überläßt9 Sag ihr doch, sie soll mir helfen!"(40)- Jesus lobte nun die Arbeit der guten Hausfrau: "Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. (41) Dann gab ihr der Herr eine klare, göttliche Lehre: "Aber nur eines ist notwendig."(41) Also: Wirklich notwendig im persönlichen Leben, in der Kirche, in der Welt; wirklich notwendig in der Kultur, in der Bildung, in der Politik, in der Wirtschaft, ist nur eines: Das Wort Gottes zu hören, zu verwirklichen und zu verkünden. Wer das ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Verantwortung begreift, darf die Wertung Jesu ein wenig auf sich beziehen: "Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden."(42)- Für diese Grundforderung Jesu bietet uns die Kirche in der zweiten Lesung ein großartiges Zeugnis des heiligen Paulus an. Er hat seinen Freunden in Kolossae, trotz aller Leiden eingestanden: "Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort in seiner Fülle verkündige..."(Kol ly25) Mit leidenschaftlichen Worten hat der Apostel seinen Glauben bezeugt: "Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden mit aller Weisheit, um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen." (27/28)
2. Das notwendige Zeugnis der Kirche im dritten christlichen Jahrtausend.
Das vorrangige Leitwort für die Kirche von heute und morgen heißt: "Neuevangelisation". Am vorletzten Tag seines nur einmonatigen Petrusdienstes hat Papst Johannes Paul I. dieses Programm übergeben. (+ 28.09..1978) - Viele Zeitgenossen auf dem Erdkreis sind der festen Meinung: Die Botschaft Jesu ist am Ende. Die Vertreter des Nationalsozialismus und Kommunismus haben das Evangelium unterdrückt. Die "Zwangsatheisierung" stand auf der Tagesordnung. In unserem Nachbarland, der Tschechischen Republik, bekennen sich von l0 Millionen und 230 000 Einwohnern nur ein Viertel zur katholischen Kirche. In manchen Ländern der Dritten Welt, die von Hunger und Krieg bedrängt werden, werden die Christen unterdrückt und verfolgt. Vor einigen Tagen ging ein Bericht über die Gläubigen im Libanon durch die Presse: "Wir leben in einer extrem kritischen Situation". So lautete die besorgte Erklärung von Bischof Flavian Joseph Melki. (DT 28.06.2007) - Bei dem Ad-limina-Besuch der ersten Gruppe der deutschen Bischöfe im Vatikan, hat unser. Heiliger Vater eine weitere Bedrohung des Glaubens angesprochen: "Die Bundesrepublik Deutschland teilt mit der ganzen westlichen Welt die Situation einer von der Säkularisierung geprägten Kultur, in der Gott immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet, die Einzigkeit .der Gestalt Christi verblasst und die von der kirchlichen Tradition geformten Werte immer mehr an Wirkkraft verlieren. So wird auch für den Einzelnen der Glaube schwieriger; die Beliebigkeit an Lebensentwürfen und Lebensgestaltungen nimmt zu. Dieser Situation sehen sich Hirten wie Gläubige der Kirche gegenübergestellt. Nicht wenige hat deshalb Mutlosigkeit und Resignation befallen, Haltungen, die das Zeugnis für das befreiende und rettende Evangelium Christi hindern." (10.11.2006)- Abzulehnen sind auch die esoterischen Verfälschungen der Heiligen Schrift. Sie zeigen eine bedenkliche Zunahme. Aufzuklären sind auch jede, sicher wohlmeinenden Gläubigen, die zu unbewiesenen, oder von der Kirche abgelehnten "Erscheinungen", "Visionen" oder "Offenbarungen" neigen. Sie dürfen nicht verfallen den vermeintlichen Forderungen einer "weinenden Muttergottes", welche die "Handkommunion" oder die "Neue Messe" verbieten will. Zu den Verrücktheiten gehören Mahnworte von Bischöfen aus dem Fegefeuer, die noch leiden müssen wegen ihrer Mitarbeit beim II. Vatikanischen Konzil. Undiskutabel sind die "Offenbarungen des Judas aus der Hölle" und "Worte des Luzifer" aus der Verdammnis.- Wir sind aufgerufen, das Wort Gottes zu hören und zu tun. - Papst Johannes Paul M hat in seinem Apostolischen Schreiben "Novo Millennio ineunte" ein erneuertes Hören des Wortes Gottes gefordert. Programmatisch hat er geschrieben: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität der Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends."(40) Unser Papst Benedikt XVI. hat in diesem Jahr die Forderung seines Vorgängers erneuert: "Wir müssen zum Hören auf das Wort Gottes erziehen." (29.04.2007) -
Als "Diener des Wortes" müssen wir das Evangelium bezeugen, weitergeben, verkünden. Der verstorbene Papst aus Polen hat geradezu testamentarisch bekannt: "Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Aufruf zur Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, dass es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, dass wir uns von dem glühenden Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen lassen ... Diese Leidenschaft wird es nicht versäumen, ein neues missionarisches Engagement in der Kirche zu wecken, das nicht einer kleinen Schar von Spezialisten übertragen werden kann, sondern letztendlich die Verantwortung aller Glieder des Gottesvolkes einbeziehen muss. Wer Christus wirklich begegnet ist, kann ihn nicht für sich behalten, er muss ihn verkündigen." (NMI 40) -
Bei seinem Besuch in Bayern hat unser Heiliger Vater im Münchener Liebfrauendom die Kommunionkinder, ihre Eltern, Erzieher und Seelsorger klar angesprochen: "Liebe Kommunionkinder! ... Jesus führt die Menschen zu den Quellen des Lebens. Zu diesen Quellen des Lebens gehört die Heilige Schrift, in der Gott selber zu uns spricht und sagt, wie man richtig lebt." - Liebe Eltern! Ich möchte Euch herzlich einladen, Euren Kindern glauben zu helfen ... und sie auf ihrem Weg zu Jesus und mit Jesus zu begleiten." - "Liebe Religionslehrer und Erzieher! Euch bitte ich von Herzen, die Frage nach Gott, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat, in der Schule gegenwärtig zu halten." (10.09.2006) - Ein strahlender Zeuge für die Frohbotschaft wer Josef Zvellrina. Er lebte und wirkte vor allem in Prag. Als junger Priester wurde er von den Nationalsozialisten in ein Internierungslager verfrachtet. Im Jahr 1952 wurde er mit 30 engagierten Gläubigen von den Kommunisten verhaftet und für 14 Jahre in verschiedenen Gefängnissen kaltgestellt. Nach seiner Freilassung arbeitete er in der Versenkung. Aus dem Untergrund schrieb er einen Brief an die bedrängten und verfolgten Christen. Seine kraftvolle und siegesbewusste Botschaft wurde oft und oft abgeschrieben und geheim weitergegeben: "Brüder und Schwestern! Schleudert der Welt die Gute Botschaft entgegen: Die Botschaft, dass ihr Feuer bringt und wollt, dass es brennt. Legt selbst den Glaubensmut an den Tag, der Vom Heiligen Geist kommt! Rüttelt die Gleichgültigen auf! Helft den Suchenden! Tröstet die Bedrückten! Befreit die Welt vom falschen Vertrauen in die Technik und vom Primat der Wirtschaft! Durchschaut die neuen Mythen und die Glaubenssurrogate! Vor allem aber zeigt die Wege, die zum Evangelium führen! Die Liebe Christi und die Kraft des Heiligen Geistes ist mit euch!" - Am Anfang des dritten, christlichen Jahrtausends, wurde der Weltkirche ein wesentliches Gebet Übergeben. Es wird in eine neue Zukunft führen: "Vater, lass uns der Stimme des Geistes gehorchen und Christus in Treue nachfolgen. Gib, dass wir unablässig auf dein Wort hören und aus den Quellen der Gnade schöpfen. Trage, Vater mit der Kraft des Geistes die Kirche beim Einsatz für die neue Evangelisierung. damit wir durch unser Leben Christus verkündigen. Lob und Ehre sei dir, dem einzigen und höchsten Gott, der allerheiligsten Dreifaltigkeit."
Wir feiern das Jahresgedächtnis der Weihe unserer Kirchen.- In einem alten Lexikon ist zu lesen: "Das Kirchweihfest wird meist mit weltlichen Feiern begangen: Jahrmarkt, Tanz und anderen Belustigungen. Früher war es in Stadt und Land das volkstümlichste und am üppigsten gefeierte Volksfest." (Der große Herder, 1933) - Wenn auch in manchen Gegenden Reste dieser Vorstelllungen zu finden sind, müssen wir doch bekennen: Die Feier des Gedächtnisses der Weihe einer Kirche, ist ein vorrangig christliches und gemeindliches Ereignis. - In der Praefation werden wir eingeladen zum Lob Gottes und in eine neue Erfahrung der wunderbaren Wirklichkeit unserer Kirche. Das Eucharistische Hochgebet beginnt mit hohen Worten des Gebetes und der Verkündigung:
"In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Zu deiner Ehre wurde dieses Haus errichtet, in dem du deine pilgernde Kirche versammelst, um ihr darin ein Bild deiner Gegenwart zu zeigen und ihr die Gnade deiner Gemeinschaft zu schenken. Denn du selbst erbaust dir einen Tempel aus lebendigen Steinen. Von allen Orten rufst du deine Kinder zusammen und fügst sie ein in den geheimnisvollen Leib deines Sohnes. Hier lenkst du unseren Blick auf das himmlische Jerusalem und gibst uns die Hoffnung, dort deinen Frieden zu schauen. Darum preisen wir dich in deiner Kirche und vereinen uns mit allen Engeln und Heiligen zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig, heilig, heilig,
Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.
Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe.
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe." -
1.Wir feiern Kirchweihe, denn: "Zu deiner Ehre, 0 Gott, wurde dieses Haus errichtet, in dem du deine pilgernde Kirche versammelst." –
Wir kennen Denkmäler von Kaisern, Königen, Dichtern, Musikern und Heiligen. Wir kennen Gedächtnisstätten für verdiente Persönlichkeiten, die wegen ihrer politischen, wissenschaftlichen und sozialen Dienste Anerkennung gefunden haben. Wir kennen Mahnmale. die an schreckliche Vorgänge in der Geschichte erinnern. Am 7.September dieses Jahres hat unser Heiliger Vater vor dem Mahnmal der Juden in Wien still gebetet. Dieses Zeichen wurde allgemein anerkannt. Wir kennen Denkmäler, die unter dem besonderen Schutz des Staates stehen. Am 9. September 2007 wurde in unserem Land der "Tag des offenen Denkmals" gefeiert. Tausende Kirchen und Kapellen stehen unter "Denkmalschutz". Das ist gut! - Wir sollen aber wissen: Alle Kirchen, ob alt oder neu, ob herrlich oder schlicht, wurden "zur Ehre Gottes" erbaut. Wir dürfen uns freuen über jede Kirche in Stadt und Land. Jedes Haus Gottes ist ein sichtbares Zeugnis: Der allmächtige und allgütige Gott existiert wirklich. Wir müssen bekennen: "Ihm sei Ehre und Anbetung!" –
2. Wir feiern Kirchweihe, denn der dreifaltige Gott versammelt die pilgernde Kirche, "um ihr ein Bild seiner Gegenwart zu zeigen und ihr die Gnade seiner Gemeinschaft zu schenken." -
Eine engagierte Christin erzählte von ihrer plötzlichen Glaubensunsicherheit: "Wie ist das mit Gott? Man hört ihn nicht. Man sieht ihn nicht. Er greift nicht ein. Mich quält die düstere Frage: Gibt es ihn überhaupt?" - Vor einigen Jahren hat ein "Liedermacher" eine dumme Katechese gesungen: "Mein liebes Kind! Der liebe Gott, der hat den Himmel zugemacht; ist abgereist; ist ganz weit weg; und kümmert sich 'nen Dreck."(Biermann)- In die Not der vermeintlichen "Abwesenheit Gottes" hat die Kirche im II. Vatikanischen Konzil eine wesentliche Botschaft gegeben: Die Impulse werden heute als "herrlicher Durchbruch" anerkannt: "Um das große Werk des Heiles voll zu verwirklichen, ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen." - "Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten." - "Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass, wenn einer tauft, Christus selber tauft." - "Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selber spricht, wenn die Heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden." - "Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Mt 18,20) -In den Apostolischen Schreiben der letzten Jahre und in der Enzyklika unseres Papstes Benedikt XVI. "Deus Caritas est", (25.12.2005) werden wir an eine weitere Gegenwart Christi erinnert. Er begegnet uns in den armen, bedrängten und bedrückten Menschen. In der hohen Gerichtsrede erklärt der Herr: „Ich war hungrig... ich war durstig.. .ich war krank. ..ich war fremd und obdachlos... (Vgl. Mt 25, 31 – 40). In diesem Jahr feiern wir den 800.Geburtstag der heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie ist ein Vorbild christlicher Liebe. Im Tagesgebet lehrt uns die Kirche zu bekennen: Gott, du Vater der Armen, du hast der heiligen Elisabeth ein waches Herz für die Armen gegeben, in denen sie Christus erkannte und verehrte..." - Wir dürfen den Herrn herzlich bitten: "Laß uns deine vielfältige Gegenwart immer tiefer erfahren und beglücke uns mit deiner Gemeinschaft!" -
3. Wir feiern Kirchweihe und beten voll Vertrauen zu Gott: "Du erbaust dir einen Tempel aus lebendigen Steinen. Von allen Orten rufst du deine Kinder Zusammen und fügst sie ein in den geheimnisvollen Leib deines Sohnes." -
Es geht bei dem Ereignis "Kirche" nicht um alte oder moderne Bauwerke; es geht um Christus und es geht um uns: die Jünger Jesu. Das Bild vom Tempel in Jerusalem wird göttliche Wirklichkeit. Der heilige Paulus erinnert seine Freunde in Ephesus und die Christen aller Zeiten: "Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn." (Eph. 2,20/21) -. Wir erhalten eine ehrenvolle Einladung: "Kommt her zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen!" (1Petr 2,4/5) - Vor einigen Wochen hat unser Heiliger Vater den vielen Wallfahrern in Mariazell eine klare Deutung der biblischen Bilder gegeben: "Auf Christus schauen! Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass das Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Forderungen und Gesetzen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und Sterben trägt: Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde." (Joh 15,15) - (08.09.2007) - Im Stephansdom zu Wien hat der Papst erklärt: "Gerade weil es am Sonntag zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament geht, umspannt sein Radius die ganze Wirklichkeit." (09.09.2007) –
4. Wir feiern die Kirchweihe in einer frohen, österlichen Erwartung. In der Praefation besingt die Kirche auf dem ganzen Erdkreis den unbegreiflichen Gott: "Du lenkst unseren Blick auf das himmlische Jerusalem und gibst uns die Hoffnung, dort deinen Frieden zu schauen." -
Bei dem Stichwort "Kirche" denken viele Zeitgenossen an eine "Institution" in einem sehr. welthaften Sinn. Sie sehen die Planung, die Verwaltung und - wie könnte es anders sein? - das liebe Geld. Andere brave Mitmenschen erkennen in der Kirche eine anständige Einrichtung für gelegentliche religiöse Angebote. Manche Christen leiden an der oft allzumenschliche Kirche, besonders wenn Verfehlungen und Skandale ihr Ansehen verdunkeln. Wir kennen auch die kalte Meinung mancher Mitbürger: Die Kirche ist heute überflüssig; sie muss weg. Wir wissen auch um die Bedrängnis und Verfolgung der Christen und der Kirche in allen Jahrhunderte. - Die Kirche bietet uns heute einen herrlichen Durchblick an. Auf der schrecklichen Verbrecherinsel war Johannes ausgesetzt. In seinem aussichtslosen Elend wurde ihm eine wunderbare Vision geschenkt, ein heilsgeschichtlicher Durchblick ungeahnter Größe. Seine Botschaft gilt für die Kirche aller Zeiten: "Ich Johannes , , sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel kommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen gen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu." (Offb. 21.1 - 5) -
Am heutigen Fest der Kirchweihe freuen wir uns nicht nur über ein altes oder neues Gotteshaus. Wir feiern unsere Hoffnung auf unsere wahre Heimat das neue Jerusalem die vollendete Kirche. Dort werden wir leben in Freude und Glück und Seligkeit. - Mit jugendlichen Worten hat der verstorbene Papst Johannes Paul II. die bedrängte Kirche in Europa aufgemuntert: "Hab Vertrauen! Im Evangelium, das Jesus ist, wirst du die Reste und dauerhafte Hoffnung finden, nach der du dich sehnst. Es ist eine Hoffnung, die auf den Sieg Christi über die Sünde und den Tod gegründet ist. Er hat gewollt, dass dieser Sieg dir gehört, zu deinem Heil und deiner Freude." (Ecclesia in Europa 121) –
In dieser sicheren Erwartung sind wir eingeladen, mit der ganzen Kirche zu Maria, der Mutter der Kirche, zu beten:
"Maria, Mutter der Hoffnung, gehe mit uns!
Lehre uns, den lebendigen Gott zu verkünden;
hilf uns, Jesus, den einzigen Retter zu bezeugen!
Morgenröte einer neuen Welt, erweise dich als Mutter der Hoffnung und wache über uns!
Wache über die Kirche in Europa;
in ihr scheine das Evangelium durch!
Sie sei ein wirklicher Ort der Gemeinschaft;
sie lebe ihre Sendung, das Evangelium der Hoffnung
zu verkünden, zu feiern und ihm zu dienen für den Frieden und zur Freue aller...
Maria, schenke uns Jesus!
Mache, dass wir ihm folgen und ihn lieben!
Er ist die Hoffnung der Kirche,
Europas und der Menschheit.
Er lebt bei uns, mitten unter uns, in seiner Kirche. "
Mit Dir sprechen wir: Komm, Herr Jesus!" (Offb 22,20) –
(Ecclesia in Europa 125)
"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Nochnmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe." (Phil 4,4/5)
- Mit diesem adventlichen Ruf begrüßt uns heute die Kirche. Sie lädt uns ein, in der Erwartung des Geburtstages Christi die "Freude im Herrn" bewußt einzuüben. Auch wenn uns Probleme bedrücken und Sorgen belasten und Ängste quälen:Wir werden ermuntert: "Freut euch!" Dabei geht es nicht um eine vitale Daseinsfreude oder eine gesunde Lustigkeit. Ernsthaft wird uns zugemutet die "Freude im Herrn". Sie soll nicht nur in einigen kurzen, glücklichen Augenblicken erfahren werden. Sie muß für gläubige Christen ein Dauerzustand werden. Die apostolische Ermunterung ist klar: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!" - Die Kirche schenkt uns heute einen überraschenden Aufruf des Propheten Jesaja.Und Jesus stellt sich der Menschheit vor als der Vollender der wunderbaren Verheißung. -1. Aufruf zu Freude im Herrn.
Der große Prophet Jesaja singt den bedrängten Israeliten vor vielen Jahrhunderten ins Herz:
"Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen,
die Steppe soll jubeln und blühen.
Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie,
jubeln soll sie, jubeln und jauchzen.
Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen,
die Pracht unseres Gottes." (Jes 35,1/2)
Diese Worte sind keine weltfremde Dichtung, sondern ernsthafte Ermunterung und Mahnung. Wir sind nicht nur zu einer braven, stillen Freude eingeladen, sondern wirklich zum Jubel. Mit dem kurzen Zuspruch werden wir dreimal eingeladen zum "jubeln" und einmal sogar zum "jauchzen". Wir kommen an der Frage nicht vorbei: Können wir wenigstens manchmal über Gott und sein Heil jubeln?
In einem Heim für verlassene und abeschobene Jugendliche durfte ich mit einer Gruppe Eucharistie feiern. In einem liturgischen Text stand auch die Einladung zum Jubel. Bei dem Predigtgespräch fragte ein Schüler: "Ist das mit dem Jubel ernst gemeint?" - Ich antwortete: "Ja, selbstverständlich." - In die betretene Stille fragte ich den jungen Burschen: "Na wie hast du schon einmal gejubelt?" - Er gab mir die köstliche Antwort: "Ich hab' vor drei Wochen gejubelt, wie ich in unserem Fußballklub das erste Tor geschossen hab'..." Ich fragte weiter: "Und wie hast du gejubelt?" - Seine Antwort war überraschend: "Ich hab' laut geschrieen und drei Purzelbäume geschossen..." - Es darf gelacht werden! Trotzdem dürfen wir bekennen: In dieser Richtung werden wir den Jubel über Gott und unser Heil suchen und finden.- Freude und Jubel sind sind keine netten Formen des Gefühls. Sie sind prägende Formen unseres christlichen Lebens.Uns allen gilt die prophetische Mahnung: "Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest!" (3)
Wir jammern manchmal: "Ich kann nicht mehr..." Oder: "Ich mag nicht mehr ...".- Es wird uns persönlich die unmißverständliche Mahnung gesagt:"Laß die Hände nicht sinken! Fange wieder an: zu dienen, zu arbeiten, zu beten!" Die prophetischen Ratschläge dürfen wir nicht still im Herzeaskämmerlein verstecken. Wir müssen sie klar, deutlich und froh weitersagen: "Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht!" (4) - Für diesen Neubeginn wird uns eine großartige Begründung gegeben: hier ist euer Gott!... Er selbst wird kommen und euch erretten." (4) -
Vor einigen Jahren hat ein Bänkelsänger eine dumme Katechese übergeben: "Mein liebes Kind: Der liebe Gott, der hat den Himmel zugemacht; ist abgereist; ist ganz weit weg und kümmert sich 'nen Dreck." (Biermann) Die Botschaft an uns ist ganz anders. Sie wird mit einem Wart der Überraschung eingeleitet: "Seht!" - Gott wird uns vorgestellt als sorgender. liebender und rettender Gott. Er ist "unser Gott". Jesus hat uns zu beten gelehrt: "Vater unser im Himmel." Die Auswirkungen unserer Rettung sind herrlich und wunderbar: "Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf." (5.6a) Der Ausblick der prophetischen Verkündigung ist groß und herrlich: "Die vom Herrn Befreiten kehren zurück und kommen voll Jubel nach Sion. Ewige Freude ruht auf ihren Häuptern, Wonne und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen." (19) -
2. Die Vollendung der Freude im Herrn.
Die wunderbare Prophetie des Jesaja hat Jesus, der menschgewordene Gottessohn, in der Geschichte der Welt begründet und vollendet.Im heutigen Evangelium (Mt 11, 2 11) wird uns zunächst Johannes der Täufer vorgestellt. Er hat Jesus als den erwarteten Messias und Retter verkündet. Er hat Jesus im Jordan getauft. Er hat die "Stimme aus dem Himmel", die Hochoffenbarung,gehört: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe."(Mt 3,17) Der große Johannes war jetzt im Kerker und mußte mit der schrecklichen Hinrichtung rechnen. Wir lesen im Evangelium: "In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" (11,2/3) -
Auf diese bange Frage gab Jesus einen weltgeschichtlichen Bescheid. Er wiederholte die Prophetie des Jesaja und erhöhte sie in göttlicher Größe: "Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und. Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium verkündet." (4/5) Bei diesen Versprechen geht es nicht nur um kurzfristige Heilung von uns geplagten, kranken, sterblichen Menschen. Es geht um eine herrliche! Umschreibung unseres Heiles.
Jesus verkündet: "Blinde sehen." Wir werden im Dunkel des Lebens und in der Finsternis der Geschichte die wahren Zusammenhänge erkennen und zur Hoffnung kommen.Ein uraltes, griechisches Wort für unsere Taufe heißt "Photismos" "Erleuchtung". Wir werden unser Leben, Leiden ,nd Sterben als Erleuchtete verstehen und dankbar annehmen. - Jesus verkündet: "Taube hören." - Wir werden im Geschrei und Getöse der Welt die beglückende Stimme Gottes hören. - Jesus verkündet: "Aussätzige werden rein." - Wir werden im Verfall der menschlichen Geschichte: und im Abbau unseres Lebens eine wunderbare Heilung erleben.
Jesus verkündet: "Lahme gehen." - Wir werden in der Ziellosigkeit der Weltgeschichte und in mancher Aussichtslosigkeit unseres Lebens die sicheren Wege Gottes erkennen. Wir werden auf diesen Wegen, die der Herr uns zeigt, stark und sicher zum ewigen Ziel kommen. -
Jesus verkündet: "Tote stehen auf." - Wir werden aus allen Zerstörungen der Welt zum unzerstörbanen Reich Gottes sicher kommen. Wir werden aus den Gräbern, aus der Verwesung, aus der Asche auferstehn zu einem neuen/glücklichen, ewigen Leben. - Jesus verkündet: "Den Armen wird das Evangelium verkündet." - Es geht nicht nur um eine gefühlvolle Religion oder um einige Grundsätze der Moral. Es geht um die Botschaft Gottes an uns, das heilige Evangelium.
Unser Heiliger Vater Benedikt hat eine Gruppe von Pilgern aus dem deutschen Sprachraum freundlich angesprochen: "Darum bitten wir voll Vertrauen, daß Gott selbst uns durch das Wirken des Heiligen Geistes zu immer besseren Zuhörern und zu immer mutigeren Verkündern der ungeteilten Botschaft Christi werden lasse."(24.O1.O7) Die Kirche zögert nicht, das Wort der Frohen Botschaft klar und deutlich in den Vordergrund zu stellen: "Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung Diener des Wortes zu sein: Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends." (NMI 40) Jesus verkündet uns allen ein Wort göttlicher Ermunterung und Verheißung: "Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt." (6) - Der erste Adressat der hohen Verheißung war Johannes der Täufer. In der schrecklichen Erwartung seiner Hinrichtung lag er im Kerker. Mit einem göttlichen Herrenwort stellte ihm der Erlöser ein übergroßes Zeugnis Aus: "Amen, ich sage euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer." (11) -
Wir alle sind eingeladen, die Worte des Evangeliums anzunehmen. Wir sind zu einer herrlichen Hoffnung berufen. Das Erlebnis der Hoffnung Wird uns bereiten für die Freude, den Jubel und das Jauchzen. - Vor einigen Tagen, am 30.Novernber 2007, hat unser Heiliger Vater "an alle Christgläubigen" eine neue Enzyklika "Über die christliche Hoffnung" geschrieben. Er hat auch die in den letzten vierhundert Jahren schreckliche Verfolgungen durchleiden mußten. Am 19.Juni 1988 wurden 117 Blutzeugen zu Heiligen der Weltkirche erhoben. Der heilige Märtyrer Paul Le-Bao Thin, konnte im Jahre 1857 einen Brief aus dem Konzentrationslager schmuggeln. Der Papst nennt ihn "Brief aus der Hölle". Der Märtyrer schreibt: "Ich, Paulus, Gefangener urn des Namens Christi willen möchte euch um die Drangsale wissen lassen, in die ich täglich eingetaucht bin, damit die Flamme der göttlichen Liebe entzündet und ihr mit mir den Lobgesang zu Gott erhebt: Ewig wäht sein Erbarmen. Dieser Kerker ist wirklich ein Bild der Hölle… Gott, der die drei Jünglinge aus dem Feuerofen befreit hat, ist mir immer nahe. Er hat auch mich befreit aus diesen Trübsalen und sie in Süßigkeit verwandelt: Ewig währt sein Erbarmen. Inmitten dieser Foltern, die gewöhnlich die anderen beugen und zerbrechen, bin ich dank Gottes Gnade voll Freude und Heiterkeit, denn ich bin nicht allein, sondern Christus ist mit mir…" -
Mit der ganzen Kirche dürfen wir heute beten: "Allmächtiger Gott, sieh gütig auf den Volk, das mit gläubigem Herzen das Fest der Geburt Christi erwartet. Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn."
Der wahre Hohepriester betet vor seinem Tod und seiner Auferstehung.
Johannes 17,1 - 11aDie Kirche verkündet uns an diesem österlichen Sonntag einige Worte aus dem Abschiedsgebet Jesu. Seit vielen Jahrhunderten wird es genannt: das "Hohepriesterliche Gebet".- Vor vierzig Jahren ist der große Theologe Romeno Guardini gestorben. Er hat klar bekennt: "Das Hohepriesterliche Gebet ist eines der heiligsten Stücke im Neuen Testament. Der Gläubige möge es mit der Kraft des Geistes und der Innigkeit des Herzens hören." - Wir verehren die Heilige Edith Stein als Mitpatronin unseres alten Europa. Sie wurde in Breslau als Jüdin geboren. Als junge Wissenschaftlerin feierte sie in Bad Bergzabern die Heilige Taufe. Sie entschied sich für die engere Nachfolge Christi im Karmel zu Köln. Sie wurde schließlich mit vielen jüdischen Frauen, Männern und Kindern im Vernichtungslager Auschwitz am 9.August 1942 ermordet. Von ihr stammt eine interessante Hinführung zum heutigen Evangelium: "Der Versöhnungstag ist das alttestamentliche Vorbild des Karfreitags. Einmal im Jahr, am größten und heiligsten Tag des Jahres, trat der Hohepriester in das Allerheiligste, vor das Angesicht des Herrn, um für sich, sein Haus und die ganze Gemeinde Israels zu beten… Einmal im Jahr durfte er unter dem tiefen Schweigen des Volkes, den Gottesnamen ausrufen, den niemand nennen durfte ... Einmal im Jahr durfte er mit Opferblut die Bundeslade besprengen, um den allheiligen Gott mit sich und dem sündigen Volk zu versöhnen." Diesen hohen Vorgang hat unser Herr Jesus Christus, als der wahre Hohepriester, in heilsgeschichtlicher Größe verwirklicht und vollendet: Er hat den Namen Gottes angerufen. Er hat für sich und seine Jünger gebetet. Er hat das wahre Opfer der Versöhnung zum Heil der Menschen eingeleitet, Wir sind eingeladen, diesen göttlichen Vorgang zu betrachten und unseren österlichen Glauben zu erneuern. -
1.) Jesus, der wahre Hohepriester, ruft den Namen Gottes an.
Wir lesen im Evangelium nach Johannes:"In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da." (1) -
Vor Jahrzehnten wurde in manchen Kirchen ein Lied gesungen: "Hier liegt vor deiner Majestät im Staub die Christenschar…" Das ist eine Erinnerung an die Liturgie im Tempel von Jerusalem, Der Hohepriester kam aus dem "Allerheiligsten". Dort war die Bundeslade mit den Gesetzestafeln aufbewahrt. Die vielen Juden warfen sich auf den Boden und legten ihre Stirnen in den Staub. Der Hohepriester rief den Gottesnamen Jahwe aus, den sonst niemand aussprechen durfte. Alles geschah unter dem tiefen Schweigen und Zittern des Volkes. Jesus, der neue Hohepriester, "erhob seine Augen zum Himmel..." Bei jeder Eucharistiefeier werden wir eingeladen: "Sursum corda!" -"Erhebet die Herzen!" Vor dem übergroßen und überguten Gott sollen wir uns nicht verstecken. Wir sind eingeladen, zu ihm voll Vertrauen emporzuschauen. Diese Grundhaltung drücken wir in einem Lied aus: "Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen..."(GL 462) - Dann sprach Jesus den unendlichen Gott an: "Vater". Die Anrede war voll Ergebenheit, voll Vertrauen, voll Liebe. - Der menschgewordene Gottessohn hat uns kleine, schwache, sündige Menschen aufgetragen zu beten: "Vater unser im Himmel..." Hier handelt es sich nicht um eine harmlose Gebetsformal, sondern um eine überraschende Anrede des unendlichen Gottes. Wir dürfen ihn ansprechen "mit kindlicher Kühnheit". Bei jeder Heiligen Messe bekennen wir: "Dem Wort unseres Herrn und Erlösers gehorsam und getreu seiner göttlichen Weisung wagen wir zu sprechen: Vater unser im Himmel..." -
2.) Jesus, der wahre Hohepriester, bittet für sich selbst.
"Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht."(1)
Bei der Hochzeit zu Kana sagte Jesus zu seiner Mutter Maria:"Erau, meine Stunde ist noch nicht gekommen."(Joh 2,4) Und jetzt gab er die weltgeschichtliche Erklärung: "Vater,die Stunde ist da." Der Herr verkündete die Stunde der Verhaftung, der Verurteilung, der Geißelung und der Kreuzigung.Und er bejubelte die Stunde der Auferstehung, des Sieges über die Sünde und der Herrschaft Ober den Tod.Und er sprach eine universale Bitte aus: "Verherrliche deinen Sohn!" (1) Wir können übersetzen: Zeige der Welt meine unendliche Größe, meine sieghafte Kraft, meine göttliche Liebe! Im gleichen Gebet sprach Jesus: "Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war." (5)
Im Großen Glaubensbekenntnis bekennen wir feierlich: "Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen." - Wir müssen uns persönlich die Frage stellen: Glaube ich wirklich an die göttliche Größe unseres Herrn Jesus Christus? Bekenne ich mich wirklich zu unserem universalen Herrn? - In der Osternummer der Zeitschrift "Der Spiegel" wurde in verrückter Weise über unseren Herrn geschrieben. Der Titel hieß: "Als Jesus noch ein Guru war. - Von der Christussekte zur Weltreligion." Im Text war zu lesen: "Der griechische Philosoph Kelsos nannte Jesus einen unehelichen Sohn. Die Jungfrauengeburt sei erfunden worden, um die abstoßenden Umstände seiner Herkunft zu verschleiern. Der Erlöser liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger, und er küßte sie oftmals auf ihren Mund." - "Zudem wird sie als 'koinonos', als Lebensgefährtin angesprochen." (Der Spiegel, 22.03.2008) - Nach diesen unsinnigen Sätzen dürfen wir das göttliche Zeugnis unseres Herrn hören:
3.) Jesus, der wahre Hohepriester,stellt sich dem Vater und der ganzen Menschheit vor.
Das Hohepriesterliche Gebet ist nicht nur ein Gebet an den allmächtigen Gott und Vater; es ist auch eine hohe Verkündigung an die Menschen aller Zeiten. Unmittelbar vor seinem Tod und seiner Auferstehung stellte Jesus seine göttliche Größe und universale Sendung vor. Er sprach von sich, dem ersehnten Messias und Erlöser: "Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt." (2)
Jesus ist nicht ein großer, guter, genialer Mensch gewesen, der nun schon lange tot ist. Er ist der lebendige Sohn Gottes. Er ist der Herr der Menschen aller Zeiten,Er ist kein schwacher Mensch in der Geschichte der Welt. Er ist der Träger göttlicher Macht. Er gibt den Menschen, die an ihn glauben, nicht nur kleine, milde, liebe Gaben. Er schenkt den sterblichen Menschen ewiges Leben: in Freude, Glück und Seligkeit. - In seinem Abschiedsgebet bekannte und verkündete Jesus einen neuen, universalen Vorgang: "Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast." (4)
Wir kennen die verschiedenen Ansätze der Verehrung Gottes in den Religionen auf unserer Erde. Wir wissen um die Formen der christlichen Gottesdienste. Wir sind dankbar für ihre festlichen, erhebenden und für Gott werbenden Formen. Wir bedauern aber euch gewohnheitsmäßige, flache und langweilige Feiern. - Das Auftreten Jesu in der Geschichte, seine Worte, seine Zeichen, seine Wunder: sie sind eine unerreichbare Verherrlichung Gottes. - Wir sind eingeladen, die Schlußworte des Hochgebetes mit Geist und Herz zu vollziehen: "Durch Christus und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alls Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit." In seinem Abschiedsgebet verkündete Jesus einen neuen, überragenden Vorgang: "Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist." (6/7)
Das hebräische Wort "Name" ist keine, harmlose Personenbezeichnung, sondern beinhaltet die Begriffe "Macht", "Besitz", "Herrschaft". Wir wissen urn die Machtverhältnisse auf unserer Erde. Wir kennen die Köngsherrschaften, die Demokratieen, die Diktaturen, - um nur einige zu nennen. Jesus hat die Gottesherrschaft ausgerufen und begonnen. Wir sind bereits aufgenommen in die Herrschaft des großen und lieben Gottes. Denn wir sind getauft auf die Herrschaft: "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." - In seinem Abschiedsgebet bekannte Jesus vor Gott und der Menschheit seinen göttlichen Auftrag: "Denn die Worte, die du mir gegeben hat, gab ich ihnen..." (8)
Jesus hat nicht nur schöne Geschichten erzählt oder fromme Sätze gesprochen. Er hat uns die unüberbietbare Botschaft Gottes geschenkt. Die Annahme des Wortes und die Weitergabe des Evangeliums sind die "vorrangigen Aufträge für die Kirche" heute und morgen, - Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat zu beten gelehrt: "Jesus, Gottes Kraft und Weisheit, entzünde in uns die Liebe zu den Göttlichen Schriften, in denen die Stimme des Vaters widerhallt, die erleuchtet und entflammt, nährt und tröstet. Du, Wort des lebendigen Gottes, erneuere in deiner Kirche den missionarischen Impuls, damit alle Völker dich erkennen, wahren Gottessohn und wahren Menschensohn, einzigen Mittler zwischen dem Menschen und Gott. Lob und Ehre sei dir, Christus, heute und in alle Ewigkeit." -
4.) Jesus, der wahre Hohepriester,betet für seine Jünger.
Vor seinem Tod und seiner Auferstehung betete Jesus für alle, die sein Wort angenommen haben und zum Glauben gekommen sind. Er sprach liebevoll zum Vater: "Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast." (9) - "Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir." (11)
Jesus wusste, seine Gläubigen müssen in der "Welt" leben. Damit ist nicht eine schöne Landschaft oder eine unschöne Umgebung gemeint. "Welt": das sind die gottfeindlichen und christusablehnenden Menschen und Systeme. In aller Bedrängnis, Ablehnung und Verfolgung söllen die Christen wissen: Herr, wir gehören dir. Wir danken dir und loben dich. - In seinem Hohepriesterlichen Gebet hat uns der Herr einen überzeitlichen Grundsatz geschenkt: "Das ist das ewige Leben; dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast." (3) -
Blaise Pascal war ein großer Naturwissenschafter und Mathematiker. Nach seinem Tod fand man einen alten, zerknitterten Zettel, der in seinem Rock eingenäht war. Die schnell hingekritzelten Worte sind ein Zeugnis einer hohen Gotteserfahrung: "Im Jahr des Heiles 1654. Montag,den 23. November... von etwa zehneinhalb Uhr abends bis etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht. Feuer! Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs - nicht der Philosophen und Weisen. Gewissheit, Gewissheit, Freude und Friede. - Der Gott Jesu Christi. Vergessen der Welt und alles außer Gott. Er ist nur auf den Wegen zu finden, die das Evangelium lehrt. Heiliger Vater, die Welt hat dich nicht erkannt; aber ich habe dich erkannt. Freude, Freude, Freude, Tränen der Freude. - Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen, wahren Gott zu erkennen und den du gesandt hast: Jesus Christus, Jesus Christus, Jesus Christus." -
Wir dürfen dieses Zeugnis dankbar annehmen. Es ist eine großartige Hinführung.zum Verständnis des Hohepriesterlichen Gebetes Jesu.- In einer Woche feiern wir den dritten Höhepunkt des österlichen Ereignisses: das hohe Pfingstfest. - Wir kennen das Lied: "Nun bitten wir den Heiligen Geist..." Der große Franziskanerprediger Berthold von Regensburg,hat es im 14. Jahrhundert gedichtet. Seine Impulse wurden im Lauf der Geschichte öfters erneuert.In einer neuen Strophe werden wir eingeladen, einige grundsätzliche Anliegen des Hohepriesterlichen Gebetes Jesu, betend und flehend dem Heiligen Geist zu übergeben: "Du heller Schein, du lebendig Licht, Geist des Herrn, der unsre Nacht durchbricht. Lass uns Gott erkennen, ihn Vater nennen und uns von Christus nimmermehr trennen. KYRIELEIS!" -
Wir feiern das Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Bei diesem Ereignis geht es nicht nur um eine feierliche Erinnerung an zwei große Persönlichkeiten. Es geht um die Kirche: die sehr menschliche, sündige, heilige Kirche.- Vor einem Jahr hat unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI. erklärt: "Petrus hat die erste Gemeinschaft der Christen gegründet, die aus dem auserwählten Volk stammten; Paulus wurde der Apostel der Heiden. Mit verschiedenen Charismem arbeiteten sie beide für den gleichen Zweck: für den Aufbau der Kirche Christi." (28.06.2008) - Mit dem Eröffnungsvers der heutigen Eucharistiefeier dürfen wir heute singen: "Die Apostel Petrus und Paulus haben die Kirche begründet; sie haben den Kelch des Herrn getrunken, nun sind sie Gotte Freunde." - Heute dürfen wir noch ein weiteres Gedächtnis dankbar feiern: Unser Heiliger Vater hat der ganzen Kirche auf dem Erdkreis geschrieben: "Ich freue mich, offiziell erklären zu dürfen, daß wir dem Apostel Paulus von 28. Juni 2008 bis zum 29. Juni 2009 ein besonderes Jubeljahr widmen werden, anläßlich der Zweitausendjahrfeier seiner Geburt, die von den Geschichtswissenschaftlern zwischen 7 und 10 nach Christus angesetzt wird." - Wir sind eingeladen, die überragende Sendung der beiden Apostel dankbar zu erkennen. Wir sind auch gerufen,die Worte und Zeugnisse der Apostel in der Kirche und Welt Von heute mutig zu verwirklichen. -
1.) Der Apostolische Dienst des Heiligen Petrus.
Simon, der Sohn eines Jona, stammte aus Bethsaida. Er hatte keine Hochschulbildung. Er war einfacher Fischer. Für Jesus von Nazareth zeigte er Sympathie. Er folgte ihm nach.- Im Evangelium wird uns heute ein Höhepunkt im Leben des Simon und der ganzen Kirche verkündet:
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsaren Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm; Selig bist du Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was dur auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein," (Mt 16, 13-19)
Es war also in der Nähe von Caesarea Philippi. Die Juden haben diese Garnisonsstadt der römischen Besatzer gehasst und gemieden. Dort stellte Jesus die Frage n!ch seiner Identität. Verhalten antworteteten die Jünger mit den Aussagen der anderen Leute. Vor der Kulisse der großen Welt forderte Jesus ein persönliches Bekenntnis: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"- Jetzt bekannte Simon: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes." - In seiner Botschaft zum Paulusjahr hat unser Papst festgestellt: "Petrus hat als erster den Glauben an Christus bekannt." - Jesus antwortete mit einer wunderbaren Anerkennung: "Selig bist du, Simon Barjona." - Und dann sprach er ein Herrenwort weltgeschichtlicher Größe und Bedeutung: "Ich aber sage dir: Du bist Petrus,ddr Fels - , und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen..." Im Wissen um die künftige Ablehnung, Bedrängnis und Verfolgung der Kirche, gab Jesus eine österliche Perspektive des göttlichen Sieges: "...und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." Der Herr verkündete Petrus noch ein Wort heilsgeschichtlicher Größe: "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben..." Mit dem Auftrag zu binden und zu lösen übergab der Herr einem schwachen Menschen eine globale Vollmacht. - Durch die Taufe gehören wir der Kirche an. Wir dürfen dankbar und stolz sein. Wir dürfen auch hoffen und beten, dass sich viele Menschen der Kirche bewusst anschließen. - Der heilige Petrus von damals trägt heute den Namen Benedikt XVI. Viele Gläubige unseres Landes kennen ihn persönlich: aus Marktl, aus Traunstein, aus München. Wir sind aufgerufen, ihm in den Wirren der Zeit die Treue zu halten. Wir sind eingeladen, in den Auseinandersetzungen der Zeit sein Wort dankbar anzunehmen. In allen Krisen unseres persönlichen Lebens und der Weltgeschichte dürfen wir auf den endgültigen Sieg Christi und seiner Kirche vertrauen.
2.) Der Apostolische Dienst des Heiligen Paulus.
Saulus, ein intelligenter Auslandsjude, wurde in Tarsus geboren. Er studierte in Jerusalem. Gamaliel war sein großer Lehrer. In seinem jugendlichen Eifer für das heilige Gesetz der Juden und die Überlieferungen der Väter reifte er zum Verfolger der ersten, christlichen Gemeinde. Auf seinem Weg nach Damaskus, wo er die Gemeinde ausrotten wollge, "umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul,warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst" (Apg 9,3-5) Nach seiner Bekehrung reifte Paulus zum Verkünder des Evangeliums. In seiner Botschaft zum Paulusjahr schreibt unser Heiliger Vater: "Er wurde auserwählt, um das Evangelium Gottes zu verkünden (Röm 1,1), um die göttliche Gnade zu proklamieren, "die den Menschen in Christus mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen versöhnt."- Die Kirche verkündet uns heute die letzten Sätze aus dem Zweiten Brief des Apostels an seinen Mitarbeiter und Freund Timotheus. Sie sind Worte der Ermunterung an einen idealen, jedoch in Krise geratenen Verkünder. Die Worte sind ein persönliches Testament. Sie gelten uns allen: heute und immer.-
Mein Sohn!Ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten. Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen (2 Tim 4,6-8.17-18)
Der heilige Paulus lag also wieder in einem antiken Kerker. Sein junger Mitarbeiter war enttäuscht und setzte sich von seinem Meister ab. Die Dienste der Verkündigung waren plötzlich gefährlich. Und so setzte er sich von ihnen ab.- Der Apostel musste eingreifen. Im Elend des Kerkers kritzelte er einen Brief. Die Mahnungen sind überzeitlich: "Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen!..."(1,8) - "Schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin!"(1,9) "Entfache die Gnade Gottes wieder!" (1,6) - "Du aber sei in allem nüchtern, ertrage des Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!" (2 Tim 4,5) - Um seinen Mitarbeiter zu festigen, gab der Apostel einige Einblicke in seine eigene, oft harte Lebensgeschichte: "Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendetwird und alle Heiden sie hören.. (2 Tim 4,17) - Nach den schrecklichen Weltkriegen, nach den unzähligen Auseinandersetzungen der Völker, im Blick auf die Not, den Hunger und das Elend vieler Menschen, bekennt die Kirche ihren grundsätzlichen Auftrag. Zu Beginn seines Petrusdienstes hat unser Heiliger Vater in St. Paul vor den Mauern erklärt: "Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, ihre vorrangige Aufgabe ist die Evangelisierung." (25.04, 2005) Getreu diesem Weltprogramm wird er noch in diesem Jahr, am 05.10.2008, eine Bischofssynode eröffnen. Das große Theme für die Weltkirche ist bereits ausgerufen: "Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche." - Es ist der unverzichtbare Auftrag der Christen, das Evangelium heute zu verkünden und in die Sprache der Menschen zu übersetzen. - Die Kunst der faszinierenden Weitergabe des Evangeliums müssen die Beauftragten immer neu lernen; die Priester, die Diakone, die Katecheten,die Erzieher, die Kindergärtnerinnen, die Eltern und alle Bezugspersonen. Die Botschaft Jesu muss auch täglich bezeugtwerden. Die suchenden Menschen müssen die Praxis der Worte Gottes sehen und erleben können. - Zu allen Zeiten der Geschichte hat es auch Christen gegeben, die das Evangelium mit ihrem Leben bezeugt haben. Gerade in den letzten hundert Jahren sind viele Christen Blutzeugen des Glaubens geworden. Sie sind sicher treue Garanten für einen Neubeginn des Evangeliums. In seinem Weltaufruf zum Paulusjahr hat unser Heiliger Vater unmissverständlich erklärt: "Liebe Brüder und Schwestern! Wie zu Beginn braucht Christus auch heute Apostel, die bereit sind, sich selbst zu opfern. Er braucht Zeugen und Märtyrer wie den heiligen Paulus. Er lebte und arbeitete für Christus; für ihn litt er und ist gestorben. Wie zeitgemäß ist doch heute sein Vorbild!" Wir bitten den Herrn um die Kraft des Geistes und des Wortes, damit wir die Neuevangelisierung der Menschheit tapfer und froh mittrageh. Ohne Angst und Resignation dürfen wir arbeiten, bis wir mit dem Apostel Paulus bekennen dürfen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten..."(7) - "Der Herr wird mich allem Bösen entreissen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen." (18) - Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat uns ein Gebet voll österlicher Zuversicht übergeben:
"Jesus, Gottes Kraft und Weisheit, entzünde in uns die Liebe zur Heiligen Schrift, in der die Stimme des Vaters widerhallt, die erleuchtet und entflammt, nährt und tröstet. Du, Wort des lebendigen Gottes, erneuere in deiner Kirche den missionarischen Impuls, damit alle Völker dich erkennen, den wahren Gottessohn und wahren Menschensohn, den einzigen Mittler zwischen Gott und dem Menschen. Lob und Ehre sei dir, Christus, heute und in Ewigkeit."